Russlands Militär 23 Tote bei Kaserneneinsturz in Sibirien

Mitten in der Nacht stürzt eine russische Soldatenunterkunft ein, viele junge Rekruten werden in den Tod gerissen. Baupfusch könnte die Ursache sein. Es ist offenbar nicht der erste Fall dieser Art.
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In einer russischen Kaserne sind 23 Rekruten gestorben. das Gebäude war eingestürzt. Quelle: AFP
Soldaten in Aktion

In einer russischen Kaserne sind 23 Rekruten gestorben. das Gebäude war eingestürzt.

(Foto: AFP)

Omsk23 Menschen sind in der sibirischen Stadt Omsk beim Einsturz einer Fassade an einem Kasernengebäude ums Leben gekommen. Aus den Trümmern seien 19 Soldaten lebend geborgen worden, sagte Igor Konaschenkow, der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, am Montag der Agentur Interfax zufolge.

Viele Verletzte seien mit Quetschungen und Knochenbrüchen in Krankenhäuser gebracht worden. Bei einigen bestehe Lebensgefahr, sagte Konaschenkow. Rettungsflugzeuge brachten einige Verletzte in die mehr als 2000 Kilometer weit entfernte russische Hauptstadt.

Als die viergeschossige Unterkunft in dem Ausbildungszentrum der Luftstreitkräfte einstürzte, schliefen die meisten Soldaten. Fernsehbilder zeigten, wie Dutzende Rekruten nachts die Trümmer beiseite räumen, um ihre Kameraden zu retten. Die jüngsten Opfer waren 18 Jahre alt. Die Ursache für das Unglück am Rande der Millionenstadt war zunächst unklar.

Premiere für die Speerspitze
Die schnelle Eingreiftruppe der Nato
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Im Herbst 2014 wurde die Bildung der „Very High Readiness Joint Task Force“ (VJTF, umgangssprachlich auch als „Speerspitze“ bezeichnet) von den Nato-Staaten beschlossen – als Antwort auf eine mögliche Bedrohung durch Russland. Auslöser war die Krim-Krise, bei der über Nacht unmarkierte russische Soldaten auf der ukrainischen Halbinsel auftauchten und sie besetzten.

Premiere für die VJTF
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Die Übung „Noble Jump“ war das erste Manöver, das die VJTF durchführte. An der Übung in Zagan im Osten Polens nahmen rund 2100 Soldaten aus Deutschland, Belgien, Litauen, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Tschechien, Ungarn und den USA teil. Die Bundeswehr stellte etwa 350 Soldaten zur Verfügung. Insgesamt besteht die Nato Response Force (NRF), der auch die VJTF untergeordnet ist, aus 5000 Soldaten.

Hohe Polit-Prominenz
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Neben Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg waren auch die Verteidigungsministerinnen Deutschlands, Ursula von der Leyen (CDU, l.), Norwegens, Ine Marie Eriksen (2. v. r.), und der Niederlande, Jeanine Hennis-Plasschaert, nach Polen gereist. Von der Leyen betonte in der Süddeutschen Zeitung, dass es wichtig sei, „dass wir den baltischen Ländern, aber auch Polen, Rumänien und Bulgarien deutlich machen, dass ihre Sorgen auch unsere Sorgen sind.“

Ein bothnischer Angriff
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Geübt wurde laut Neuer Zürcher Zeitung ein fiktives Szenario: ein Angriff des Landes Bothnien auf die zu Estland gehörende Insel Hiiumaa. Die Situation ähnelt der Lage auf der Krim März 2014. Da hatte Russland Soldaten ohne Kennzeichnung auf der ukrainischen Halbinsel abgestellt und den Landesteil de facto annektiert.

Bothnien ist Russland
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Nicht nur das Szenario, auch die Bewaffnung der fiktiven „bothnischen Armee“ ließ keinen Zweifel zu: Die Nato probt den Ernstfall gegen Russland. Geübt wurde gegen einen Feind, der unter anderem ballistische Boden-Boden-Raketen vom Typ Scud-D verwendet, berichtet die NZZ – genau wie Russland.

Bekanntes Terrain
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Der polnische Ort Zagan wurde nicht umsonst gewählt, auch wenn die Übung eine Situation in Estland simulierte: Nur rund 300 Kilometer entfernt steht im polnischen Bromberg das Joint Force Training Center der Nato, in dem die gemeinsamen Streitkräfte ausgebildet werden. Hier spricht der Oberkommandierende der Europa-Nato, der US-General Philip Breedlove, mit Verteidigungsministerin von der Leyen.

Gelungener erster Auftritt
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Polens Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak lobte die Soldaten laut „SZ“ für die erfolgreiche Übung: „Wir hatten Gelegenheit, mit eigenen Augen zu sehen, wie die Nato funktioniert und wie die Beschlüsse des Wales-Gipfels umgesetzt werden.“

Das Gebäude war Behörden zufolge unlängst saniert worden. Ermittler gingen Hinweisen auf möglichen Baupfusch nach. Der Boulevard-Fernsehsender Lifenews berichtete, dass Billigarbeitskräfte, darunter Drogen- und Alkoholabhängige, für die Sanierung eingesetzt worden sein sollen. Die Behörden machten dazu keine Angaben.

Die Ermittler eröffneten ein Strafverfahren gegen die Baufirma wegen Fahrlässigkeit und Verstoßes gegen die Sicherheitsvorschriften. Den Schuldigen drohe bis zu zehn Jahre Haft, sagte der Sprecher der nationalen Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin.

Im russischen Fernsehen waren Bilder weinender Eltern an der Unglücksstelle zu sehen. Sie würden auch von Psychologen betreut, sagte Konaschenkow. Präsident Wladimir Putin ordnete Hilfe für die Verletzten sowie für die Hinterbliebenen an, wie Kremlsprecher Dmitri Peskow mitteilte.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu unterbrach seinen Urlaub und wies Rettungsflüge für die Verletzten in die Metropolen Moskau und St. Petersburg an. Dort gilt die ärztliche Versorgung als besser. Außerdem sollten alle von der Firma sanierten Gebäude in den Garnisonen nun überprüft werden, sagte Schoigu Medien zufolge.

Ähnliche Bilder einer eingestürzten Hausfassade gab es bereits am Samstag aus der Ural-Region. Bei dem Einsturz der Eckfassade eines fünfstöckigen Wohnhauses starben in der Millionenstadt Perm zwei Bewohner. Die tragende Konstruktion des in den 1950ern gebauten Hauses sei womöglich marode gewesen, teilten Ermittler mit. Sie nahmen den 27 Jahre alten Chef der Hausverwaltungsfirma fest.

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  • dpa
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