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Russland Bundesregierung bestätigt Nachweis des Giftes Nowitschok bei Nawalny – Merkel: „Er sollte zum Schweigen gebracht werden“

Nawalny ist Berlin zufolge mit einem Nervenkampfstoff vergiftet worden. Das Auswärtige Amt bestellt den russischen Botschafter ein. Auch die EU, andere EU-Staaten und die USA reagieren.
02.09.2020 Update: 02.09.2020 - 19:38 Uhr 6 Kommentare
Der Kremlkritiker war am 20. August auf einem Inlandsflug in Russland zusammengebrochen. Quelle: dpa
Alexej Nawalny

Der Kremlkritiker war am 20. August auf einem Inlandsflug in Russland zusammengebrochen.

(Foto: dpa)

Moskau Nachdem in einem Speziallabor der Bundeswehr festgestellt wurde, dass der in Berlin um sein Leben kämpfende russische Oppositionsführer Alexej Nawalny in seiner Heimat mit einem chemischen Kampfstoff vergiftet wurde, plant die Bundesregierung eine gemeinsame Reaktion des Westens gegenüber dem Kreml.

In dem Labor der deutschen Armee war „zweifelsfrei“ herausgefunden worden, dass Alexej Nawalny mit einem Nervengift der Gruppe der russischen Chemiewaffe Nowitschok vor seinem Abflug aus dem sibirischen Tomsk vergiftet wurde. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Vorfall und will nun eine Reaktion von EU- und Nato-Staaten.

Man habe darüber beraten, wie man mit den Erkenntnissen umgehe, sagte Merkel in einem Pressestatement zum Fall Nawalny. Es seien bestürzende Nachrichten. „Dieses Gift lässt sich zweifelsfrei in den Proben nachweisen“, betonte sie. „Er sollte zum Schweigen gebracht werden.“ Merkel verurteilte den Vorfall im Namen der ganzen Bundesregierung aufs Schärfste.

„Wir erwarten, dass die russische Regierung sich zu diesen Vorgängen erklärt, so Merkel. Die Welt werde auf Antworten warten. Das Verbrechen an Nawalny richte sich gegen die Grundwerte und Grundrechte, für die Deutschland eintrete.

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    Mit der Feststellung des verwendeten Kampfstoffes scheidet nach Ansicht von Experten aus, dass Nawalny am 20. August von nicht-staatlichen Gegnern vergiftet wurde. Denn dieser Kampfstoff, mit dem zuvor auch schon der in England lebende KGB-Überläufer Sergej Skripal und seine Tochter von russischen Agenten vergiftet wurden, könne nur in Speziallabors hergestellt werden.

    Russischer Botschafter einbestellt

    Russland hatte bisher eine Vergiftung Nawalnys bestritten und schon im Fall Skripal behauptet, auch Deutschland habe Kenntnisse der Nowitschok-Herstellung.

    Das Auswärtige Amt hat wegen der neuen Untersuchungsergebnisse am Mittwochnachmittag den russischen Botschafter Sergej Netschajew einbestellt. „Ihm wurde dabei nochmals unmissverständlich die Aufforderung der Bundesregierung übermittelt, die Hintergründe dieser nun nachweislichen Vergiftung von Alexej Nawalny vollumfänglich und mit voller Transparenz aufzuklären“, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD).

    Wie eine Reaktion des Westens aussehen könnte, blieb zunächst unklar. Merkel hatte zuletzt bei einem Besuch ihres Wahlkreises in Stralsund am Dienstag ausgeschlossen, dass die russische Ostseepipeline Nord Stream 2 durch neue Sanktionen doch noch kurz vor der Fertigstellung gestoppt werde.

    Als Reaktion auf den Skripal-Anschlag hatten mehrere EU-Staaten und die USA russische Diplomaten aus ihren Ländern ausgewiesen. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen kritisierte die Vergiftung des russischen Oppositionellen als abscheulichen und feigen Akt: „Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, forderte von der Leyen an diesem Mittwoch auf Twitter. Sie sei von Bundeskanzlerin Merkel informiert worden, dass Nawalny mit einem Nervengift angegriffen worden sei.

    Die US-Regierung zeigte sich ebenfalls „zutiefst beunruhigt“. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus, John Ullyot, teilte an diesem Mittwoch auf Twitter mit: „Alexej Nawalnys Vergiftung ist vollkommen verwerflich.“ Ullyot verwies darauf, dass Russland das Nervengift Nowitschok in der Vergangenheit eingesetzt habe.

    Ullyot kündigte an, die USA würden mit Verbündeten und der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten, um die Verantwortlichen in Russland zur Rechenschaft zu ziehen – „wohin auch immer die Beweise führen“. Die Russen hätten das Recht, ihre Ansichten friedlich und ohne Angst vor Vergeltung zu äußern.

    Auch der britische Premierminister Boris Johnson forderte eine Erklärung von Russland: „Es ist ungeheuerlich, dass eine chemische Waffe gegen Alexej Nawalny eingesetzt wurde“, schrieb Johnson an diesem Mittwoch auf Twitter. Die russische Regierung müsse nun erklären, was mit dem Oppositionellen passiert sei. Auch der britische Außenminister Dominic Raab forderte, Russland müsse „die Wahrheit sagen“.

    Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt und Manuel Sarrazin, Sprecher für Osteuropapolitik, bezichtigten den Kreml eines „mafiösen Charakters“. Seit Jahren sei „der politische Mord ein Mittel zum Machterhalt des Systems von Wladimir Putin“. Die Grünen hatten mehrfach den Baustopp der Gasleitung gefordert als Reaktion auf Russlands aggressive Politik.

    Mehr: Der Westen muss den Mordversuch an Nawalny mit Sanktionen beantworten, meint Handelsblatt-Reporter Mathias Brüggmann.

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    6 Kommentare zu "Russland: Bundesregierung bestätigt Nachweis des Giftes Nowitschok bei Nawalny – Merkel: „Er sollte zum Schweigen gebracht werden“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich melde mich nach zwei Tagen noch einmal, weil ich der Meinung bin, dass die par Kommentare nach meinem Beitrag wenig hilfreich sind.
      Herr Hensler: Auch Chorknaben können sehr störend für die Chorleitung sein, wenn sie sich gegen Vergewaltigung oder Schändung wehren!
      Herr Schick: Natürlich sind derartige Morde erstmal eine innere Angelegenheit von Russland: das waren die Millionen von Morden der Nazis in deren Augen auch und dennoch sind wir heute der Meinung, dass damals die Weltöffentlichkeit zu wenig dagegen unternommen hat.
      Herr Thönnessen: Wieso wissen Sie so genau, dass keinerlei Fakten mittgeteilt wurden und werden. Sie plappern nur die offiziellen Kommentare der russischen Regierung nach. Solche Fakten werden doch gegebenenfalls außerhalb der Öffentlichkeit weiter gegeben.
      Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass die Maßnahmen, die heute diskutiert werden, Herrn Putin nicht bekehren werden. Alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen haben doch die Charter der UNO, die sog. Menschenrechte als Universalrecht unterschrieben. Ich hielte eine Anklage vor der Vollversammlung in aller Öffentlichkeit für wirkungsvoller. Man kann ja auch der Mehrheit einen Ausschluss vorschlagen als Warnung. Die Pipeline kann man auch unbenutzt lassen, wenn man die Meinung von Herrn Trump nicht unbedingt unterstützen will. Man sollte sie fertig bauen und unbenutzt liegen lassen. Das wäre doch ein schönes Druckmittel für Russland, dass die sich besser an die Meinung der Welt anpassen, dann können sie auch mehr Gas verkaufen.

    • ich glaube das Ganze nur, wenn die Fakten dazu offen gelegt werden und die Informationen und Blutproben auch der russischen Staatsanwaltschaft zu Verfügung gestellt werden. Das Ganze ist seltsam, es gibt kein wirkliches Motiv für eine Täterschaft der russischen Regierung. Aber es gibt ein Problem für die Bundesregierung und die EU und das lautet, wie kommt man aus der North-Stream Sache heraus ohne das Gesicht zu verlieren. Bis heute sind die Beweise der Engländer - großspurig angekündigt durch die englische Regierung zum Fall Skripal nie vorgelegt worden. Das Ganze stinkt irgendwie, aber vielleicht kommen ja Beweise die eingesehen werden können - das sollte in einem Rechtsstaat doch die Praxis sein, oder irre ich mich da?

    • Wenn Merkel und Konsorten ihre Energie darauf fokussieren würden, innerdeutsche Probleme zu lösen, wäre ich glatt versucht, bei der nächsten Bundestagswahl der CDU meine Stimme zu geben. Solange sich die Berliner Möchtegernpolitiker jedoch lieber für die Weltpolizei halten, nehme ich selbstverständlich Abstand davon. Deutschland macht sich, getrieben von einer Horde äußerst begrenzt fähiger Politiker, zur Lachnummer. In früheren Zeiten nannte man ein solches Verhalten „Einmischung in innere Angelegenheiten „.

    • Herr Kobelt: Der alte Fritz schrieb: Wenn sie nur nicht solche Kanaillen waeren|
      Die Mehreit der Buerger sind keine Chorknaben.

    • Wer hat Interesse die deutsch-russischen Beziehungen zu vergiften? Cui bono?

    • Wenn man die Staatenlenker der Welt betrachtet, dann trifft man auf eine große Gruppe von Politikern, die abends, wenn sie zu Bett gehen, die Engel um Hilfe bitten: "Wie schön könnten wir doch regieren, wenn bloß nicht die blöden Bürger und Bürgerinnen wären, die auf ihre Bürgerrechte bestehen !"

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