Russisch-ukrainische Grenze Nato-Oberkommandeur warnt vor „besorgniserregender“ Lage

Die Nato warnt vor der Eskalation: Mit den Truppen nahe der Grenze könnte Russland innerhalb weniger Tage alle Ziele in der Ukraine erreichen. Moskau beklagt, niemand profitiere von der beendeten Zusammenarbeit.
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Ein US-Militärjet fliegt am Mittwoch während einer Nato-Übung über der litauischen Hauptstadt Vilnius. Quelle: ap

Ein US-Militärjet fliegt am Mittwoch während einer Nato-Übung über der litauischen Hauptstadt Vilnius.

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Moskau/BrüsselDer verbale Schlagabtausch zwischen Russland und der Nato gewinnt an Schärfe. Nato-Oberkommandeur Philip Breedlove warnte am Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters vor einer „unglaublich besorgniserregenden“ Lage an der russisch-ukrainischen Grenze. Mit den dort konzentrierten Truppen könne Russland binnen weniger Tages alle seine möglichen Ziele in der Ukraine erreichen.

Die Regierung in Moskau warf der Nato vor, zur Sprache des Kalten Krieges zurückzukehren. Niemand profitiere von der angekündigten Aussetzung der Zusammenarbeit etwa im Kampf gegen den Terrorismus. Wegen der Krise wächst in Russland die Sorge vor einem weiteren Einbruch der Wirtschaft.

Die Nato-Außenminister hatten die praktische Kooperation mit Russland am Dienstag gestoppt. Allein der Nato-Russland-Rat soll als politischer Gesprächskanal offengehalten werden. Zur Begründung hieß es, Russland habe mit seinem Vorgehen auf der Halbinsel Krim gegen alle Vereinbarungen mit der Nato verstoßen. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen warnte Russland am Donnerstag zum Abschluss des Außenminister-Treffens, eine weitere Intervention in der Ukraine wäre ein „historischer Fehler“.

Breedlove sagte, sollte Russland in die Ukraine einfallen wollen, stünden die Truppen dazu bereit. Nach Zählung der Nato hat Russland rund 40.000 Soldaten an seiner Grenze zur Ukraine konzentriert. „Das ist eine sehr große, sehr fähige und sehr leistungsfähige Truppe“, unterstrich Breedlove in einem Interview mit Reuters und dem „Wall Street Journal“. Die russischen Einheiten umfassten Flugzeuge, Hubschrauber, Feldlazarette und Einheiten zur elektronischen Kriegsführung. Das sei alles, was man für einen Einfall brauche.

„Wir glauben, Russland ist bereit und könnte seine Ziele in der Ukraine in drei bis fünf Tagen erreichen, wenn der Befehl dazu gegeben wird“, fügte Breedlove hinzu. Möglich sei etwa ein Eindringen in die Süd-Ukraine, um einen Landkorridor auf die Krim zu öffnen oder sogar bis Transnistrien vorzustoßen. In der westlich der Ukraine liegenden separatistischen Moldau-Region leben überwiegend russisch sprechende Menschen. Russland habe auch die Kapazität in den Norden oder Nord-Osten der Ukraine einzudringen, sagte Breedlove. Sollte es zu solchen Aktionen kommen, hätte das weitreichende Folgen für die Nato.

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  • @Pazifist

    Kann er nicht. Er zieht sich lieber die Alliierten-Springer-Presse rein, die artig die Thesen eben jenes Herrn Brzezinski vertritt. Brzezinski dürfte übrigens der grösste Russenhasser der Erde sein.

  • Jedes Land hat eine Armee, entweder die eigene oder eine fremde. Außerdem verhindert nur das Schwert, daß das Schwert gezogen und benutzt wird.
    Der Kriegstreiber sitzt übrigens im Kreml.

  • Sie sollten sich auch einmal mit der Neuen Weltordnung und Herrn Zbigniew Brzezinski befassen, der vor ein paar Wochen bei der Münchner Sicherheitskonferenz dem Panel zum Thema Ukraine angehörte.

  • Die EU und die NATO sind im ihrer aggressiven Ostexpansion die Hauptschuldigen für die aktuelle Situation. Putin hat vollkommen recht dieser dreisten Bande Einhalt zu gebieten. Krieg ist auch immer ein gutes Mittel um vom eigenen Versagen abzulenken. Immerhin stehen die USA und sämtliche EU Staaten vor dem Staatsbankrott. Die Lage ist verheerend für die abwärts torkelnden Westmächte. Außerdem möchte die Allianz Deutschland mit einer Eskalation stärker an die Pleite EU und die USA binden, während man gleichzeitig auch noch die deutsche Wirtschaft schwächen kann. Da kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Nur Merkel kapiert es mal wieder nicht.

  • "Putin glaubt inzwischen seine eigene Propaganda"
    " "Ich habe einfach keine Worte, um zu beschreiben, was für Propaganda-Orgien das russische Fernsehen uns im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Ukraine Tag für Tag zumutet", schrieb mein langjähriger Moskauer Freund Igor."
    "Ich schäme mich, Russe, Bürger dieses neuen Russlands zu sein."
    "Igor schnaubt verächtlich. Er benutzt demonstrativ das deutsche Wort "Anschluss" unter Anspielung auf die Vereinnahmung der Sudeten durch Hitlerdeutschland."
    "Igor will das nicht hinnehmen, sieht aber keine Kräfte im Lande, die in der Frage etwas unternehmen könnten. "Nur harte Sanktionen können unsere Machthaber, und sei es nur ein wenig, ernüchtern. Obwohl die natürlich unausweichlich auch auf uns, die sogenannten einfachen Leute durchschlagen, bin ich dafür."

    Sehr guter Artikel. Nichts für Putin-Versteher. http://www.welt.de/politik/ausland/article126447634/Putin-glaubt-inzwischen-seine-eigene-Propaganda.html

  • Als nächstes werden die Erhöhungen der s.g. "Verteidigungshaushalte" gefordert.

    Zu Kotzen, diese mediale Schmierenkomödie der Kriegtreiber!

  • Die EU hat doch selber an der jetzigen Situation Schuld.
    Die EU hat alles in dem Glauben getan, das Russland aus der Geschichte gelernt hat und mit seinen Nachbarn friedlich zusammen leben will.
    Russland war Pleite und Russland wäre heute noch Pleite, wenn nicht der Westen Aufbauhilfe geleistet hätte und die Weltbank Russland gerettet hätte.
    Die EU hat doch Russland die Hand gegeben und durch wirtschaftliche Beziehungen Russlanderst mit aufgebaut.

    Dieser Irrglaube rächt sich jetzt!

  • also die Russen bereiten sich auf die Feiertage vor und NATO warnt vor ... Ja, wenn die Russen feiern, dann ist es eine angespannte Zeit, und wehe da stört einer die Feier..

    ansonsten braucht es mehr für einen militärischen Krieg, als nur ein paar Kampfjets. Komisch, die einzig coolen in der ganzen Situation sind die Russen.?

  • Schäuble hat die Lage verstanden. Jetzt können nur noch die Oligarchen die Situation retten. Leider sind Oligarchen bis auf Chodorkowski feige Arschkriecher. Auf jeden Fall muss Putin gestoppt werden bevor er völlig durchknallt.

  • Ich finde das Verhalten der USA, NATO bis hin z.B. zu unserem vergreisten Herrn Schäuble (Hitlervergleich) und der verteidigungsmütterlichen "von der Leier" unfassbar. Ja sind denn alle West-Verantwortlichen völlig wahnsinnig geworden, einen testosteron gesteuerten Ex-KGB-Offizier in "verstecktem" Diktatorengewand wegen eines partiellen Eingriffes in einen solch mittelalterlichen, unterentwickelten, politisch völlig zerissenen Staates derart zu provozieren und zu drohen. Verurteilen muß man dieses Verhalten sicherlich, aber diese Eskalationsrhethorik mit den verbundenen total überhasteten machtpolitischen, geostrategischen Kontaktaufnahmen/Sicherheitszusagen zu/an Staaten wie Moldawien etc., also quasi direkt in Putins "Vorgarten", ist grobfahrlässig. "Angeschlagene Boxer sind besonders gefährlich" und Putin wird, spätestens, wenn er sich angeschlagen fühlt, unbeherrscht, reagiert unkalkulierbar, vgl. seine öffentliche Hassrede zu den damaligen Vorgängen in Tschetchenien. Es hat schon wegen viel geringerer Vorgänge große Kriege gegeben. Falls es dazu kommt, könnte es der Letzte für uns alle sein, darüber sollten diejenigen, die hier die "breite Brust nach Osten schieben" mal schnell nachdenken. Mir macht das unglaublich große Angst und Sorge.

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