Scharfe Worte aus Moskau Putin nennt Militärschlag "Kreuzzug"

Russlands Premierminister geißelt die Militärschläge und liegt damit nun auf einer Linie mit Venezuelas Präsident Chavez. Außenminister Westerwelle tappt in die Gaddafi-Falle - bei seinen EU-Kollegen blitzt er ab.
Update: 21.03.2011 - 16:08 Uhr 16 Kommentare

Politisches Sortieren nach Militäreinsätzen

Kairo/BrüsselRusslands Premierminister Wladimir Putin hat die Militärschläge des Westens gegen Libyens Diktator Gaddafi verurteilt: Die UN-Resolution zur Einrichtung einer Flugverbotszone über dem nordafrikanischen Land sei „unbrauchbar und fehlerhaft“, sagte am Montag vor Arbeitern einer russischen Raketenfabrik in Wotkinsk. „Sie erlaubt alles. Sie gleicht einem mittelalterlichen Aufruf zum Kreuzzug.“  

Die Regierung von Muammar Gaddafi erfülle zwar kaum demokratische Standards. Dies rechtfertige aber noch lange nicht eine militärische Intervention, sagte Putin. Es werde zu einem Trend in der US-Außenpolitik, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen. Die Entwicklung in Libyen deute darauf hin, dass Russland seine eigenen Verteidigungsfähigkeiten stärken sollte. Russlands Präsident Dmitri Medwedew kritisierte Putin für diese Äußerung. Der Begriff "Kreuzzug" sei in diesem Zusammenhang inakzeptabel.

Putin rückt Russland mit seinen Äußerungen in die Nähe von Staaten, die wie Gaddafis Regime nicht wirklich als demokratisch gelten können: Venezuelas Staatschef Hugo Chávez hatte die Intervention in Libyen als „imperialistische Aggression“ bezeichnet.

Russlands Premierminister Putin hat den westlichen Angriff auf Libyen einen "Kreuzzug" genannt. Quelle: Reuters

Russlands Premierminister Putin hat den westlichen Angriff auf Libyen einen "Kreuzzug" genannt.

(Foto: Reuters)

Deutschland hat sich zwar hinter das militärische Eingreifen des Westens gestellt. Mit ihrer Entscheidung, die UNO-Resolution gegen Gaddafi nicht zu unterstützen, hat die Bundesregierung sich im Westen allerdings isoliert. Fast verzweifelt sucht Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nun Unterstützer für seine Haltung und beruft sich dabei auch auf kritische Aussagen, die sich auf fragwürdige Berichte über das Bombardement stützen.

Zu Beginn eines Treffens der EU-Außenminister in Brüssel machte er klar, dass er sich in der Ablehnung eines Militäreinsatzes durch Äußerungen des Generalsekretärs der Arabischen Liga, Amre Mussa, bestätigt fühle. „Für den Schutz der Zivilisten braucht man keine Militäroperationen“, hatte Mussa am Sonntag gesagt. Dabei bezog er sich auf Angriffe westlicher Staaten - vor allem Frankreichs, Großbritanniens und der USA - bei denen Zivilisten getötet worden seien.

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16 Kommentare zu "Scharfe Worte aus Moskau: Putin nennt Militärschlag "Kreuzzug""

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  • Man kann das alle auch als erste Auflösungserscheinung der westlichen Organisationsstrukturen ansehen: UNO-Mitglieder, NATO-Mitglieder, EU-Mitglieder, die alten westlichen Allierten des 2. Weltkrieges, die USA und ihre Vasallen? Dazu noch die Arabische Liga, ein Haufen, dem selbst der Arsch kocht und von denen keiner weiß, ob er noch in drei Wochen selbst an der Macht ist. Ein unqualifiziertes Gebräu, in dem jeder heimlich eine andere Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellt. Die Aussichten sind düster, weil in allem wenig echte Vernunft zu erkennen ist und jegliche Diplomatie versagt hat.

  • "Putin rückt Russland mit seinen Äußerungen in die Nähe von Staaten, die wie Gaddafis Regime nicht wirklich als demokratisch gelten können"

    Indien hat sich ebenfalls sehr skeptisch zu den Bombardements durch Frankreich/GB/USA geäußert. Putin rückt also Russland in die Nähe der bevölkerungsmäßig größten Demokratie der Erde.

  • Nachdem Erdokan den Angriff auf Libyen verurteilt hat, ist klar warum die Deutsche Islamische Teilrepublik nicht gegen die Libyschen Brüder mitmachen möchte. Also neben China,Russland und der Türkei, die es mit Menschenrechten
    direkt nicht so genau nehmen,gesellt sich Deutschland dazu, dass indirekt die Menschenrechte ebenfalls missachtet. Nur raffinierter eingebunden in einem Bürokratie-Irrgarten. Warum wir eine Berufsarmee gründen ist mir unverständlich, viel zu teuer nur im eigenen Land
    ein weiteres Bürokratiemonster zu installieren.

  • Das Zitat von Peter Wittig ist vom 29.12.2010 (nicht 2011).
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/nicht-erst-handeln-wenn-es-tote-gibt/3750818.html

  • Wir schreiben das Jahr 2012:
    Westliche Allianz versus Asiatischer Pakt? Man darf gespannt sein. Mit Ausnahme eines „kleinen“ Landes, welches durch seine Enthaltung -aufgrund der Historie- dem kriegerischen Treiben zum Trotz, in Afghanistan die Stellung hält.

  • Ein Kreuzzug ist etwas anderes aber die westliche Allianz muss mit ihrem Verhalten schon nachweisen, dass es ihr mit der Libyen-Resolution 1973 vom 17. März 2011 nicht ums Öl geht sondern um Menschenrechte.

    Die deutsche Außenpolitik arbeitet jetzt ab, was Renate Künast und Ruprecht Polenz im Bundestag am 17. März aufgegeben haben: Deutschland muss stehen (Künast)!

    "Wir wünschen uns einen vorausschauenden Sicherheitsrat, der nicht erst dann handelt, wenn bereits die ersten Meldungen über Tote und Verletzte eingehen." Das Zitat stammt von Peter Wittig (Handelsblatt, 29.12.11) unserem Unobotschafter im Sicherheitsrat.

    Er hätte den Sicherheitsratsbeschluss wahrscheinlich nicht bis 17.3. Mitternacht mit aller Kraft zu verhindern gesucht, wie sein vorgesetzter Minister.

    Der bessere Arbeitsplatz ist für ihn persönlich vielleicht New York City. Aber es ist sein Werk, dass Deutschland überhaupt im Sicherheitsrat Sitz und Stimme hat. Für Deutschland und eine erfolgreiche (EU-)Außenpolitik wäre sein Platz das Außenministerium in Berlin. Gerade jetzt wo sehr viel auf dem Spiel steht sind Leute wie Peter Wittig mit Gespür für den diplomatischen Dienst und mit internationaler Erfahrung unabdingbar. Parteitagsrhetorik hat ja ehrenwerte Gründe aber in der Diplomatie ist eine entsprechende Dialektik und diplomatisches Talent erforderlich, was nicht nach Kochbuchrezept zu erlernen ist.

    Peter Wittig hat eine internationale Ausbildung vergleichbar mit Grand Ecoles genossen, hat schon im Außenministerium gearbeitet und spricht die Sprache der Spitzendiplomaten. Er wäre unter seinesgleichen akzeptiert und könnte mit seinem persönlichen Ruf, wie Alain Juppé in Frankreich, der deutschen Außenpolitik den alten Stellenwert und die Reputation auf einen Schlag zurückgeben. Jürgen Gann, Frankfurt Main

  • Es tut mir leid ich hab ihn gewählt. FDP bekommt keine Stimme mehr von mir, bis dieser Egoist weg ist.
    Wie kann man sein persöhnliches Wohl nur so über das Ansehen eines ganze Volkes stellen.
    Ich schäme mich!

  • durch Wählerstimmen,
    und darauffolgendem Posteschachern.
    Hier gehts dann nicht nach Qualität,
    sondern gibst du mir geb ich dir.
    Manchmal kommt der Richtige an den rechten Ort.
    Oft ist das bei dem System allerdings nicht

  • Zustimmung.
    Einen solch strunzdummen Außenminister hatten wir noch nie.
    Womit haben wir das nur verdient?

  • Westerwelle ist der größte Looser der in Deutschland je Außenminister war. Jetzt kann er die Suppe auslöffeln, die er sich eingebrockt hat. Ich wünsche guten Appetit!

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