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Russland rüstet auf Weiter, schneller, explosiver: Putin setzt auf neue Raketen

In seiner Rede zur Lage der Nation kritisiert Wladimir Putin den Ausstieg der USA aus dem INF-Vertrag. Dabei lobte er demonstrativ die Fortschritte seiner Raketenforscher.
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Auf Mittelstreckenraketen in Europa müsse Russland reagieren, sagt Putin. Quelle: Reuters
Wladimir Putin

Auf Mittelstreckenraketen in Europa müsse Russland reagieren, sagt Putin.

(Foto: Reuters)

MoskauWladimir Putin sparte in seiner Rede zur Lage der Nation am Mittwoch nicht mit scharfer und beißender Kritik am Ausstieg der USA aus dem INF-Abrüstungsvertrag. Die Vorwürfe, Russland habe den Vertrag verletzt, seien nur ein „erdachter Vorwand“, den die USA vorschöben, um sich von dem Vertrag zu verabschieden. Washington, so der russische Präsident, verstoße selbst seit Jahren gegen das Abkommen.

Der Kremlchef nannte explizit die Raketenabwehrsysteme in Rumänien und Polen, die seinen Angaben nach Mittelstreckenraketen abschießen können. Sollten Mittelstreckenraketen in Europa stationiert werden, werde Russland darauf reagieren müssen, sagte Putin.

Die russischen Raketen seien dann nicht nur in der Lage, Ziele in den Ländern zu treffen, wo die Abschussrampen stehen, sondern auch „Ziele in dem Land, wo die Entscheidungen getroffen werden“, sagte Putin in Richtung der USA.

Tatsächlich sei der INF-Vertrag womöglich nicht mehr zeitgemäß, da andere Staaten – im Gegensatz zu Russland und den USA – ihre Waffensysteme im Bereich der Mittelstreckenraketen weiterentwickelt hätten, sagte Putin. Die Befürchtungen vor einer Aufrüstungsspirale scheinen sich zu bestätigen. Nach der Aussetzung des INF-Vertrags testet Russland so intensiv und demonstrativ neue Raketen, als sei es von einer schweren Last befreit.

Tests der atomar getriebenen Rakete Burewestnik

So wurde bekannt, dass Russland in der vergangenen Woche eine neue Langstreckenrakete vom Typ „Burewestnik“ („Sturmvogel“) getestet hat. Die Reichweite von „Burewestnik“ ist theoretisch fast unbegrenzt, da sie einen atomaren Antrieb auf der Basis einer radioaktiven Batterie besitzen soll.

Sie könne mehrmals um die Welt fliegen, hatte Präsident Wladimir Putin gesagt, als er sie im März 2018 erstmals der Öffentlichkeit als Teil des russischen Waffenarsenals vorstellte. Wegen der hohen Manövrierfähigkeit und der niedrigen Flughöhe sei sie von feindlichen Raketenschirmen nicht aufzuhalten, hatte der russische Präsident verkündet.

Die Entscheidung über die Entwicklung der Burewestnik hat Russland nach der einseitigen Kündigung des ABM-Vertrags zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen durch George Bush junior 2002 getroffen. Allerdings verliefen die Tests bis einschließlich 2017 erfolglos.   

Nun wurden die Tests nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass wieder aufgenommen. Auf dem Raketenübungsplatz Kapustin Jar am Kaspischen Meer soll jedoch der insgesamt 13. Versuch stattgefunden haben. Er wurde als zumindest „teilweise erfolgreich“ bezeichnet.

Tests der Interkontinentalrakete Jars

Anfang Februar bereits hat Russland neue Tests mit der Interkontinentalrakete RS-24 Jars durchgeführt. Abgeschossen vom nordrussischen Übungsplatz Plessetzk landeten die ballistischen Raketen im geplanten Zielgebiet Kura auf der ostrussischen Halbinsel Kamtschatka – mehr als 5000 Kilometer entfernt. Die Jars mit bis zu vier atomar bestückte Mehrfachsprengköpfen ausgestattet werden.

Im Gegensatz zu den neusten Raketensystemen ist die Jars prinzipiell schon über das Teststadium hinaus. Mehrere Raketen sind bereits im Dienst. Der neue Test habe die Flugeigenschaften der Jars sowie taktisch-technische Einsatzmöglichkeiten bestätigen sollen, teilte das Verteidigungsministerium mit. In den kommenden Jahren will Russland seine Raketenstreitkräfte verstärkt auf das neue Waffensystem umrüsten.

Ende der Testphase für Hyperschallrakete Avantgarde

Ein weiteres Prestigeprojekt der russischen Raketenstreitkräfte scheint die Testphase ebenfalls überstanden zu haben: Die Avantgarde – als Rakete mit Hyperschallgeschwindigkeit von Putin gepriesen – hat nach Angaben der staatlichen Testkommission alle Tests erfolgreich bestanden.

Die Kommission sei „mit den Ergebnissen des abschließenden Teststarts des Avantgarde-Raketenkomplexes zufrieden, in dessen Verlauf alle Forderungen der taktisch-technischen Aufgabe erfüllt wurden. Russische Nachrichtenagenturen berichten, die Testkommission habe empfohlen, den Komplex in die Bewaffnung der strategischen Raketentruppen aufzunehmen“.

Die Avantgarde kann nach Angaben des Verteidigungsministeriums eine Geschwindigkeit von 27 Mach erreichen. Das entspricht über 32.000 Kilometer pro Stunde. Sie ist mit nuklearen und konventionellen Sprengköpfen bestückbar und soll noch in diesem Jahr bei den strategischen Raketenstreitkräften in Dienst gestellt werden – gewissermaßen als Geburtstagsgeschenk zum 60. Jahrestag der Raketenstreitkräfte.

Sarmat geht in Produktion 

Putin stellte am Donnerstag auch neue Waffensysteme vor. So habe Russland inzwischen eine weitere Hyperschallrakete entwickelt, die sich „Zirkon“ nennt. Seinen Angaben nach fliegt die Rakete mit Mach 9 Geschwindigkeit und hat eine Reichweite von 1000 Kilometern. Ausgestattet werden sollen damit normale Kriegsschiffe, aber auch U-Boote.

Neben der Serienreife von Avantgarde habe auch die Produktion der Sarmat-Rakete begonnen, fügte er hinzu. Die Sarmat ist ein Raketenkomplex, der ebenfalls mit Überschallgeschwindigkeit unterwegs ist und eine Reichweite von 17.000 Kilometern hat. Wegen der Flugkurve soll die Sarmat von Abfangsystemen nicht aufzuhalten sein.

Neue Flugzeugträger zu Wasser

Die Aufrüstung geht auch zu Wasser weiter: So soll die Mittelstreckenrakete Kalibr, dessen landgestütztes Pendant Russland nach der Aussetzung des INF Vertrags innerhalb kürzester Zeit entwerfen will, massiv weiterentwickelt werden. Verteidigungsminister Sergej Schoigu setzte als Ziel 2019/20, obwohl die normale Entwicklungszeit einer solchen Rakete auf fünf Jahre taxiert wird.

Geplant ist zudem der Bau eines neuen Flugzeugträgers, der auch Kalibr-Mittelstreckenraketen verschießen können soll. Die Fregatte „Admiral Gorschkow“ und das Landungsschiff „Iwan  Gren“ sind nach Angaben von Waleri Polowinkin, wissenschaftlicher Leiter des staatlichen Schiffbau-Forschungszentrums „Krylow“, bei starkem Wellengang nicht besonders für den Abschuss der Kalibr geeignet. Deshalb soll der Bau eines neuen Trägers den genauen Abschuss der Mittelstreckenraketen ermöglichen.

Mehr: Handelsblatt-Redakteurin Eva Fischer meint, Trump gefährde mit der Kündigung des INF-Vertrages die Sicherheit Europas.

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