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Schuldendrama Griechen sind im Goldrausch

Auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki liegen große Kupfer-, Silber- und Goldvorkommen. Um der Krise zu entkommen will das Land zum größten Goldproduzenten Europas werden. Doch es regt sich heftiger Widerstand.
28 Kommentare
Schon in der Antike wurde auf der Chalkidiki-Halbinsel Gold gefördert. Quelle: Gerd Höhler

Schon in der Antike wurde auf der Chalkidiki-Halbinsel Gold gefördert.

(Foto: Gerd Höhler)

Athen/OlympiaDröhnend frisst sich der Bohrmeißel immer tiefer ins Gestein. Dann füllen Sprengmeister Apostolos Valdimos und seine Männer die drei Meter tiefen Bohrlöcher am Ende des Stollens mit Sprengstoff. Die Maschinen fahren zurück, die Arbeiter verlassen den Tunnel. Ein Warnsignal ertönt, und dann erschüttert eine dumpfe Detonation den Berg. Wieder ist die Mine einige Meter tiefer ins Gestein vorangetrieben, wieder sind die Männer ihrem Ziel etwas näher gekommen. Tief im Berg wartet ein kostbarer Schatz. „Dort liegen 118 Tonnen Gold“, sagt Kostas Georgantzis. Er ist Sprecher der Firma Hellas Gold. Sie sprengt oberhalb des Küstenortes Olympias den Stollen ins Stratonikos-Bergmassiv. 2015 will das Unternehmen hier, im Osten der Halbinsel Chalkidiki, mit der Goldförderung beginnen. Sie soll dem Staat Steuereinnahmen bringen, der Region einen wirtschaftlichen Aufschwung bescheren und Tausende Arbeitsplätze schaffen. Vor allem das ist wichtig in einem Land, wo wegen der Rezession mehr als jeder Vierte arbeitslos ist, unter den Jugendlichen sogar sechs von zehn ohne Job sind.

Schon in der Antike wurden hier, in Makedonien, Edelmetalle abgebaut. Ohne das Gold und Silber der Chalkidiki wären weder der Aufstieg des Königreichs Makedonien zur Vormacht in Griechenland unter Philipp II noch die Feldzüge seines Sohnes Alexanders des Großen denkbar gewesen. „Die Menschen der Bergdörfer auf der Chalkidiki lebten vier Jahrtausende lang vom Abbau der Edelmetalle“, sagt Christos Pachtas. Der 61-jährige hat Chemie studiert, war Abgeordneter und Minister in Athen, bevor er in seine Heimat zurückkehrte, das Bergdorf Arnaia auf der Halbinsel Chalkidiki. Seit Anfang 2011 ist er Bürgermeister der Großgemeinde Aristoteles, die sich nach dem in dieser Gegend geborenen Philosophen nennt und 16 Ortschaften umfasst. Pachtas hat einen Teil seiner Jugend in Belgien verbracht, wo sein Vater als Bergmann in einer Kohlegrube schuftete.

„Wie mein Vater mussten viele Männer die Dörfer dieser Gegend verlassen, weil der Bergbau zum Erliegen gekommen war“,  erzählt Pachtas. Aber der stetig steigende Goldpreis und neue Abbauverfahren machen die Goldvorräte in den Bergen der Chalkidiki wieder interessant. Bürgermeister Pachtas verbindet damit nicht zuletzt die Hoffnung, „dass die jungen Menschen in den Dörfern bleiben und jene, die in den vergangenen Jahren in die Städte gezogen sind, vielleicht zurückkehren.“ Hellas Gold will 1500 Arbeitsplätze schaffen. Insgesamt 5000 neue Jobs könnten im Umfeld der Goldförderung entstehen, glaubt Bürgermeister Pachtas.

Giorgos Tsongas hat bereits einen Job gefunden: er ist Minenarbeiter und baut an dem Stollen in Olympias. „Wir können nicht alle nur vom Tourismus leben, das ist doch nur ein Saisongeschäft“, sagt der 45-Jährige. „Seit Menschengedenken haben die Bergdörfer von den Minen gelebt, und mit diesem Projekt geht es uns viel besser als früher, unsere Gegend erlebt einen richtigen Aufschwung.“ Hellas Gold zahlt nicht nur Steuern an den Fiskus sondern auch Abgaben an die Gemeinde Aristoteles. Drei Millionen Euro sind es in diesem Jahr, mindestens sieben Millionen werden es ab 2015 sein, vielleicht auch mehr, je nach Umsatz des Unternehmens. Das ist viel Geld für eine Kommune, deren Jahresetat bisher zehn Millionen beträgt.

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28 Kommentare zu "Schuldendrama: Griechen sind im Goldrausch"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Bienenzüchter Rene
    Das kann man niemandem übel nehmen. Nachdem wir nun schon über ca. 3 Jahre lang in Sachen GR und EURO verar..t werden, trauen wir keinem mehr.
    Und es liegt ja auch sehr nahe, hinter der Sache mit dem plötzlichen Goldvorkommen einen odysseus-gleichen Trick zu vermuten.
    Fakt ist, dass an den Börsen mit Wünschen und Erwartungen gehandelt wird. Oder?

  • @kschulz

    Menschen brauchen Desinformation, schauen Sie sich mal Gutachter und ihre Beteiligungsverhälstnisse an.

    Nach Goldtrolls die Erdgastrolls, und mit beiden Trolls weitere 100- 200 MRD, die sind ja alle so vermögend da unten. Checken Sie gar nichts mehr ?

  • Der deutsche Steuerzahler tut gut daran, sich mit einer möglichen Verlustzahl im Griechenland-Abenteuer vertraut zu machen. Z.Zt. 93 Milliarden EURO !!
    (Angebliche) Gold-, Gas- und Oelvorkommen der Griechen sind nur reines Window-Dressing, dazu geeignet, den Steuerzahler hoffnungsfroh zu stimmen.
    Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass die demnächst zu erwartende Rating-Abstufung Ds mit höheren Zinszahlungen verbunden sein wird. 1% mehr Zinsen = ca. 20.000.000.000 EURO mehr an Zinszahlungen !!

  • „Wasser und Luft werden verseucht, toxischer Staub wird sich auf unsere Pflanzen legen und das Gemüse ungenießbar machen, die Krebserkrankungen werden dramatisch zunehmen.“ All das sei in Studien der Universität Thessaloniki nachzulesen, sagt Frau Markou."

    Na, besser läuft es hier auch nicht. Die Argumente der Solarfuzzies und der Fracking-Gegner erreichen bestenfalls gleiches Niveau.

    Wenn da wirklich was liegt: Schleunigst an den Chinesen verkaufen, sonst liegt das da länger und der Türke holt sich das.

  • @hafnersp

    Bei den hier aufgeführten Vorkommen "Olympias" und "Skouries" handelt es sich um 2 der insgesamt 4 Vorkommen.
    Ich habe in der vergangenen Woche mal gründlich recherchiert. Aufgrund der gewonnen Erkenntnisse kann ich mich nur über diese abrartigen von Neid und Unwissenheit getriebenen Absonderungen einiger Kommentatoren wundern.

    Ich hoffe mit Ihnen, daß das "Handelsblatt" an dem Thema "Rohstoffvorkommen in Griechenland" dran bleibt, denn da gibt es noch viel zu berichten!

  • Ja, Enteignen hat schon zu mancher Wirtschaftsblüte beigetragen...
    Und von Bienenzucht leben auch Millionen von Menschen.

    Kritisieren kann man schnell, dieselben Personen sollten aber selbst mal Vorschläge zu Arbeitsplätzen und ausgeglichenen kommunalen Haushaltsetats machen. Daran erkennt man seriöses Handeln.

  • Liebes Handelsblatt, das ist jetzt immerhin ein Anfang! Nachdem der faktische Schuldenschnitt Griechenlands letzte Woche im Bundestag unter Dach und Fach gebracht wurde, habt Ihr jetzt immerhin mal einen Artikel gewagt, der die reichen Bodenschätze Griechenlands mit dem Thema Schulden verbindet. Zwar recht zögerlich nur über die Metalle und mit Betonung auf die Probleme, aber es ist immerhin ein Anfang, auf dem Ihr weiterbauen könnt. Ich habe da großes Vertrauen in Euch!
    Wie wäre es, direkt nach dem nächsten oder übernächsten Schuldenschnitt von Griechenland ein kleines Artikelchen über die riesigen Gasvorkommen des östlichen Mittelmeers?
    Nur so, um das Thema auch mal angeschnitten zu haben. Damit Euch später niemand einen Vorwurf machen kann.

  • Die Behauptung - Ohne das Gold und Silber der Chalkidiki wären weder der Aufstieg des Königreichs Makedonien zur Vormacht in Griechenland unter Philipp II noch die Feldzüge seines Sohnes Alexanders des Großen denkbar gewesen - ist völliger Humpitz. Makedonien hat sich in erster Linie mit seinen umfangreichen Holzlieferungen nach Athen hervorgetan. Nach dem Persereinfall bzw. im Zuge der Bedrohung durch die Perser wurde massiv die Seeflotte in Athen aufgebaut. Desweiteren war der große Vorteil des griechischen Königshaus Makedonien, dass es im Gegensatz zum anderen Teil Griechenlands nicht unter einer zerschtrittenen Demokratie 'litt'. Mit Gold gewinnt man keinen Krieg und keine Macht.
    Der 'Goldrausch'!!! beschäftigt die Region schon seit mehr als einem Jahrzehnt. Seit dem eine Kanadische Firma schon die Umwelt verschandelt.

  • Goldverkommen gibt es viele in Europa auch in Österreich. Nur die Produktion ist ein großes Umweltproblem. Wohin mit den zyanidhaltigen Abfällen ? Bei einer fachgerechten Entsorgung rechnen sich diese Vorkommen nicht.

    pleiti aus Österrecih

  • Alles ist mölich. Nach dem Rückkauf ihres eigenen Wertpapierschrottes zu 30 % mit 70 %igem Profit für Samaras und Co. sollte Deutschland für die gelieferten Milliarden Euros sich das Schürfrecht auf dem gesamten Areal (am besten aufs ganze Land) zusichern und zwar durch Eintragung einer Grundschuld von ca. 10 Billione Euros um damit den Ewigkeitstransfer auszugleichen. Das muss zudem an besondere Sicherheiten geknüpft werden z.B. an und mit militärischen Interventionen.

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