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Rückschlag für EU-Pipelineprojekt Ungarn schlägt sich auf Russlands Seite

Die Ungarn wollten Taten sehen – doch die folgten nicht. Nun zieht Budapest die Konsequenzen. Statt auf die EU setzt die Regierung auf Russland. Gemeinsam mit dem Staatskonzern Gazprom will das Land einen weiteren Zugang für russisches Gas nach Europa bauen. Der Schulterschluss hat weitreichende Auswirkungen.
Gaspipeline in Russland: Ungarn setzt auf eine Zusammenarbeit mit Gazprom. Foto: dpa Quelle: dpa

Gaspipeline in Russland: Ungarn setzt auf eine Zusammenarbeit mit Gazprom. Foto: dpa

(Foto: dpa)

HB DÜSSELDORF. Ungarn hat das EU-Projekt einer Gaspipeline vom Kaspischen Meer bis nach Österreich auf die lange Bank geschoben und setzt statt dessen auf eine Leitung des russischen Staatskonzerns Gasprom. Die geplante europäische Pipeline Nabucco sei ein lang gehegter Traum, „aber wir brauchen keine Träume, sondern Projekte“, sagte Ungarns Premier Ferenc Gyurcsany. Daher mache er sich jetzt für eine Verlängerung der Gazpromröhre „Blue Stream“ von der Türkei bis nach Ungarn stark. Hinter Blue Stream stecke „starker Wille und beträchtliche organisatorische Kraft“, argumentierte der Premier in einem Interview mit der International Herald Tribune.

Gyurcsanys Schulterschluss mit Russland versetzt der EU-Energiepolitik einen herben Schlag. Nabucco gilt als ein Ansatz, sich mit Rohstoffen aus der kaspischen Region ein Stück weit aus der Abhängigkeit von Russland zu lösen. Wird Gyurcsanys Plan Realität erhält Moskau neben den alten Routen über die Ukraine und Weißrussland sowie der geplanten Ostseepipeline einen weiteren Zugang auf den europäischen Markt.

Erst vor wenigen Tagen hatten die Staats- und Regierungschefs der EU Nabucco zu einem von vier „vorrangigen Projekten“ beim Ausbau des europäischen Leitungsnetzes erklärt. Die EU-Kommission wurde beauftragt, einen Koordinator zu ernennen, der das Projekt beschleunigen soll. „Nabucco ist für die EU sehr wichtig", sagte gestern ein Sprecher von Energiekommissar Andris Piebalgs. Ziel sei es, Gas aus Zentralasien in die EU zu transportieren, und zwar über eine andere Route als die bestehenden Pipelines aus Russland. Er räumte ein, das Vorhaben sei wegen der Beteiligung von fünf Ländern schwierig.

Vor allem Polen und die Balten warnen vor einer zu großen Abhängigkeit von russischer Energie. Sie fürchten, dass Russlands Präsident Wladimir Putin den Energiereichtum seines Landes als Druckmittel missbraucht. Die Expansionsstrategie russischer Energiekonzerne habe das Ziel, Europa noch abhängiger zu machen, warnen sie.

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