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Rüstungsprojekt Partner feiern Start des neuen Luftwaffensystems FCAS

In Paris unterschreiben die Verteidigungsministerinnen Deutschlands, Frankreichs und Spaniens die ersten Verträge für das Kampfflugsystem der Zukunft.
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Politiker und Manager feiern die Vertragsunterzeichnung. Quelle: AP
Offizieller Start des neuen Rüstungsprojekts

Politiker und Manager feiern die Vertragsunterzeichnung.

(Foto: AP)

Le Bourget Ein Windstoß stört die Zeremonie zum Start des europäischen Luftkampfsystems FCAS: Die Hülle über dem neuen Flugzeug fliegt fast weg, noch bevor die drei Verteidigungsministerinnen und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron überhaupt Platz genommen haben auf der Ehrentribüne.

Mit geballter Muskelkraft halten Mitarbeiter von Dassault die Plane fest. Musik setzt ein, dann schauen der Präsident sowie die Verteidigungsministerinnen Ursula von der Leyen (Deutschland), Florence Parly (Frankreich) und Margarita Robles (Spanien) zu, wie ein bis zu 50 Milliarden Euro teures Stück Technik enthüllt wird, und unterschreiben die in rotes Leder gebundenen Rahmenabkommen und Machbarkeitsstudien.

Zu sehen ist auf der Paris Air Show in Le Bourget allerdings nur ein graues Holz- und Plastikmodell ohne Glaskuppel. „Nehmen Sie das nicht so ernst“, sagt ein französischer Luftwaffengeneral, „wir wissen ja noch nicht, welche Techniken zum Einsatz kommen, deshalb wissen wir erst recht nicht, wie das Flugzeug aussehen wird.“ Aber man kann wohl schlecht Verträge unterschreiben, ohne der Öffentlichkeit einen Anhaltspunkt zu geben, um was es geht.

Das „Future Combat Air System“ (FCAS) ist nicht allein ein Flugzeug, sondern es soll ein Verbund aus unterschiedlichen Kampfmitteln werden. Den neuen Jet sollen Drohnen verschiedener Größe begleiten. Und statt Bomben zu tragen, sollen diese als eigene Raketen neben ihm fliegen können, gesteuert oder auch in einem Schwarm, der sich selbst steuert. In Le Bourget zeigten Airbus und MBDA erste Modelle für diese halbautonomen Missiles.

„Das ist ein sehr wichtiger Tag für die Erneuerung der deutschen und der französischen Luftwaffe, für die europäische Verteidigung und auch für die europäische Industrie“, sagt von der Leyen am Stand von Dassault. Das neue Kampfflugsystem werde „sehr große Impulse auch für die zivile Luftfahrt“ geben, gibt sich die Ministerin sicher.

Etwas diffuser wurde sie bei der Frage nach den gemeinsamen Exportregeln, an denen Deutschland und Frankreich seit dem vergangenen Jahr arbeiten. Sie könnten bald vereinbart werden, hieß es noch am Freitag bei einem Briefing des Élysée. Man kehre zurück zu dem Schmidt-Debré-Abkommen aus den 70er-Jahren: Kein Partnerland hindere das andere, wenn es eine Ausfuhr vorhabe.

Doch von der Leyen schob die Lösung am Montag in die ferne Zukunft. „Wir brauchen europäische Regeln, da das FCAS ein europäisches Projekt ist.“ Das Kampfflugsystem werde ohnehin erst 2040 einsatzreif sein. Die „Armee der Europäer“ werde in den nächsten Jahren immer enger zusammenwachsen. Das werde auch zu gemeinsamen Beschaffungs- und Exportregeln führen. Allerdings wird es nicht einfacher, wenn sich nicht nur Deutsche und Franzosen, sondern alle Europäer einigen sollen.

Für die Koalition in Berlin sind die Exportregeln ein Problem: Die Union würde Frankreich, das alle Freiheiten für eigene Exportentscheidungen haben möchte, gern entgegenkommen. Doch die SPD ist strikt dagegen. „Ihr habt ja offenbar ein Problem in der Koalition“, sagen französische Regierungskreise schicksalsergeben.

Tatsächlich haben die Nationen nicht mehr viel Zeit für eine Einigung auf die Ausfuhrbestimmungen. Denn ohne die Möglichkeit zum Export wird FCAS nicht zu finanzieren sein, das haben die Industriellen von Anfang an gesagt. Es sei auch unsinnig, Milliarden an Steuergeldern für ein Waffensystem aufzuwenden, das man hinterher nicht liefern dürfe.

Schon 2026 sollen die Demonstratoren, also die Vorstufe der fertigen Kampfjets und unbemannten Begleitflieger, zum ersten Mal abheben, gaben Dassault Aviation und Airbus am Montag bekannt. Der französische und der deutsch-französisch-spanische Konzern kooperieren bei dem Projekt.

Ehrgeizige Frist

Die Frist 2026 ist äußerst ehrgeizig, selbst wenn es nur um Demonstratoren geht. „Das zeigt, wie viel Druck da jetzt drauf ist“, sagt ein Airbus-Mitarbeiter. 2040 sollten die in Serie gefertigten Exemplare ausgeliefert werden.

Die Industriellen unterschrieben nach den Ministerinnen ein Angebot für den Bau von Demonstratoren. Der Ablauf ist grob gesagt so: Bis Ende 2020 wird die 65 Millionen Euro kostende Machbarkeitsstudie vorliegen und darstellen, wie das Gesamtsystem sowie die industrielle Organisation aufgebaut sein können. Auf deren Grundlage werden die Staaten entscheiden, ob sie FCAS tatsächlich bauen wollen. In dem Moment müssten dann schon sehr viel höhere Beträge zugesagt werden.

Parallel zu der Studie gehen Dassault und Airbus voran. Ihr gemeinsames Angebot werden der deutsche und der französische Staat nun prüfen. Federführend ist dabei die französische Rüstungsagentur DGA. Diese Detailstudie soll bereits konkreten Aufschluss darüber geben, welche Techniken bei FCAS zum Einsatz kommen. Gleichzeitig haben sich die Industriellen über die Regeln für das geistige Eigentum geeinigt.

Dassault und Airbus bezeichnen ihr Angebot als „Startpunkt für Demonstratoren und Technikentwicklungen für ein Kampfflugzeug der neuen Generation (NGF), Begleitflieger oder Remote Carrier (RC) und eine Cloud für den Luftkampf (ACC)“.

Es seien verschiedene Absprachen mit weiteren Unternehmen wie MBDA (Waffensysteme) und Thales (Elektronik und Künstliche Intelligenz) enthalten. Dabei gehe es um die Modalitäten der Zusammenarbeit und kommerzielle Vereinbarungen. Parallel dazu arbeiteten die französische Safran und die deutsche MTU an einem neuen Motor für den Kampfjet.

„Wir haben in den vergangenen Monaten bemerkenswerte Fortschritte in der Zusammenarbeit gemacht“, unterstrich Eric Trappier. FCAS werde Europas wichtigstes Luftkampfprogramm der kommenden Jahrzehnte sein „und eine starke Bewegung beim Aufbau der europäischen Souveränität“ bringen.

Sein Airbus-Kollege Dirk Hoke ergänzte, er sei sehr zufrieden über das Maß an Vertrauen und Partnerschaft, das mit Dassault erreicht worden sei. Man sei sich einig über eine gemeinsame Entscheidungsfindung, eine klare Governance und eine gemeinsame Vorbereitung sowie eine Verhandlung über die erste Demonstratoren-Phase. Beide Unternehmen erwarteten einen Vertrag dafür im vierten Quartal dieses Jahres.

Macron war am Morgen in einem Airbus-MRTT-Kommandoflugzeug eingeschwebt. Er ließ sich gemeinsam mit den drei Ministerinnen und mehreren Abgeordneten des Bundestags auf dem Freigelände vorführen, was Europas Rüstungsindustrie bereits heute zu bieten hat. Zwei Airbus-Militärhubschrauber zeigen ihre Flugakrobatik.

Dann donnert eine Rafale, Frankreichs Kampfflugzeug, mit gezündeten Nachbrennern über das Flugfeld, fliegt Loopings, lässt sich senkrecht gen Boden fallen und wird vom Piloten mit einem schraubenförmigen Manöver abgefangen. Dass es auch etwas ohrenschonender geht, führen dann zwei zivile Airbus-Exemplare vor.

Der Präsident setzt anschließend im abgedunkelten Dassault-Pavillon eine Brille für virtuelle Realität auf, um neueste Software auszuprobieren. Dann klettert er in einen Rafale-Simulator. Französische Politiker haben keine Berührungsängste, wenn es um Militärtechnik geht. „Herr Präsident, Sie fliegen jetzt mit 1000 km/h unter dem feindlichen Radar durch, ihre Rafale ist bewaffnet mit der neuen Meteor-Rakete mit doppelter Reichweite“, sagt ein Dassault-Mitarbeiter, während Macron sich noch im Pilotensitz zurechtruckelt. Auf der Leinwand rauscht eine felsige Landschaft vorbei, der virtuelle Jet dreht sich nach links und nach rechts und wirkt, als flöge er knapp über dem Boden.

Nach der Vorführung schüttelt Macron gut gelaunt ein paar Hände. „Herr Präsident, haben Sie sich mit den Deutschen schon auf gemeinsame Exportregeln verständigt?“, fragen wir ihn. Macron lächelt: „Da arbeiten unsere Ministerinnen dran.“ Und weiter geht es zum nächsten Stand.

Mehr: Warum das neue Rüstungsprojekt die Politik vor Herausforderungen stellt.

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1 Kommentar zu "Rüstungsprojekt: Partner feiern Start des neuen Luftwaffensystems FCAS"

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  • Immerhin besser als bei den Amis zu kaufen. Aber es gaebe bessere Moeglichkeiten das
    Geld zu investieren.

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