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Russland Kreml-Kritiker Chodorkowski ist frei

Michail Chodorkowski ist am Freitag aus dem Gefangenenlager entlassen worden. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte kurz zuvor einen Gnadenerlass für den inhaftierten Oligarchen unterzeichnet.
20.12.2013 Update: 20.12.2013 - 10:21 Uhr 20 Kommentare
Kurz vor der Freilassung? Der Ex-Manager des Ölkonzerns Yukos und Kremlkritiker, Michail Chodorkowski (Archivfoto vom Oktober 2010). Quelle: dpa

Kurz vor der Freilassung? Der Ex-Manager des Ölkonzerns Yukos und Kremlkritiker, Michail Chodorkowski (Archivfoto vom Oktober 2010).

(Foto: dpa)

Moskau Der Kremlgegner Michail Chodorkowski ist nach zehn Jahren Haft wieder in Freiheit. Er habe nach der Begnadigung durch Kremlchef Wladimir Putin um 12.20 Uhr Ortszeit (9.20 Uhr MEZ) das Straflager verlassen, meldete die Agentur Interfax am Freitag unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Präsident Putin hatte ein entsprechendes Dekret unterzeichnet, teilte der Kreml am Freitag in Moskau mit. Chodorkowski konnte so mit sofortiger Wirkung begnadigt werden. Putin hatte am Donnerstag überraschend den Erhalt eines Gnadengesuchs des Oppositionellen erwähnt, der humanitäre Gründe geltend gemacht habe.

Einem Zeitungsbericht zufolge hat der frühere Oligarch den Antrag unter Druck der russischen Geheimdienste gestellt. Erst vor zwei Wochen hatte Chodorkowski in einem Interview gesagt, er wolle kein Gnadengesuch stellen. Das ersetze keinen fairen Prozess, der ihm vorenthalten worden sei.

Wörtlich hieß es in der „Begnadigungsurkunde für Chodorkowski M.B.“ heißt es wörtlich „Ausgehend von Prinzipien der Humanität ordne ich an: den Verurteilten Chodorkowski Michail Borissowitsch, Jahrgang 1963, geboren in Moskau, zu begnadigen und seine Haftstrafe aufzuheben. Dieser Ukas tritt am Tage seiner Unterzeichnung in Kraft.“ Unterzeichnet ist das Schreiben mit „Der Präsident der Russischen Föderation, W. Putin, Moskau, Kreml, den 20. Dezember 2013“.

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    Chodorkowski, der frühere Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos war 2003 festgenommen und zwei Jahre später zusammen mit seinem Geschäftspartner Platon Lebedew wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu langjähriger Haft verurteilt worden. Chodorkowski hatte sich offen zur Opposition bekannt.

    Putin begnadigt Widersacher Chodorkowski

    Der einst reichste Mann Russlands setzte sich zudem für den Bau einer von seiner Firma kontrollierten Ölpipeline nach China ein, die den staatlichen Firmen Konkurrenz gemacht hätte. Der Prozess gegen ihn wurde international als politisch motiviert kritisiert.

    Die russische Zeitung „Kommersant“ berichtete am Freitag unter Berufung auf anonyme Quellen, Anfang Dezember habe es ein Gespräch von Geheimdienstmitarbeitern mit Chodorkowski gegeben, bei dem kein Anwalt zugegen war. Dabei sei ihm gesagt worden, dass sich der Gesundheitszustand seiner krebskranken Mutter verschlechtert habe und ihm ein dritter Prozess drohe. Daraufhin habe sich Chodorkowski, der bislang immer ein Gnadengesuch verweigert hatte, an Putin gewandt.

    Chodorkowskis Anwälte und seine Mutter hatten am Donnerstag angegeben, keine Kenntnis von dem von Putin erwähnten Gnadengesuch zu haben. Chodorkowski hatte es bisher immer abgelehnt, um Begnadigung zu bitten, weil er ein damit verbundenes implizites Schuldeingeständnis vermeiden wollte.

    Wladimir der Gnädige?

    • afp
    • ap
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    20 Kommentare zu "Russland: Kreml-Kritiker Chodorkowski ist frei"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ Rettungswahnsinn

      Zitat : Diejenigen, die hier Stimmung gegen Chodorkowski machen und Herrn Putin den Rücken stärken sollten sich mal ein paar Dinge zu Putin überlegen

      - man kann Chodorkovskij nicht gegen Putin ausspielen......genauso wie man in der Ukraine Januschkowitsch nicht gegen Timoschenko ausspielen kann !

      Es handelt sich bei allen um korrupt-kriminelle, machtgierige Gauner, die ihre Völker ausplündern !

    • Danke für Ihren Beitrag, so ist es. Chodorkowski hat, sobald er wirklich reich war, viel von seinem Reichtum weitergegeben und ein Gewissen gegenüber den Elenden und Unterdrückten gehabt. Genau das hat Putin und den anderen Oligarchen missfallen. Hinzu kommt, wie im HB-Artikel angedeutet, die Schaffung einer wirtschaftlichen Konkurrenz zur Russenmafia-Wirtschaft und der Ruf nach Transparenz. Da liegt neben der Herausforderung Putins der zweite Knackepunkt.

    • Im Internet kann man die Prozessunterlagen teilweise einsehen; die Anklageschrift ist ein einziger Witz, voller abstruser Behauptungen und Widersprüche, zudem wurde Chodorkowski für die gleiche Beschuldigung gleich mehrfach bestraft. Ich behaupte nicht, dass er von Anfang an eine weiße Weste hatte, aber damals herrschten chaotische Zustände, und was er tat, war damals legal und wurde von vielen anderen auch mit erheblich brutaleren Mitteln gemacht, und diese Oligarchen, die tatsächlich mordend und erpressend durch die Lande ziehen, bleiben unbehelligt, weil sie sich nicht gegen Putin und sein Terrorregime stellen.

    • Der Fall Chodorkowski

      http://kunstundfilm.de/2011/11/der-fall-chodorkowski/

      Chodorkowski war nicht irgendeiner der Oligarchen, die nach dem Zerfall der Sowjetunion mit Billigung der Regierung das Staatsvermögen unter sich aufteilten. Er wollte mehr, als nur Villen, Yachten und Fußball-Teams zusammenraffen.

      Ab 2001 gab er riesige Summen für Schulen und andere Bildungseinrichtungen aus. Ebenso für Debattier-Clubs und die finanzschwachen Oppositions-Parteien im Parlament: Russland sollte aus einer anarchischen Räuberhöhle zu einem demokratischen Rechtsstaat mit starker Zivilgesellschaft werden.

      Das missfiel Präsident Putin und seinen Getreuen. Chodorkowskis moderner Jukos-Ölkonzern und seine Spendierfreude untergruben die Machtbasis der neuen herrschenden Klasse …

      +++

      Diejenigen, die hier Stimmung gegen Chodorkowski machen und Herrn Putin den Rücken stärken sollten sich mal ein paar Dinge zu Putin überlegen:

      Auch Herr Putin ist ein Oligarch mit unermesslichem Reichtum. Und fast grenzenloser Macht, zumindest in Russland. Er war bekanntlich Chef des Geheimdienstes.
      Ob man dieses Amt in Russland einem zart beseiteten Menschenfreund gibt, der sich für Recht, Gerechtigkeit, Humanität und bessere Bedingungen im Strafvollzug einsetzt wage ich zu bezweifeln.

      Wofür ist der russische Geheimdienst bekannt?

    • Der Prozess gegen ihn wurde international als politisch motiviert kritisiert.
      --------------------------------------------------------
      Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg verneinte in seinem Urteil vom Mai 2011, dass der Prozess gegen den Oligarchen zu politischen Zwecken missbraucht wurde.

      Also ist bei dem Chemiker, der in kürzester Zeit in Russland zum Milliardär avancierte, wirtschaftlich, finanziell und in den Steuererklärungen etwas nicht "sauber" gewesen, was letztendlich zur Verurteilung führte.

      Leider wurden in Russland nicht alle Diebe am Staatsvermögen so bestraft wie Chodorkowski.

    • ein_bewundernswerter_Mann
      Lassen Sie doch Ihre dumpfe Schubladen-Polemik und Unterstellungen - wenn Sie sich aber den Fakten öffnen wollen, dann schauen Sie sich mal nach zusätzlichen Informationen über diesen Mann um, z.B. bei Youtube (bestimmt keine antisemitische Quelle)wo es sogar um Verstrickungen in Auftragsmorde gehen könnte.

    • Es scheint,es gibt noch informierte Mitbürger mit
      entsprechendem Hintergrundwissen

    • @ein_bewundernswerter_Mann

      Bin ganz Ihrer Meinung. Alles was ich bis jetzt über und vor allem in Interviews von Chodorkowski gelesen habe, bestätigt diese Auffassung.

      Wenn ich das heutige Interview in der Wirtschaftswoche mit Michail Chodorkowski lese, steigt meine Bewunderung für diesen Menschen weiter.

      http://www.wiwo.de/politik/ausland/michail-chodorkowski-das-putin-regime-hat-angst-seite-all/9244630-all.html

      Aus vielen der „kritischen“ Kommentare spricht Hass und Neid. Daraus erwächst meist nichts Gutes.

    • Ist klar, alte KGB-Taktik, wenn man keine Argumente gegen einen großen Mann hat, argumentiert man eben antisemitisch. Unterste Schublade, aus der all die Hetztiraden von den KGB-Schreiberlingen hier gegen Chodorkowski hier stammen. Der oberpeinliche Prozess gegen ihn war die größte Blamage, die sich Putin bisher geleistet hat.

    • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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