Russlandbesuch Merkel kritisiert Strafmaß für Pussy Riot

Zwei Jahre Straflager? „Das wäre in Deutschland nicht passiert“, sagte Bundeskanzlerin Merkel über das Gerichtsurteil gegen Mitglieder der Band Pussy Riot. Es dürfe nicht jede Kritik als destruktiv angesehen werden.
Update: 16.11.2012 - 15:43 Uhr 15 Kommentare
Die drei Musikerinnen Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch während der Verhandlung in einem Gerichtssaal in Moskau. Quelle: dpa

Die drei Musikerinnen Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch während der Verhandlung in einem Gerichtssaal in Moskau.

(Foto: dpa)

MoskauBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich in Moskau kritisch zum Strafmaß der Bandmitglieder von Pussy Riot geäußert. Ein Auftritt wie der der russischen Punkband in einer Kirche würde auch in Deutschland „Diskussionen“ hervorrufen, sagte Merkel am Freitag in Moskau. „Aber dass man dafür zwei Jahre ins Straflager muss, das wäre in Deutschland nicht passiert.“ Sie fügte hinzu: „Unserer Freundschaft wird nicht besser, wenn wir alles unter den Teppich kehren und nicht darüber diskutieren.“ Es dürfe auch nicht jede Kritik sofort als destruktiv angesehen werden.

Der russische Präsident Wladimir Putin wies die Kritik der Kanzlern an dem harten Urteil zurück. Eine der Frauen habe früher an einer antisemitischen Aktion teilgenommen, sagte Putin. „Wir und ich können keine Leute unterstützen, die antisemitische Positionen zur Schau stellen.“

Im Übrigen gebe es zwischen Deutschland und Russland auch „keine düsteren Zeiten“, sondern ab und an „Meinungsverschiedenheiten“.

Pussy-Riot-Musikerinnen zu je zwei Jahren Haft verurteilt

Merkel ging auch auf das Thema Rechtsstaatlichkeit in Russland ein. Es gebe eine ganze Reihe von Gesetzen, „bei denen ich nicht erkennen kann“, was daran die Meinungsfreiheit stärke. In Deutschland sei man auch von Regierungsseite gewohnt, auf Kritik einzugehen und zu reagieren. „Wenn ich da immer gleich eingeschnappt wäre, könnte ich keine drei Tage Bundeskanzlerin sein.“

 


  • dapd
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15 Kommentare zu "Russlandbesuch: Merkel kritisiert Strafmaß für Pussy Riot"

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  • Sehe ich auch so. Es geht gegen Putin. Russland ist halt nicht im Bilderberger Club bzw. hat Putin die Bilderberger-Oligarchen entmachtet.

    Wer in eine Kirche rennt und "Gott ist scheiße" siegt, der hat keinen Anstand. Einer solchen Person sollte man die Gelegenheit und Zeit geben über Anstand nachzudenken. Ich finde sogar das Strafmaß völlig ok.

    Wenn bei uns Menschen in der U-Bahn brutal zusammengeschlagen werden, dann laufen die Täter weiter frei rum. Vielleicht stimmt bei uns etwas nicht, Frau Merkel? Sie sagt ja selbst: "Bei uns wäre nichts passiert". Eher ein Eigentor.

    Ich finde wir sollten russische Rechtsexperten einladen unser System zu prüfen und zu verbessern. Denn unser System schützt Täter und verhöhnt Opfer.

    @HB

    Könnt ihr auch was anderes als dpa-Müll copy&paste zu übernehmen?

  • Wie sagte gestern einer in einer Satire-Show:

    Angela Merkel: "Ich habe eiseren Prinzipien. Und wenn Ihnen diese nicht gefallen, habe ich auch noch andere."

  • Im Kongo werden 9000000 Menschen abgeschlachtet für Diamanten und Frau Merkel kümmert sich um 3 Pussie Riots unglaublich.

  • Vorstellbar! Aber die Oberen werfen es der Bundesrepublik nicht vor.

    Mein Wort soll den Zustand in Russland nicht beschönigen, keineswegs! Aber bevor man (Merkel oder Westerwelle) dort das Wort schwingt, sollte man hier sicher sein, dass man die eigenen Hausaufgaben gemacht hat, man sollte den eigenen Stall ausmisten. Und da glaube ich ich, dass wir uns in der Einschätzung nicht unterscheiden. Die Ausdrucksweise ist nur different.

    Machen wir ein anderes Thema auf. In was unterscheiden sich die Schredderaktionen von Stasi und Verfassungsschutz?

    Ja, sie haben recht! Die Stasi-Schredderaktionen wurden und werden aufgearbeitet. Unser heutiger Bundespräsident, der als ehemaliger Leiter der "Gauck-"Behörde Bekanntheit erreicht hat, könnte dies bezeugen.

    Haben wir nicht noch viel vor uns bevor wir uns mit Recht zu Wort melden dürfen?

  • @ Mazi

    Und im Demokratischen Rechtsstaat Deutschland passieren noch ganz andere Sachen : da werden mit einer Waffe 10 ( ! ) Jahre lang Menschen umgebracht ( 10 an Anzahl ), ohne das die Polizei sich regt...?! Ob sowas in Russland vorstellbar ist...?

  • " „Das wäre in Deutschland nicht passiert“, sagte Bundeskanzlerin Merkel über das Gerichtsurteil gegen Mitglieder der Band Pussy Riot."

    Da hätte sich Frau Merkel vorher schlau machen sollen. Das passiert bei uns in Deutschland laufend.

    Neulich habe ich

    von einer Staatsanwaltschaft gelesen, dass der Richter Kläger und Beklagte >>versehentlich<< verwechselt hat

    das ein hohes Gericht in Deutschland nicht dazu verpflichtet ist sicherzustellen, dass ihm übergebene Beweisunterlagen auch vollständig zurück gegeben werden. Es hält nicht einmal fest, welche Unterlagen ihm übergeben werden. Dazu sei es nicht verpflichtet.

    das Beiträge aus der "Regenbogenpresse", also von offensichtlich parteiisch kontrollierter Presse vom Gericht als aktueller wissenschaftlicher Stand bezeichnet werden und für die Urteilsfindung heran gezogen wurde

    dass Richter wegen falscher Sachverhaltsdarstellung gerügt werden, dies in der Sitzungsniederschrift nicht festgehalten wird.

    Als Mensch stimme ich Frau Merkel und Herrn Westerwelle in ihrer Kritik zu. Als Personen in Regierungsfunktion halte ich die Kritik für nicht berechtigt, weil es in Deutschland in gleichem Punkt ebenso schlecht bestellt ist. Es wäre mal wieder an der Zeit, dass auch bei uns Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit praktiziert wird.

    Die Kritiken sind lediglich als Propaganda mit dem Ziel zu verstehen, uninformierte hinter sich zu ziehen. Das ist kein guter Stil.

    Mit anderen Worten:
    Es ist der gleiche Stil, der angeprangert wurde. Das ist dann noch schlimmer.

  • Wenn sich Frau Merkel zu diesem Thema öffentlich kritisch äußert, dann bitteschön auch zum Thema Assange. Ich kann diese Heuchelei nicht mehr ertragen.
    Orthodoxe Christen darf man beleidigen aber wehe man wagt sich gegen den Islam was zu sagen, dann brechen alle Dämme!

  • ja und die niedergeknüppelten Demonstranten in Spanien, Portugal, Griechenland .....? Oder was ist mit Syrien, Israel, Palästina....?

    Von dieser westlichen Doppelmoral kann man diese russische Regierung wohl kaum noch beeindrucken!
    Da gab es erst kürzlich ein böses Erwachen für Herrn Westerwelle, als Sergey Lavrov den "Asylantrag" für Herrn Assad durch die Deutsche Regierung ins Lächerliche zog!

  • Ich glaube nicht, dass eine Kritik von Frau Merkel auf Aufmerksamkeit oder gar Rüksicht stößt. Die Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates sind Überbleibsel aus längst vergangenen Jahrzehnten. Rußland ist souveräner denn je und die deutsche Regierung tut gut daran, sich an diese Tatsache zu halten! Diese sind sehr eindeutig und wesentlich, nämlich Handel miteinander zu treiben. So ist im europäischen Raum nicht nur Deutschland auf die grossen Energieressourcen Rußlands angewiesen. Und wieder sind es die Bodenschätze, die einmal mehr ökonomische Macht widerspiegeln. Putin ist ein umgänglicher Politiker, der weiß, was er nicht will und er läßt sich auf keinen Fall ein x vor dem u vormachen- zu clever für Frau Merkel! Er spielt mit ihr und lächelt über das was sie sagt. Er weiß, dass Deutschland ihn, sein Land und seine Industriepotentiale braucht. Er weiß, dass er und Rußland über den Westen und die Krise erhaben ist.

  • Hätte eine Rechts Rock Band das in Deutschland in einer Moschee abgezogen, wäre das Strafmaß in Deutschland noch HÖHER ausgefallen - Frau Merkel

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