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S. Iswaran Singapurs Handelsminister hält das „Wie-du-mir-so-ich-dir-Geplänkel“ mit Zöllen für besorgniserregend

S. Iswaran ist Singapurs Minister für Handelsbeziehungen. Im Interview spricht er über die Gefahren von Protektionismus und ein EU-Abkommen mit den Asean-Staaten.
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Singapurs Minister für Kommunikation und Information beobachtet die globalen wirtschaftlichen Entwicklungen mit Sorge. Quelle: AP
S. Iswaran

Singapurs Minister für Kommunikation und Information beobachtet die globalen wirtschaftlichen Entwicklungen mit Sorge.

(Foto: AP)

SingapurMinister S. Iswaran ist seit 2011 in Singapurs Kabinett für die Handelsabkommen zuständig. Er kennt die Wirtschaft aus der Praxis, war Geschäftsführer von Singapurs Staatsfonds.

Minister Iswaran, Singapur ist für den Welthandel so etwas wie der Kanarienvogel im Kohlebergwerk. Spüren Sie erste Auswirkungen der globalen Handelsstreitigkeiten?
Noch sind wir in einem frühen Stadium. Die Zölle wurden gerade erst bekanntgegeben und zeigen nun erste Effekte. Es ist aber auf einzelne Güter und Branchen beschränkt. Was mir Sorgen macht, sind die gravierenden, langfristigen Konsequenzen.

Welche meinen Sie zum Beispiel?
Die Unterbrechung der globalen Lieferketten. Wir alle werden hier Auswirkungen spüren, und diese können permanent sein. Denn wer bei seinen Lieferketten einmal einen neuen Weg gehen muss, der kehrt so schnell nicht mehr auf den alten zurück.

Ist die Stimmung in der Wirtschaft bereits gekippt?
Schon jetzt wird das Thema in den Führungsetagen der Unternehmen bei Investitionsentscheidungen berücksichtigt. Alles, was zwischen der amerikanischen und der chinesischen Volkswirtschaft passiert, strahlt auf die ganze Welt aus. Die Tatsache, dass sie nun in dieses „Wie-du-mir-so-ich-dir“-Geplänkel mit Zöllen eingestiegen sind, ist besorgniserregend. Wir befinden uns in einem kritischen Moment der Weltwirtschaft.

Hat US-Präsident Donald Trump nicht recht, wenn er insbesondere China wegen unfairer Handelspraktiken angreift und handelt?
Jedes Land hat andere Vorstellungen darüber, was fair ist und was nicht. Das ist doch vollkommen normal. Aber das Entscheidende ist: Es gibt legitime Mittel, damit umzugehen, beispielsweise innerhalb der WTO.

US-Präsident Trump scheint kein Vertrauen in diese Institution zu haben.
Wenn man alles bilateral regelt, zerstören wir die regelbasierte globale Handelsordnung der WTO und damit eine Institution, die massiv zum Wachstum der Weltwirtschaft in der Nachkriegszeit beigetragen hat. Sie ist fragil und kostbar. Wenn wir nicht vorsichtig sind, könnte zerbrechen, was wir über Jahrzehnte aufgebaut haben. Die USA waren übrigens einer der größten Profiteure dieser Ordnung.

Singapur hat derzeit den Vorsitz der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean inne. Wie wollen Sie die Kooperation mit der EU ausbauen?
In Asean und EU gibt es den Wunsch, sich in Richtung eines EU-Asean-Handelsabkommens zu bewegen. Es gibt bereits bilateral ausgehandelte Verträge, beispielsweise ein ausgehandeltes EU-Singapur-Handelsabkommen. Diese Abkommen sollten als Meilensteine funktionieren, damit die Gesetzgeber der EU eine Vorstellung von unserer heterogenen Region bekommen.

Schon einmal verhandelten die beiden Blöcke über ein Handelsabkommen. Die Gespräche wurden vor rund zehn Jahren abgebrochen.
Vor allem in Anbetracht der Weltlage wäre jetzt eine engere wirtschaftliche Kooperation sinnvoll. Die EU muss aber pragmatisch sein: Manche sensiblen Bereiche und Branchen wird man ausklammern müssen, auch weil unsere Region sehr unterschiedlich entwickelt ist. Ein „One-Size-Fits-All-Approach“ wird nicht funktionieren. Dann verlieren wir das große Ganze.

Die EU hat noch nicht einmal das Freihandelsabkommen mit Singapur ratifiziert. Wann rechnen Sie mit Fortschritten?
Wir hoffen, dass die EU-Kommission das Handelsabkommen mit Singapur noch in diesem Jahr unterzeichnet, 2019 könnte dann das Europäische Parlament folgen. Sobald ein oder zwei bilaterale Handelsabkommen in Kraft sind, sollten die EU-Asean-Verhandlungen beginnen.

Die Ratifizierung des Abkommens zieht sich jetzt rund fünf Jahre hin.
Abgesehen von den positiven wirtschaftlichen Effekten, hätte das Abkommen mit Singapur auch eine wichtige Signalwirkung. Es zeigt, dass die EU der ganzen Rhetorik von Sanktionen und Strafzöllen standhält und dass die EU und Singapur als gleichgesinnte Staaten zusammenarbeiten, damit es unseren Bürgern wirtschaftlich bessergeht. Das ist ein wichtiges politisches und strategisches Statement.

Herr Minister, vielen Dank für das Interview!

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