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Roman Protasewitsch Keine Spur von festgenommenem Blogger in Minsk

Zum Verbleib des Oppositionellen Roman Protasewitsch gibt es weiterhin keine offiziellen Angaben. Dem Aktivisten soll schnell klar geworden sein, dass die Aktion ihm gilt.
24.05.2021 - 13:15 Uhr Kommentieren
Der Blogger ist in seiner Heimat unter anderem wegen Anstiftung zu Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko zur Fahndung ausgeschrieben. Quelle: Reuters
Roman Protasewitsch

Der Blogger ist in seiner Heimat unter anderem wegen Anstiftung zu Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko zur Fahndung ausgeschrieben.

(Foto: Reuters)

Athen, Vilnius, Minsk Auch einen Tag nach der erzwungenen Landung einer Passagiermaschine in Weißrussland gibt es zum Verbleib des festgenommenen Oppositionsaktivisten und Bloggers Roman Protasewitsch keine offiziellen Angaben.

Mehrere Passagiere des Ryanair-Flugs bestätigten Medien in Litauen nach ihrer Landung die Festnahme des 26-Jährigen. Protasewitsch, der in seiner Heimat unter anderem wegen Anstiftung zu Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko zur Fahndung ausgeschrieben war, kam am Sonntag auf dem Flughafen in Minsk in Haft. Das teilten auch der weißrussische Journalistenverband und die Menschenrechtsorganisation Wesna mit.

Die Behörden in Weißrussland hatten am Sonntag den Boeing-Flieger von Ryanair auf dem Weg von Griechenland nach Litauen zur Landung gezwungen. Die Piloten der Ryanair-Maschine mit 170 Insassen an Bord wurden wegen eines mutmaßlichen Bombenalarms zum Beidrehen gedrängt, ein Militärjet eskortierte sie zum Flughafen Minsk in Weißrussland.

Es sei bei der Notlandung schnell klar geworden sein, dass die Aktion Protasewitschs gilt. Das berichtete am Montag ein Passagier dem griechischen TV-Sender Mega. „Als ich hörte, dass das Flugzeug nach Weißrussland zurückkehrt, sah ich seine Reaktion. Er legte die Hände über den Kopf, als wüsste er, dass etwas Schlimmes passieren würde“, gab der Grieche Nikos Petalis per Videoschalte aus Vilnius zu Protokoll. Protasewitsch habe gleich verstanden, dass die Notlandung ihm gilt.

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    Petalis habe in der Nähe des Aktivisten gesessen. Dieser sei verängstigt gewesen. „Man hat ihn angesehen und gedacht, irgendetwas ist nicht in Ordnung mit ihm.“ Anschließend aber sei Protasewitsch ruhiger geworden. „Uns wurde nur gesagt, wir müssten in Minsk notlanden.“ Dann hätten die Passagiere ohne weitere Informationen eine Stunde im Flieger ausharren müssen. Er selbst habe gedacht, es handele sich womöglich um eine Art Notfallübung, sagte Petalis.

    „Später haben wir im Wartebereich des Flughafens gesessen. Sie haben uns nicht einmal auf die Toilette gelassen. Protasewitsch saß neben mir, als ob nichts geschehen sei. Nach einer Weile kamen Polizisten und nahmen ihn fest.“ Die Passagiere hätten einen Horrorfilm erlebt, bilanzierte Petalis.

    Nicht nur Geheimdienste verantwortlich?

    Protasewitschs Vater Dmitri zeigte sich im Interview des weißrussischen Radiosenders Radio Swoboda überzeugt, dass es sich um eine sorgfältige Operation „wahrscheinlich nicht nur von den Geheimdiensten von Weißrussland“ handelte. Russland ist enger Verbündeter von Weißrussland.

    Sein Sohn war demnach auf der Rückreise von einem Griechenlandurlaub in die litauische Hauptstadt Vilnius, als Lukaschenko das Flugzeug zur Landung zwingen ließ. Er selbst habe nicht gewusst, wann sein Sohn fliege. Der 26-Jährige betreibt den Internet-Kanal „Weißrusslands Gehirn“ und war bis September 2020 Chefredakteur von „Nexta“. Das Projekt hatte zu Spitzenzeiten über zwei Millionen Abonnenten und war für die Proteste nach der gefälschten Wiederwahl Lukaschenkos im vergangenen Sommer von zentraler Bedeutung. Über den Telegram-Kanal von „Nexta“ koordinierten die Protestierenden ihr Vorgehen.

    Dmitri Protasewitsch sprach von einem „Terrorakt“ des Machthabers Lukaschenko. „Die Operation hatte ein großes Ausmaß, um auf die gesamte internationale Gemeinschaft zu spucken und auf deren Meinung“, sagte Dmitri Protasewitsch. Lukaschenko gilt als „letzter Diktator Europas“. Die EU erkennt ihn seit der umstrittenen Präsidentenwahl vom 9. August nicht mehr als Staatschef an. Die EU forderte auch die sofortige Freilassung Protasewitschs.

    „Wir sind sehr besorgt um unseren Sohn“, sagte Protasewitsch. „Leider wissen wir nicht, wo er ist und was mit ihm ist. Wir hoffen auf das Beste.“ Über den Vorfall und mögliche Sanktionen gegen Weißrussland soll bei einem ohnehin geplanten EU-Sondergipfel beraten werden, der am Montagabend beginnt.

    Mehr: „Staatlich unterstützte Piraterie“ – Ryanair-Chef vermutet KGB-Agenten an Bord von umgeleiteter Maschine

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