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Saudischer Energieminister Kahalid Al-Falih „Ein Haushalt ohne Öl macht mich glücklich“

Der saudische Energieminister Kahalid Al-Falih will das Land weniger abhängig vom Öl machen. Im Interview spricht er über den Ausbau erneuerbarer Energien, die Rolle deutscher Unternehmen und seine Vision für 2030.
12.07.2016 - 06:49 Uhr Kommentieren
„Ich habe allerdings größten Respekt vor der deutschen Regierung.“ Quelle: Marko Priske für Handelsblatt
Khalid Al-Falih

„Ich habe allerdings größten Respekt vor der deutschen Regierung.“

(Foto: Marko Priske für Handelsblatt)

Kahalid Al-Falih hat sich gerade im „Haus der Deutschen Wirtschaft“ in Berlin-Mitte mit deutschen Managern getroffen und über Möglichkeiten der Zusammenarbeit gesprochen. Es gibt viel zu tun in Saudi-Arabien. Das Land plant einen Komplettumbau. Al-Falih, einer der mächtigsten Männer im weltweiten Ölgeschäft, nimmt sich im Anschluss an sein Treffen mit Wirtschaftsvertretern ausführlich Zeit für ein Gespräch mit dem Handelsblatt. Es ist sein erstes Interview mit einer europäischen Zeitung, seit er im Mai sein Ministeramt angetreten hat.

Eure Exzellenz, Sie als Saudi-Arabiens Energieminister und Chairman von Saudi Aramco, dem weltgrößten Ölkonzern, der wichtigste Mann auf dem globalen Ölmärkten. Gerne würden wir wissen: Wie entwickelt sich der Ölpreis in nächster Zeit?
Es ist ja immer gefährlich, den Ölpreis vorauszusagen, egal wer du bist. Der Preis wird ja auf dem Markt gebildet und ist von vielen Faktoren beeinflusst. Momentan haben wir aber eine gesunde Nachfrage nach Öl, aber es gibt auf einigen wichtigen Märkten ökonomischen Gegenwind. Wir hoffen, dass dies keinen großen Nachfragerückgang auslöst. Noch schwieriger ist die Angebotsseite. Denn der Preisrückgang hat zu verringerten Investitionen und zu einem erheblichen Rückgang des Ölangebots aus unkonventionellen Quellen geführt.

Sie meinen das Öl aus Fracking in den USA und aus Ölsanden in Kanada?
Ja, das führt zu einem Rückgang des Angebots von in Kürze einer Million Barrel Rohöl am Tag. Zugleich hat sich die Nachfrage erholt. Angebot und Nachfrage sind jetzt wieder ausbalanciert. Aber es sind noch riesige Lagerbestände aus den letzten Jahren auf dem Markt, einige hunderte Millionen Barrel überschüssiges Öl. Es wird noch lange Zeit brauchen, dieses Überangebot abzubauen. Daneben gibt es die Finanz-Community, die je nach Gefühl mit Öl spekuliert und auf die Preise ebenso einwirkt wie Währungsschwankungen. Zudem führen Unruhen und Unfälle in Förderländern zu Lieferausfällen, wie wir sie in Nigeria oder in Kanada sehen. Das alles beeinflusst den Ölpreis und macht es unmöglich, die Ölpreisentwicklung vorherzusagen. Aber im Vergleich zu vor einem Jahr entwickelt sich der Ölpreis jetzt in die richtige Richtung, ist der Markt ausgeglichen.

Aber kann Saudi-Arabien mit einem Ölpreis von derzeit rund 50 Dollar je Fass leben?
Es geht ja gar nicht um Saudi-Arabien. Denn langfristig führt ein Ölpreis, wie wir ihn jetzt haben, dazu, dass nicht genügend Einnahmen generiert werden und damit investiert werden kann. Das wiederum führt dazu, dass in Zukunft eine höhere Nachfrage nicht befriedigt werden kann. Das heißt: Wir brauchen einen höheren Preis als 50 Dollar, um langfristig ein Gleichgewicht zu erreichen.

Wie viel Dollar pro Barrel wünscht sich Saudi-Arabien denn?
Die ganze Industrie braucht mehr Erlöse für mehr Investitionen in die Ölförderung. 110 Dollar, was vor ein paar Jahren bezahlt wurde, ist aber zu viel. Das Optimum liegt irgendwo dazwischen.

Aber welchen Ölpreis braucht denn Ihr Land, um mit seinem Haushalt zurecht zu kommen?
Das ist nicht die Frage. Der Markt beschert ja nicht einen Preis, um das saudische Budget auszugleichen. Das müssen wir selbst hinkriegen. Und deshalb setzen wir auf den Umbau unseres Landes, unsere „Vision 2030“, die Entkopplung unseres Staatshaushaltes vom Ölmarkt. Aber diesen Plan würden wir auch umsetzen, wenn der Ölpreis wieder auf über 100 Dollar stiege. Wir werden bei unserer Vision den Fuß nicht vom Gas nehmen.

Ist das Ölkartell Opec denn eigentlich noch im Fahrersitz der internationalen Ölmärkte oder längst nur noch eine Randfigur?
Die Opec ist weiterhin eine wichtige Institution auf dem Ölmarkt. Viele glauben, der Opec ginge es nur um einen hohen Ölpreis – aber das stimmt nicht. Die Opec spielt vielmehr eine wesentliche Rolle dabei, entscheidende Förderländer zusammenzubringen und mit anderen bedeutenden Produzenten zu koordinieren und somit die Volatilität des Ölmarktes zu begrenzen.

Haben Sie denn eine Vorstellung, einen Wunsch, wie groß der Öl-Anteil am globalen Energieverbrauch sein sollte?
Öl wird ein wichtiger Bestandteil vom internationalen Energiemix bleiben, wenngleich sein Anteil sinken wird im Laufe der Jahre – wegen erneuerbarer Energien, höherer Energieeffizienz und anderer Energiequellen. Das heißt aber nicht, dass die Menge des benötigten Rohöls sinkt, im Gegenteil: Der Ölbedarf steigt, vor allem aus Saudi-Arabien und anderen Opec-Ländern. Denn in Amerika, der Nordsee und China gehen die Ressourcen zur Neige. Der Opec-Marktanteil wird daher steigen.

Einige Länder setzen alles daran, den Anteil der fossilen Brennstoffe massiv zu reduzieren. Deutschland beispielsweise setzt massiv auf erneuerbare Energien und will eine annähernd kohlendioxidfreie Volkswirtschaft werden. Für wie realistisch halten Sie solche Ziele?
Es ist nicht meine Aufgabe, die politischen Ziele einzelner Staaten zu bewerten. Ich habe allerdings größten Respekt vor der deutschen Regierung und der deutschen Bevölkerung. Man führt hier einen intensiven energiepolitischen Diskurs und hat sich ehrgeizige Ziele für eine Dekarbonisierung des Landes gesetzt. Deutschland ist ein extrem wettbewerbsfähiges Land. Wenn irgendein Land auf der Welt es schafft, Kohlendioxid zu reduzieren und dabei die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, dann ist es Deutschland. Wir beobachten wie andere Länder auch die Entwicklung in Deutschland mit großem Interesse.

Ist das eine Blaupause für andere Länder?
Der rasche Ausbau der erneuerbaren Energien hier in Deutschland ist bewundernswert. Allerdings muss man sich diesen Kurs leisten können, wenn man die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes nicht insgesamt gefährden will. Das mag in Deutschland funktionieren – aber nicht überall auf der Welt. Man könnte das deutsche Modell zum Beispiel sicher nicht als Vorbild für Saudi-Arabien oder China nutzen. Jedes Land hat seine eigenen, ganz spezifischen Voraussetzungen und muss seinen eigenen Weg finden.

Welche Ziele setzt sich Saudi-Arabien?
Wir haben uns auf der Pariser Klimakonferenz Ende vergangenen Jahres zu ehrgeizigen Kohlendioxidreduktionen bekannt. Wir sind davon überzeugt, dass wir diese Ziele erreichen können. Wir werden danach schrittweise weitere Reduktionen anstreben.

Ihr Land galt bislang als Bremser im Klimaschutz. Sind die Zeiten unwiderruflich vorbei?
In der Klimaschutzfrage und beim Ende vergangenen Jahres in Paris geschlossenen Abkommen ist Saudi-Arabien jetzt voll an Bord. Der Eindruck, dass Saudi-Arabien sich den Klimaschutzzielen verweigert, ist absolut falsch. Wir sind froh, dass ein flexibles Abkommen erreicht wurde, in dem jedes Land sein eigenes Programm zum Klimaschutz einbringt. Da machen wir voll mit und integrieren unsere Klimaschutzziele in unseren Staatsreformplan „Vision 2030“. Saudi Arabien ist im Moment stark vom Öl abhängig und jedes Abkommen, dass diesen Rohstoff berührt, trifft Saudi Arabien überproportional. Wir nehmen die Klimaschutzziele an, reduzieren unsere Abhängigkeit vom Öl und bauen unsere Wirtschaft um. Für all das brauchen wir aber auch die Kooperation und das Verständnis der internationalen Gemeinschaft für unsere besondere Lage.

Sie werden den Öleinsatz im eigenen Land reduzieren müssen. Was sind die Alternativen? Erdgas oder Sonnenergie?
Wir werden Öl durch Erdgas ersetzen, wir werden gleichzeitig den Anteil der Erneuerbaren an unserer Energieversorgung erheblich erhöhen. Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen sind dabei im ersten Schritt vordringlich, mittelfristig setzen wir auch auf Kernkraftwerke.

Saudi-Arabien hat einen gigantischen Energieverbrauch pro Kopf der Bevölkerung. Was muss sich ändern?
Natürlich setzen wir stark darauf, die Energieeffizienz zu erhöhen. Das beginnt bei der Produktion und endet beim Energieverbrauch. Wir haben bereits ein Effizienzprogramm implementiert, das neue Standards definiert. Solche Programme helfen uns dabei, Ressourcen für die kommenden Generationen zu schonen und unsere Verpflichtungen zur Kohlendioxidreduktion zu erfüllen.

Es gab bereits in den vergangenen Jahren immer wieder Ankündigungen Saudi-Arabiens, den Ausbau der Photovoltaik massiv voranzutreiben und Kernkraftwerke zu bauen, um die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Welche Ergebnisse können Sie heute schon vorweisen?
Es gibt eine Reihe von Pilotprojekten. Saudi Aramco hat eine Reihe von kleineren Photovoltaik-Parks in Betrieb. Aber das ist ja auch erst der Anfang. Die Saudi Electricity Company hat derzeit eine Ausschreibung für ein Photovoltaik-Projekt mit 300 Megawatt (MW) laufen, damit dringen wir in den Bereich der großtechnischen Anlagen vor.

Das nimmt sich eher bescheiden aus. Schließlich waren einmal 40 000 Megawatt das Ziel.
Ja, das stimmt. Wir haben uns dieses ambitionierte Ziel gesetzt. Und es bleibt auch bestehen. Aber es ist ein langfristiges Ziel und wir werden es nur Schritt für Schritt erreichen können. In einer ersten Phase streben wir an, Photovoltaik-Anlagen mit einer installierten Leistung von 9 500 MW zu bauen.

„Westliche Unternehmen spielen die Schlüsselrolle“
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