Schäuble und Varoufakis „Wir sind uns einig, dass wir uns uneinig sind“

Kein Kompromiss, keine Konfrontation: Finanzminister Schäuble hat erstmals den griechischen Amtskollegen Varoufakis getroffen. Der will in seinem Land „der Gier ein Ende bereiten“ – und fordert ein Überbrückungsprogramm.
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Neuer Vertrag zwischen Griechenland und Europa?

DüsseldorfSie hatten viel zu klären: Das erste Gespräch dauerte deutlich länger als erwartet. Mit 46 Minuten Verspätung treten der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und sein neuer griechischer Amtskollege Yanis Varoufakis schließlich in Berlin vor die Presse – und müssen große Differenzen einräumen.

Während Schäuble in bester Diplomatenmanier verkündete: „Wir sind uns einig, dass wir uns uneinig sind (We agreed to disagree)“, erwiderte Varoufakis in seinem Statement, noch nicht einmal darin sei man übereingekommen. „Es gibt keine Einigung. Aber das war nicht zu erwarten.“ Man wolle weiter Gespräche führen. Die Worte waren bewusst gewählt, denn jedes Wort hat Einfluss auf die Finanzmärkte und die Politik der EU.

Varoufakis gab sich anders, als er in den vergangenen Tagen bei seinen Treffen in Brüssel aufgefallen war. Sonst immer lässig und mit einem Lächeln auf den Lippen, wirkte der 53-Jährige deutlich ernster. Seine zentrale Forderung: ein Überbrückungsprogramm bis Ende Mai, „damit wir mehr Zeit haben“. Im Programm verbleibe Griechenland bis zum 28. Februar. „Aber wir bekämpfen die Logik dieses Programms.“

Über den Schuldenschnitt hätten die Minister laut eigener Aussage gar nicht gesprochen. Schäuble erteilte eine deutliche Absage an die Maximalforderungen der Griechen. Er pochte darauf, dass einmal beschlossene Vereinbarungen gehalten werden.

„Unsere Partner haben uns zu viel Geld gegeben, nicht zu wenig“, sagte Varoufakis und kritisierte damit indirekt seine Vorgängerregierung. Mehr als 90 Prozent davon seien nicht nachhaltig genutzt worden. Die neue Regierung werde im eigenen Land „der Gier ein Ende bereiten“.

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26 Kommentare zu "Schäuble und Varoufakis: „Wir sind uns einig, dass wir uns uneinig sind“"

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  • Sag bloß deutsche Politiker lernen mal "nen Arsch in der Hose" zu haben. Danke Herr Schäuble! Endlich wird mal klar Stellung bezogen und nicht immer gleich mit Steuergelder für sonst wen rum geschmissen.
    Noch besser wäre allerdings die Aussage "wenn Ihr nicht zu Abmachungen steht, gibt es gar nichts mehr. Insolvenz und Russland-Partner ja ok ist dann so"

  • „Unsere Partner haben uns zu viel Geld gegeben, nicht zu wenig“, sagte Varoufakis und kritisierte damit indirekt seine Vorgängerregierung. Die haben nicht alle Tassen im Schrank, die Griechen. Was soll denn der arme Schäuble mit so einer Bemerkung anfangen? Genau dass so etwas nicht noch einmal vorkommt!

  • "Varoufakis' Suckonomics 1001" A critical analysis of his "Modest Proposal ..."

  • Ich bin stolz darauf, dass wir so einen kompetenten Minister haben. Ihm haben wir es u.a. zu verdanken, dass Deutschland gerade in Sache der Wirtschaft so gut dasteht.

    Besonders aber bewundere ich an ihm, dass er sich von den Beleidigungen eines unwichtigen kleinen Volkes an äußeren Rande der EU nicht aus der Reserve locken läßt.

    Repekt und Dank an Herrn Schäuble.

  • Nachricht 15:33: EZB genehmigt Notfallkredite über 60.000.000.000.- Euro!
    Wer haftet / bezahlt letztendlich?
    Mein Gott, wo endet das alles wenn nun auch die restlichen Pleitestaaten "Gleiches Recht für alle" fordern?

  • na toll ! Die beiden sind sich einig dass keine Einigkeit existiert. Das ist ja schon einmal ein Anfang. Aber wie gehts weiter. Mensch Leute, wenn ich in meiner Firma mit so einem Resultat zu meinem Chef gehe, ja dann kann ich meine Sachen packen. Das ist doch alles so was von lächerlich. Und wir, die die denen Versagern das Gehalt zahlen mit unseren Steuern, sagen nix. Einfach so weitermachen. Der grosse Knall kommt gewiss !

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • >>"Er (Varoufakis) freue sich auf das Treffen mit Dr. Schäuble, dem geistigen Vater der europäischen Idee und der Euro-Zone, sagte er."<<

    Man kann im Sinne Varoufakis nur hoffen, dass diese Nettigkeiten für Schäuble nur der Diplomatie geschuldet sind.

    Wer eine Figur wie Schäuble lobt, bringt damit nämlich nur Schande über sich selbst.

  • "Er (Varoufakis) freue sich auf das Treffen mit Dr. Schäuble, dem geistigen Vater der europäischen Idee und der Euro-Zone, sagte er."

    Geistigem Vater; für mich liest sich das so, wie eine weitere Beleidigung, nur freundlicher ausgedrückt. Also, Dr. Schäuble war das mit der Schnapsidee Euro, mit Schuldenübernahmeunion, Wirtschaftshilfeunion, BRD-Aufgabe, u.v.m. Wer soviel auf dem Kerbholz hat, kann wahrscheinlich noch viele andere gute Errungenschaften produzieren, um des lieben Friedens willen. Bedürftige gibt es im Bereich der derzeitigen und künftigen EU mehr als reichlich. Einer davon ist jetzt da als Bittsteller mit gewaltigem Forderungspotenzial, Varoufakis oder wie er heißen soll. Mit solchen Typen haben wir ja in der Vergangenheit Erfahrungen sammeln dürfen, denn all diese sind optimal versorgt worden.
    Da kann man nur sagen, das Paradies werden wir erst später erleben.

  • Verehrter Herr Zimmer,

    Sie schreiben: "Die EZB wäre pleite, würde Deutschland - und die anderen Staaten ebenso - das Eigenkapital wieder auffüllen."
    Die EZB wäre pleite, würde das Eigenkapital aufgefüllt?

    Bitte verstehen Sie auch, dass die EZB nicht pleite gehen kann. Sie ist die einzige Institution, die legal EURO drucken und verbreiten darf. Wenn Sie oder ich dies täten, kämen wir ins Gefängnis.

    Bitten lassen Sie es mich bildlich erklären: Wenn Sie, Herr Zimmer, bestimmen, dass alle Menschen, bei Strafandrohung, Steuern an Sie mit von Ihnen gedrucktem Geld bezahlen müssen, zwingen Sie diese Menschen, Ihr Geld zu erwerben und als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Da Sie Geld beliebig neu drucken können, können Sie nicht pleite gehen.

    Mir ist klar, dass dieser einfache Zusammenhang entweder bewusst oder aus Unwissenheit von Politikern und Presse nicht offen zugegeben wird. Mir ist auch klar, dass einige Kommentatoren hier dies recht schnell als Unfug abwerten werden. Wenn Sie sich aber nur einige Momente Zeit nähmen und darüber nachdächten, warum Staaten das Geldmonopol eingeführt haben und wie sie es durchsetzen, sollte meine obige Erklärung einleuchten. Übrigens genau so auch von Allen Greenspan (nach Abdankung) zugegeben.

    Einen schönen Abend noch!

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