Bewerten Sie uns Beantworten Sie drei Fragen und helfen Sie uns mit Ihrem Feedback handelsblatt.com zu verbessern. (Dauer ca. eine Minute)
Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Saudi-Arabien In Riad braut sich einiges zusammen

Das einst so reiche Saudi-Arabien steckt in der Krise, das Königreich versinkt in roten Zahlen. Ökonomen warnen bereits vor einem Staatsbankrott.
2 Kommentare
Saudi-Arabien: In Riad werden die Krisensignale immer lauter Quelle: Polaris/laif
Riad

Das Land sucht nach Investitionsmöglichkeiten.

(Foto: Polaris/laif)

RiadWie fast alles, fällt auch die Präsentation des Haushalts in Saudi-Arabien eine Nummer größer aus. In einem Meer aus bunten Blumen verlas erst König Salman das umfangreiche Zahlenwerk – und gab die politischen Ziele seiner Regierung bekannt, die die Milliardenausgaben bringen sollen. Und nun wurde erstmals am Tag darauf in einer gewaltigen Show in Riads Ritz-Carlton Nobelhotel das Budget Analysten, Unternehmern, Staatsbediensteten und Journalisten vorgestellt.

Imagefilme und gewaltige Grafiken, die auf riesige Bildschirme geworfen werden, erhellen den Ballsaal mit den Zahlen des umfangreichsten Budgets des wichtigsten Petrostaats. Vier Runden gespickt mit Ministern und CEOs von Großkonzernen antworten auf viele Fragen. Und immer wieder leuchtet die Zahl von 1,1 Billionen saudischen Rial – etwa 295 Milliarden Dollar und damit sieben Prozent mehr als 2018 – in den riesigen Raum.

So viel will Riad 2019 ausgeben – und eigentlich kann Saudi-Arabien sich das gar nicht leisten. Das einst so reiche Land steckt in einer tiefen Krise. Ob Politik oder Wirtschaft, da braut sich einiges zusammen in Riad: ein deutlich abgesackter Ölpreis, eine von Jahresbeginn an vereinbarte erhebliche Absenkung der Ölförderung, hohe Arbeitslosigkeit.

Dazu ein gigantischer Verlust an Vertrauen bei ausländischen Partnern seit der Ermordung des oppositionellen Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul Anfang Oktober. Dazu die zunehmende Skepsis der überwiegend jungen Bevölkerung, ob der von Kronprinz Mohamed versprochene Aufbruch des erzkonservativen Königreichs in eine neue Zukunft funktioniert.

Um auf das im Haushalt angepeilte Haushaltsdefizit von 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (35 Milliarden Dollar) zu kommen, müsste laut Analysten der Ölpreis im kommenden Jahr auf momentan kaum realistische 80 Dollar je Barrel im Durchschnitt steigen. Das benachbarte Katar plant in seinem gerade vorgestellten Budget für 2019 mit 55 Dollar je Ölfass.

Grafik

Doch die Führung um den alternden König Salman stand ohnehin bereits seit Längerem unter Druck. „Und der Khashoggi-Mord hat die Lage deutlich verschlechtert“, berichten Diplomaten. Um das Schlimmste zu verhindern, lässt der Monarch nun großzügig Geschenke verteilen. Vor allem wird er trotz der gesunkenen Ölpreise seinen Bürgern weiterhin die Lebenshaltungskosten zahlen: Das sind 1000 Rial (fast 250 Euro) im Monat.

Eigentlich sollte diese staatliche Unterstützung gestrichen werden – ebenso wie die Subventionen auf Strom und Wasser, die nun auch erst einmal bleiben. Ein Raunen geht durch den Ballsaal im Ritz, als ein Unternehmer dem Wirtschaftsminister vorhält, „es gibt erhebliche Differenzen zwischen den vorgestellten Zahlen und der Realität“.

Seit der Verhaftung von 200 Unternehmern, Ministern, Ex-Politikern, Militärs und Prinzen, im November 2017 und erst recht seit dem Mord von Istanbul wagt sich eigentlich niemand mehr, die Führung öffentlich zu kritisieren. Dass Privatunternehmer die politische Lage momentan „genau beobachten und abwarten“, räumt aber auch Handels- und Investment-Minister Majid bin Abdullah al-Qasabi ein.

Die Wirtschaft wird misstrauisch

Und Finanzminister Mohammed al-Jadaan sagt dem Handelsblatt am Rande seines Budget-Forums, dass er das verloren gegangene Vertrauen durch „eine Investitionsoffensive zurückgewinnen will. Auch ausländische Unternehmen würden profitieren, ergänzt er. Außerdem versprach er weitere Reformen, vor allem im umstrittenen Justizwesen.

Das Misstrauen allerdings ist längst in der Wirtschaft angekommen: Laut Unternehmern, die ihre Namen nicht in der Zeitung sehen wollen, sei „eine schleppende Vergabe und eine noch schleppendere Bezahlung von Staatsaufträgen“ das große Problem. Auf der anderen Seite aber sollen sie dafür sorgen, dass die Masse der Arbeitslosen (die Quote liegt bei 12,8 Prozent) Jobs bekommt.

„Saudisierung“ nennt sich der Plan, der junge Saudis anstatt von Gastarbeitern an Ladentheken, auf Baustellen und an Bankschalter bringen soll. Für Gastarbeiter wurde bereits eine Strafabgabe eingeführt, fast eine Million von ihnen hat seit Mitte vorigen Jahres das Königreich verlassen.

Doch „kleine und mittlere Unternehmen, die dazu gezwungen sind, Saudis einzustellen, schließen reihenweise“, verrät ein langjähriger Beobachter. Und auch ein deutscher Firmenvertreter klagt: „Wir bekommen einfach nicht genug gut ausgebildete saudische Fachkräfte, die tatsächlich arbeiten wollen.“ Erst müsse das Bildungswesen gründlich reformiert und eine echte Berufsausbildung eingeführt werden, um eine echte Saudisierung des Arbeitsmarkts durchführen zu können.

„Sonst erhöht dies nur die Arbeitskosten gewaltig und schreckt Investoren ab“, so der Mahner. Die schlechte Verfassung des Arbeitsmarkts belastet vor allem auch die Staatsfinanzen. „Saudi-Arabien droht der Staatsbankrott“, warnt etwa der Autor des Wirtschafts-Bestsellers „Black Swan“, Nassim Taleb. Zwar verfügt das Land nach wie vor über üppige Währungsreserven, sagen Ökonomen. Sollte allerdings der Ölpreis kollabieren, könne sich die Lage schnell ändern.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Saudi-Arabien - In Riad braut sich einiges zusammen

2 Kommentare zu "Saudi-Arabien: In Riad braut sich einiges zusammen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • .......Die ich rief die Geister..........

  • Na, da wird der Gepriesene doch bestimmt einspringen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%