Schuldenkrise Jetzt auch noch Italien

Der Warnschuss von Standard & Poor's gegen Italien hat die Regierung in Rom alarmiert. Um eine schlechtere Note zu verhindern, soll nun drastisch gespart werden. Andere Ratingagenturen stehen zu Italien - noch.
Update: 23.05.2011 - 15:18 Uhr 11 Kommentare
Muss auch Italien bald unter den Euro-Rettungsschirm? Quelle: dapd

Muss auch Italien bald unter den Euro-Rettungsschirm?

(Foto: dapd)

Rom/BerlinIm Kampf gegen die Schuldenkrise plant Italien nach Angaben aus Regierungskreise Einsparungen von bis zu 40 Milliarden Euro. Nach dem Warnschuss der Rating-Agentur Standard & Poor's wolle das Kabinett die Sparpläne bereits im Juni bekanntgeben, um "ein Signal an die Märkte" zu senden, sagte ein ranghoher Regierungsvertreter am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Mit den Sparmaßnahmen in einem Umfang von 35 Milliarden bis 40 Milliarden Euro solle sichergestellt werden, dass die Regierung bis 2014 einen ausgeglichenen Haushalt erreiche.

In der Euro-Schuldenkrise war Italien zuvor wieder in den Blick geraten: Standard & Poor's drohte dem Land am Samstag mit einer schlechteren Bonitätsnote. Die S&P-Analysten warnten, sollte das italienische Wirtschaftswachstum weiter schwach bleiben, werde die Regierung in Rom Probleme mit ihren Plänen zur Schuldensenkung bekommen. Die Risikoaufschläge für zehnjährige italienische Staatsanleihen stiegen deshalb am Montag im Vergleich zur deutschen Bundesanleihe auf den höchsten Stand seit Januar.

Die beiden Ratingagenturen Fitch und Moody's wollen im Unterschied zu ihrem Konkurrenten S & P den Ausblick für Italiens Kreditwürdigkeit nicht senken. "Es gibt derzeit keine Hinweise dafür, dass sich Italiens Haushaltsposition verschlechtert", sagte Fitch-Analyst David Riley. "Die Regierung ist auf dem weg, ihre Ziele für 2011 zu erreichen und hat sich 2010 etwas besser geschlagen als erwartet." Auch Moody's halte den Ausblick stabil, sagte Sprecher Franceso Meucci.

Die Furcht vieler Anleger vor einer Ansteckung Italiens mit dem Schuldenkrisen-Virus schickte derweil den deutschen Aktienmarkt zu Wochenbeginn auf Talfahrt. Der Dax rutschte zwei Prozent auf 7124 Punkte ab. "Nachdem die Berichtssaison weitgehend vorbei ist, vermissen Investoren einen positiven Antrieb, und Sorgen über die finanzielle Stabilität sind noch immer eine Belastung für den Aktienmarkt", hieß es in einem Marktkommentar von Close Brothers Seydler. Neben der angespannten Lage in Griechenland beunruhigte die S&P-Warnung vor einer Herabstufung Italiens. Der Mailänder Leitindex brach drei Prozent ein, wozu allerdings auch eine große Zahl von Dividendenzahlungen beitrug. Der Euro fiel auf ein Zwei-Monats-Tief von 1,3970 Dollar zurück.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält die Angst vor einer Schieflage Italiens für unbegründet. „Italien wird kein zweites Griechenland“, sagte der DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner Handelsblatt Online. „Die italienische Wirtschaft steht strukturell wesentlich besser da als die griechische Volkswirtschaft mit ihrem aufgeblähten Staatssektor und erheblichen Wettbewerbsproblemen.“

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Schuldenkrise - Jetzt auch noch Italien

11 Kommentare zu "Schuldenkrise: Jetzt auch noch Italien"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Jetzt auch noch Italien-"

    Mit solchen oder ähnlichen Sätzen fingen die anderen Staaten vorm "Einkriechen" unter den Rettungsschirm auch an. Zunächst immer noch einmal versichern - unser Land ist sicher - (nur das Geld nicht). Letzteres aber nicht laut.

    Nicht wir schaffen den Euro - sondern der Euro schafft uns jetzt gnadenlos alle- ab.
    Gesternr hiess es einmal - feste anschaffen (es Lebe der Wohlstand ) heute heißt es bald
    - rette sich wer kann -wir schaffen uns sonst ab - ob nun mit oder ohne Wirtschaftsweisen -
    das ist nicht die Frage

  • Ich wehre mich ein bißchen gegen das Amerika-bashing.
    Das hündische Kriechen vor den USA hat Merkel begonnen, von sich aus, von ganz alleine
    Aber dieser Satz von Martina stimmt:
    Übrigens haben die Grünen in ihrer Regierungszeit genau diese "Rahmenbedingungen" mit geschaffen. Rot/Grün hat die Büchse der Pandora geöffnet.
    Und klar, bereichern sich die Banken und Reichen, aber dies geht doch nur, weil man sie läßt.
    Was hat Merkel in der ersten Krise denn getan? Den Banken das Geld vor die Tür gekarrt ohne Verträge zu machen. Das Resultat kennen wir doch alle: Die Banker haben sich vom Steuergeld ihre Boni und Millionen-Abfindugnen genehmigt.
    Menschen machen immer das, was legal ist und was keiner verbietet.
    Und seit Merkel den EU-Vetrag mal einfach so ausgehebelt hat und den Rettungsscirm zusammen mit Sarkozy eröffnet hat, ist der Geist aus der Flasche und den werden wir auch nicht wieder rein bekommen.
    Sarkozy halte ich übrigens für einen hochgefährlichen Brandstifter
    Und nun das Geschimpfe auf die Südstaaten von Merkel wird eines zur Folge haben: neuen Unfrieden in Europa und neuen Hass auf die Deutschen.
    Und dazu brauchte man eine stramme DDR-Sozialistin, die unser Land völlig zerstört und niemand hindert sie, das ist das Schlimmste
    Wir haben 40 Jahre lang in Frieden mit unseren Nachbarn gelebt und es ging uns gut.
    Und weil die Politik weiß, dass hier evtl. auch bald Randale sein wird, wollen sie die BW im Innern. Aber dazu mußte erst einmal die Wehrpflicht-Armee, der Bürger in Uniform abgeschafft werden, denn unsere Jungs von der BW schießen nicht auf ihre Mütter.
    Aber ein Söldnerheer, was jetzt errichtet wird, wird auf alles schießen
    Wie konnte es nur so weit kommen?
    Anschließend werden wieder alle sagen "das hben wir nicht gewußt"
    Aus der Geschichte nichts gelernt

  • Die Büchse der Pandora haben die Amerikaner, allen voran die FED geöffnet. Und zwar schon seit der Subprime-Krise! Und Schwarz/Gelb hat für Europa (Griechenland, Portugal und Irland) den Geldhahn aufgedreht, obwohl bekannt war, das das Geld nicht mehr zurück kommt. Das Ergebnis kennen wir: die höchste Staatsverschuldung seit Bestehen der Bundesrepublik und ein Ende ist nicht in Sicht. Und die Gewinner sind: Die Ackermänner und deren Gefolgsleute. Und zu allem Überfluss taucht der Name Ackermann noch als IWF-Chef-Vorschlag auf. Lobbyismus pur!

  • niemand hat offensichtlich die MACHT, da uns die mathematik (exponentialfunktion) aus der kurve schleudert.

    “Menschenrecht ist so widernatürlich wie Naturwissenschaft: Daß man Naturvorgänge kapiert, ist für deren Ablauf nicht nötig, sondern ein Luxus, der eine sehr grundsätzliche Differenz zwischen ihnen und dem menschlichen Handeln setzt.” Dietmar Dath

  • Banken und Reiche haben sich nicht "nur an die politischen RAHMENBEDINGUNGEN angepasst." Sie haben sie außerdem entscheidend beeinflusst.

  • "Und noch etwas, wer versucht die Schuld für die Krise auf Banken oder Reiche zu schieben, der irrt sich gewaltig. Diese haben sich im Gegensatz zu manch anderen nur an die politischen RAHMENBEDINGUNGEN angepasst. Versagt hat die Politik!"

    Das ist Unsinn. Die Banken und die (Super)reichen haben genau diese Rahmenbedingungen der Politik diktiert. Man muß nur die Frage stellen: WER hat die (wirkliche) Macht ?
    Übrigens haben die Grünen in ihrer Regierungszeit genau diese "Rahmenbedingungen" mit geschaffen. Rot/Grün hat die Büchse der Pandora geöffnet.

  • Es gibt eine wunderbar einfache Lösung für uns.

    Deutschland muss den EU Rettungsschirm beantragen.

    Dann MÜSSEN unsere Politiker sparen und dürfen auch keine Garantien mehr vergeben.

  • "Es gibt nur zwei Hebel: materielles Elend und religiöser Fanatismus. Jede Partei, welche diese Hebel einzusetzen versteht, wird siegen."

    Geringe Anzeichen lassen sich schon jetzt ausfindig machen -auch in Deutschland (ges. EU).

    Und noch etwas, wer versucht die Schuld für die Krise auf Banken oder Reiche zu schieben, der irrt sich gewaltig. Diese haben sich im Gegensatz zu manch anderen nur an die politischen RAHMENBEDINGUNGEN angepasst. Versagt hat die Politik!
    Tja, aber wenn man meint man wählt mal eben Grün oder die Linke (Rechtsradikale "Minderheiten" mit eingeschlossen), wäre damit alles erledigt, der irrt auch ein zweites mal.
    Im Prinzip funktioniert die Politik wie eine Sinuskurve. Nach jedem Umsturtz kamen aber zunächst immer die Radikalen an die Macht!! Bsp.: Iran, Französische Revolution, Nationalsozialisten Deutsches Reich, etc.
    Es ist wie eine "unsichtbare Hand", die alles regelt.

    "Der Einzelne nur Schaum auf der Welle, die Größe ein bloßer Zufall, die Herschaft des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen ein ehernes Gesetz, es zu erkennen, das Höchste, es zu beherrschen unmöglich."

  • Wenn der Michel muck ist Schluß mit lustig. Er ist zwar ein bißchen dumm und schwerfällig aber wenn er muckt, dann wackeln die Wände.

  • Ja, ja, alles ist gut und rosarot... Solange der deutsche Michel nur brav zahlt und nicht aufmuckt.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%