Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Schlüsselbranchen Durch die Pandemie werden deutsche Konzerne noch abhängiger von China

Ohne die Volksrepublik wären VW und andere große Unternehmen bei Weitem nicht so erfolgreich. Für viele deutsche Konzerne ist China der wichtigste Markt.
02.09.2020 - 09:34 Uhr Kommentieren
BMW, Daimler und VW sowie der Halbleiterhersteller Infineon und der Sportartikelkonzern Adidas setzen mehr als jeden fünften Euro in China um. Quelle: imago images/Xinhua
VW-Werk in China

BMW, Daimler und VW sowie der Halbleiterhersteller Infineon und der Sportartikelkonzern Adidas setzen mehr als jeden fünften Euro in China um.

(Foto: imago images/Xinhua)

Düsseldorf Kein anderes westliches Industrieland hat sich von China so abhängig gemacht wie Deutschland. Das gilt vor allem für seine Schlüsselbranchen. Autos und Autoteile machen mehr als ein Viertel und Maschinen rund ein Fünftel der gesamten deutschen Ausfuhren nach China aus. Auch Erzeugnisse der Elektrotechnik und Optik nehmen im Handel mit China eine wesentlich größere Rolle ein als in der deutschen Exportstruktur insgesamt.

Bei den Importen aus China machten im vergangenen Jahr mit über einem Drittel der Einfuhren erneut Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse den Großteil aus. Darunter fallen auch elektronische Bauteile, die wichtige Vorprodukte für die deutsche Industrie sind – und bei einem längeren Ausfall die Lieferketten bedrohen würden.

Fast kein großer Konzern leistet es sich im Jahr 2020 noch, in China nicht aktiv zu sein. Mit einem Umsatzanteil von 15 Prozent, das sind jährlich knapp 200 Milliarden Euro, ist China nach Berechnungen des Handelsblatts für die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen, nach den USA, der zweitwichtigste Auslandsmarkt. Die Dax-Konzerne unterhalten in China knapp 700 Tochtergesellschaften.
Noch vor gut zwei Jahrzehnten spielte China kaum eine Rolle für Deutschland. Das änderte sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Ende des Kommunismus, als sich China wirtschaftlich dem Westen öffnete. 2007 summierten sich die Exporte bereits auf 30 Milliarden Euro – kurz vor der Jahrtausendwende waren es fünf Milliarden –, um sich im vergangenen Jahr auf mehr als 90 Milliarden Euro zu verdreifachen.

Für die deutschen Unternehmen steht viel auf dem Spiel in Fernost. Im Schnitt erzielen die mehr als drei Millionen deutschen Firmen rund sieben Prozent ihrer Umsätze in China. BMW, Daimler und VW sowie der Halbleiterhersteller Infineon und der Sportartikelkonzern Adidas setzen mehr als jeden fünften Euro in China um. Für sie ist das Land der größte Absatz- und damit Einzelmarkt – noch vor dem Heimatmarkt Deutschland.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wichtigster Markt für Infineon

    Wohl am fortgeschrittensten ist die China-Abhängigkeit bei den Autobauern. Daimler erwirtschaftet genau ein Drittel seiner Umsätze in China und hat dort seinen Absatz in nur fünf Jahren verdreifacht. Bei Volkswagen liegt der Umsatzanteil sogar bei über 40 Prozent, 2019 waren das fast elf Millionen Stück. Ohne China wäre der Konzern heute nicht mehr vorstellbar.

    Auch für Deutschlands größten Chiphersteller Infineon ist die Volksrepublik der mit Abstand wichtigste Markt. Mehr als jeden dritten Euro erwirtschaftet Infineon in China, das entsprach zuletzt fast drei Milliarden Euro. Deutschland steht lediglich für 15 Prozent der Infineon-Erlöse.

    Das war einmal anders. Vor fünf Jahren waren Deutschland und China noch gleichauf bei 20 Prozent. Aus Sicht von Infineon kommt die Entwicklung nicht überraschend. Mehr als ein Drittel aller Chips werden weltweit in der Volksrepublik verbaut. Wie sehr sich eine geringere Nachfrage aus China auswirkt, erlebten die deutschen Unternehmen im Spätwinter. Angesichts hoher Einnahmeausfälle infolge der Corona-Pandemie büßten die Dax-Konzerne in den ersten drei Monaten fast fünf Prozent ihres Umsatzes und sogar mehr als 15 Prozent ihres operativen Gewinns ein.

    Verantwortlich war der Stillstand in China. Die Sportartikelhersteller Adidas und Puma berichteten, dass ihre Umsätze in China in den ersten Monaten um bis zu 85 Prozent eingebrochen sind. Für Adidas ist die Volksrepublik mit einem Umsatzanteil von 22 Prozent weltweit der größte Einzelmarkt.

    Der Automobil-Branchenverband VDA hatte deshalb frühzeitig seine Jahresprognose für den wichtigen Absatzmarkt auf ein Minus von sieben Prozent zusammengestrichen. Im Januar waren die Verkaufszahlen in China um 20 Prozent auf 1,6 Millionen Fahrzeuge eingebrochen. Inzwischen ist die Erholung in Fernost am weitesten fortgeschritten, sodass die drei großen deutschen Autobauer nach zum Teil milliardenschweren Gewinneinbußen im ersten Halbjahr im Gesamtjahr 2020 schwarze Zahlen schreiben dürften.

    Einbußen in Amerika und Europa, wo die Pandemie immer noch Teile des öffentlichen Lebens lähmt, machen die Unternehmen inzwischen in China wieder wett. „Die jüngsten chinesischen Wirtschaftsdaten sind ein weiterer Beleg dafür, dass der Aufschwung in China auf einem breiteren Fundament steht und das Wachstum nach dem Erholungsprozess noch lange nicht zu Ende ist“, urteilt der Chefanlagestratege der Deutschen Bank, Ulrich Stephan.

    Verbundstandort von BASF

    Dementsprechend setzen Deutschlands Unternehmen unbeirrt auf das Land. So wie BASF. Bis Mitte des Jahrzehnts soll in Guangdong für zehn Milliarden Dollar ein weiterer großer Verbundstandort entstehen, den Europas größter Chemiehersteller in Eigenregie betreiben will. Darüber hinaus planen BASF und ihr Partner Sinopec in Nanjing den Bau eines Crackers.

    Das ist eine Großanlage, mit der Öl oder Erdgas in chemische Grundbausteine wie Ethylen, Propylen und Butadien zerlegt wird. Solche Basischemikalien sind Grundlage für chemische Folgeprodukte.

    Nach Ansicht von Konzernchef Martin Brudermüller geht es dabei um Anlagen, die man voraussichtlich über 40 oder 50 Jahre betreiben werde: „Wir werden die Strategie nicht ändern, nur weil die Zeiten gerade mal ein wenig rauer sind“, sagte Brudermüller schon vor mehr als einem Jahr.

    Damals erreichte der Handelskonflikt zwischen den USA und China seinen vorläufigen Höhepunkt. Einfluss auf die Investitionsabsichten deutscher Unternehmen haben solche Störfeuer nicht. Auch die Versicherung Ergo baut ihr China-Geschäft aus.

    Die Tochtergesellschaft des Rückversicherers Munich Re übernahm knapp 25 Prozent der Anteile an dem staatlichen Schaden- und Unfallversicherer Taishan Insurance. Bereits aktiv ist Ergo in der Lebens- und Krankenversicherung. „In unserem globalen Portfolio spielt China eine zentrale Rolle“, sagte Ergo-Chef Markus Rieß.

    Volkswagen will auf dem größten Automarkt der Welt mit Unternehmensbeteiligungen in der Elektromobilität führend werden. Konzernchef Herbert Diess lässt keine Gelegenheit aus, um zu betonen, wie wichtig das Land ist: „In den nächsten Jahrzehnten wird das Machtzentrum der Automobilindustrie in China sein“, sagte er vor Journalisten in Peking. „Die Zukunft von Volkswagen entscheidet sich auf dem chinesischen Markt.“

    Bereits im April 2020 hatte der Konzern in China fast schon wieder die Auslieferungszahlen des Vorjahres erreicht – also in einer Zeit, als der Markt in Europa und den USA gerade die Talsohle erreichte.

    Mehr: Berlin ändert den China-Kurs.

    Startseite
    Mehr zu: Schlüsselbranchen - Durch die Pandemie werden deutsche Konzerne noch abhängiger von China
    0 Kommentare zu "Schlüsselbranchen: Durch die Pandemie werden deutsche Konzerne noch abhängiger von China"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%