Schäuble reist nach Athen Millionen-Geschenk für Griechenland

Finanzminister Schäuble fliegt morgen mit einem Scheck nach Athen. Er will griechischen Mittelständlern mit Krediten der staatlichen KfW-Bank helfen. Die Risiken dabei tragen ein weiteres Mal die deutschen Steuerzahler.
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Blumen für Kanzlerin Angela Merkel zum Geburtstag. Vor seiner Abreise nach Griechenland gratulierte auch Finanzminister Wolfgang Schäuble. Quelle: ap

Blumen für Kanzlerin Angela Merkel zum Geburtstag. Vor seiner Abreise nach Griechenland gratulierte auch Finanzminister Wolfgang Schäuble.

(Foto: ap)

DüsseldorfAngela Merkel feiert heute ihren 59. Geburtstag. Das Kabinett überreichte einen Blumenstrauß, auch ihr Finanzminister gratulierte. Doch die großen Geschenke – die liefert Wolfgang Schäuble nicht ins Kanzleramt. Stattdessen schnürt die Bundesregierung ein 100-Millionen-Euro-Paket für Griechenlands Unternehmer. So fliegt Schäuble morgen mit einem Gastgeschenk im Gepäck nach Athen. Vorgesehen ist die Finanzspritze für kleine- und mittelständische Firmen in Griechenland.

Das Geld kommt von der staatlichen Förderbank KfW. Sie soll ein 100 Millionen Euro Darlehn an einen neu zu gründenden Förderfonds für die griechische Wirtschaft vergeben. Die Kredite sind für griechische Mittelständler bestimmt. Eines der drängendsten Probleme der Euro-Krisenländer besteht darin, dass Mittelständler nur noch zu sehr hohen Zinsen Kredite bekommen. Die KfW-Kredite haben jedoch einen Haken: Ihr Ausfallrisiko trägt der Bund. Anders als bei Krediten, die über den Euro-Rettungsschirm vergeben werden, muss bei den KfW-Krediten nicht der Bundestag zustimmen. Die offizielle Sprachregelung des Bundesfinanzministeriums lautet: Der Bundestag werde beteiligt, sprich die Abgeordneten werden informiert, stimmen aber vermutlich nicht direkt ab.

Insgesamt soll der Förderfonds ein Volumen von 500 Millionen Euro bekommen. Neben der KfW beteiligt sich auch die Europäische Investitionsbank (EIB). Möglicherweise könnten auch griechische Milliardäre Kapital beisteuern. Seinen Sitz wird der Fonds mit dem Titel „Institution for Growth“ nach Handelsblatt-Informationen aber nicht in Griechenland haben. Stattdessen sollen sich die Geldgeber Luxemburg als Sitz ausgeguckt haben. Damit wollen sie den griechische Staat umgehen und verhindern, dass er direkten Zugriff auf die Finanzen des Fonds hat.

Ähnlich wie die KfW soll der Fonds die Kredite nicht direkt an die Mittelständler vergeben. Damit die KfW nicht in direkte Konkurrenz zu den Banken tritt, ist es in Deutschland so, dass die Unternehmen den Antrag auf einen KfW-Kredit bei ihrer Hausbank stellen. Die Bank fungiert dabei als Mittler und reicht die KfW-Kredite an die Kunden weiter. Auf dieses Modell wird es wahrscheinlich auch in Griechenland hinauslaufen. Kritisch ist im Falle Griechenlands die Solidität der Banken. Allerdings hat sich diese durch die Rekapitalisierung im Zuge des Schuldenschnitts verbessert.

„Neue Risiken für den deutschen Steuerzahler“
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68 Kommentare zu "Schäuble reist nach Athen: Millionen-Geschenk für Griechenland"

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  • Haben wir in Deutschland nicht auch einen Mittelstand,
    der von den Bankstern nur sehr schwer Geld bekommt?
    Ist die Strukturkrise in Deutschland schon abgearbeitet und
    überwunden?
    Haben wir keine arbeitsfähigen Menschen, egal ob alt oder
    jung- die keine auskömmlich bezahlte Arbeitsplätze bekommen?
    Kann jede Menge Beispiele nennen.
    Also, der Euro -um den es hier geht- und die sog. Schulden-
    krise, die von den Bankstern und der Politkaste (durch
    Schweigen und Inkompetenz) verursacht wurde, bekommen wir
    so nicht in den Griff.
    Die Alternative ist die Auflösung der Eurozone, zurück zu
    den Wurzeln; Griechenland braucht die Drachme und Italien
    die Lira.
    Rücktauschkurs: 1 Euro = 2 neue DM!

  • Freitag? Also: die griechen sind ja schön blöd. Die Portugiesen verdienen das Dopplete weil sie immer zusätzlich zum EU-Tariflohn einen steuerfreien Briefumschlag mit harten Dollars unter der Hand zugesteckt bekommen. Das weiß doch jeder. Nur dei Griechen nicht. Selbts darnn schuld.

  • Eigentlich sollte eine Reportage in der ARD vom 15. Juli 2013 um 23.00 Uhr mit dem Titel: "Banken außer Kontrolle" nun wirklich den letzten überzeugen, dass es nicht die Länder waren und sind, und somit der völlig falsche Adressat über die man sich empört und hetzt, sondern die Finanzindustrie und Banken, warum empört und hetzt man nicht gegen die Verantwortlichen?

  • Ich weiß noch immer nicht warum, dass sich in Deutschland noch immer mehrheitlich das Gerücht hält, Länder bekommen das Geld? Es sind in erster Linie Banken im Ausland denen geholfen wird und nicht einem Land. Stattdessen wird nach wie vor in Deutschland und nicht nur dort, gegen kleine Länder die in Schwierigkeiten sind gehetzt.

    Und Deutschland ist dank der Medien in der Mehrheit empört? Warum aber empört man sich nicht über die wirklich Verantwortlichen? Warum steht das Volk nicht auf, und fordert dass die Verantwortlichen angeklagt und verurteilt werden?
    Hätte es keine massive Deregulierung der Finanzmärkte gegeben? und wäre es nicht möglich geworden plötzlich Veräußerungsgewinne von Unternehmen steuerfrei zu stellen? Wäre es Großkonzernen nicht möglich gewesen, die Gewinne in Länder zu verschieben, wo es so gut wie keine Besteuerung gab gibt?
    hätte man dafür gesorgt, dass es nicht möglich ist Vermögen in weltweite Steueroasen zu verschieben, und hätten sich die sog. „Kontrolleure“, wie u.a. die Bafin nicht nur dabei zugeschaut, sondern wirklich kontrolliert, dann hätten die Banken nicht gerettet werden müssen, und die Länder sprich in erster Linie die Menschen wären nicht in diese Notlage geraten. Bezahlen müssen es nicht die Verantwortlichen, sondern die Menschen mit Arbeitslosigkeit, prekärer Beschäftigung Verelendung ganzer Bevölkerungsschichten. Aber die Finanzindustrie macht heute schon wieder weiter, so wie vor der Krise? Warum empört man sich nicht darüber


  • @Tabu Rumor

    Sollte es zu den, von Schäuble-Krediten finanzierten Tierheimen mit angeschlossenem Hotelbetrieb kommen, wäre als nächster Schritt ein Engagement der deutschen Tiernahrungskette "Feßnapf" denkbar, mit der Einrichtung eines landesweiten griechischen Filialnetztes mit Arbeitsplatzgarantie für griechische Mitarbeiter.

    Man muß einfach anfangen kreativ zu denken und Kredite auch sinnvoll nutzten für inovatives Denken.

    Leider hört man von der vor einiger Zeit angedachten Solarindustrie und Stromerzeugung für Mitteleuropa in Griechenland überhaupt nichts mehr, die griechischen Hunde und ihre Pflege sind bstimmt ein sinnvolleres und erfolgversprechenderes Modell vor allem was den Hotelbetrieb für deutsche Tierfreunde angeht.

  • Rumor
    @Tabu

    Richtig, man sollte die griechische Wirtschaft dadurch fördern, indem man massenweise kreditfinanzierte Tierheime für streunende griechische Hunde baut, Tierpfleger für< diese Hunde einstellt und in Lohn und Arbeit bringt.
    Diese Tierheime wären auch mit Hoteleinrichtungen zu ergänzen, damit deutsche Touristen wie Sie, mit der Besichtigung der dann gut untergebrachten und versorgten giechischen Hunde einen rundum erfolgreichen Urlaub in Griechenland buchen können.
    Können Sie sich Tabu, mit diesem wohlmeinendem Programm zu Förderung der griechischen "Wirtschaft" einverstanden erklären?
    Das wäre schön. *g*
    ---------
    Ich denk da auch an Katzen und Esel..gg
    Da ich schon öfter da war und auch eine Freundin hatte,
    die auf Kreta entsorgte Welpen aus Brunnen gerettet
    hat und zutraulichen Katzen vor dem Wirbelsäulenbruch per Handkantenschlag nach der Saison,ebenso wie den
    Eseln mit ihren Körben an den Seiten,für die
    Touristenshow,denen dann mit Eisenstangen die
    Beine zerschlagen wurden,könnte ich mich an Urlaub
    mit anschließendem Tierheim gewöhnen..smile.
    Naja..der orthodoxe Grieche tötet nicht,er hilft nur nach.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Als nächstes reist Schäuble nach Spanien, Portugal, dann in all die anderen Euroländer, in denen die Wirtschaft darniederliegt, immer mit einem Mitbringsel. Denn alle dortigen Unternehmen brauchen Kredite und bekommen nichts von eigenen Banken.
    Vermutlich haben die dortigen kleinen und mittelständischen Unternehmen ein aussichtsreiches Geschäftsmodell in der Schublade, das nur darauf wartet, mit Hilfe der
    notwendigen Kredite in Gang zu kommen. Ingenieurskunst, Erfindungsreichtum, weltweit nachgefragte Produkte - alles dort vorhanden. Und sollten die Millionen nicht das gewünschte Ziel erreichen, müssen die Millionen eben um alles andere notwendige
    ergänzt werden: Industrieanlagen, modernste Technik, Ingenieure, motivierte und leistungsbereite Fachleute. Schäuble wird für all das im gesamten Mittelmeerraum sorgen.
    Dann gibt es auch dort blühende Landschaften wie ehemals bei Kohl.

  • @Pillepalle
    Sie können sich natürlich über die AfD lustig machen, aber Sie müssen zugeben, dass es im Bundestag keine Partei verstanden hat, dass der Euro für die 17 Länder nicht taugt, und dass dies in Deutschland einfach nicht wahr genommen wird, z.T. weil man aus Überheblichkeit glaubt, dass wir auch das schaffen können. Im übrigen
    sind die einzelnen Staaten sowieso nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht . Auch daher hat man für Brüssel
    Personen ernannt, die niemand gefährlich werden.

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