Schuldenkrise Draghis Doppelstrategie gegen die Krise

Bei der heutigen Ratssitzung will EZB-Chef Mario Draghi offenbar eine konzentrierte Anleihen-Kauf-Aktion vorstellen. Die Union ist kritisiert das Vorhaben, doch europäische Partner wie Finnland wollen noch weiter gehen.
Update: 02.08.2012 - 09:45 Uhr 97 Kommentare
EZB-Präsident Mario Draghi. Quelle: Reuters

EZB-Präsident Mario Draghi.

(Foto: Reuters)

Frankfurt/MainDer Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, will einem Zeitungsbericht zufolge die Schuldenkrise mit Hilfe einer Doppelstrategie eindämmen. Der Plan, den Draghi an diesem Donnerstag auf der EZB-Sitzung vorstellen wolle, sieht nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ eine konzertierte Aktion der EZB und des künftigen Euro-Rettungsschirms ESM vor. Die Entscheidungen des Notenbankrates werden mit großer Spannung erwartet.

Die Euro-Schuldenkrise eskaliert seit einigen Wochen zusehends, seit Schwergewichte wie Spanien und Italien in den Fokus geraten. Auch der ursprüngliche Krisenherd Griechenland steht weiter im Blickpunkt: Dort einigten sich die Koalitionsparteien nach wochenlangem Gezerre auf ein neues Sparpaket, das für neue Hilfskredite verlangt wird.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte vor einer Woche erklärt, die EZB werde „im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten“. Seither sind die Hoffnungen gewaltig, dass die EZB massiv Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten wie Spanien und Italien kauft.

Wie die „SZ“ ohne nähere Quellen berichtet, sollen EZB und ESM den Kauf von Staatsanleihen aus den Krisenstaaten koordinieren, um so die Zinslast dieser Länder zu senken. Dabei würde der ESM den Regierungen in kleinerem Umfang direkt Anleihen abkaufen, während die Notenbank zugleich Papiere erwirbt, die bereits auf dem Markt gehandelt werden, schrieb das Blatt.

Die EZB hatte bereits 211 Milliarden Euro in Anleihen schwächelnder Euro-Länder investiert, um Druck von den hohen Zinslasten zu nehmen. Das Kaufprogramm ist umstritten, seit diesem Frühjahr ruht es. Vor allem die Bundesbank hält wenig davon, weil es die auf diese Weise von der EZB entlastete Regierung nicht dazu verpflichtet, im Gegenzug für die Hilfen wirtschaftliche Reformen einzuleiten und den Haushalt zu sanieren.

Finnland wirbt für direkten Anleihenkauf
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97 Kommentare zu "Schuldenkrise: Draghi will Doppelstrategie gegen Krise vorstellen"

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  • Griechenland: Vielleicht wäre die Lösung - wie vor einiger Zeit von Herrn Henkel angeregt - eine Umstrukurierung des Euro in einen "NORD-" und einen "SÜD-EURO" vorzunehmen!

    DocEx: Auf dieser Überlegung aufbauend, gibt es von uns eine einfachere und zutreffendere Lösung:

    ORIGINAL-EURO und SCHULDNER-EURO

    Wie der Name sagt, basiert der ORIGINAL-EURO auf dem Original Euro-Stabilitätspakt von 1992 Maastrichtvertrag, insbesondere auf den immer noch gültigen Art.123 AEUV betr. EZB und Art.125 AEUV betr. 'Keine Vergemeinschaftung von Schulden / No Bailing Out'. Nach Vorbild der stabilitäts-orientierten Deutschen Bundesbank vorgeschrieben.

    Um das Bekenntnis zur Stabilität der Gemeinschaftswährung zu unterstreichen, übernehmen die Mitgliedsstaaten diese Artikel in ihre Verfassung auf. Sie geben damit der Stabilität ihrer Währung die gebührende Priorität, als Basis für die Lebensplanung ihrer Bürger von der Geburt bis zum Rentenalter.

    Art.125 AEUV wurde übrigens von der NO-BAILOUT-Doktrin der Vereinigten Staaten von Amerika übernommen, wo sie seit Jahrhunderten die Basis für die Souveränität der Staatshaushalte (sovereign budgets) der inzwischen 50 Bundesstaaten bildet und somit die binnenstaatliche Stabilität des Dollar gewährleistet hat.

    So war der Bundesstaat Kalifornien vor etwa zwei Jahren zahlungsunfähig und musste sich allein ohne „Kalifornien-Rettung“ oder „Dollarbonds“ oder „Schulden/Bankenunion“ selbst retten.

    Seit Mai 2010 wird der Euro-Stabilitätspakt 1992 Maastricht permanent durch „Rettungsschirme“ gebrochen. Damit wurde zwangsläufig der schleichende Untergang der Stabilität der gemeinsamen Währung eingeleitet. Mit dem ES-Mechanismus und Draghis Interventionen wird der Zerstörungs-Mechanismus der Gemeinschaftswährung seinen Abschluss finden als SCHULDEN-EURO mit zunehmender Inflation und permanenten Abwertungen und Währungsreformen, wie sie bei den mediterranen Volkswirtschaften schon immer üblich waren.

  • Vielleicht wäre die Lösung - wie vor einiger Zeit von
    Herrn Henkel angeregt - eine Umstrukurierung des Euro
    in einen "NORD-" und einen "SÜD-EURO" vorzunehmen!

    So kann es keinesfalls weitergehen, daß nur noch Milliarden hin und her transferiert werden - genannt Geld verbrennen! Das kann nicht die Lösung sein!


  • Damit haben dann die Goldmänner ihr Ziel erreicht, Deutschland nicht ganz kaputt zu machen und für sich arbeiten lassen und zu verdienen!

    Da bleibt nur die Möglichkeit mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, die Ratifizierung des ESM-Vertrags zu verhindern.

    rokober: Da bleibt

  • Vorab eine grundsätzliche Bemerkung: Die Global Finance GF lebt davon, dass sie möglichst viele Menschen in der Schuldknechtschaft hält. Je höher verschuldet, um so mehr Geld kann sie mit dem Schuldendienst aus einer Volkswirtschaft heraussaugen. An einer völligen Schuldentilgung sind sie nicht interessiert, sondern an der Schuldentragfähigkeit, und da ist Deutschland global Spitze, was in der AAA-Bonität zum Ausdruck kommt. Die Finance Tools sind der Euro und als krönender Abschluss die ESM-Schattenbank. Der Euro ist/war das Lockmittel, um die deutsche Volkswirtschaft in die Schuldendienst-Falle zu locken, und der ES-Mechanimus ist der Mechanismus, um anonym und antidemokratisch, völkerrechtlich unkündbar für alle Zeiten Geld absaugen zu können. Ein Billionen-Projekt kurz vor der Vollendung. Deshalb sind die Hauptakteure und Profiteure so nervös. US-Geithner kommt extra nach Sylt zu Schäuble geflogen, den Spiritus Rector der von langer Hand geplanten Aktion. Und ein Großprofiteur, der Großherzog vom Finanzplatz Luxembourg lässt über seinen Junker Juncker Druck ausüben, so wie Merkel im September 2011 über ihren Junker Pofalla Druck auf die EFSF-Abweichler ausüben ließ.

    rokober: Der deutsche Michel soll, "darf" und wird bezahlen bis alle gleich sind im Euroland, d.h. bis wir so pleite sind wie die Griechen und Spanier! Nennt man dann vielleicht euphemistisch: Angleichung der Lebensverhältnisse!

    gerrro: Wie GRE seit zwei Jahren zeigt, ist die GF nicht an einem offiziellen Staatsbankrott interessiert, sondern an einer quasi-Insolvenz, weil da schon seit Mai 2010 immer frisches Blut abgesaugt werden kann bzw. die Volkswirtschaften immer mehr verschuldet werden, vorwiegend in der Zukunft. Damit haben dann die Goldmänner ihr Ziel erreicht, Deutschland nicht ganz kaputt zu machen und für sich arbeiten lassen und zu verdienen!

  • kognitiver: Was ist dagegen einzuwenden, sich in dem Gefühl zu sonnen, dass die Evolution letztendlich immer am längeren Hebel sitzt, und diejenigen die bei der Auslese durchs Sieb gefallen sind (in der Regel die Dummen) im Orkus derselben verschwinden

    gerrro: Was Sie schreiben, ist doch Sozial-Darwinismus, den man Sarrazin zu Unrecht vorgeworfen hat.

    Was Sie schreiben, galt vielleicht zu Bärenfellzeiten, heute sind es die Superreichen und der Rest der Menschheit. Ein dummer Superreicher Erbe fällt doch durch des Sieb. Wo leben Sie denn?

  • 02.08.2012, 10:00 rudi_ratlos fragt @Rulaender ganz ratlos: „Das niederländische Königshaus hat seit Jahren schwere persönliche Verluste zu verzeichnen. Kann es damit zusammenhängen, das die niederländische Königin ihre engen Verflechtungen mit den Bilderberg-Küngelclub lösen möchte?“

    Lieber Rudi, deine Sorgen kann ich dir nehmen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die genannten Verluste ein Grund sein könnten, „dass die niederländische Königin ihre engen Verflechtungen mit den Bilderberg-Küngelclub lösen möchte?“

    Haben Sie diese Verschwörungstheorie etwa aus der BUNTEN. Halte ich trotzdem für unwahrscheinlich. Den Grund nennen Sie selbst: Die engen Verflechtungen des Hochadels und der Hochfinanz mit dem Bilderberg-Küngelclub sind unzerbrüchlich.

  • 02.08.2012, 16:24 Rechner

    Pequod: „Heizkraftwerk - Was will Draghi mit diesen Schrottpapieren anfangen, welche keine Käufer finden werden?
    Die einzig Möglichkeit ist die Verwendung in Heizkraftwerken um EZB-Ökostrom herzustellen.“


    Rechner: „Eine andere Möglichkeit bestünde darin, während der Laufzeit die Zinsen zu kassieren und bei Fälligkeit den Nennwert.“

    Rulaender: Das ist doch der normale Zweck des Anleihenkaufs, für jede Bank oder Investor. Mir war unbekannt, dass eine Notenbank wie die EZB normalen Geschäftsbanken Konkurrenz machen soll oder gar darf.


    Rechner: Bei einigen Kommentatoren hier fragt man sich wirklich, ob diese schon jemals eine Anleihe ihr eigen genannt haben.

    Rulaender: Im Kommentar 02.08.2012, 18:45 UhrAnonymHAARSCHNITT_fuer_ALLE
    wurde bereits bewiesen, dass Rechner selbst keine Ahnung hat.

  • Übermorgen soll die BILD erscheinen mit dem Titel

    BRÜDERLE GESTEHT: ICH HABE DEN ESM NICHT GANZ GELESEN !

    Der ESM hat von Anfang an Banklizenz (Art. 32 Ziffer 9)

    02.08.2012, 16:17 Rechner

    lucatoni: Der ESM ist eine Geheimorganisation, niemand hat das Recht auf Auskunft. Es wird von ESM nur das veröffentlicht, was man will.

    Rulaender: Dies wird von Rechner bestätigt mit: „Bei allen wichtigen Beschlüssen muß der deutsche Vertreter zustimmen, und den Bundestag unterrichten.“

    Fazit: Es wird also nur das veröffentlicht, was der ESM will und zur Veröffentlichung freigibt.


    Rechner: Und schon können Sie die MoUs der Hilfsprogramme auf der Netzstelle des Bundestages nachlesen.

    Rulaender: Was habe ich von diesen MoUs. Sind doch nur Absichtserklärungen. Ich verweise da auf Rechners Kommentar zur Umgehung des Art.123 AEUV betr. EZB auf dem Sekundärmarkt. Wenn der Sekundärmarkt explizit verboten wäre, würde Mario Draghi eben auf den Tertiärmarkt ausweichen oder einen solchen erfinden.


    lucatoni: Also besteht auch die Möglichkeit, dass ein Konstrukt geschaffen wird, in dem der ESM bei der EZB Geld aufnimmt und es an die Staaten weiterreicht.

    Rulaender: Rechner hat bestätigt, dass natürlich auch eine Sparkasse bei der EZB Geld aufnehmen kann. Natürlich über die Notenbank. Dieses Geld kann die Sparkasse an einen Kunden weiterreichen, der damit Staatsanleihen kauft, oder die Sparkasse kauft selbst Staatsanleihen.

    Staatsanleihen kaufen ist doch nicht verboten, sondern sehr erwünscht. Schäuble fördert es sogar noch, indem er selbst bei windigen (!) Staatsanleihen, gegen alle Erfahrungen inzwischen, keinen Risiko-Rückbehalt fordert, während Kredite an den soliden deutschen Mittelstand oder Handwerker mit einem Risikoaufschlag von 1 % belastet werden.

    Trotzdem behauptet Rechner: Voraussetzung verkehrt => Schlußfolgerung unbegründet.

  • ursularenner: Geld gegen Sicherheiten. Apropos: was hat eigentlich die EZB bekommen, wenn sie die Staatsanleihen der betreffenden Länder aufgekauft oder die dortigen Banken gegen windige (!) Sicherheiten finanziert hat?

    Rulaender: Die Finnen wurden von EU/Junckers/Griechen für ihre Beteiligung am EFSF mit solche windigen (!) Sicherheiten betrogen.

    Herr Rechner wird das mit "selber schuld" kommentieren. So wie er den Kauf von solchen windigen (!) Papieren durch die EZB auf dem Sekundärmarkt nicht als Verstoß gegen den Euro-Stabilitätspakt 1992 Maastricht und gegen Treu und Glauben empfindet.


    ursularenner: Nur: im Falle eines Falles müßte man dann seine Sicherheiten auch an sich nehmen - wollen wir dann das Heer schicken? Dann wäre Gold besser oder Währungsreserven.

    Rulaender: Diesen Vorschlag von Ursula vdL hat Frau Merkel feige aus dem Hintergrund zerstören lassen

    ursularenner: Bei der EZB hat Deutschland, das für 27% haftet, 1 Stimme, also soviel wie Malta...

    Rulaender: Bis heute lassen sich dies das Tandem Merkel/Schaeuble gerne gefallen. Besonders der machtgeile Dr. fiscalis erkauft sich da mit unserem Geld die Zustimmung für seinen Lebenstraum, als Oberster Gouverneur der eigens dafür geschaffenen ESM-Schattenbank zum mächtigsten Mann Europas aufzusteigen.

    ursularenner: Die Südländer wollen einen weichen Euro, mit einem harten können sie nicht leben. Wir wollen keinen weichen Euro, weil das zu lasten der Sparer, der privaten Altersvorsorge und des Mittelstandes geht, sind wir deshalb unsolidarisch?

    Rulaender: Nein, überhaupt nicht - wir sind da sogar mit 92 % unserer deutschen Landleute solidarisch. Aber Menschen (?) wie Merkel/Schäuble und Herr Rechner reden uns permanent und unisono mit den Südländern das Gegenteil ein. Eben mit sich selbst solidarische Menschen.

  • dodo: "Wieder einmal sind die Finnen die einzigen, die einen vernünftigen Vorschlag einbringen.
    Warum sind unsere Polit-Dummies zu feige, weitere Kredite nur noch gegen Pfand zu fordern?"

    Es gab in dieser Beziehung auch rühmliche Ausnahmen, eine davon war Ursula vdL, die auch die reichlichen Goldreserven Griechenlands als mögliches Pfand ins Gespräch brachte. Frau Merkel fand das nicht hilfreich und hat sie feige aus dem Hintergrund von CDU-Kollegen und den VEREINIGTEN DEUTSCHEN MEDIEN zurückpfeifen lassen - aus mir unerklärlichen Gründen, wenn ich an Merkels Amtseid denke.

    Wie ich dann mitbekommen habe, wurden die Finnen in ihrem Treu und Glauben getäuscht, indem man ihnen damals Bank/Staatspapiere als Pfand gegeben hat. Was mit dem Wert von diesen inzwischen geschehen ist, wurde von Fachleuten hier im Forum schon erläutert.

    Herr Rechner gehörte nicht dazu, weil er sich mit griechischen Anleihen auch nicht richtig auskennt, aber der fleißigste Blogger ist.

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