"Schlechter Charakter" Merkel kritisiert Steinbach-Attacken

Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach sorgt erneut für Wirbel. Polens Deutschlandbeauftragten Wladyslaw Bartoszewski warf sie einen schlechten Charakter vor. Nun versucht Kanzlerin Merkel die Brüche im deutsch-polnischen Verhältnis zu kitten und nimmt Bartoszewski in Schutz.
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BDV-Präsidentin Erika Steinbach wird für ihre abfälligen Äußerungen über den polnischen Deutschlandbeauftragten kritisiert. Quelle: dpa

BDV-Präsidentin Erika Steinbach wird für ihre abfälligen Äußerungen über den polnischen Deutschlandbeauftragten kritisiert.

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HB BERLIN. „Bartoszewski hat einen schlechten Charakter; das sage ich ohne Wenn und Aber“, sagte Steinbach in der ARD. Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) begründete ihre abfälligen Bemerkungen über den Deutschlandbeauftragten der polnischen Regierung mit persönlichen Erfahrungen. So habe sie Wladyslaw Bartoszewski vor Jahren herzliche Briefe geschrieben, auf die sie nie eine Antwort erhalten habe. Hingegen habe es von ihm aber Reaktionen öffentlicher Art gegeben. Daraus lasse sich einiges schließen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel geht auf Distanz zur Kritik der Vertriebenen-Präsidentin. „Ich schätze Herrn Bartoszewski sehr als Persönlichkeit“, sagte Merkel am Donnerstag in Brüssel. Bartoszewski habe viel für das deutsch-polnische Verhältnis getan.

Auch Außenminister Guido Westerwelle zeigte sich empört. SPD und Grüne forderten, Steinbach dürfe das deutsch-polnische Verhältnis nicht weiter belasten. Kanzlerin Angela Merkel müsse Steinbach stoppen.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte, Bartoszewski sei eine eindrucksvolle Persönlichkeit, die in der Union überaus geschätzt werde. „Herr Bartoszewski hat sich um die deutsch-polnische Freundschaft sehr verdient gemacht.“ Zur Forderung der Opposition nach Konsequenzen für Steinbach äußerte sich Gröhe nicht.

Auch Westerwelle nannte Bartoszewski „eine sehr ehrenwerte Persönlichkeit“ mit einer großen Lebensleistung insbesondere für die deutsch-polnische Aussöhnung. Das Verhältnis zu dem Nachbarland sei der Bundesregierung nicht nur aus historischen Gründen ganz besonders wertvoll, sagte der FDP-Politiker in Brüssel.

SPD-Chef Sigmar Gabriel verlangte, Merkel müsse endlich entscheiden, was ihr wichtiger sei: „Das Befrieden des rechten Randes in ihrer eigenen Partei oder Anstand gegenüber Polen“. SPD-Fraktionsvize Gernot Erler monierte, die Verweigerung von Respekt gegenüber einem Menschen mit einer Lebensleistung wie Bartoszewski disqualifiziere Steinbach.

Aus Sicht der Grünen hat Steinbach eine Grenze überschritten. „Für uns ist sie nicht tragbar“, sagte der Vorsitzende Cem Özdemir zu Reuters. „Ich nehme sie nicht ernst und ich sage alle meinen polnischen Freunden: Ignoriert das, lest nichts, was die Frau sagt.“

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2 Kommentare zu ""Schlechter Charakter": Merkel kritisiert Steinbach-Attacken"

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  • das deutsch-polnische Verhaeltnis ist nur dann gut, wenn wir uns politisch korrekt verhalten.
    Die Polen muessen noch an ihrer Vergangenheitsbewaeltigung arbeiten, nicht nur ignorieren und leugnen.

  • Wenn einem die Argumente ausgehen, wird man eben persönlich ...

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