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Russland Brände und Fluten: Sibirien kämpft gegen Katastrophen – Präsident Putin schaltet sich ein

In Sibirien wüten gleich zwei Naturkatastrophen: riesige Waldbrände im Norden und Hochwasser im Süden. Präsident Putin versucht sich als Krisenmanager.
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Moskau Die Baikalregion Irkutsk wird zum Krisengebiet: Dieser Landstrich hat gleichzeitig mit Waldbränden und einer Flutkatastrophe zu kämpfen. Insgesamt sind nach Angaben von Umweltminister Dmitri Kobylkin inzwischen mehr als 2,7 Millionen Hektar Wald in Russland abgebrannt. Das sind zwölf Prozent mehr als im vergangenen Jahr und entspricht einer Fläche, die fast so groß ist wie Brandenburg.

Die Flammen fressen sich besonders stark durch die sibirische Taiga, gerade in den Regionen Irkutsk, Krasnojarsk und in der gewöhnlich arktisch kalten Teilrepublik Jakutien. „Die Prognose zur Waldbrandgefahr ist nach wie vor ungünstig“, sagte Kobylkin auf einer Regierungssitzung.

Der Katastrophenschutz hat seine Einheiten in Sibirien zwar schon verstärkt, unter anderem mit Löschflugzeugen, doch unter Kontrolle bekommen sie die Flammen nicht. Immer noch brennen riesige Gebiete. Präsident Wladimir Putin hat daher an diesem Mittwoch das Verteidigungsministerium beauftragt, sich in die Brandbekämpfung einzuschalten.

Die Streitkräfte meldeten dann auch operativ, dass „in den nächsten Stunden“ zehn Flugzeuge vom Typ Il-76 und zehn Hubschrauber in die sibirische Millionenstadt Krasnojarsk abfliegen sollen. Die Il-76 ist eine Allzweckwaffe der Russen. Noch zu Sowjetzeiten konstruiert kann sie als Transportflugzeug beinahe jede Ladung befördern, darunter eben auch große Wassermengen zum Löschen von Waldbränden.

Noch sind die Flammen weit weg von größeren Ortschaften, doch der Rauch zieht bereits tausende Kilometer durch Sibirien. Neben Krasnojarsk vermeldeten auch die Millionenstädte Nowosibirsk, Omsk und sogar die im Ural liegenden Jekaterinburg und Tscheljabinsk zeitweise Smog-Alarm. Der Rauch ist äußerst schädlich.

Der Smog erhöht die Sterblichkeit

Als im Juli 2010 große Waldgebiete im europäischen Teil Russlands östlich der Hauptstadt Moskau brannten, erhöhte sich die Sterblichkeitsrate in der russischen Hauptstadt um 50 Prozent. Um die Folgen des Smogs jetzt gering zu halten, hat das Gesundheitsministerium den Menschen in den betroffenen Gebieten weniger Spaziergänge und Zigaretten verordnet.

Ursache der Waldbrände sind ungewöhnlich hohe Temperaturen in weiten Teilen Sibiriens. Vielerorts kommt es so zur Selbstentzündung, beispielsweise von Torfgebieten. Aber auch menschliche Faktoren sind nicht auszuschließen. Müll und unachtsamer Umgang mit dem Feuer sind hierbei möglicherweise nicht die einzigen Ursachen. Bewohner der Region klagen über Korruption.

Illegale große Rodungen sollen durch anschließende Brandstiftungen verschleiert worden sein. Die Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“ zitiert darüber hinaus den regionalen Abgeordneten Iwan Serebrjakow „Wenn man die Karten übereinanderlegt, von den Orten, von wo aus das Feuer sich ausgebreitet hat und den Standorten von Investitionsprojekten, so stimmen sie überein“, sagte er.

Für die Region Irkutsk am Baikal sind die Waldbrände nicht das einzige Übel. Mehr als 20.000 Menschen haben unter den Folgen eines Hochwassers zu leiden. 25 Menschen sind bisher ums Leben gekommen, sieben gelten als vermisste. Mehr als 10.000 Häuser wurden überflutet. Starke Regenfälle dort haben den Wasserspiegel in den Flüssen ansteigen lassen.

Putin kritisierte bei einer Ortsbesichtigung die ineffiziente Krisenbekämpfung der Regionalverwaltung.

Unterdessen hat der Greenpeace-Aktivist Wladimir Tschuprow eine Verbindung zwischen den Waldbränden und dem Hochwasser hergestellt. „Das neuerliche Hochwasser, diesmal im Süden, hängt paradoxerweise mit der anormalen Hitze im Gebiet Krasnojarsk, im Norden von Irkutsk und in weiten Teilen Sibiriens, wo jetzt die Wälder brennen, zusammen“, erklärte er.

Das heiße Wetter werde durch ein Hochdruckgebiet verursacht, dass den Zustrom kälterer und feuchterer Luft in das brennende Sibirien verhindere. Infolgedessen regneten sich diese Wolken, die eigentlich im Brandgebiet dringend gebraucht werden, im Süden der Region Irkutsk ab, wo sie ein zweites Übel erzeugten“, so Tschuprow.

Der Ökologe erklärte, dies sei eine Folge des Klimawandels. Die Zahl solcher „blockierenden“ Hochdruckgebiete, die lange Zeit das Wetter in einer Region dominierten, werde weiter zunehmen.

Mehr: Eisbärenplage in sibirischen Siedlungen

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