Schäuble-Fauxpas Nach Griechenland kommt Portugal

Das Rettungspaket für Griechenland ist noch nicht beschlossen, da richtet sich die Aufmerksamkeit bereits auf das nächste Krisen-Land. In einem Video spricht Schäuble erstmals über ein neues Hilfsprogramm für Portugal.
Update: 10.02.2012 - 11:28 Uhr 32 Kommentare

BrüsselNach einer Entscheidung über das neue Rettungspaket für Griechenland werden wohl die Finanzhilfen für Portugal neu ausgehandelt. Auf einem beim EU-Finanzministertreffen am Donnerstag aufgenommenem Video äußerte sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble entsprechend.

In dem auf Youtube hochgeladenen Video sagte der CDU-Politiker zum portugiesischen Finanzminister Vitor Gaspar, dass nach einer Entscheidung zu Griechenland eine Anpassung des Hilfsprogramms für Portugal notwendig sei. „Wir wären bereit dazu“, sagte er. Gaspars Antwort: „Das würde uns sehr freuen.“ Offenbar wusste Schäuble nicht, dass seine Äußerungen von einer Kamera aufgenommen werden. Auch das portugiesische Fernsehen sendete die Sequenz.

Schäubles Worte sind die ersten öffentlichen Äußerungen eines hochrangigen EU-Politikers, die darauf hindeuten, dass Portugal möglicherweise mehr Zeit und Geld benötigen wird als bislang veranschlagt, bis seine Wirtschaft wieder auf die Beine kommt. Allerdings sich Schäuble mit einer Entscheidung zu Portugal Zeit lassen. Zuerst müsse es zu „einer substanziellen Entscheidung zu Griechenland“ kommen.

Das Bundesfinanzministerium hat inzwischen Spekulationen über zusätzliche Hilfen für das hoch verschuldete Euro-Krisenland Portugal zurückgewiesen. Das Land habe die Sparauflagen bisher sogar übererfüllt, verlautete am Freitag aus dem Ministerium in Berlin. Dies zeigten auch alle Berichte der Finanzkontrolleure der „Troika“ von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB). Ob Anpassungen notwendig werden, müsse zu gegebener Zeit geprüft werden.

Zudem kritisierte das Ministerium das Vorgehen des Fernsehsenders scharf. Es verstoße gegen journalistische Standards, bei Auftaktbildern von Treffen private Gespräche heimlich mitzuscheiden. Die Inhalte solcher Gespräche kommentiere das Ministerium nicht.

Portugal hatte mehrfach erklärt, dass es kein zweites Hilfsprogramm der Euro-Partner und des IWF benötigt. Anpassungen bei den Hilfen könnte es nach Einschätzung aus Finanzkreisen jedoch noch bei den Zinsen sowie den Laufzeiten der bisherigen Hilfskredite geben. Das Land gilt derzeit nach Griechenland als größtes Sorgenkind der Eurozone, die Renditen für portugiesische Staatsanleihen hatten zuletzt neue Höchststände erreicht.

Im April erhielt Lissabon von der EU und dem IWF Rettungskredite in Höhe von 78 Milliarden Euro für drei Jahre. Trotzdem steckt das Land seitdem in einer tiefen Rezession.

Basisdaten Portugal

Quelle: International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, September 2011
* Schätzung,
** 0 % BIP-Wachstum 2008
  • dapd
  • dpa
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32 Kommentare zu "Schäuble-Fauxpas: Nach Griechenland ist Portugal an der Reihe"

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  • Wer bitte hatte nicht erwartet, dass Portugal auch noch
    was braucht. Das ist eine wahnsinnig geheime Information,
    die wahrscheinlich die amerikanischen Ratingagenturen veranlassen wird, saemtliche Bewertungen fuer Europa zu
    uberdenken. Oder nicht :-)

  • "Zudem kritisierte das Ministerium das Vorgehen des Fernsehsenders scharf."... genau, als Politiker der CDU Deutschland selbst in einen Abhör- und Polizeistaat verwandeln, illegale Steuersünder CDs aufkaufen aber öffentlich über Datenkraken wie Facebook lamentieren sowie wie hier über den Fernsehsender meckern.
    Letztendlich sind unsere Politiker alles nur Drecksäcke. Nächstes Jahr, nach der Wahl wird uns erklärt, warum notwendige Portugalhilfe (und Steuererhöhungen) plötzlich "alternativlos" sind, dass das ja keiner ahnen konnte, usw...
    Dabei ist im Hintergrund alles schon beschlossene Sache. Die Portugiesen wissen bereits, dass der deutsche Steuerzahler einspringen wird.
    Und die Italiener wissen es auch bereits, sowie die Spanier, die Irländer,...
    Nur der deutsche Michel weiß es noch nicht. Und das Handelsblatt weiß es auch noch nicht... bzw. sagt es nicht.
    Alles Drecksäcke.

  • @vendetta

    Eine Sichtweise! Sachlich absolut zutreffend. Aber sehen Sie bitte nicht die Griechen als die Geschädigten allein an.

    Sehen Sie auch, dass unsere deutschen Abgeordneten in einer beispiellosen Aktion für einen "alternativlosen Rettungsschirm" gestimmt haben, Deutschland immens verschuldet haben und reiche Griechen diese gewährte Verschnaufpause in großem Stil genutzt haben riesige Summen Geldvermögen außer Landes gebracht haben, in die Schweiz gebracht haben.

    Wir kleine Steuerzahler in Deutschland haben nach den Medienberichten in Griechland nicht den Eindruck, dass wir Willkommen sind. Wenn dieser Eindruck stimmen sollte, weshalb soll der kleine Steuerbürger hier die von Ihnen m.E. zu recht angeprangerte Korruption weiterhin aufrecht zu erhalten.

    In Griechenland ist das Ihr Problem. Hier ist es in der Tat unser Problem. Wir haben also gleiche Problem wobei man in Griechenland möglicherweise schon weiter ist. Bei uns ist es aber auch komplizierter, wenn man bedenkt, dass es noch nicht so lange her ist, dass der Vorstandsvorsitzende eines der von Ihnen genannten Unternehmen vor kurzem noch der "Flüsterer" unser Kanzlerin war.

  • Wunderbar - wenn auch jetzt noch Portugal bedient werden würde. - Ein Faß ohne Boden!

    Am Ende sind dann auch wir nicht nur überschuldet - was wir ja heute schon sind - sondern vielleicht auch zu bedienen - falls es dann den Topf überhaupt noch geben sollte, denn vor uns sind noch andere Länder dran.

    Hier gehört ein Schnitt her - angefangen mit Griechenland.
    Sicherlich wäre auch dem Land selbst damit geholfen!

  • Wieso schreiben Sie immer noch davon, dass Portugal oder Griechenland oder wer auch immer TROTZ Hilfsgelder in eine Rezession geraten sind?
    WEGEN den damit verbundenen Sprarauflagen wäre richtiger. Wenn auch nicht die ganze Wahrheit.
    Die Gelder fließen weil .... und nun je nach politischer Grundausrichtung die entsprechende Antwort.

  • Ja, so macht man die besten Deals, den Deutschen die Pensionen,Spareinlagen und Renten zu klauen ! Mal so ganz nebenbei, Portugal bekommt paar %te und die haupt Kohle geht zu "unseren"? Banken.
    Wo sind eigendlich die Petro $ (VW,Siemens,dt.Bank,Basf, usw...jetzt verstehe ich auch den Eifer der Saudis und Qatarer(AlKaida) gegen Gaddafi.

  • @Alfred55, Sie können sich sicher sein, dass in D bald ein Euro-Soli erhoben wird und jeden Monat von Ihrem Gehaltskonto abgebucht wird, genauso wie eine Erhöhung der EST und der MWST, ein weitere Absenkung des Rentenniveaus und der Sozialleistungen. Und dann, werden auch in Berlin Fahnen verbrannt. Mit der griechischen wird angefangen.... Überlebt der Euro - scheitert Europa. Das große "'Friedensprojekt" ist dank der Unfähigkeit der Politiker zur größten Gefahr für den Frieden mutiert.

  • Die Absicht, das müßte längst dem letzten Demokraten in dieser unheilvollen Saga einer "modernen" Europäischen Union aufleuchten, wird immer klarer. Parieren die Völker nicht, da wird sich wohl einer der Aufrechten im betreffenden Land zum "Hilferuf" beeilen. So wurden bereits andere, wenn auch keine lupenreine Demokratien "gerettet".

    Das einzigartige Bild des Malers Edgar Munch "Der Schrei" bekommt eine sehr reale Ansicht. Die Ausdrucksweise des Malers in seinem Bild, die bringt diese Stimmung ganz besonders herüber.
    Im Munch-Museum in Oslo jederzeit öfters zu besichtigen.

  • Hahaha, Sie sind ja ein echter Karnevalist!! Die werden dann uns zur Seite stehen!! Bestimmt, ja, ganz sicher!
    Wissen Sie, was die Griechen mit uns machen wuerden, wenn es denen gut ginge und wir keine wettbewerbsfaehige Wirtschaft haetten? Den Stinkefinger zeigen. Ausserhalb Deutschlands war die EU immer nur so eine Art Geldabhebeautomat. Das Geld kam, dafuer hat man ein paar Lippenbebenntnisse losgelassen, das war es. Diese naive Euro-Ideologie finden Sie nur in Deutschland

  • Man soll "gewählt" schreiben. Viele schmutzige oder gefährliche Regierungen waren beim Volk gewählt; meinen Sie das hier die Kollektive Verantwortung gilt? Sind die Griechen bestraft? Wo ist die "Business as Usual"?
    Noch weiter, wenn Merkel morgens ihren Volk mit wietere Gehaltskürzung bedroht, weil viele millionen in Europa sehr "wettbewerbsfähig" geworden sind (300 euro pro monat Lohn), dan sagt man das die Deutsche es sich verdient haben? Soll ich tief in der Geschichte suchen, oder besser nicht? (Niemand irgendwann Hanah Arendt gelehsen?)

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