Russisches Wirtschaftsforum Europäische Firmen sind pessimistisch

Beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg wirbt Russland um Investitionen. Wegen der Spannungen mit dem Westen und der Krise ist die Stimmung aber mies - auch unter europäischen Unternehmern. Setzt das Forum neue Impulse?
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Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

St. PetersburgZum Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg bewerten europäische Unternehmer die Lage in Russland wegen der schweren Wirtschaftskrise mit wachsendem Pessimismus. „In den kommenden ein bis zwei Jahren erwarten wir nur wenig positive Entwicklung“, sagte Frank Schauff, Chef der Vereinigung Europäischer Unternehmer (AEB), in Moskau. Langfristig rechne sein Verband aber mit einer Erholung, die sich positiv für die europäischen Investoren auswirken werde, sagte Schauff der Deutschen Presse-Agentur.

Das 19. Wirtschaftsforum beginnt an diesem Donnerstag in der früheren Zaren-Metropole (bis 20. Juni). Erwartet werden mehr als 7000 Besucher, darunter Hunderte Topmanager aus dem Ausland.

Durch die von Sanktionen begleiteten Spannungen zwischen Russland und dem Westen sei 2014 ein schwieriges Jahr für Geschäfte im Riesenreich gewesen, sagte Schauff. Eine aktuelle Erhebung von AEB und dem Institut GFK zeigt aber, dass sich die Strafmaßnahmen für die Mehrheit der Unternehmen nicht auf die eigenen Geschäfte auswirken.

„Die meisten Firmen gehen pragmatisch mit den Sanktionen um“, betonte Schauff. Die Zeitung „Wedomosti“ berichtete kürzlich ohne Details von Konzernen, die Exportverbote aus der EU nach Russland etwa durch Lieferungen über Länder wie Brasilien und die Türkei umgehen.

Kremlstrategen wollen wegen der Krise mit dem Westen verstärkt Investoren vor allem aus China ins Land holen. Daher sehen europäische Konzerne das Forum in St. Petersburg auch als Chance, den russischen Markt nicht an asiatische Mitbewerber zu verlieren.

„Es ist richtig, die ostasiatische Konkurrenz im Blick zu behalten, aber ich würde vor Panik warnen“, meinte Schauff. Der Handel zwischen der EU und Russland sei zwar zuletzt stark eingebrochen, meint er. Doch ist der Anteil der EU am russischen Außenhandel mit etwa 49 Prozent in den vergangenen Jahren weitgehend stabil geblieben, wie aus Daten des russischen Wirtschaftsministeriums hervorgeht.

  • dpa
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12 Kommentare zu "Russisches Wirtschaftsforum: Europäische Firmen sind pessimistisch"

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  • Unbedingt anschauen…hier sieht man die ganzen Schadtaten dieser angeblichen Demokratie USA.
    Nach 1945 habe sie in Ihren Kriegen mindestens 45 Millionen Menschen umgebracht…von den zahllosen Krüppel und zerstörten Ländern ganz zu schweigen.
    http://www.initiative.cc/Artikel/2010_02_13_kriege_usa.htm
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    Der Gründer und Vorsitzende des führenden privaten US-amerikanischen Think Tank STRATFOR (Abkürzung für Stategic Forecasting Inc.) George Friedman bestätigt am 4. Februar 2015, dass die USA seit mehr als 100 Jahren die deutsch-russische Zusammenarbeit mit allen Mitteln verhindern wollen. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht, inclusive vorsätzlicher Lügen bis zum Krieg. Dieses Video (13 Minuten) unbedingt ansehen.


    Also haben die Anglikaner auch Hitler an die Macht gebracht !?!?


    !!!!... Video hier anklicken : https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=oaL5wCY99l8

  • Warum redet eigentlich alle Welt immer vom angeblich schwachen Rubel und nie vom real schwachen Euro?
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    Der Rubel besitzt schliesslich eine reale Deckung in Form von immens großen Rohstoffreserven, welche die Begehrlichkeiten anderer Nationen erweckt haben, Was hat der Euro denn an realer Deckung zu bieten?
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    Die meisten EU(ro)-Staaten haben doch ihre Industrieproduktion ständig zugunsten des "Dienstleistungssektors" - der in Ländern wie Griechenland, Belgien usw. nur in Form von gigantisch aufgeblähten Staatsapparaten existent ist - dramatisch heruntergefahren.
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    Man versucht den Kardinalfehler der USA zu kopieren und glaubt ganz allein mit Geld neues Geld erwirtschaften zu können, also ganz ohne jede reale Wertschöpfung. Staatsanleihen, Schuldscheine und Wertpapiere sind allenfalls als Altpapier noch Rohstoffe.

  • Jazenjuk - inzwischen totaler Realitätsverlust?
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    Lt. RT: "Für das „aggressive Russland“ soll laut dem ukrainischen Premierminister Arsenij Jazenjuk kein Platz mehr in der UN sein. Im Interview mit einem ukrainischen Fernsehsender forderte der Ministerpräsident den kompletten Ausschluss Russlands aus den Vereinten Nationen im Zuge einer „radikalen Reform“.
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    "Dazu wie er sich eine Reform der UN vorstellt, ob Reformen von Innen oder im Maidan-Stil von Außen, und ob er nur den „Aggressor Russland“ oder auch weitere Länder in diesem Zuge ausschließen will, machte er keine Angaben."
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    Ich finde durchaus auch, die UN muss reformiert werden. Sie braucht mehr Macht. Den USA geht die UN schon lange am A... vorbei. Die suchen sich nach eigenem Bekunden ja lieber nach Bedarf Koalitionen der Willigen. Vielleicht sollte man dann die USA ausschließen !?!?!?

  • Russland-Sanktionen schüren Verdächtigungen und Misstrauen in der EU
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    Die EU-Sanktionen gegen Russland entfalten nun auch schon eine zersetzende Wirkung innerhalb der einzelnen Staaten: Ein Klima des Misstrauens ist entstanden, weil es in fast allen Ländern Hardliner gibt, die ihre politischen Gegner diffamieren. In Rumänien zerfleischen sich gerade der Premier und der Präsident.
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    Die Zeitschrift „Kommersant“ hatte schon vor vielen Monaten berechnet, dass Russland überhaupt keine finanziellen Verluste macht, solange der Preis für 100 Barrel zwischen 3.500 und 3.600 Rubel liegt. Außerdem liegt durch die sehr positiven Anstrengungen russicher Industrieunternehmen und der Landwirtschaft seit kurzem der Exporterlös für verarbeitete Waren mehr als 50% gegenüber von Rohstoffexporten.
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    Die Sanktionen der EU haben sich also als kompletter Knieschuss erwiesen. Desweiteren spalten sie offen sichtbar die EU und das wird durch Putins Politik der direkten Beziehungen von Russland zu jedem einzelnen EU-Land ohne Rücksicht auf Brüssel unterstützt.

    Fazit: Politik sollte wohl doch nicht von Dilettanten gemacht werden.

  • Sinnlose EU-Politik
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    Wie blöd sind die eigentlich in Brüssel, dass sie mit ihren dämlichen Sanktionen Russland immer mehr in die Arme der Chinesen treiben. Das wird sich in der Zukunft rächen.
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    Dieser Tusk will sogar noch Verschärfungen, irre vor Hass ist der Mann. Schon vor 1 Jahr war der Absturz von MH17 der Grund für eine Verschärfung, die 2. Stufe der Sanktionen. Obwohl bis heute nicht bewiesen ist, dass es die Russen waren.
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    Ich höre immer, Vorverurteilung darf nicht sein. Und hier? - Zu Frau Merkel, früher war ich manchmal stolz auf sie, heute kann ich sie nicht mehr sehen.

  • Wenn die Menschen auf dem Majdan
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    gleich von Anfang an darum gebeten hätten, dass die Griwna bis ins unendliche abstürzt, dass die Krim den Russen verschenkt werden soll, dass die Preise in den Supermärkten x -fach steigen sollen, dass die Nebenkosten (Strom, Gas, Wasser) explodieren, dass die Wirtschaft um 20 Jahre zurückgeworfen wird, dass der Präsident als alleiniger Oligarch sein Vermögen um das 7-fache steigern darf
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    ......wenn die Menschen all das gewußt hätten wäre doch Janukowitsch ganz sicher vom Volk wieder gewählt worden...... und das ohne Tausende tote Menschen und Millionen Flüchtlingen.

  • So kann es gehen wenn man „Fre/mde/undes Interessen vertritt“

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/05/obama-vize-blamiert-merkel-usa-haben-eu-zu-sanktionen-gegen-russland-gezwungen/

    https://www.youtube.com/watch?v=BZlhfmgagBg



  • Ich weiß nicht was Deppen in der Politik zu tun haben, die keine eigene Meinung haben und einzig und allein die gleiche Meinung vertreten wie die der Amis.
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    Von diesen massiv überbezahlten und überkandidelten Lobbyisten wird Deutschland regiert, dass heißt wird ein Volk regiert!!
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    Ich komme leider immer mehr zu dem Schluss alle diese Etablierten niemals wieder zu wählen, da ihnen Deutschlands Bevölkerung am Allerwertesten vorbei geht!

  • Bleibt die Frage, wann der „Deutsche Kniefall vor Putin“ erfolgt.
    Sollte Griechenland wirklich Mitglied der BRICS werden, müssen in Europa sowieso die Karten neu gemischt werden:
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    http://www.focus.de/politik/ausland/ukraine-krise/hinwendung-zu-russland-militaerexperte-ukraine-krise-koennte-zu-deutschem-kniefall-vor-putin-fuehren_id_4755148.html

  • Dass die Sanktionen ein Schuss in den Ofen waren hat sich ja bald gezeigt.
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    Wir – die ganze EU! – sind von Merkel & Co verraten worden, weil in erster Linie sie selbst von Obama erpresst wurde und vielleicht noch ein paar Andere.
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    WOMIT? ....Ich finde, dass DAS zu ermitteln wäre, für mich ist das ein Straftatbestand. In Anbetracht des entstandenen Schadens müsste allen Verantwortlichen ALLES enteignet werden, was ihnen nur irgendwie gehört und dann lebenslängliche Arbeit bei Grundsicherung. Alles andere wird eingezogen um die ärgste Not jener zu lindern, die durch die Sanktionen ruiniert wurden. Für mehr reicht’s ohnehin nicht.
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    Angesichts dieser schmutzigen Handlungsweise des Westen freut es mich umso mehr, dass Russland der Hammer nicht voll getroffen hat, sondern nur ganz leicht gestreift... Das wird hoffentlich die westlichen Polit-Esel heilen !?!?!?

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