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Assad

Der syrische Diktator Bashar Al-Assad

(Foto: AP)

Sarin-Export Schweizer Firma soll potenzielle Giftgas-Chemikalie nach Syrien geliefert haben

Syrien hat offenbar Isopropanol von einem Schweizer Unternehmen bekommen. Die Chemikalie ist wichtig für die Produktion des Nervengases Sarin.
24.04.2018 Update: 25.04.2018 - 09:53 Uhr 13 Kommentare

Maas – „Wir stellen Syrien zusätzlich eine Milliarde Euro zur Verfügung“

Bern Wenn es im Krankenhaus nach Desinfektionsmittel riecht, liegt das meistens an Isopropanol. Doch die Flüssigkeit ist nicht nur wichtiger Bestandteil von Desinfektionsmitteln, sondern auch eine von zwei Zutaten für das Nervengas Sarin. Laut Medienberichten hat eine Schweizer Firma im Jahr 2014 tonnenweise Isopropanol an Syrien geliefert – und das unter den Augen des Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Nun hat die fragwürdige Lieferung in der Schweiz ein politisches Nachspiel.

Syrien hatte das Nervengas im Jahr 2013 eingesetzt. Deshalb hatten die Uno und die internationale Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) im Mai 2014 die damaligen Isopropanol-Vorräte im Besitz des syrischen Staates vernichtet. Trotzdem durfte ein Unternehmen aus der Schweiz rund 5120 Kilogramm der Flüssigkeit nach Syrien liefern, wie das Westschweizer Fernsehen RTS aufdeckte.

Das zuständige Staatssekretariat hatte die Lieferung nicht unterbunden, obwohl die EU den Export von Isopropanol in einer Konzentration von über 95 Prozent seit Juli 2013 offiziell verbietet. Die Schweiz habe die Sanktionen zwar übernommen, heißt es dort. Doch gelte das Exportverbot nur, wenn man davon ausgehen müsse, dass das fragliche Gut für ein Massenvernichtungswaffenprogramm verwendet werde. Dafür habe es keine Anzeichen gegeben.

Der Name des Unternehmens ist zwar nicht bekannt, doch soll es sich um einen großen Pharmahersteller handeln. Medienberichten zufolge soll der Exporteur die Behörde am 28. Mai 2014 über die geplante Ausfuhr von Isopropanol an einen privaten syrischen Pharmahersteller informiert haben.

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    Der Behörde hätten damals und auch heute keine Hinweise vorgelegen, dass das syrische Unternehmen Verbindungen zum syrischen Regime unterhält, so die Rechtfertigung aus Bern. Angesichts der jüngsten Ereignisse über gemeldete Chemiewaffeneinsätze würde ein derartiger Export „ziemlich sicher unterbunden werden“. Die internationale Organisation für das Verbot chemischer Waffen werde über die Ausfuhr informiert.

    Die Lieferung dürfte nun ein politisches Nachspiel in der Schweiz haben. Der Vorsitzende der sicherheitspolitischen Kommission des Ständerates, Josef Dittli, will klären, ob die schweizerische Gesetzgebung tatsächlich eingehalten wurde oder ob es eine Gesetzeslücke gibt. „Es darf tatsächlich nicht sein, dass die Möglichkeit besteht, dass solche Produkte in die Hände solcher Leute fallen“, zitiert das schweizerische Fernsehen SRF den Urner FDP-Politiker.

    Sarin gilt als heimtückisches Gift: Es ist geruchlos und schon in geringen Dosen tödlich. Ursprünglich war es 1939 von Chemikern in Deutschland als Insektizid entwickelt worden.

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    13 Kommentare zu "Sarin-Export: Schweizer Firma soll potenzielle Giftgas-Chemikalie nach Syrien geliefert haben"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • G.Nampf
      25.04.2018, 13.28 Uhr

      Danke für die Info. Hab ich's mir doch gedacht.
      Bin als Mediziner etwas fachkundig und habe selbst Isopropanol in größeren Mengen (zur Desinfektion natürlich!) bezogen. Eben deshalb hat es mich gestört, daß das Handelsblatt in seinem Artikel diese übliche und quantitativ bedeutsamste Verwendung mit keiner Silbe erwähnt hat.
      Jetzt, durch den neu hinzugefügten Vorsatz, ist der Artikel deutlich "entschärft". Daß Isopropanol überhaupt zu etwas anderem verwendet werden kann als zur Herstellung des Giftgases Sarin, war vorher aus dem Artikel nicht ersichtlich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

      Ein Schelm auch, wer danach fragt, warum dieser Artikel gerade JETZT publiziert wird, nachdem die Weißhelme der syrischen Armee wieder eine Giftgasattacke vorwerfen... Die inkriminierte Lieferung datiert wohlgemerkt aus dem Jahr 2014.

    • Nach den mir vorliegenden Informationen soll die Giftgas-Inszenierung von westlichen Weißhelm-Terroristen verübt worden sein. Darum auch die hervorragend gute Filmqualität der Aufnahmen von den angeblichen Gas-Opfern.

      Bei einem echten Giftgas Angriff filmt kein hochkarätiger Kameramann so eine Szene. Es war sofort zu erkennen, dass es kein Handy-Video war, sondern von Experten mit extrem teuren Kameras aufgenommen. Bist auf die Filmaufnahmen durch die deutschen Helden im WK-II hat es nie hochqualitative Aufnahmen an vorderster Front gegeben.

      Aber jetzt bei der Hollywood-Inszenierung von einem Giftgas-Angriff in Syrien werden wir, wie beim Film "Krieg der Sterne" mit hochklassigem Filmmaterial versorgt.

    • Josef Nagler
      25.04.2018, 12:03 Uhr

      Folgender Satz wurde ergänzt:

      "Wenn es im Krankenhaus nach Desinfektionsmittel riecht, liegt das meistens an Isopropanol. Doch die Flüssigkeit ist nicht nur wichtiger Bestandteil von Desinfektionsmitteln, sondern auch eine von zwei Zutaten für das Nervengas Sarin. "

      Ob noch etwas anderes geändert wurde, kann ich nicht sagen.

      Es gehört zu den journalistischen Unarten der HB-Redaktion, daß Artikel einfach ohne Kennzeichnung geändert werden und Kommentare dann zusammenhangslos im Forum stehen bzw. es so scheint, als ob der Kommentator nicht lesen könnte.

      Der gewohnte Un-Journalismus eben - wie von der HB-Redaktion dauernd praktiziert.

    • Kleine Anfrage an das Handelsblatt-Team:
      Der Artikel wurde heute um 9.53 Uhr geändert, hat ein update erhalten. Was wurde denn da hinzugefügt??
      Nichts für ungut, aber ich wäre hier dankbar für einen Vergleich der ersten mit der zweiten Version.

    • Isopropanol eine "Giftgas-Chemikalie".
      Wenn die Journalisten von Chemie keinen Dunst haben, sollten sie solche Wort-Konstruktionen nicht benutzen. Das ist ein gutes Stück FAKE!

      Isopropanol ist ein simpler Alkohol, der in massen als Basis-Chemikalie Verwendung findet. Isopropanol ist Lösungsmittel und wird in Tausenden von Produktions-Prozessen in der chemischen Industrie eingesetzt. Mit dem gleichen Recht könnte man auch den Ethanol in russischem Wodka als "Giftgas-Chemikalie" verunglimpfen. Wäre Isopropanol tatsächlich ein reales Vorprodukt für die Giftgas-Produktion, wäre es in Deutschland garantiert nicht frei zu beziehen.

    • Und dann noch alles Vermutungen und nicht ein Beweis. Könnte, sollte, möglicherweise, eine große Firma, und dergleichen mehr. Grottenschlechter Journalismus. Das Niveau sinkt immer weiter ab. Das waren noch Zeiten, als es einen Gabor Steingart gab.

    • Michael Brächer, Sie sollten sich schämen für diesen unterirdischen Artikel mit seiner BILD-Schlagzeile!
      Die Kommentatoren haben den ganz Ahnungslosen ja bereits erklärt, worum es hier geht. Wollen Sie, Herr Brächer, UNS erzählen, sie hätten nicht GEWUSST, was Isopropanol ist?

    • Bislang habe ich in einer kurzen Arbeitspause immer mal wieder das Handelsblatt gelesen und auch mal einen Kommentar geschrieben, wenn ich mich über tendenziöse Berichterstattung geärgert habe. Aber diese Überschrift zeigt, dass Hetze, Voreingenommenheit und Kriegstreibererei in den Medien ein derartiges Ausmaß angenommen hat, dass es einfach keinen Sinn mehr macht, das zu lesen und zu kommentieren. 5000 kg eines hundsgewöhnlichen Desinfektionsmittels, das ist schlicht lächerlich. Nur mal zum Vergleich: Das ist ungefähr dass, was eine einzelne Betriebsstätte eines Phamaunternehmens an Infusionsflaschen produziert - pro Stunde. Rund um die Uhr das ganze Jahr. Es gibt Substanzen, bei denen 5000 kg ein Vermögen wert sind, aber doch nicht Isopropanol, das es überall zu kaufen gibt.
      10 Liter 99,9%igen Isopropanol kosten inkl. Mehrwertsteuer 35,99 €, also 30,17€ netto Link siehe unten. Wir reden also über eine Lieferung im Wert von knapp 15.000 €. Man darf kein Desinfektionsmittel mehr nach Syrien liefern, weil Assad damit auch Sarin herstellen kann? Kommt, Leute, ihr macht euch lächerlich. Ab sofort lese ich euren Quatsch nicht mehr. Und Tschüss!

      https://hoefer-shop.de/technische-chemikalien/isopropanol/10-liter/469/1-x-10-l-isopropanol-99-9?pk_campaign=DE_|_SHO_|_Techn._Chemikalien&pk_kwd=&gclid=EAIaIQobChMI_62ogIHV2gIVQZ8bCh0Y_QrKEAQYAyABEgJZx_D_BwE

    • @Holger Narrog
      25.04.2018, 10:06 Uhr

      "Isopropanol ist eine Standardchemikalie mit 1000 Anwendungen"

      Richtig, den Link hatte ich vergessen.

      https://de.wikipedia.org/wiki/2-Propanol#Verwendung

      Aber es wird wohl versucht, "zweifelsfreie Beweise" der Öffentlichkeit zu präsentieren.

      Und die HB-Redaktion spielt - wie so oft - mit.

    • Richtig, Herr Narrog .... unter anderem ist es Hauptbestandteil von Sarin und daher war die Einfuhr (unter Ausnahmen) nicht erlaubt.

      Durften die (laut Russischer Aussage) unabhängigen Experten jetzt schon an den Ort des Geschehens, oder ist noch nicht aufgeräumt?

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