Russland in Syrien Über Frieden sprechen – und Bomben schmeißen

In Syrien sind die Regierungstruppen auf dem Vormarsch, Zehntausende Menschen fliehen. Russland gibt vor, konkret über ein Kriegsende zu sprechen, fliegt aber weiter Luftangriffe. Was will Moskau tatsächlich erreichen?
Update: 11.02.2016 - 11:43 Uhr

Amateuraufnahmen zeigen heftige Kämpfe in Syrien

MünchenKurz vor der Syrien-Konferenz in München diskutieren Russland und die USA nach Aussage Moskaus über eine mögliche Waffenruhe. Man führe „sehr wichtige“ Gespräche mit Washington, sagte der russische Uno-Botschafter Witali Tschurkin in New York. Darunter seien auch Schritte zur Verbesserung der humanitären Notlage in dem Bürgerkriegsland.

US-Außenamtssprecher Mark Toner sagte in Washington, vor dem Treffen in München werde man den Inhalt jeglicher Vorschläge nicht analysieren oder diskutieren. Das Treffen in München sei die Gelegenheit andere Mitglieder der Internationalen Syrien-Unterstützergruppe zu beteiligen. US-Außenminister John Kerry und und der russische Außenminister Sergej Lawrow hätten in der vergangenen Woche zahlreiche Gespräche geführt. Man habe mehrfach zu einer Waffenruhe aufgerufen, sagte Ned Price, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur. Zu konkreten Vorschlägen äußerte er sich jedoch nicht.

Russland sei bereit, über alle „sinnvollen Vorschläge“ für eine Feuerpause nachzudenken. Die einfache Ankündigung einer „humanitären Pause“ sei angesichts anhaltender Kämpfe von Terroristen und anderen radikalen Gruppen aber unrealistisch. Forderungen, die russischen Luftangriffe in Syrien zu beenden, wies er zurück. „Wir sind nicht kurz davor, unser Verhalten zu rechtfertigen“, sagte Tschurkin, und bezeichnete die Militäreinsätze als „transparent“.

Großoffensive treibt die Menschen in die Flucht
Großoffensive in Aleppo
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Rauchwolken steigen über die umkämpfte syrische Stadt Aleppo auf. Der Vormarsch der syrischen Regierungstruppen auf die Stadt hat dramatische Folgen. Abertausende Menschen flüchten vor den Bomben des russischen Militärs, das die syrischen Regierungstruppen unterstützt. Männer, Frauen und Kinder verlassen in Scharen die einstige Handelsmetropole in der Hoffnung, Schutz in der benachbarten Türkei zu finden – auch wenn die Grenze dort geschlossen ist.

Syrische Soldaten in der Nähe von Aleppo
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Die Konfliktlage in Aleppo ist kompliziert. Russland kämpft laut eigener Aussagen an der Seite syrischer Soldaten, die zudem von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah und iranischen Revolutionsgarden unterstützt werden, gegen den Islamischen Staat (IS). Die Bomben jedoch, die über Aleppo fallen, treffen vor allem Rebellentruppen und die Freie Syrische Armee, die sich auf der einen Seite gegen das syrisch-russisch-iranische-Hisbollah-Bündnis wehren und auf der anderen Seite gegen den IS kämpfen. Alle Seiten haben Opfer zu beklagen. Am härtesten jedoch trifft es die Bewohner Aleppos.

Grenzübergang Bad al-Salam
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Zu tausenden flüchten die Bewohner aus der Stadt. Bis zu 30.000 Flüchtlinge harren nach Uno-Angaben inzwischen nahe der Grenze zur Türkei aus.

Lager
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Allein am geschlossenen Grenzübergang Bab al Salam warteten bis zu 20.000 Menschen, zwischen 5000 und 10.000 weitere Vertriebene in der Grenzstadt Asas nur wenige Kilometer vom türkischen Staatsgebiet entfernt.

Flucht vor den Bomben
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„Hunderte Geschosse gingen über unseren Köpfen nieder. Wir können kaum glauben, dass wir es da herausgeschafft haben“, erzählt Abu Haitham, der wie so viele andere in den vergangenen Tagen aus Aleppo in Richtung Grenze geflohen ist. „Es ist schlimm zurzeit, aber Gott wird uns helfen“, fügt er hoffnungsvoll via Skype hinzu.

Warten an der Grenze
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Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte schon am Donnerstag erklärt, 70.000 Menschen seien aus Lagern in Nordsyrien auf der Flucht Richtung Türkei – das bereits 2,5 Millionen Menschen aus dem Bürgerkriegsland aufgenommen hat.

Angst vor Belagerung
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„Wir fühlen uns verlassen. Die Menschen, die im Osten Aleppos geblieben sind, können sich eine Flucht schlichtweg nicht leisten“, beklagt Aktivist Omar Halabi in Aleppo via Skype. Und Ismail Abdullah beschreibt über Facebook, was Einwohnern wie ihm am meisten Angst macht: „Die Menschen fürchten, belagert zu werden.“ Krankenhäuser seien schwer beschädigt, Bäckereien gingen die Vorräte aus, die Angst vor dem Verhungern gehe um – die Nachrichten von Hungertoten in belagerten Städten wie Madaja haben die Einwohner aufgeschreckt.

Mehrere Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats drängten Russland, die Luftangriffe einzustellen. Sie seien „direkte Ursache für die Krise um Aleppo“, sagte Neuseelands Uno-Botschafter Gerard van Bohemen. Die Kämpfe in der Region haben nach Schätzungen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) rund 50.000 Menschen in die Flucht getrieben. „Der Krieg am Boden hat einen direkten Einfluss auf die politischen Gespräche und damit die humanitäre Situation“, sagte Van Bohemen. Das Rote Kreuz versucht nach eigenen Angaben, medizinische Hilfe, Wasser und Essen zu den Menschen zu bringen. Uno-Organisationen hatten am Dienstag davor gewarnt, dass bis zu 300.000 Menschen in Aleppo von Hilfslieferungen abgeschnitten werden könnten.

Türkei könnte Geduld mit Syrien verlieren
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