Schuldenkrise Griechen-Premier warnt vor unkontrollierter Staatspleite

Griechenland steht das Wasser bis zum Hals. Das Land muss deshalb noch mehr sparen, sonst droht ein Desaster. Premier Papademos warnt schon vor einer Staatspleite bis März. Doch die Gewerkschaften beeindruckt das wenig.
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Premier Lucas Papademos. Quelle: dapd

Premier Lucas Papademos.

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AthenDer griechische Ministerpräsident Lucas Papademos hat vor einem unkontrollierten Staatsbankrott im März gewarnt, sollte sein Land keine Hilfe aus dem Ausland erhalten. Benötigt würden eine Einigung mit der Troika aus EU, IWF und EZB sowie weiter Gelder, sagte Papademos am Mittwoch bei Gesprächen mit Spitzen von Gewerkschaften und Arbeitgeber-Verbänden. Er rief zu weiteren Opfern auf, darunter auch Lohnkürzungen.

„Wenn wir unseren wichtigsten Erfolg - die Teilnahme am Euro und die Verhinderung einer massiven, vertikalen Einkommensentwertung sichern wollen, zu der ein Ausstieg aus dem Euro führen würde, dann müssen wir eine kurzfristige Einkommensminderung hinnehmen“, sagte Papademos nach einem von seinem Presseamt veröffentlichten Redemanuskript. Ohne notwendige Anpassungen „an die Realität“ sei die Auszahlung der nächsten Kreditrate nicht garantiert, sagte Papademos. „Mit Beginn des Jahres 2012 treten wir in die höchst entscheidende Phase für den Kurs der griechischen Wirtschaft ein“, sagte der Ministerpräsident.

Von den Gewerkschaften erntete Papademos allerdings nur eisige Ablehnung. Der Chef der Gewerkschaft GSEE, Yannis Panagopoulos, bestand nach dem Treffen darauf, dass der nationale kollektive Tarifvertrag - einschließlich des darin vereinbarten Mindestlohns und der 13. und 14. Monatsgehälter - nicht zur Disposition stehe. „Arbeiter und Rentner seien durch die Krise unverhältnismäßig hoch belastet worden und haben nun keinen Spielraum für weitere Kürzungen oder Rücknahmen von Arbeitnehmerrechten“, teilte die Gewerkschaft mit. Den öffentlichen Angestellten wurden die beiden Extra-Gehälter im Rahmen der Sparmaßnahmen bereits gestrichen.

Der Chef des Arbeitgeberverbands Hellenic Federation of Enterprises, Dimitris Daskalopoulos, sagte, sein Verband werde alles in seiner Macht Stehende tun, damit die Mindestlöhne nicht gesenkt werden.

Griechenland ist hoch verschuldet. Die Regierung in Athen hofft auf Finanzhilfen in Höhe von 130 Milliarden Euro, um eine Pleite abzuwenden. Mitte Januar reisen Vertreter der Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), der EZB und der Europäischen Kommission nach Athen, um über weitere Einsparungen im Rahmen des europäischen Rettungspakets zu verhandeln. Zu den Auflagen der Troika gehören neben einer Steuer- und Justizreform auch Rentenkürzungen.

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28 Kommentare zu "Schuldenkrise: Griechen-Premier warnt vor unkontrollierter Staatspleite"

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  • Man hätte Griechenland bereits damals hinausekeln müssen, als sich herausstellte, daß es sich nur durch Schwindel und Betrug in die Eurozone hereingemogelt hatte. Das hätte uns viel Geld erspart. Aber die Politiker sind so was von unfähig! Es hackt halt keine Krähe der anderen ein Auge aus, weil sie wissen, daß sie alle nur Krähen sind.

  • Warum beleuchtet Herr Fuest uns nicht auch einmal die Situation, in der GR nicht im März 2012 pleite geht, nochmals 130 Mrd € erhält und stattdessen im Oktober 2012 pleite geht.
    Worin besteht der Unterschied es Szenarios ausser in der Tatsache, dass nochmals Geld verbrannt wurde?

  • Deutschland hat seinen Anteil an der Verschuldung der anderen europ. Länder, das wird aber natürlich verschwiegen.
    Während die anderen europ. Länder ihren Arbeitnehmern normale und ordentliche Löhne gezahlt haben, wurden in Deutschland seit Schröder nur noch Dumpinglöhne bezahlt.
    Unssere Lohnstückkosten sind die niedrigsen in der EU
    Damit haben wir eine enorme Wettbewerbsverzerrung installiert.
    Die Arroganz unserer Regierung ist völlig unangebracht. Da konnten die anderen Länder nicht mithalten.
    Darauf müssen wir nicht stolz sein

  • Wenn ich daran denke, daß ehemalige Parlamentarier jetzt rückwirkende Erhöhung ihrer Diäten usw. haben wollen (in der Sumem einige Hundert Millionen) ... könnte ich kotzen wie de grüne Hulk !

  • Da sieht man mal wieder gegensätzliche Positionen. Der Griechen-Premier warnt vor unkontrollierter Staatspleite und wir sehnen die unkontrollierte Griechenpleite herbei, damit endlich Schluss mit dem Geld-in-ein-Fass-ohne-Boden-werfen ist. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

    Wie sieht es eigentlich mit der langfristigen Euro-Perspektive aus? Mir hat bisher noch niemand erklären können, wie die Wettbewerbsfähigkeit von nichtwettbewerbsfähigen Ländern durch Geld-hinterherwerfen verbessert werden kann. Es wird höchste Zeit für ein Zusammenbrechen des Euros. Dass er sehr teuer wird ist klar - das geht auf Kohls Kappe. Dass der Bruch kommen wird ist auch sicher. Und dass er teurer wird je später er kommt, kann jeder, der die Grundrechenarten beherrscht, sich selber veranschaulichen.

  • So einfach ist das für diesen, und auch alle vorherigen Herren. Ich brauche, möchte, erwarte etc. Diese bequeme Art ist auch noch erfolgreich und wird mit listigem Kalkül bewußt praktiziert. Am liebsten bis zum Sanktnimmerleinstag. Was kann GR auch passieren, entweder diese Dauerbeihilfe oder sogar der Schuldenschnitt, wobei sich der Großteil der Schulden in Luft auflöst. Glückliches Griechenland. Dann ordentlich herumkümen (bedürftigkeitsmeckern) und sichs gutgehen lassen. Diejenigen, die es nicht an die Staatspfründe geschafft haben und nicht arbeiten können bzw. wollen sollten sich zunächst mal mit dem Minimum anfreunden und gegen die Mitmenschen, die es eben an die Staatspfründe geschafft haben, auf die Straße gehen. Hier sollte zuerst durch Umverteilung Hilfe eingefordert werden.

  • Die Drohung ist völlig logisch. Am 20. März wird die 5-Jahres-Anleihe fällig, die im November soviel Spekulanten in Deutschland so magisch angezogen hatte. Da waren keine Heuschrecken-Hedgefonds am Werk, sondern gierige Kleinzocker, die sich am Unglück der Griechen bereichern wollten, indem sie die Anleihe mit 60% Abschlag in der Erwartung kauften, sie werde vier Monate später pari zurückgezahlt. Den Leuten müssen nun die Haaren geschnitten werden.

  • Genau! Die Bankster haben den Griechen das böse Europa aufgezwungen. Als wenn die Griechen seit 1998 (oder noch früher) nicht ein paar mal die Wahl gehabt hätten. Sie wollten aber nicht auf eigenen Beinen stehen, sondern Vollkasko von Brüssel.
    Jetzt sollte man dem ganzen Schmierentheater ohne Rücksicht auf Kollateralschäden endlich ein Ende bereiten.
    Wenn sich der Rauch nach dem Knall verzogen hat wird es irgendwie weitergehen. Wenn die Überlebenden die Totebn beneiden sollten: dann geht ihnen hinterher: 7 Milliarden Hungerleider und Arbeitslose sind zu viel. Da kann ja mal der eine oder andere Staat oder Kontinent einen Beitrag zur Enspannung leisten.

  • Genau! Die Bankster haben den Griechen das böse Europa aufgezwungen. Als wenn die Griechen seit 1998 (oder noch früher) nicht ein paar mal die Wahl gehabt hätten. Sie wollten aber nicht auf eigenen Beinen stehen, sondern Vollkasko von Brüssel.
    Jetzt sollte man dem ganzen Schmierentheater ohne Rücksicht auf Kollateralschäden endlich ein Ende bereiten.
    Wenn sich der Rauch nach dem Knall verzogen hat wird es irgendwie weitergehen. Wenn die Überlebenden die Totebn beneiden sollten: dann geht ihnen hinterher: 7 Milliarden Hungerleider und Arbeitslose sind zu viel. Da kann ja mal der eine oder andere Staat oder Kontinent einen Beitrag zur Enspannung leisten.

  • Im Falle Griechenland helfen neue Milliarden überhaupt nichts; man stelle sich vor: ein 9 Millionen Volk hat bisher knapp 400 Milliarden verbrannt: Hier ist etwas ganz anderes gefragt: ein mutiges, kluges Konzept. Leider zeichnen sich unsere Poltiker weder durch Klugheit noch durch Mut aus.
    Wie wärs damit: die EU erklärt GR zu einer Sonderwirtschaftszone, mit einer rigoros umgesetzten flat tax (10%?) für 10 bis 20 Jahre (komplexe Steuerstrukturen ist das Letzte was dieses Land jetzt braucht), die jeder versteht. Bitte keinen Marshal Plan! Ich gehe jede Wette ein: die Investoren stehen Schlange und GR erlebt in kürzester Zeit so etwas wie einen Wirtschaftsboom. Ein Konzept das übrigens bei der Wiedervereinigung Deutschlands Wunder gewirkt hätte. Ich stelle mich gerne als EU Kommissar für die Implementierung zur Verfügung. Es ist Fasching - ein bischen Spaß muß sein.

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