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Sabine Weyand So kämpft Europas Krisenmanagerin gegen Trumps Protektionismus

Drei Jahre stand die EU-Spitzenbeamtin im Zentrum des Brexit-Sturms. Nun streitet sie als neue EU-Generaldirektorin für Handel mit der US-Regierung.
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Oft scharfzüngig, manchmal provokant. Quelle: Wikipedia
Sabine Weyand

Oft scharfzüngig, manchmal provokant.

(Foto: Wikipedia)

Washington Die oberste Handelsbeamtin der EU kritisiert Donald Trump, ohne ihn zu nennen. Seit Juni leitet Sabine Weyand die Generaldirektion Handel in der Europäischen Kommission, und in dieser Rolle muss sie trotz aller Spannungen mit den USA diplomatisch bleiben. Sie führt die Verhandlungen mit der US-Regierung über die Besetzung wichtiger Ämter bei der Welthandelsorganisation (WTO).

Bei ihrem ersten Auftritt in neuer Funktion in Washington äußerte sich die 55-Jährige besorgt über das „Zeitalter des Protektionismus“ und missbilligte indirekt den Spott des US-Präsidenten über die WTO. „Was ist denn die Alternative?“, fragte Weyand auf der Bühne der Denkfabrik Center for Strategic and International Studies. „Die WTO abreißen und von vorn beginnen? Haben wir die Zeit, das zu tun?“

Die EU bekenne sich zu Reformen für einen fairen Handel, „aber das geht nur in Zusammenarbeit mit den USA“. Ihre Worte stehen für Europas Dilemma: Einerseits will Brüssel dem wichtigsten Partner selbstbewusst gegenübertreten, andererseits keine neuen Konflikte provozieren.

Eigentlich ist Weyands neuer Job technokratisch definiert. Im Fokus steht eher die für Handel zuständige EU-Kommissarin Cecilia Malmström, deren Amtszeit Ende des Monats ausläuft. Doch Weyand machte schon in ihrer vorangegangenen Rolle als Brexit-Managerin klar, dass sie gern Position bezieht, oft scharfzüngig, manchmal provokant. Knapp drei Jahre war sie Stellvertreterin des EU-Chefunterhändlers Michel Barnier bei den Brexit-Verhandlungen. In London wurde sie nicht nur wohlwollend betrachtet.

Als die Nachricht die Runde machte, dass Weyand das Brexit-Team verlässt, kam Erleichterung auf – bis klar wurde, dass die Beamtin weiter am Verhandlungstisch sitzen wird. Schließlich müssen die Briten mit der EU wohl irgendwann über einen Handelspakt reden.

Viele Altlasten

Bis dahin dürfte das Ziel eines transatlantischen Industriezollabkommens viel Aufmerksamkeit erfordern. In ein paar Tagen jährt sich der Handschlag zwischen Trump und dem scheidenden EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker. Doch bislang sind nicht einmal Altlasten ausgeräumt. Die Strafzölle auf Stahl und Aluminium sind weiter in Kraft. Außerdem wollen die USA den europäischen Agrarmarkt aufbrechen, wogegen sich Länder wie Frankreich sperren. Parallel erschüttern Drohungen mit Autozöllen, die insbesondere Deutschland treffen würden, die Vertrauensgrundlage.

„Wir werden nicht verhandeln, wenn wir mit illegalen Handelsschranken konfrontiert werden“, sagte Weyand in Washington. Doch die US-Regierung prüft längst neue Strafzölle – als Reaktionen auf Luftfahrt-Subventionen für Airbus und auf EU-Pläne für eine Digitalsteuer. Die EU hat 38 Handelsabkommen mit mehr als 60 Ländern geschlossen, hier kommen Weyand 25 Jahre Erfahrung in Brüssel zugute. Sie studierte an der Kaderschmiede der EU, dem College of Europe. Außerdem absolvierte sie ein Studium der englischen Literatur an der Universität von Cambridge.

Weyand wuchs im Saarland auf, als Jugendliche trat sie der örtlichen CDU-Jugendorganisation bei. Verheiratet ist sie mit einem Deutschen in der EU-Kommission: Peter Wagner, Direktor für Nachbarschafts- und Erweiterungsverhandlungen sowie Leiter der Unterstützergruppe für die Ukraine. Auf Twitter beschreibt sie sich als begeisterte Leserin, Feinschmeckerin und Shakespeare-Fan.

Ihr Hang zum Klartext sei erfrischend und tue der gedämpften Stimmung im Handelsstreit gut, heißt es in ihrem Umfeld. „Je besser wir zusammenarbeiten, desto mehr politisches Kapital können wir gegen die echten Bedrohungen in der Welt mobilisieren“, mahnte sie in Washington. „Die EU hat auf dem harten Weg gelernt, dass kein Land für sich allein operieren kann.“

Mehr: Nachdem Donald Trump einen „Waffenstillstand“ mit China ausgemacht hat, ist die EU an der Reihe.

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