Russlands Importstopp gegen den Westen Ein Jahr nur russischen Parmesan

Teure Milch, leere Regale, russischer Parmesan: „Die Produkte im Laden sehen gut aus – bis du sie probierst“, sagt Eva Mala. Die Bloggerin hat 365 Tage Importstopp dokumentiert – und wurde auf ihrer Reise oft überrascht.
17 Kommentare
Die vereinsamte Gemüse- und Obst-Abteilung in einem russischen Tochka Supermarkt am 11. März 2015. Quelle: Facebook
Ein Supermarkt in Russland

Die vereinsamte Gemüse- und Obst-Abteilung in einem russischen Tochka Supermarkt am 11. März 2015.

DüsseldorfFrustration ist: Mit einer Einkaufsliste, auf der nur vier Dinge stehen, durch acht verschiedene Supermärkte zu gehen und danach immer noch nichts in der Hand zu halten. So beschreibt es Eva Mala aus der Region um Moskau einen Tag vor dem Weihnachtsfest des vergangenen Jahres.

Damals war der russische Einfuhrstopp westlicher Lebensmittel gut vier Monate alt. Ihre Erfahrungen mit dem Importstopp beschreibt die junge Frau in ihrem Blog „365 Days of Russian Ban On Food“, auf Deutsch: 365 Tage russisches Einfuhrverbot für Lebensmittel. Ihr Profilbild: Ein durchgestrichener Burger und Softdrink – dahinter: Kremlchef Wladimir Putin mit nacktem Oberkörper und Gewehr, „Auf Wiedersehen Erdnussbutter, hallo Salo (ein in Salz und Gewürzen gereifter, sechs bis zehn Zentimeter dicker Rückenspeck), auf Wiedersehen Parmesan, hallo Tvorog (Quark), auf Wiedersehen französischer und italienischer Wein, hallo Wodka“, schreibt Mala zu Beginn.

Der Einfuhrstopp war Kremlchef Wladimir Putins Reaktion auf die wegen der Ukraine-Krise von den USA, der EU, Kanada, Norwegen und Australien verhängten Sanktionen. Zuvor hatten diese Staaten Russland bereits den Zugang zu ihren Finanzmärkten erschwert, künftige Waffenexporte gestoppt und Einreiseverbote gegen mehrere Politiker verhängt. Doch dann kamen die Sanktionen.

Gemeinsam mit dem Ölpreisverfall haben sie die wirtschaftliche Krise in Russland maßgeblich beschleunigt. Wie ein Katalysator der eigenen Lebensmittelknappheit wirkte Putins Verbannung von westlichen Milch- und Fleischprodukten, Obst und Gemüse aus den russischen Regalen.

Die Lebensmittelpreise zogen um 20 Prozent an. Nach amtlichen Statistiken lebten im vergangenen Jahr über 16 Millionen Russen beziehungsweise elf Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Im ersten Quartal 2015 stieg die Zahl auf 23 Millionen Menschen, was einer Quote von 16 Prozent entspricht.

Nur wenige Tage nachdem der Einfuhrstopp in Kraft trat, begann Eva Mala ihren Blog. Sie hatte den Eindruck, dass weder westliche noch russische Medien die Situation richtig darstellten. Russland behaupte, der Einfuhrstopp sei eine Chance für die einheimischen Bauern. Der Westen wiederum hätte oft keine Journalisten vor Ort gehabt und deshalb nur Vermutungen über die Lage in den Supermärkten angestellt.

„Ich fühle mich verantwortlich, den Menschen zu zeigen, wie es wirklich ist“, sagt sie. Ihre Kamera hatte sie daraufhin immer griffbereit, um zu dokumentieren, was sie kaufte, kochte, aß. Ihre Bilder aus dem Supermarkt zeigen oft leere Regale, wo einst westliche Importware angeboten wurde, aber auch die „wirklich beste Pizza in Moskau“ und gemeinsame Familienessen mit Würstchen, Sauerkraut und Teigtaschen.

Milch nur noch zum Kaffee – zu teuer
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Russlands Importstopp gegen den Westen - Ein Jahr nur russischen Parmesan

17 Kommentare zu "Russlands Importstopp gegen den Westen: Ein Jahr nur russischen Parmesan"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hi there

    http://www.globus.ru/

    Vollmilch aus Milchautomaten: EUR 1,00 / RUR 80
    Vollmilch pasteurisiert: EUR 0,75 / RUR 60
    Milch entrahmnt UHT: EUR 0,50 / RUR 40

    Bitte kein Quatsch hier mehr...

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Des einen Freud, des anderen Leid...
    Tja, ich kann ein anderes Lied über Touristen erzählen: ich war im Juni auf Jamaica - und jetzt raten Sie mal, welche Touristen sich dort im Resort dermaßen von ihrer besten Seite gezeigt haben, dass sie u.a. schon um 10 in der Früh besoffen aus dem Pool gezogen werden mussten? Kleiner Tipp: es waren nicht die Russen... ;-)

  • Liebe Frau Witsch,
    Sie sollten wirklich ihre Information pruefen bevor sie so was schreiben!!
    Ich bin Deutscher, aber lebe seit vielen Jahren in Russland und gehe in russische Supermaerkte einkaufen! Es gibt keine leeren Regale, wie sie beschreiben.

    Die neuen russischen Produkte sind in manchen Faellen sogar besser als was importiert wuerde. Die Wurst ist auf hohen Niveau, der Mozarella ist wie aus Italien, die Milchprodukte sind sehr gut und lange nicht so teuer wie sie schreiben, und Gemuese und Fruechte gibt es noch genug, nur nicht mehr aus Europa. Es wird immer mehr hier produziert was auch richtig ist! Ein Land kann nicht so viel Lebensmittel importieren und sich richtig entwickeln.

    Ich wuerde sie bitten diesen Artikel zu entfernen da er wirklich absolut falsch ist. In Russland gibt es viele Probleme, und viel muss verbessert werden. Aber so was falsches zu schreiben ist nicht richtig!!

  • Also Milch kostet 30 Rubel und nicht 220. Davor kostete die Milch 25 Rubel. Und wurde nie aus Europa eingeführt. Kann mir gar nicht vorstellen, was fuer eine Milch man fuer 220 Rubel kaufen kann. Fleisch ist um ca 10 % gewachsen. Also ich merke nichts von den explodierenden Preisen. Könnte auch mit Photos belegen, falls jemand mag.

  • Hauptsache der Rubel bleibt schwach. Kaum noch Touristen aus Russland im Urlaub. Herrlich

  • Vor 3 Wochen in St. Petersburg im Supermarkt:
    Die Regale sind voll. Alle Milchprodukte die vor 2 Jahren aus Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland etc kamen sind ersetzt durch russische Waren. Die Qualität ist bei weitem schlechter als im Feinkostladen - aber vergleichbar mit abgepacktem Aldi/Lidl Käse hier bei uns.
    Beim Gemüse und Obst ein ähnliches Bild: Volle Regale aber andere Herkunftsländer.
    Jetzt Türkei und einheimische Produkte.
    Übernächte Woche geht es nach Moskau - ich werde mir auch dort selbst ein Bild machen.
    Für ein Qualitätsmedium ist das Abschreiben eines Blogs übrigens ganz schön dürftig.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • ">> Der gewichtigste Grund der Krise ist, dass Putin eine sinnlos aggressive, für unser Land und für viele Bürger tödliche Politik des Krieges gegen die Ukraine begonnen hat >>
    Das müßte aus der Feder einer Göbbels-Propaganda stammen !"
    ---

    Na ja, vielleicht sind die Leute auch einfach nur so dumm, dass die Mehrheit schon wieder vergessen hat, wer sich da auf dem Maidan herumgetrieben und die Ukrainer aufgehetzt hat. Das waren nicht Putin oder Lawrow, sondern Westerwelle und besonders schlimm die Volksverhetzer von den Grünen! Die haben den Ukrainern das Blaue vom Himmel versprochen und nichts davon gehalten. Die jetzige Diktatur ist weit schlimmer als Janukowitsch.

    Unsere Politiker haben die Toten in der Ukraine auf dem Gewissen und da sie keins haben, schiebt man nun skrupellos dem Putin die ganze Schuld in die Schuhe.

  • @ Frau maria kovalcuk -

    >> Der gewichtigste Grund der Krise ist, dass Putin eine sinnlos aggressive, für unser Land und für viele Bürger tödliche Politik des Krieges gegen die Ukraine begonnen hat >>

    Das müßte aus der Feder einer Göbbels-Propaganda stammen !

    Den Krieg in der Ukraine hat der Putsch der kriminellen ukrainischen Oligarchen-Junta auf dem Maidan entfacht !

    Und diese Junta bügelt mit Stalin-Orgeln seine Zivilisten, mittlerweile an Hunderttausende, weg !

    Die Russen versorgen die notleidende Bevölkerung in den Kriegsregionen mit Humanitärerer Hilfe !

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%