Sanktionen: Wie Russland gegen den Niedergang seiner Ölindustrie kämpft
Bisher ist Russland nach den USA und Saudi-Arabien drittgrößter Rohölproduzent. Doch es könnte in diesem Jahr einen Rückgang um bis zu 17 Prozent geben.
Foto: imago images/ITAR-TASSBerlin. Russland könne sein Öl weltweit verkaufen und sei deshalb immun gegen westliche Sanktionen – das behauptet der Kreml seit Wochen. Und auch Kritiker der geplanten europäischen Strafmaßnahmen führen an, Kremlchef Wladimir Putin werde im Falle eines Boykotts die Verkäufe einfach nach Indien, China und anderswo hin umleiten.
Doch die Probe aufs Exempel hat Moskau bisher nicht bestanden: In der Woche nach Ostern sind die russischen Ölexporte um weitere 26,4 Prozent auf 3,63 Millionen Barrel pro Tag eingebrochen. Das geht aus Datenbanken von Analysten hervor, die die Wirtschaftsagentur Bloomberg ausgewertet hat.
Europa nimmt inzwischen deutlich weniger ab. So wird am Spotmarkt kein russisches Öl mehr gekauft. Der staatliche Pipelinemonopolist Transneft hat nun sogar die russischen Ölkonzerne aufgefordert, nur noch so viel Rohöl anzuliefern, wie zuletzt verkauft werden konnte.
Denn die russischen Öllager seien vollständig gefüllt. Tatsächlich waren Versuche des mehrheitlich staatlich kontrollierten Ölkonzerns Rosneft, 6,5 Millionen Barrel Rohöl an Spotmärkten zu verkaufen, kürzlich gescheitert. Nicht einmal indische Raffinerien, die seit Jahresbeginn bereits 14 Millionen Barrel russisches Rohöl gekauft hatten (16 Millionen im Jahr 2021), griffen diesmal zu.