Russland und USA Der Kampf um die Arktis

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Die Arktis als geopolitische Chance
Wo das Meer die Arktis frisst
Arktische Permafrost-Küste
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34 Prozent der Küsten weltweit sind Permafrost-Küsten. Das heißt, der Boden enthält jede Menge gefrorenes Wasser, das die eingelagerten Sedimente wie Zement zusammenhält. Doch in Zeiten des globalen Klimawandels wird dieser Zement brüchig. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
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In den vergangenen Jahren hat sich das Auftauen der Permafrost-Küsten so stark beschleunigt, dass sich das Meer in manchen Regionen über 20 Meter pro Jahr ins Land frisst. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung haben das Phänomen auf der nordkanadischen Permafrost-Insel Herschel Island untersucht und dokumentiert. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
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„Herschel Island verliert pro Jahr bis zu 22 Meter seiner Steilküste. Der aufgetaute Permafrostboden rutscht dann in Form von Schlammlawinen ins Meer und trübt die umgebenden Flachwasserbereiche so großflächig ein, dass die braun-grauen Sedimentfahnen viele Kilometer weit ins Meer hineinreichen“, erläutert AWI-Forscher Michael Fritz. (Foto: AWI/Michael Krautblatter)

An der Küste von Herschel Island
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Taut der Permafrost auf, lösen sich die zuvor im Eis eingeschlossenen Sedimente, Tier- und Pflanzenreste und werden von den Wellen ausgewaschen. Bei diesem Vorgang werden nicht nur die klimarelevanten Treibhausgase Kohlendioxid und Methan freigesetzt. Das erodierte Material enthält auch jede Menge Nähr- und Schadstoffe wie Stickstoff, Phosphor oder Quecksilber. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Satellitenbild von Herschel Island mit gut sichtbaren Sedimentfahnen vor der Küste
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Diese Stoffe gelangen ins Meer, werden dort weiter transportiert, abgebaut oder angereichert und verändern nachhaltig die Lebensbedingungen im Flachwasserbereich. „Die Folgen für das Nahrungsnetz können wir bisher nur erahnen“, sagt Michael Fritz. (Foto: NASA Worldview)

Erodierende Steilküste der Herschel Insel
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Wie sich die Biogeochemie der Küstenzone im Zuge der zunehmenden Erosion verändert und welche Konsequenzen dies für die Ökosysteme, für wichtige Fischgründe und somit am Ende auch für die Menschen in der Arktis hat, ist tatsächlich bislang noch kaum untersucht worden. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Forschungsarbeit an der Küste von Herschel Island
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Vor allem logistische Probleme haben bislang eine genauere Erforschung des Phänomens verhindert. Viele der arktischen Küsten- und Flachwasserzonen sind weder per Auto oder Flugzeug noch mit großen Eisbrechern zu erreichen. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Das wachsende Interesse an der Arktis bietet nach Ischingers Meinung aber auch die Chance zu neuen Formen der Kooperation. Zwar gebe es schon einen Arktischen Rat. Dieser sei „als Plattform für die Anrainerstaaten sehr wichtig, aber seine Möglichkeiten sind beschränkt, weil im Rat keine bindenden Entscheidungen getroffen werden können“, gibt Ischinger zu bedenken. So habe man dort nur mühevoll einen offenen Streit mit den Amerikanern über den Klimawandel vermeiden können. Besser wäre es daher, wenn Russland und die USA direkt ins Gespräch kämen und gemeinsame Interessen in der Region betonten.

„Wenn Moskau in der Ukraine-Krise mehr Entgegenkommen zeigen würde, könnten sich neue Möglichkeiten ergeben, um wieder enger mit den Amerikanern bei der Rohstoffexploration in der Arktis zu kooperieren“, sagt der MSC-Chef. Die Arktis sei also geopolitisch auch eine Chance. Das jüngste Angebot des Kreml, der Stationierung von Blauhelm-Soldaten der Vereinten Nationen in der Ostukraine zuzustimmen, könnte darauf hindeuten, dass ein Umdenken in Moskau eingesetzt hat.

Russland ist auf amerikanische Expertise angewiesen, um die Pläne zur Erschließung der Arktis umzusetzen. Die Wirtschaftssanktionen des Westens treffen das Land hart. Es fehlt an Know-how, um in den Tiefen unter dem schmelzenden Polareis Rohstoffe zu fördern. Dabei sind es diese Reserven, die über das Wachstum des russischen Öl- und Gassektors entscheiden. Ein Viertel der bislang unerschlossenen Lagerstätten soll sich in arktischen Regionen befinden, etwa 80 Prozent davon in der Tiefsee.

Auch Washington hat längst erkennt, welche Schätze der hohe Norden beherbergt. US-Präsident Donald Trump hat vorsichtshalber das von seinem Vorgänger Barack Obama verhängte Verbot von Tiefseebohrungen in der Arktis aufgehoben. Auch wenn der Ölpreis im Moment niedrig ist, Tiefseebohrungen teuer sind und die USA sich mehr für Fracking auf dem Festland interessieren, haben die russischen Expansionspläne die Amerikaner hellhörig gemacht. Im Kongress bezeichnete US-Verteidigungsminister James Mattis die Arktis jüngst als „strategische Schlüsselregion“.

Bei der Militarisierung der Arktis ist Putin den Amerikanern allerdings um einiges voraus. Er hat dort nicht nur Tiefseehäfen und Forschungsanlagen ausgebaut, sondern zwei Brigaden in den Polarkreis verlegt und alte Militärflugfelder reaktiviert. Neue Militärbasen befinden sich im Bau. Darüber hinaus hat Moskau moderne Raketenabwehrsysteme in die Arktis verlegt – zum Schutz vor einer Aggression durch die Nato, wie es im Kreml heißt. Russlands nordische Flotte hat ihren Sitz in der Arktis und umfasst etwa zwei Drittel aller russischen Marine-Streitkräfte.

Die Nato steht nun unter Druck, auf die russische Herausforderung im Eismeer zu reagieren. Militärexperten wie Luke Coffey von der konservativen Heritage Foundation in Washington, fordern seit Jahren eine Antwort der Nato im hohen Norden. Das westliche Bündnis hat sich bislang jedoch noch nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen können. Dazu müsste man wohl auch Anrainer wie Finnland und Schweden mit ins Boot holen, die beide nicht Mitglied der Nato sind.

Ischinger warnt davor, sich auf einen Aufrüstungswettlauf mit den Russen einzulassen. „Es wäre nicht gut, wenn jetzt die Nato mit ihrem eigenen Arktis-Programm kommen würde. Das schürt in Moskau sofort Misstrauen“, mahnt der Diplomat. Die bisherige Zurückhaltung sei richtig. Genauso wie der Klimawandel in der Arktis die Rivalität zwischen Russen und Amerikanern anheizt, könnte er auch neue Kooperationsformen erzwingen. Nach Messungen von Geologen erwärmt sich die Erde in der Arktis doppelt so schnell wie anderswo. Bleibt es dabei, könnte Grönland komplett eisfrei werden und den Meeresspiegel kräftig steigen lassen. Eine Bedrohung für Küstenregionen in Russland und den USA.

Expedition zu den Tiefseebergen der Arktis
Forschungsschiff Polarstern
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Das Forschungsschiff Polarstern war im Oktober 2016 auf einer Arktis-Expedition. Heimathafen des Schiffes ist Bremerhaven.

Tauchroboter wird ausgebracht
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Mit neuen Robotern und Kameras haben die Wissenschaftler erstmals das Tiefseeleben riesiger Unterwasser-Seeberge in der zentralen Arktis untersuchen. (Foto: WHOI)

Basaltgestein an einem Seeberg
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Seeberge gelten als Oasen des Lebens im Ozean. Bislang war aber unklar, ob sie auch in der eisigen Arktis reich besiedelt sind. (Foto: AWI OFOS)

Polarstern im Gebiet des Karasik-Seebergs
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Ihre Forschungsreise führte die Polarstern unter anderem an den 2001 entdeckten Karasik-Seeberg. Der Unterwasser-Gigant steigt von 5000 m Wassertiefe auf 650 m auf.

Riesige Kugelschwämme
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Der Gipfel des Seebergs erwies sich als über und über mit riesigen kugeligen Schwämmen bewachsen. Zwischen den Schwämmen liegen zentimeterdicke Matten aus Nadeln und Wurmröhren. (Foto: AWI)

Riesenschwämme am Karasik
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Die Riesenschwämme werden bis zu einem Meter groß, hunderte von Jahren alt und scheinen sich auf ihren Nadeln fortbewegen zu können. Sie sind wiederum Lebensraum für unzählige Tiere, die auf und in den Schwämmen ein Zuhause finden. (Foto: AWI OFOS)

Buntes Leben zwischen den Schwämmen
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Zwischen den Schwämmen tummeln sich große weiße Seesterne, blaue Schnecken, rote Krebse sowie weiße und braune Muscheln. (Foto: AWI OFOS)

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4 Kommentare zu "Russland und USA: Der Kampf um die Arktis"

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  • ab einem zweistelligen IQ könnte man jetzt folgendes suggerieren:

    a) das Eis soll dort auch schmelzen, damit "die Region" besser zugänglich ist für Konzerne/Staaten die an Ölförderung etc. interessiert sind -> Also doch keine brutale Angst vor Eisschmelze? Oder wie passt das zusammen?

    b) jetzt geschieht eine Art Produktdiversifikation:
    Die Wirtschaft sahnt gerne zweimal ab.
    -> b1) Eis schmilz, Sie kommen an die neuen Rohstoffe
    -> b2) da das Eis schmilzt (komisch, warum nur? xD) können Sie über geschicktes Marketing doppelt absahnen -> Ökoreligion

    Einwand: Ja aber "Öl-Industrie" ist doch klarer Gegner der Ökos... bla bla bla.

    Nein! schauen Sie sich Beteiligungen von Konzernen/JointVentures etc. an, im Prinzip sind es die gleichen Konzernen. Ob jetzt der Cousin oder der Papagei des Hundes der Besitzer ist, ist zweitrangig.

    Um was gehts? Geld. Klingt das für Sie logisch?
    Wenn Nein, dann glauben Sie gerne weiter daran.
    Falls mein Beitrag Sie zumindest zum Nachdenken bewogen hat, klassen, denke, Sie weiter nach und hören Sie nicht auf Kommentatoren, die Ihnen jeden Tag Nonsens erzählen wollen.

    Selbst denken ist die Devise

  • Der Artikel ist Geopolitik mit einem Schuss Ökoreligion gemischt. Schön wären im Artikel Details über die Rohstoffprojekte, oder der Stand der aktuellen Diskussion der Arktisstaaten gewesen.

    Der Satz: "Bleibt es dabei, könnte Grönland komplett eisfrei werden und den Meeresspiegel kräftig steigen lassen. Eine Bedrohung für Küstenregionen in Russland und den USA. "

    Sachlich gesehen ist die Eisschicht Grönlands bis zu 2000m dick. Wenn sich das Klima aus irgendwelchen Gründen erwärmen würde, würde es viele Jahrhunderte dauern bis das Eis Grönlands abgeschmolzen ist.

    Der Klimawandelnobelpreisträger Al Gore hatte 2009 vorhergesagt, dass die Arktis 2013 komplett eisfrei sei... Sachlich gesehen hat sich die "Globaltemperatur" seit der Kleinen Eiszeit (bis 1850) um 0,5 - 0,8 +-0,5°C erwärmt. Dadurch hat sich das arktische Eis etwas zurückgezogen. Eine eisfreie Arktis bedürfte einer wesentlich stärkeren Erwärmung.

  • "Der Wettlauf um die Erschließung des hohen Nordens hat längst begonnen und heizt die Rivalität zwischen den USA und Russland weiter an."

    Nicht nur die. Und den Schaden daraus haben letztlich alle gleichermaßen. Wir leben nämlich alle in der Atmosphäre desselben Planeten. Und wenn der in einigen Regionen unbewohnbar wird, bleibt den dort lebenden Menschen gar nichts anderes übrig, als in andere umzusiedeln.

    Wäre also gut, wenn man folgende Anregung aufgreifen würde:

    "„In Zeiten eines tiefen Zerwürfnisses zwischen Ost und West ist die Arktis neben der Raumfahrt eines der wenigen Themengebiete, in dem Ost und West gemeinsame Interessen haben und miteinander zusammenarbeiten können“, sagt Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz (MSC) (...). Dass es anders zu kommen droht, weiß er natürlich."


    @Herr Toni Ebert, 12.10.2017, 12:29 Uhr

    "Betrifft es uns??
    Können wir (das Volk) etwas daran ändern?"

    Zweimal klares Ja.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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