Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Schuldenkosmetik Neue Trickserei-Vorwürfe gegen Athen alarmieren EU

Haben US-Banken Griechenland jahrelang bei der Verschleierung seiner wachsenden Verschuldung geholfen? Der Bericht einer US-Zeitung hat die EU-Kommission alarmiert. Athen muss sich jetzt zu den Vorwürfen äußern. FDP und SPD fordern bereits Konsequenzen.
13 Kommentare
Das hoch verschuldete Griechenland muss sich indessen wohl auf noch schärfere Auflagen der Euro-Partner zur Bewältigung der Haushaltskrise einstellen. Quelle: Reuters

Das hoch verschuldete Griechenland muss sich indessen wohl auf noch schärfere Auflagen der Euro-Partner zur Bewältigung der Haushaltskrise einstellen.

(Foto: Reuters)

HB BRÜSSEL/BERLIN. Die EU-Kommission fordert von Griechenland binnen zwei Wochen Aufklärung über komplizierte Finanztransaktionen, die Athen bei der Verschleierung seines wachsenden Schuldenbergs geholfen haben sollen. Die Kommission habe Griechenland eine Frist bis Ende Februar für nähere Auskünfte gesetzt, wie die Währungsgeschäfte sich seit 2001 auf die Bilanzen ausgewirkt hätten, sagte ein Sprecher am Montag.

Die US-Tageszeitung „New York Times“ hatte am Sonntag berichtet, die US-Bank Goldman Sachs habe beispielsweise Griechenland 2001 kurz nach der Aufnahme in die Eurozone mehrere Mrd. Dollar geliehen. Diese seien nicht als Kredit und somit als Schulden, sondern als Währungsgeschäft verbucht worden, hatte die Zeitung unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen geschrieben. Bei der Schuldenverschleierung sind demnach in Griechenland und anderen europäischen Staaten Finanzinstrumente von Goldman Sachs, JPMorgan Chase und anderen Banken zum Einsatz gekommen, die auch zum Zusammenbruch des US-Hypothekenmarktes und letztlich zur Weltfinanzkrise geführt haben. Zu den Vorwürfen nahm der Kommissionssprecher im Detail keine Stellung.

Der Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag, Volker Wissing (FDP), forderte gesetzliche Konsequenzen. „Wenn sich bewahrheitet, dass private Banken dabei helfen, Staatsverschuldung zu verschleiern, wäre das ein schwerer Vertrauensbruch. Wenn dort Gesetzeslücken bestehen, müssen Maßnahmen getroffen werden, um mehr Transparenz herzustellen und die Beteiligten zu mehr Ehrlichkeit zu zwingen“, sagte Wissing dem „Tagesspiegel“. Private Banken dürften die Stabilität des Euro nicht bewusst gefährden können.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, kritisierte das Vorgehen der Bank. „Der Fall Goldman Sachs/Griechenland zeigt einmal mehr, dass die mit vielen Steuermilliarden geretteten Banken ganz wesentlich an der Verursachung der Krise beteiligt waren und sind – zum Teil mit erheblicher krimineller Energie“, sagte Poß dem Tagesspiegel. Man dürfe den Finanzsektor nicht schonen. „Die Banken müssen künftig nicht nur streng reguliert werden, sondern auch massiv zur Finanzierung des von ihnen verursachten finanziellen Schadens heran gezogen werden, so wie es Präsident Obama jetzt in den USA anstrebt. Hier ist die Bundesregierung jetzt dringend gefordert, im Ergebnis etwas Vergleichbares auch in Deutschland durchzusetzen."

Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

13 Kommentare zu "Schuldenkosmetik: Neue Trickserei-Vorwürfe gegen Athen alarmieren EU"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • in der WamS Seite 25 vom 14.02.2010 steht der Kommentar "Europas Sündenfall". Es wird bezug auf die Art. 125, 123 und 122 Abs. 1 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union genommen. Art 125 "No bail out", Art. 122 "Möglichkeit zur Hilfestellung der EU".
    beim Lesen der ersten Spalten kam mir der Vergleich zu dem Deutschen Sündenfall:
    1970 - beginn der Deutschen Schuldenuhr, nachdem schon 1956 der Juliusturm geplündert worden war - wurde der Art. 21 - Länderneugliederung muss stattfinden, wenn wirtschaftlich sich wirtschaftlich nicht selbsttragende Ländereinheiten erreicht werden - von einem Muss-Paragraphen in einen Kann-Paragraphen umgewandelt. Und seither geht es immer weiter bergab. Geändert hat sich bei uns seither trotz Föd.-Kom. i und ii nichts. Wir machen von Jahr zu Jahr weiter Schulden. bis 2013/2014 möglicherweise dann € 2 billionen.
    Am Ende der dritten Spalte dann:
    „Warum sollen Länder wie Griechenland etc., sparen, wenn Hilfe aus brüssel oder berlin eingefordert werden kann? – Vor allem für die großen Länder eine Gefahr. ….
    Kleinere Länder werden die großen jederzeit erpressen können – ähnlich wie beim bund-/Länderfinanzausgleich in Deutschland“.
    Gerade unsere Regierung sollte mit Zusagen für Länderabsicherungen wie Griechenland etc. mehr als vorsichtig sein. Da sie ja schon in unserem eigenen Sündenfall - auch gegen die Verursacher der Finanzkrise - nichts unternimmt. im Länderausgleich die 4 Geberländer und der bund auch nichts gegen die 12 Nehmerländer unternehmen können. Vielleicht auch nicht mutig genug an die Dinge herangehen. Änderungen müssen längerfristig auch bei uns kommen. Schuldenmachen muss ein Ende nehmen. Unsere Nachkommen sind schon belastet genug.

  • Wie naiv denken Europäer,sie glauben an sich selbst
    und werden durch banken und Staaten manipuliert. Europa ist eine Gelddruckmaschine wenn die bedienung
    ausserhalb Europas liegt. Europa soll und wird immer
    von Amerika konstant kontrolliert werden solange
    Europa kein eigener Staat wird. Die Engländer wissen das und bleiben ihrer Rolle als autonomer Staat selbstbewusst ihrer Möglichkeiten als Weltmacht unter sich. Die Dummen werden am Ende Deutschland und die Kleinstaaten sein, deren Politiker tatsächlich auf ein Europa setzten das
    aber nicht mit einer Stimme sprechen kann.

  • Wenn Goldman Sach tatsächlich aktiv mit Kreditlösungen dazu beigetragen hat, dass Griechenland die EU/EURO-beitrittskriterien erfüllt hat, so ist dies ein massiver manipulativer Eingriff in die EU-Souveraenität.

    Jeder Anleger der aufgrund dieser Situation Vermögensverluste erleiden muss/musste (evtl. weil er Griechische Staatsanleihen hielt), sollte via seinem Anwalt eine Klage (oder Sammelklage) gegen Goldman Sachs erwägen.

    Goldman Sachs muss eine tragfähige disziplinarische Strafe im EU-Raum erhalten. Aus meiner Sicht sollte sie keine Geschäfte mehr mit staatlichen und staatsnahen institutionen mehr machen dürfen.

  • Ja bin ich denn hier im falschen Film? Die banker haben zwar geholfen, aber betrogen haben die Griechen.

  • Das ist doch nur die Spitze des Eisbergs.
    Was wohl herauskommen würde wenn man italiens bücher etwas genauer durchforstet.
    Die einzig richtige Massnahme wäre alle Länder konsequent zu überprüfen und allen betrügern unter den banken die Lizens in der EU entziehen.
    Statt dessen gibt es wohl eher wieder Geburtstagsfeiern im Kanzleramt.

  • Also wir müssen bis 67 arbeiten um die Steuern zu zahlen mit denen dann Griechen mit 50 in Rente gehen?
    Und das weil die mit Hilfe der Goldmänner ihre Schulden verschleiert haben?
    Und da wundere sich nochmal jemand über Politikverdrossenheit und Zweifel an der Marktwirtschaft.

  • Es wird doch überall gelogen getrickst, manipuliert, frisiert, korrumpiert .....
    Was gibt es darüber noch zu schreiben ?

  • Es zeigt doch nur, dass die Europaeer im einzelnen und die Deutschen im besonderen keine Ahnung vom Geld haben. Die blauäugigkeit mit der der Euro gegruendet wurde wird nur von der Stupiditaet des Fachmannes fuer Geldfragen im europaeischen Parlament, Martin Schulz, uebertroffen. Solange solchen Typen Power gegeben wird,so lange wird es dem Euro schlechtgehen.

  • Es ist prinzipiell die gleiche Methode, mit der die US-banker den “subprime-people“ damals die von diesen eigentlich nicht finanzierbaren immobilienkredite angedreht haben, mit der schon seit Jahren Goldman-Sachs und andere US-banken den "subprime-EU-Staaten" Kredite zuschieben, die von diesen nie zurückgezahlt werden können. in der Folge werden diese “subprime-EU-Staaten“ Griechenland, Portugal, Spanien und weitere soweit in die Schuldenfalle gelockt, bis ganz EURO-Land unter deren Schulden zu leiden hat. Um das ganze noch weiter zu verschleiern, werden nun unter dem Deckmäntelchen der “Umschuldung“ toxische Derivate aus den Staatsanleihen "produziert", die dann weltweit zu undurchsichtigen bedingungen an andere private und staatliche investoren weiterverkauft werden. Damit sind bereits die neuen “Zeitbomben“ zur Auslösung der nächsten Weltfinanzkrise gelegt.

    ist das der neue globale Wettbewerb der Wirtschafts- und Finanzsysteme? Wird Obama diese banker je zur Rechenschaft ziehen?

  • braucht die EU-Kommission noch mehr beamte, um Solches nicht aus der Zeitung erfahren zu müssen ?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote