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Schuldenkrise Endspiel um den Euro

Merkel und Sarkozy wollen die Spekulanten mit einem neuen Krisengipfel beeindrucken. Doch die Märkte lassen sich nicht länger mit Rettungspaketen besänftigen. Euro-Bonds oder Euro-Crash - Europa muss sich entscheiden.
106 Kommentare

Deutsche-Bank-Chefvolkswirt mahnt Anleger zur Ruhe

DüsseldorfMehr als 20 Prozent ist der Dax in den vergangenen zwölf Tagen gefallen, doch die Panik hat ein Gutes: Sie zwingt die Politiker Europas zum Handeln. Italien, Spanien, Belgien und Frankreich verbieten besonders spekulative Börsengeschäfte, Angela Merkel und Nicolas Sarkozy wollen am Dienstag auf einem Krisentreffen über die Börsenpanik beraten - und neue Vorschläge für eine bessere wirtschaftspolitische Steuerung der Euro-Zone besprechen.

Europa ist in einer neuen Wirklichkeit aufgewacht: Die Finanzmärkte wetten inzwischen nicht mehr nur auf einen Bankrott Griechenlands, sondern nehmen mit Frankreich Kerneuropa ins Visier. Europas Politiker sind zu Getriebenen der Märkte geworden. Die dramatische Zuspitzung der Schuldenkrise hat eine Reihe von Erkenntnissen gebracht, die für die Zukunft Europas weitreichende Konsequenzen haben dürften.

Die erste und wichtigste: Märkte sind nicht rational und die Politik muss darauf reagieren. „Mit den Fundamentaldaten hat das alles nicht mehr viel zu tun. Das ist Panik und ich kann nur hoffen, dass die Panik bald vorbei ist“, sagt Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer zu den Kursbewegungen der letzten Tage. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sieht hier „psychologische Faktoren, insbesondere das Herdenverhalten“ am Werk.

„Die Politik muss diesen Machtkampf mit den Finanzmärkten gewinnen. Was sich da an den Börsen abspielt, ist überhaupt nichts anderes als ein finanzmarktgetriebenes Spektakel, an dem viele, viele Leute gerade sehr viel Geld verdienen. Es darf keine Politik nach Börsenlage geben“ fordert Thomas Straubhaar, Leiter des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Wer argumentiere, dass die Kapitalmärkte und die Ratingagenturen informationseffizient seien, sei entweder blind oder naiv, kritisiert der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther.

Jammern hilft aber nicht weiter. Die Schuldenkrise in Europa ist auf dem Wege eine weitere Rezession auszulösen. Das Chaos an den Börsen muss endlich in eine bessere Regulierung münden - vor allem von Derivaten. Warum darf jemand eine Kreditausfallversicherung für französische Staatsanleihen kaufen, die er gar nicht besitzt - und damit an sich auf den Bankrott eines ganzen Landes wetten?

Die Euro-Länder sind mit Recht ins Visier der Märkte geraten, weil sie zu viele Schulden gemacht haben. Klar ist aber auch: Hier rollt eine Spekulationswelle wie beim Crash 2008. Genau wie heute Präsident Sarkozy versuchte damals Lehman-Chef Dick Fuld verzweifelt negative Gerüchte über seine Kreditwürdigkeit zu zerstreuen.

Fulds Bank ging unter, doch das war nicht das Ende der Welle. 2008 reichte sie von Bear Stearns zu Fannie Mae, Freddie Mac, Lehman Brothers, Merill Lynch, Morgan Stanley, Goldman Sachs - vom schwächsten zum stärksten Glied. Heute reicht sie von Griechenland nach Irland, Portugal, Spanien, Italien, Frankreich - und Deutschland.

Eurobonds oder Eurocrash - Europa muss sich entscheiden
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106 Kommentare zu "Schuldenkrise: Endspiel um den Euro"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Versailles 2...Dank Merkel........wie ? oft noch..werden Verträge einfach gebrochen..Hochverrat ist kein Kavaliersdelikt ....Insolvenzverschleppung..ist strafbar...Insolvenzbetrug.....ist strafbar.....aber die FRAGE ist wann- wo .wie,,nach dem Bürgerkrieg....???

  • Eben. Und weil alle die Verträge brechen, ist der Euro bereits gescheitert. Eurobonds würde Deutschland weitere Milliarden kosten. Es ist so als würden wir unser AAA verlieren. Das Währungssystem ist gescheitert. Niemand kann mehr garamtieren, dass die EUdSSR oder die EZB heute etwas sagt und morgen etwas ganz anderes macht. Niemand kann mehr garantieren, dass die EUdSSR oder die EZB sich an Absprachen, regeln und Verträge hält. Das sie grundsätzlich machen was sie wollen, haben sie mehrfach beweisen.

  • Dann müssten Sie sich für die vorbehaltlose Einhaltung und die Rückkehr zum Maastricht-Vertrag einsetzen. Wenn diese geschähe und die unseligen Insolvenzverschleppungen beendet würden, gäbe es nicht diesen zähen und undifferenzierten Widerstand, den Sie hier im Forum wahrzunehmen glauben.

    Diese Undifferenziertheit ist der Spiegel, der von der Staatspropaganda undifferenziert verbreiteten Durchhalteparolen und dem Euro-Totatlitarismus ("alternativlos"). Statt dass die "Eliten" Asche auf ihr Haupt streuen und sagen, wie wir durch ihr Wegsehen, ihre Ignoranz und ihre Inkompetenz in die jetzige Situation geraten konnten, werden diese auch noch frech und wollen den Einsatz durch Einführung von risikoverschleiernden Finanzinnovationen (Eurobonds) verdoppeln und ihr Versagen vertuschen, statt sich der Lösung der ursächlichen Probleme zuzuwenden. Wenn diese "Eliten" eine ergebnisoffene Diskussion eröffnen, werden Sie auch hier im Forum differenzierteree Beiträge finden. Bis dahin nehme ich mir das Recht auch mal mehr mal weniger diffrenziert auf den Sack zu dreschen! WIe es in den Wald hineinruft, so schallt es zurück.

  • Glauben Sie wirklich das sich die anderen Euro Länder auf diesen Diel einlassen? Im Gegenteil, Merkel wird sich von Sarkozy wieder über den Tisch ziehen lassen und Eurobonds ohne Gegenleistung zustimmen. Es wird nur bei Absichtserklärungen der Euro Länder bleiben zu sparen. Garantiert!!!

  • @Manilensis
    .. wohin denn bitte? Laufen ohne Ziel ist Kraftverschwendung.

  • Die Einhaltung der 'Euro-Verträge' ist natürlich absolut richtig und wichtig, um den Euro erfolgreich zu halten. Ganz klar - keine Frage! Aber dieselben rückgradlosen Politiker, die uns mit Schulden überziehen brachen auch diese Verträge. Da ist für mich klar, was ich nicht mehr will. Es wäre nicht der Euro.

  • Gerade Bayern ist mit der CSU gut aufgestellt und ist an allen Entscheidungen angemessen beteiligt. Von "nichts zu sagen" kann also keine Rede sein.

    Ich gehe sogar weiter:

    Wer die Musik bezahlt, MUSS bestimmen was gespielt wird. Nur der Geldgeber verschwendet das Geld nicht. Alle anderen würden es veruntreuen. Der beste Beweis dafür sind die PIGS.

  • Das klingt nach einer Triebabfuhr für unsere Euro-Skeptiker.
    Legen wir noch mal nach: da wird es derzeit kein gambit für den Euro geben: wir sind immer noch im Eröffnungsspiel.

  • @ Rainer_J,
    Sie schreiben:
    "Wer die Musik bezahlt, bestimmt auch was gespielt wird."
    dann erklären Sie mir bitte mal warum bis heute bei Euch in Deutschenland (Land wo viele Deutsche leben, aber Gott sei dank, nicht nur Deutsche)nie ein Bayer Kanzler war, die Bayer zahlen bei Euch auch die Musik, haben aber nicht zu sagen!

  • Was macht jeder vernünftige Mensch, wenn sich die Vertragpartner nicht an Regeln, Verträge und Gesetze halten? Eben, er steigt aus.

    Ich sehe nicht, das es Ländern wie Schweiz, Dänemark oder Schweden schlecht geht, um im Gegensatz zu Deutschland droht denen nicht der Staatsbankrott.

    Ich hoffe sehr, dass Menschen, die den Euro zu lange verteidigt haben und illegale Schritte unterstützen, sich später vor dem Gericht verantworten müssen.

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