Russland und die Nato Das Wettrüsten

Russland rüstet auf – und zwar nuklear. Kremlchef Putin will seine Streitkräfte mit 40 neuen Raketen ausstatten. Nato-Generalsekretär Stoltenberg spricht von „Säbelrasseln“. Eine Studie belegt: Moskau wird kriegerischer.
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Zur Parade zum Sieg über Hitlerdeutschland präsentiert Russland seine Waffen in Moskau. Quelle: dpa
Militärparade in Moskau

Zur Parade zum Sieg über Hitlerdeutschland präsentiert Russland seine Waffen in Moskau.

(Foto: dpa)

LondonRussland gibt sich kriegerisch: Nachdem Kremlchef Wldimir Putin verkündete, angesichts wachsender Spannungen mit dem Westen das Arsenal an Interkontinentalraketen auszubauen, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können, meldet sich Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zu Wort: Er kritisiert die russische Nuklear-Aufrüstung scharf. „Das nukleare Säbelrasseln Russlands ist ungerechtfertigt, destabilisierend, und es ist gefährlich“, sagte Stoltenberg am Dienstag in Brüssel nach einem Besuch bei EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Nach Angaben von Präsident Wladimir Putin sollen die Streitkräfte 2015 mindestens 40 neue Raketen erhalten.

Auch US-Außenminister John Kerry zeigte sich besorgt über die Pläne und warnte vor einem Rückfall in die Zeit des Kalten Krieges. Niemand wolle einen solchen Schritt zurück sehen, sagte er. Stoltenberg meinte weiter zu den russischen Plänen: „Wir antworten.“ Die Nato erhöhe ihre Präsenz im östlichen Teil der Bündnisgebietes, fügte er mit Blick auf die Rolle der westlichen Militärallianz an.

Beobachter befürchten ein neues Wettrüsten. Erst am Wochenende waren US-Pläne bekanntgeworden, schwere Kriegstechnik in osteuropäischen Nato-Staaten zu stationieren. Russland warnte anschließend vor einer militärischen Konfrontation in Europa. Die Pläne seien ein Verstoß gegen die Nato-Russland-Grundakte von 1997, kritisierte das Außenministerium in Moskau. Das Abkommen verbiete eine dauerhafte Präsenz von Kriegstechnik in osteuropäischen Staaten.

Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

Der Zeitung „Bild“ (Mittwoch) sagte Stoltenberg, die Sicherheitslage habe sich verändert. Das in Polen stattfindende Nato-Manöver „Noble Jump“ sende „ein klares Signal, dass unser Bündnis bereit, willens und in der Lage ist, mit allen Herausforderungen fertig zu werden, die auf uns zukommen.“ Er betonte, die Nato strebe keine Konfrontation, sondern ein konstruktives Verhältnis zu Russland an. „Aber so ein Verhältnis muss darauf basieren, dass Grenzen, Regeln und Vereinbarungen respektiert werden.“

An „Noble Jump“ ist auch die Bundeswehr beteiligt. Ziel der Übung der neuen schnellen Eingreiftruppe der Nato ist es, neue Abläufe für den Ernstfall zu trainieren. Für Donnerstag ist eine Demonstration der Einsatzfähigkeit mit Gefechtsmunition geplant. Dazu werden unter anderen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Stoltenberg erwartet.

Die neue Krisentruppe der Nato wird vor dem Hintergrund des Konflikts in der Ostukraine vor allem als Abschreckung gegen Russland aufgebaut. Sie soll im Kern eine rund 5000 Soldaten starke Landstreitkräfte-Komponente umfassen. Als mögliche Einsatzorte der sogenannten Speerspitze gelten beispielsweise die Bündnisstaaten im Baltikum. Länder wie Litauen, Lettland und Estland fühlen sich besonders von der aktuellen russischen Politik bedroht.

Die Ukraine kündigte indes am Dienstagabend an, die umstrittene Blockade des Kriegsgebietes Donbass zu verschärfen. So dürften Lebensmittel, Medikamente und medizinische Güter nur noch bedingt in das von den prorussischen Separatisten kontrollierte Gebiet geliefert werden, teilte der Geheimdienst in Kiew mit. Die Behörde leitet die „Anti-Terror-Operation“ gegen die Aufständischen.

Der Nahe Osten und Nordafrika schneiden schlecht ab
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11 Kommentare zu "Russland und die Nato: Das Wettrüsten"

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  • Na klar, rüstet Moskau auf.
    Oder sollen die ersta abwarten, bis die angegriffen werden?
    Denn eines ist doch sicher, die mis wollen in Europa Krieg und der dumme deutsche Michl merkt das nicht

  • Es bleibt noch anzumerken, über ca. 70 Mrd. Euro Sozialkosten, ebenfalls stark steigend aufgrund extrem zunehmender Asyl- und Flüchtlingszahlen und hauptsächlich verursacht von kriminellen politischen Aktivitäten der sogenannten “westlichen Wertegemeinschaft“, lässt sich in feudalen Kreisen natürlich viel leichter lamentieren als über die ca. 70 Mrd. Euro militärische Kosten.
    Von den 70 Mrd. Sozialkosten greifen feudale Strukturen einen großen Teil der Summe ab, dennoch ist der Beutezug natürlich bei den militärischen Kosten noch höher und deshalb von den Feudalkrusten voll akzeptiert. Darum wird man der deutschen Bevölkerung die Sozialkosten in regelmäßigen Abständen auf den Euro, aber nicht im Detail, genau in großen Schlagzeilen benennen. Bei den summierten militärischen Kosten hingegen wird man einen großen Teil auch weiterhin verschleiern. Das Ziel dabei ist eindeutig, eine Agenda 2020 oder 2025 etc. ließe sich mit ehrlichen Zahlen unmöglich gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen. Für die Feudalkruste und die beauftragten korrupten Bundestagsabgeordneten und die Bundesregierung ist das Belügen und Betrügen der eigenen Bevölkerung quasi lukrativer Selbstschutz und damit Alternativlos!!!

    Wer seinen Kopf nicht nur für die Frisur hat, könnte wenn er denn wollte dieses üble Spiel längst begriffen und durchschaut haben.

  • Danke für den Link.

    Zitat:

    Noch immer sind nämlich 25.000 britische und 60.000 US-amerikanische Soldaten auf deutschem Boden stationiert. Es gibt zusammen über 70 unter ausländischem Regiment stehende Militärstützpunkte mit Flugzeugen, Hunderten Panzern, etlichen Raketenwerfern und noch immer mehr als 100 Atombomben!

    Ich glaube eine so hohe Konzentration an fremden "Verteidungskräfte" gibt es nirgendwo weltweit. Und trotzdem gibt es immer noch Idioten die von Souveränität Deutschlands träumen.

  • @J. Schmidt
    "Was kosten die ganzen US Militärbasen den deutschen Steuerzahler ?"

    Die immer noch existierenden und zukünftig noch wachsenden Besatzungskosten für Deutschland können bedauerlicherweise nur geschätzt werden und die seriösen Schätzungen gehen von über 30 Mrd. Euro jährlich aus. Man vermeidet vonseiten der US-hörigen und beauftragten etablierten Parteien im Bundestag allerdings eine ehrliche Ausweisung dieser Kosten im Bundeshaushalt, damit in der “Schafherde“ Bundesrepublik Deutschland nicht unnötig Unruhe entsteht, denn man könnte natürlich soviel gutes Tun mit über dreißig Mrd. Euro für die Bevölkerung im eigenen Land. Oder sich z. B. mal einen eigenen richtigen Geheimdienst anschaffen und den alten, den BND, entweder in die USA abschieben oder in den Knast stecken.

    http://www.goldseiten.de/artikel/215315--Deutschland~-Aktuelle-Besatzungskosten-belaufen-sich-geschaetzt-auf-ueber-30-Mrd.--jaehrlich-.html

    Diese Besatzungskosten werden von unserem transatlantischem Bundestag und Regierung, wenn überhaupt, als zusätzliche Kosten zu den normalen NATO-Kosten gesehen, aber nicht als solche benannt.
    Das heißt die tatsächlichen militärischen Kosten Deutschlands umfassen nicht nur den Bundeswehrhaushalt von ca. 33 Mrd. Euro, zählt man die Besatzungskosten, Militärmissionen der Bundeswehr im Ausland und den Zivilschutz hinzu, dann kommt man leicht auf über 70 Mrd. Euro im Jahr, Tendenz stark steigend. Um mal einen Vergleich zu nennen, Russland hat ca. 80 Mrd. Euro militärische Kosten im Jahr, Tendenz ebenfalls stark steigend.

    Der immense jährliche Schaden beim Steueraufkommen der Bundesrepublik Deutschland, vom privaten Schaden mal ganz abgesehen, der z. B. durch die Wirtschaftsspionage des US-BND-NSA Geheimdienstes entsteht, ist bis dato nicht zu beziffern und soll nach dem Gusto der deutschen transatlantischen Bundesregierung auch geheim bleiben.

    Die eigenen bundesdeutschen Sanktionsschäden gegen Russland entwickeln sich mittlerweile auch ganz prächtig.

  • "Auch US-Außenminister John Kerry zeigte sich besorgt über die Pläne und warnte vor einem Rückfall in die Zeit des Kalten Krieges. Niemand wolle einen solchen Schritt zurück sehen, sagte er."

    Also isch tät misch jo net traue so oanen grenz- debilen und verlohenen Verbalausfluss zu schwätze. Koane Ahnung, aber vielleischt war zuviel Koks dran schuld.

    Mal im Ernst, hat der US-Außenminister sich mit so einem Unsinn nicht zu einem höheren Amt, dem des US-Präsidenten empfohlen?!

  • Moskau wird kriegerischer

    Moskau reagiert, wäre die treffendere Aussage. Wer zündelt denn ständig, überall auf der Welt, daß Gezündelte abnicken oder reagieren müssen? Russland kann, aufgrund seiner Ebenbürtigkeit, antworten. Die meisten gezündelten Staaten konnten dies nicht und sind durch Bestrafung im Chaos versunken.
    Russland ist nicht der Aggressor!

  • Aggressor sind doch eindeutig die USA und die NATO! Ich schäme mich ehrlich, in einem Verbund leben zu müssen (EU), der es sich offenbar auf die Fahnen geschrieben hat, Russland zu provozieren. Was würde denn passieren, wenn man den USA einen strategisch wichtigen Zugang (zur Krim) sperrt - dann würden aber sofort Raketen fliegen! Herrn Putin bleibt doch gar nichts anderes übrig, als zu handeln! Und was macht Frau Merkle? Wieder einmal nichts. Ich bin weiß Gott kein Anhänger der SPD, doch hier lob ich mir Herrn Schröder, der der USA seinerzeit beim Golfkrieg Einhalt geboten hat!

  • »Stoltenberg meinte weiter zu den russischen Plänen: „Wir antworten.“ Die Nato erhöhe ihre Präsenz im östlichen Teil der Bündnisgebietes, fügte er mit Blick auf die Rolle der westlichen Militärallianz an.«

    Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?

    Die Zurückhaltung Moskaus nach dem Fall der Mauer wurde mit dem Heranrücken der NATO in Richtung Osten gewürdigt und damit ist jetzt halt Schluss, eigentlich verständlich…

    Sorry, hatte vergessen das Zitat anzufügen.

  • Wenn man plötzlich böse Feinde hat dann gibts mehr Aufträge für die US Waffenlobby. Krieg ist immer noch das beste Geschäft. Was kosten die ganzen US Militärbasen den deutschen Steuerzahler ?

    Genauso mit den Sanktionen, währen die EU Firmen Aufträge nach Russland verlieren, hat der amerikanisch-russische Warenaustausch stark zugelegt.

    Und der Michel erstarrt vor Angst vor jeder neuen Bild Schlagzeile.

  • Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?

    Die Zurückhaltung Moskaus nach dem Fall der Mauer wurde mit dem Heranrücken der NATO in Richtung Osten gewürdigt und damit ist jetzt halt Schluss, eigentlich verständlich…

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