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Roman Protasewitsch Das ist der Blogger, der in Minsk festgenommen wurde

Weißrusslands Diktator Alexander Lukaschenko lässt ein Flugzeug mit dem oppositionellen Journalisten Protasewitsch an Bord nach Minsk umleiten. Die EU droht mit Sanktionen.
24.05.2021 - 15:53 Uhr Kommentieren
Der Blogger ist in seiner Heimat unter anderem wegen Anstiftung zu Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko zur Fahndung ausgeschrieben. Quelle: imago images/NurPhoto
Roman Protasewitsch

Der Blogger ist in seiner Heimat unter anderem wegen Anstiftung zu Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko zur Fahndung ausgeschrieben.

(Foto: imago images/NurPhoto)

Berlin Am Ende war es tatsächlich eine Bombe. Allerdings nicht die Bombe, die angeblich an Bord des Ryanair-Flugs FR4978 von Athen in die litauische Hauptstadt Vilnius gelegen haben soll, sondern eine politische: Wegen eines angeblichen Alarms war die Boeing-737 am Sonntag kurz vor Erreichen der Staatsgrenze zu Litauen von einem weißrussischen Abfangjäger zur Zwangslandung in Minsk umgeleitet worden.

Spürhunde konnten allerdings kein Sprengmaterial erschnüffeln. Stattdessen wurden der weißrussische Oppositionelle Roman Protasewitsch und seine russische Freundin Sofija Sapega festgenommen, die sich an Bord befunden haben.

In der Folge berieten am Montag die Staats- und Regierungschefs der EU über neue Sanktionen gegen das Regime des weißrussischen Diktators Alexander Lukaschenko, der persönlich den Befehl zur erzwungenen Landung der Zivilmaschine der Fluggesellschaft Ryanair gegeben hatte.

Protasewitsch lebte in Vilnius im Exil und wurde in seiner Heimat Weißrussland per Haftbefehl gesucht. Die dortigen Behörden werfen ihm den Aufruf zu Massenunruhen und Terrorismus vor, wodurch ihm sogar die Todesstrafe droht.

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    Noch an Bord kämpfte Protasewitsch um sein Leben: Als der Pilot über Bordlautsprecher die erzwungene Umleitung der Maschine nach Minsk bekannt gab, rief er einer Stewardess zu: „Machen Sie das nicht, ich bin Flüchtling aus Weißrussland. Die bringen mich da um.“ Nachdem die Flugbegleiterin mit dem Piloten gesprochen hatte, habe sie laut einer Passagierin auf dem Flug zu dem Dissidenten gesagt: „Wir müssen da landen, wir haben keine andere Wahl.“

    Protasewitsch war Chefredakteur von „Nexta“

    Protasewitsch, 26 Jahre alt, betreibt den Internetkanal „Weißrusslands Gehirn“ und war bis September 2020 Chefredakteur von „Nexta“. Das Projekt hatte zu Spitzenzeiten über zwei Millionen Abonnenten und war für die Proteste nach der gefälschten Wiederwahl Lukaschenkos im vergangenen Sommer von zentraler Bedeutung. Über den Telegram-Kanal von „Nexta“ koordinierten die Protestierenden ihr Vorgehen.

    Als Lukaschenko nach den Massenprotesten Tausende verhaften und in Gefängnissen brutal misshandeln ließ, setzten sich Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja und Protasewitsch nach Vilnius ab, oppositionelle Medien ebenfalls – und ins benachbarte Polen. Als Maria Kolesnikowa, die bis zuletzt im Land verbliebene Oppositionschefin, die einst in Stuttgart studierte, ebenfalls fliehen wollte, wurde sie vom weißrussischen Geheimdienst aus dem Auto gezerrt und verhaftet.

    Die in Weißrussland inhaftierte Oppositionsführerin Kolesnikowa wird für ihren Kampf um die Demokratie mit dem Menschenrechtspreis 2021 der Baum-Stiftung geehrt. Quelle: dpa
    Maria Kolesnikowa

    Die in Weißrussland inhaftierte Oppositionsführerin Kolesnikowa wird für ihren Kampf um die Demokratie mit dem Menschenrechtspreis 2021 der Baum-Stiftung geehrt.

    (Foto: dpa)

    Protasewitsch hatte derweil schon im Urlaub in Griechenland Freunden mitgeteilt, dass er beobachtet werde. Das sollte sich am Ende bewahrheiten. Denn als die Ryanair-Maschine zum Weiterflug aus Minsk nach Vilnius abhob, blieben neben Protasewitsch und seiner Freundin auch drei weitere Menschen in Minsk, vermutlich Agenten des Geheimdienstes. „Wir vermuten, dass auch einige KGB-Agenten am Flughafen (in Minsk) abgeladen wurden“, bestätigte Ryanair-Chef Michael O’Leary einem irischen Radiosender.

    Es handele sich um einen „Fall von staatlich unterstützter Entführung, von staatlich unterstützter Piraterie“. Vor allem sei es eine finale Einschüchterung aller Andersdenkender, dass sie nicht einmal mehr im Exil sicher seien, sagte Tichanowskaja. „Seit heute“, so schrieb sie auf Facebook, „ist sogar niemand mehr sicher, der über Weißrussland fliegt.“

    Mehr: „Staatlich unterstützte Piraterie“ – Ryanair-Chef vermutet KGB-Agenten an Bord von umgeleiteter Maschine.

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