In Bosnien-Herzegowina ist der Kreml-Chef für viele ein Vorbild – und die einzige Hoffnung für den Balkan.
Belgrad/Sarajevo Links werben Großbildschirme für Flachbildfernseher, rechts zerfällt ein Haus. In den Wänden: Einschusslöcher aus dem Balkankrieg der Neunzigerjahre. Auf der Straße: Tiefe Pfützen und Schlaglöcher, Schlaglöcher und tiefe Pfützen. An einer Straßenecke im Zentrum der Hauptstadt Sarajewo wartet Darijo Marakovic auf den Bus.
„Pfffffft.“ Wer den 23-Jährigen nach Europa fragt, erntet einen abfälligen Prustlaut, Kopfschütteln und: Schweigen. Der junge Mann aus Sarajewo studiert Politikwissenschaften. Sein Haar trägt er lang, seine Hosen haben Löcher an den Knien. Der lange Bart erinnert mehr an Salafisten als an Berliner Hipster. Auf Darijos T-Shirt prangt das Konterfei eines mächtigen Mannes: Wladimir Wladimirowitsch Putin. „Ich mag Wladimir“, sagt Darijo freundschaftlich.
Im Mai 2014 waren Serbien und Russland eine „strategische Partnerschaft“ eingegangen. Außerdem unterzeichneten beide Länder einen auf 15 Jahre veranschlagten Vertrag über den Austausch von Aufklärungsinformationen und gemeinsame militärische Übungen. Überdies arbeiten 2.000 Uniformierten beider Seiten in einem „Zentrum für außergewöhnliche Situationen“.
Putin bekräftigte in der Krim-Krise das Selbstbestimmungsrecht der Kosovaren. Damit brüskierte er zwar Serbien, im Kosovo gilt Putin seither aber als Verbündeter. Der Energiesektor der Russen wird von Russen dominiert.
Mazedonien hat nur zwei Millionen Einwohner, ist aber fundamental wichtig für Russland. Die geplante Pipeline von Russland in die Türkei („Turkish Stream“) führt durch das Land. Insbesondere nachdem das „South Stream“-Projekt im Dezember 2014 nach dem Widerstand der EU fallen gelassen worden war, gilt „Turkish Stream“ als besonders prestigeträchtig.
In Albanien sollen russische Immobilienfirmen im großen Stil Geldwäsche betreiben. In die Machenschaften sollen Informationen von „Wikeleaks“ zufolge auch Lukoil und Gazprom verstrickt sein.
Das russische Außenministerium unterstützt die Teilrepublik Srpska. Von dort kommen immer häufiger Autonomiebestrebungen. Moskau forderte Sarajevo zum wiederholte Male zu einem Dialog mit den bosnischen Serben auf. Sarajevo bewertet einen drohenden Volksentscheid jedoch als Gefahr für die territoriale Integrität des Landes.
In Montenegro gehören ein Drittel aller Unternehmen russischen Staatsbürgern. Außerdem kauft Russland in dem kleinen Balkanstaat großflächig Grundstücke auf. Mittlerweile befinden sich 40 Prozent der Grundstücke in den Händen russischer Investoren, viele von ihnen sind staatliche Ministerien und staatseigene Betriebe.
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