Schuldenkrise Deutsche wenden sich von Griechenland ab

Griechenland gerät unter immer stärkeren Druck. Es zeichnet sich ein Tauziehen mit den Kreditgebern um Reformen ab. Die Deutschen halten von der EU-Krisenpolitik wenig. Doch was macht die Rettung so schwierig?
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Varoufakis: „Wir lassen uns nicht bloßstellen“

AthenDie Deutschen stellen der EU bei der Griechenland-Rettungspolitik ein schlechtes Zeugnis aus. Im aktuellen ZDF-Politbarometer bewerten 61 Prozent der Befragten die Maßnahmen der EU zur Lösung der Krise als eher schlecht. Nur für 29 Prozent hat die Europäische Union alles in allem eher gute Arbeit geleistet. Zudem stellen 77 Prozent Athens Willen zu Reformen in Frage – nur 19 Prozent glauben, dass Griechenland Sparmaßnahmen und Reformen im vereinbarten Umfang wirklich durchziehen wird.

Die Umfrage nahm die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vor, befragt wurden 1224 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte in der Zeit vom 14. bis 16. April 2015.

Derweil rückt mit jedem Tag rückt für das hoch verschuldete Griechenland die Zahlungsunfähigkeit näher - mit möglicherweise katastrophalen Folgen. So machte jetzt die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde klar, dass Athen nicht auf einen Aufschub fälliger Schuldentilgungen bei der Finanzorganisation im Milliardenumfang hoffen kann. Und es ist nicht der einzige Gläubiger. Allein im Mai werden Ratenrückzahlungen in Höhe von einer Milliarde Euro fällig, die Griechenland möglicherweise nicht leisten kann - es sei denn, es erhält weitere Rettungsgelder.

Aber die Krisenhelfer - Staaten der Eurozone und der IWF - fordern von Griechenland eine Reihe von Wirtschaftsreformen, mit denen sich Athen mehr als schwertut. Schließlich kam die dortige neue Regierung mit dem Versprechen an die Macht, sich auf derartige Reformen nicht einzulassen. Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis hat ab heute am Rande der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington Gelegenheit, mit Vertretern des IWF und anderer bedeutender Gläubiger zu sprechen. So kam er am bereits Donnerstag mit Lagarde zusammen.

Aber alle Seiten räumen ein, dass ein Durchbruch bis Ablauf einer Frist Ende April zur Freigabe bislang blockierter weiterer Hilfen im Umfang von 7,2 Milliarden Euro unwahrscheinlich ist. Warum gestaltet sich die Rettung so schwierig?

Was die Gläubiger wollen

Euroländer und der IWF sagen, dass sie nicht weiter Milliarden an Rettungsgelder in einen Staat pumpen können, der sich nicht modernisieren will. „Griechenland muss wettbewerbsfähig werden. Sonst ist es ein Fass ohne Boden. Und man kann nicht Hunderte Milliarden...in ein Fass ohne Boden stecken“, formulierte es Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kürzlich.

Griechenlands Problem, so argumentieren die Gläubiger, wurde ursprünglich dadurch ausgelöst, dass sich das Land vor einem Jahrzehnt - in den guten Zeiten - sozusagen mit billigen Krediten vollfraß. Folglich sollte es sich jetzt darauf konzentrieren, Kosten zu senken. Die bisherigen Hilfen für Griechenland liegen bei 240 Milliarden Euro. Seit die Zahlung der Rettungsgelder 2010 begann, hat Athen Einschnitte bei Pensionen, staatlichen Jobs und Sozialausgaben vorgenommen, staatliche Vermögenswerte veräußert und Steuern erhöht.

Geldgeber fordern harte Reformen
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37 Kommentare zu "Schuldenkrise: Deutsche wenden sich von Griechenland ab"

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  • 4 minus.
    Literarisch ganz nett, aber inhaltlich am Thema vorbei.
    Die Ursache für das Schlamassel haben Sie bedauerlicherweise nicht erwähnt: die Gemeinschaftswährung Euro für so unterschiedliche Volkswirtschaften.
    Denn die Probleme sind ja nicht nur in GR, sondern ebenso anderswo. Von den riesige Problemen Frankreichs z.B. wird die ganze Zeit abgelenkt – dabei sind sie die eigentliche Gefahr.
    Es bringt uns daher keinen einzigen Schritt weiter, die Schuld nur bei deutschen und französischen Banken zu suchen. Es ist nun mal das Geschäftsmodell einer Bank, Kredite zu geben. Aber die Tatsache, dass diese vielen Kredite überhaupt erst MÖGLICH wurden, hat etwas mit dem Euro zu tun. Die zweite Sache ist, dass die EU niemals kontrolliert hat, was mit dem ganzen Geld geschah. Im Fall GR's ging es fast ausschließlich in den privaten Konsum – dafür war es absolut nicht gedacht. Aber das mal zu überprüfen, wäre wohl zu anstrengend für unsere Polit-Elite gewesen... und außerdem: es war ja nicht ihr Geld. Wozu also sich mühen.
    Ansonsten hätte man sehen können, dass das ganze Land eine einzige Attrappe war und ist und dass das viele Geld in lichthellen, kriminell-elitären Polit-Kanälen versickert. Eine einzige, echte Kontrolle hätte diese Misere schon ans Tageslicht bringen können.

  • Zitat: "...eine Strategie überlegen, die
    - den Wählerwillen der Griechen respektiert ..."

    der Wählerwille der Griechen interessiert mich nicht!

    mich interessiert der Wählerwille der Deutschen - und das allein sollte auch die Politiker die Deutschland regieren interessieren!

    Wenn die Wähler in Griechenland geglaubt haben, dass ihr Staat mehr Geld ausgeben kann und weniger erhält, da privatisierungen nicht mehr durchgeführt weren und sich der Staat ja nachweislich nicht um Steuersünder kümmert, dann sollen doch diese Wähler ihrem Staat das Geld dafür geben statt es sich unter die Matratze zu legen.


  • Warum gibt es dann in Deutschland seit Jahren Reallohnverluste, Leih- und Zeitarbeit, Sozial- und Rentenkürzung, wenn wir so qualitativ, hochwertige deutsche Spitzenprodukte weltweit blendend verkaufen?
    Wohin fließen die ganzen Unternehmensgewinne?


  • Warum gibt es dann in Deutschland seit Jahren Reallohnverluste, Leih- und Zeitarbeit, Sozial- und Rentenkürzung, wenn wir so qualitativ, hochwertige deutsche Spitzenprodukte weltweit blendend verkaufen?
    Wohin fließen die ganzen Unternehmensgewinne?

  • Zitat: Staaten der Eurozone und der IWF - fordern von Griechenland eine Reihe von Wirtschaftsreformen,
    Welche Wirtschaftsreformen aber steht nirgendwo zu lesen. Sind die geforderte Reformen so unmenschlich dass keiner sich traut sie auszusprechen?

  • Unsinn, auch das was im Spiegel steht. Warum wohl ist Dtld. Exportnation?
    Weil "Made in Germany" begehrt ist. Weil das Bildungsniveau in Dtld. NOCH so hoch ist, dass das, was zwischen den Ohren sich befindet in hochwertige Produkte umgesetzt und auf dem Weltmarkt nachgefragt werden kann.Warum gibt es z.B. keinen griechischen Autohersteller von Rang, der am Weltmarkt mitmischen kann? Warum keine IT-Firmen von Bedeutung? Was ist mit dem griechischen Maschinenbau? Am € alleine kann es nicht liegen. Vielleicht an der Qualität??? Diejenigen, die sich über die Exporte Dtlds. aufregen, können sich beruhigen, denn das Bildungsniveau in Dtld. geht so langsam den Bach runter, dass eines Tages unser Nachwuchs eben nicht mehr so viel zwischen den Ohren hat, was sich dann an mangelnder Produktivität und nachlassenden Exporten und steigenden Importen, sowie nachlassender Bonität bemerkbar machen dürfte. Der Fachkräftemangel lässt grüssen.

  • Der Karren ist im Dreck und ein Großteil des geliehenen Geldes auch. Die Aufgabe der deutschen Regierung müsste sein, zu retten was zu retten ist. Das Worst-Case Szenario aus deutscher Sicht:
    - Griechenland erklärt den Staatsbankrott und Deutschland haftet.
    - Griechenland verklagt Deutschland auf Reparationen + Rückzahlung des Zwangskredits. Wie heißt es so schön: "Vor Gericht und auf hoher See sind wir allein Gottes Hand": Gut möglich, dass Deutschland da einiges zahlen muss - und das Geld, für das Deutschland gebürgt hat ist trotzdem futsch. Nachahmung nicht ausgeschlossen.

    Die neue Regierung in Athen möchte es anders machen als die Vorgängerregierung. Das ist ihr gutes Recht - zumal die alten Rezepte ja nicht funktioniert haben. Im Grunde wollen sie Keynes'sche Politik machen, also in der Krise Geld ausgeben. Frage an Radio Eriwan: Funktioniert die Politik von Keynes? Antwort: Im Prinzip ja.Der Staat bekommt mit zusätzlichen Ausgaben in der Krise die Wirtschaft flott - aber in guten Zeiten Geld zurück zu legen (die zweite Keynes'sche Anweisung)- das bekommt fast keiner hin (Ausnahme: Jerry Brown als Gouverneur von Kalifornien in den siebzigern). Nach Keynes ist also im Moment Deutschland der Sünder - denn Deutschland müsste satt Geld zurücklegen, statt mit Ach und Krach eine Schwarze Null hinzuzaubern (die angesichts der gigantischen Pensionsverpflichtungen ein Witz ist). Es sieht nicht so toll aus.

    Griechenland müsste sich gemeinsam mit den anderen Ländern der EU eine Strategie überlegen, die
    - den Wählerwillen der Griechen respektiert
    - eine Chance bietet, dass die Gläubiger einen Teil ihres Geld wieder sehen (eine Quote von 30% wäre ein Erfolg).
    Und die Vorschläge von Varoufakis, nämlich die Rückzahlung an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu koppeln, sind doch im Grunde richtig. Deutschland sollte ein hohes Eigeninteresse am gemeinsamen Erfolg haben. Es ist unser Steuergeld, das da im Feuer steht.
    .

  • "Was versagt hat, das ist die Kontrolle, weil man an die göttliche Weisheit der Märkte glaubte"

    Wer hat denn die Funktion von Märkten ausgesetzt? Wer hat denn Banken und Spekulanten z.L. von Seuerzahlern, Rentnern, Sparern und Arbeitslosen gerettet. Das war die göttliche Weisheit der Politiker in den jeweiligen Ländern und bei der EZB. Und sie sind immer noch nicht einsichtig geworden. Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken kann man durch Gesetze regeln, die handeln ja nicht im rechtsfreien Raum. Das Problem sind die Notenbanken. Nur sie können Zentralbankgeld schaffen.

  • Der Wechselkurs zum Dollar ist doch in der Eurozone völlig bedeutungslos. Die Südländer sind gegenüber D nach wie vor nicht konkurrenzfähig. Hat aber nichts mit dem Kurs des Euro zu tun, sondern damit, dass sie nicht produktiv sind und nichts anbieten, was die anderen Euroländer kaufen wollen. Das D der Exportüberschuss in andere als Euroländer angekreidet wird, ist doch auf amerikanischen Mist gewachsen. Glaubt denn irgendwer Griechenland oder Italien hätten einen höheren Exportanteil in Nicht-Euroländer, wenn deutsche Unternehmen weniger exportieren würden? Der Euro kann gegenüber dem Dollar noch so sehr fallen, die Produktivität in den Südländern wird dadurch nicht steigen. Ein Problem wird nicht dadurch gelöst, dass der Starke auch noch schwach wird, sondern dadurch, dass die Schwachen besser werden. Da das aber in diesen Ländern, insb. Griechenland, nicht machbar oder gewollt ist, wird der Euro ein schlimmes Ende nehmen. Es war ein gravierender Fehler ihn einzuführen. Durch die dann erfolgten ständigen Verstöße gegen die Vereinbarungen und letztlich durch die rechtswidrige EZB-Politik wurden die Probleme noch verstärkt. Nicht Griechenland ist das Problem, auch nicht Deutschland, sondern eine einheitliche Währung für Länder, die nicht zusammen passen, weil sie unterschiedliche Wirtschafts-, Finanz-, Sozialpolitik usw. betreiben. Das Gekasperle der griechischen Regierung ist nur eine Randerscheinung.

  • welche Inflationsraten sind denn vereinbart? Die EZB hat autonom beschlossen, dass Geldwertstabilität bei einer Preissteigerung von 2 % existiert. Ist etwa das gemeint? Diese Zahl wurde doch ausgewürfelt und nicht vereinbart. Allerdings wurden sämtliche Maastrichtkriterin von den meisten Euroländern nicht eingehalten. Griechenland ist nicht das größte Problem der Eurokrise, sondern die Staatsschulden und die irrationale Politik der EZB. Die Probleme des Euros wurden schon bei seiner Einführung gelegt, die entgegen dem Rat von vielen kompetenten Ökonomen erfolgte.

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