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Schuldenkrise Die ausgehebelten Euro-Retter

Der Rettungsschirm ist trotz aller Finanztricks zu klein, um Schwergewichte wie Italien aufzufangen. Die Euro-Retter haben ihre selbstgesteckten Ziele verfehlt - der Countdown für das Endspiel in der Eurozone beginnt.
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Euro-Finanzminister beschließen Hebel

Nach dem Ende einer Premiere applaudieren sich Regisseure gewöhnlich selbst. Sie nehmen ein Bad in der Menge und loben die eigene Inszenierung. Für das Schauspiel auf der politischen Bühne gilt das noch mehr als für eine Theatervorstellung. Umso dramatischer wirkt das Bild, das die Euro-Finanzminister am Dienstagabend nach ihrem Treffen abgaben. Und die Nachricht, die sie für die Zuschauer des Spektakels mitgebracht hatten: Der Befreiungsschlag für die Eurozone ist gescheitert. Die Versuche, den Rettungsschirm EFSF mit Finanztricks auf über eine Billion Euro aufzublähen, sind fehlgeschlagen.

Die Euro-Retter haben die Latte hoch gelegt und sie nun gerissen: Die geplante Vervierfachung des EFSF-Kreditvolumens durch eine „Hebelung“ werde vermutlich nicht erreicht, sagte der niederländische Finanzminister Kees de Jager. Vermutlich sei nur etwa eine Verdopplung des Kreditvolumens möglich. Im Klartext: Die Finanztricks haben versagt. Aus dem geplanten „Kredithebel“ wird nichts. Höchstens noch ein Hebelchen.

„Das Meeting der EU-Finanzminister brachte nicht den großen Durchbruch bezüglich des Euro-Rettungsfonds EFSF“, sagte ein Händler. Es ist eine Bankrotterklärung, nach der die Eurozone mit dem Rücken zur Wand steht. „Jetzt beginnen zehn kritische Tage, in denen wir die Antwort auf die Schuldenkrise in der EU zum Abschluss bringen und beschließen müssen,“ sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn am Mittwoch in Brüssel.

Zur Erinnerung: Der EFSF sollte Geld bei privaten Investoren einwerben und Versicherer für Staatsanleihen von Euro-Schuldenländern spielen. So sollte er groß genug werden, um wackelnde Euro-Schwergewichte wie Spanien und vor allem Italien und Frankreich aufzufangen. Er sollte zu einem letzten Schutzwall werden, hinter den sich die Kernländer der Eurozone im allerletzten Notfall flüchten konnten, die die Märkte bereits ins Visier genommen hatten - und ohne die der Euro nicht überleben kann. Doch es finden sich offenbar nicht genug Investoren, die bei dem Zaubertrick der Finanzminister mitmachen wollen. Das Kunststück, Geld aus dem Nichts zu schaffen, ist gescheitert.

Die Euro-Retter haben nun ein großes Problem: Der EFSF ist zu klein - und damit faktisch gescheitert. Sein Garantievolumen liegt zwar bei 780 Milliarden Euro. Davon kommen jedoch nur 440 Milliarden Euro von den sechs Ländern mit der Top-Bonität „AAA“. Da Deutschland darauf bestanden hatte, dass sich der EFSF zu den günstigsten Zinsen refinanziert, kann der Fonds nur Kredite in Höhe von 440 Milliarden Euro vergeben.

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Eurozone ohne Brandmauer
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37 Kommentare zu "Schuldenkrise: Die ausgehebelten Euro-Retter"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn doch mehrere Tausend Griechen mehr als 150000 Euro Steuern schulden, warum ist man unfähig das zu kassieren?
    Das seien 40-60 Milliarden Euro und auch wer 135000 schuldet sollte besucht werden, oder ? Man müsste auch innerhalb der Eurozone Fluchtgeld der Griechen besteuern,
    und nicht zusehen, wie sie in London Berlin etc teuere Immobilien kaufen und sich sicher über die Eurokrise amüsieren. Aber man war wieder nicht konsequent, man
    beschwichtigt, lässt sich beleidigen und schickt weiter Geld. Na prima !

  • Das Geld würde reichen wenn man es vernünftig einsetzen würde. Zinszuschuß anstatt Anleihenkauf. Wenn Italien Geld aufnimmt wird die Anleihe mit 2 Coupons ausgestattet. Ein Coupon von Italien mit festen 4,5% Zins, der notwendige Rest als Coupon vom EFSF. Mit nur 40 Mrd könnten bei einem Zuschuß von 2% bis zu 2 Billionen Schulden bezuschusst werden. Schulden können nur durch Wachstum zurückbezahlt werden denn in einer Rezession brechen die Einnahmen weg. Mit diesem Zuschuß haben die Länder Zeit die notwendigen Reformen durchzuführen. Diese Zinszuschüsse können ebenso je nach Reformfortschritt gewährt bzw. abgelehnt werden.

  • Fände ich ungerecht. In manchen Südstaaten herrscht 30 % Schattenwirtschaft. In D gibt es für Schwarzarbeit drakonische Strafen, in den Südländern ist das normal, am Staat vorbei zu wirtschaften. Wer zahlt sind die dummen deutschen Verbraucher, während die Südstaaten-Konsumenten weiterhin ihre erfolgreichen Pfade an der Steuer vorbei begehen. Dann lieber Soli bei den Südstaaten oder Reichensteuer.

  • Vielleicht doch: Nur wegen dem Euro haben französische, britische, deutsche, luxemburgische etc. Banken so viel Staatsanleihen der PIIGS gekauft. Würde ein Nicht-Euro-Land von der Grösse Griechenlands Pleite gegangen, wäre nicht die Ansteckung gegeben, und die Pleite wäre isoliert.

  • Keiner hat die Absicht ...!

    Ist ja schon makaber. Da gibt der Staat Geld aus, um CDs zu kaufen. CDs mit den Namen derer, die möglicherweise Steuergeld in Millionhöhe ins Ausland gebracht haben und selbst schiebt er hunderte von Milliarden Euro Steuergeld planlos ins Ausland.

  • Aus der Schlussnote des Beitrags von K. folgt, dass die Euros, die die EZB für die Eurorettung drucken mag, allenfalls dann produziert werden dürfen, wenn ausschließlich die Garanten der EZB mit bonitätsgewichteten Stimmrechten über die Verwendung des Geldes entscheiden dürfen.

  • Es war einmal vor langer langer Zeit, als ein U-Boot durch die Gewässer der hohen See fuhr. Die Besatzung konnte sich nicht daran erinnern jemals über Wasser gefahren zu sein. So wie es schien, war das Boot immer schon im Tauchmodus gewesen und fuhr anscheinend wie von selbst. Von Navigation etc. hatte die Besatzung nur teilweise schon mal etwas gehört. Aus Langeweile, oder schlicht Dummheit - die Überlieferung ist da nicht eindeutig - entschloss sich eine mutige Dame, die bei einem gemeinsamen Treffen in der Kantine auf eine etwas höheren Stuhl als die anderen saß, an einer der zahlreichen Luken zu drehen und sie zu öffnen. Viele hatten davon abgeraten, aber sie tat es trotzdem unterstützt von ihrem Begleiter. Als Wasser herein strömte (es handelte sich um eine kleinere Luke mit der Aufschrift "G"), sage sie: kein Problem ich habe einen Schirm dabei. Wir können uns alle drunter stellen und werden nicht nass. Nun ja, der Schirm war recht klein, es war nur ein Knirps. Viel passt ja in eine Damenhandtasche auch nicht rein. Tja und daran, dass das Boot anfing voll zu laufen, änderte der Knirps auch nichts. Alle drängten doch die Luke wieder zu schließen, aber die tapfere Dame blieb stark und sagte: oh no no ! und ihr Begleiter etwas schroffer: ihr solltet mal lieber anfangen das Wasser raus zu schaufeln bevor wir die Luke wieder schließen. Nur wohin schaufelt man Wasser in einem U-Boot ?
    Wie die Geschichte ausgingt ? Nun es gibt zwei Überlieferungen: nach der einen trat ein Ritter aus dem Nichts auf und verstopfte die Luke mit Papier. Der Ritter erklärte sich bereit, dass Wasser im Boot mitzunehmen und erst in 100 Jahren damit wiederzukommen. Er wolle dafür nicht einmal entlohnt werden. Eine Bitte hätte er allerdings: wenn er wiederkommt, so sein Rat, solle man doch über Wasser fahren. Ein Auftauchen sei jetzt wieder möglich. Nach der anderen Überlieferung, nun..............

  • Jeder weitere Kompromiss geht doch nur wieder zu Lasten der deutschen "Melkkühe"

  • Nicht nur die Einnahmeseite (Steuern), sondern auch die Ausgabenseite (alle Empfänger staatlicher Alimentation) sollte schleunigst auf den Prüfstand.
    Einnahmen hoch, Ausgaben runter !

  • Warum schenkt das Handelsblatt den Bürgern nicht mal klaren Wein ein, was das Anwerfen der Notenpresse für Deutschland bedeutet und wo der Unterschied zur Handlungsweise der amerikanischen FED liegt? Das Problem ist nämlich nicht nur die Inflation! Da der Dollar immer noch Weltleitwährung ist, können die USA alle ausländischen Dollarbesitzer durch Gelddrucken unfreiwillig an der Staatsfinanzierung beteiligen. Angenommen, es gäbe insgesamt nur 1000$, davon 500$ im Eigentum der USA und 500$ weltweit verteilt als Eigentum von Investoren. Und weiter angenommen, jeder Dollar hätte die Kaufkraft von 1 kg Gold. Dann könnten die USA mit allen ihren Dollars also 500 kg Gold erwerben. Jetzt werfen die USA die Notenpresse an und drucken einfach weitere 1000$. Die Währung verwässert, und es müssen jetzt 2$ für 1 kg Gold ausgegeben werden. Aber jetzt kommts: Die FED verteilt die neuen 1000$ natürlich nicht weltweit, sondern lässt sie ausschliesslich in die USA fließen. Die USA besitzt also 1500$ und hat auf wundersame Weise ihre Gesamtkaufkraft auf 750$ gesteigert. Angeschmiert sind die ausländischen Investoren, deren Investment Verluste um 50% verbuchen muß. Deshalb sind ja auch alle Dollarbesitzer wie China so stinkig auf die FED. Zugegeben ist das stark vereinfaht, aber so funktionierts. Wenn nun die EZB anfängt, Geld zu drucken, wohin fließen wohl die neuen Scheine? Natürlich nicht gleichmäßig auf die Euro-Länder verteilt, sondern ausschließlich in die Schuldenstaaten. Man stelle sich mal vor, die FED würde Geld drucken und es ausschließlich nach Kalifornien und Florida fließen lassen. Die anderen Bundesstaaten wären die angeschmierten und würden nur die Entwertung mitbekommen. Unvorstellbar. Genau das ist der Unterschied zwischen Gelddrucken der FED und der EZB. Es wäre nicht nur die Inflation des Euro, die alle trifft, sondern es wäre eine billionenschwere Vermögensumverteilung von Nord nach Süd.

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