Schuldenkrise Was uns die griechische Misere kostet

Nach der erneuten Rating-Herabstufung der Griechen stellt sich die Frage: Umschulden oder retten? 8,4 Milliarden Euro hat Deutschland bislang nach Griechenland überwiesen. Doch daraus könnte schnell mehr werden.
  • Mark Schieritz
18 Kommentare
Egal wie Griechenlands Krise ausgeht: Für Deutschland wird es teuer. Quelle: dpa

Egal wie Griechenlands Krise ausgeht: Für Deutschland wird es teuer.

(Foto: dpa)

Der griechische Finanzminister Giorgos Papaconstantinou will es wissen: Ein Anti-Terror-Experte ist jetzt oberster Steuereintreiber, mit Google Earth fahnden die Behörden nach illegalen Pools und Villen.

Die Zeit wird knapp. Ein internationales Inspektionsteam prüft die Bücher der Regierung, und die Finanzmärkte haben ihr Urteil längst gefällt. Sie glauben nicht mehr daran, dass es die Griechen schaffen werden, ihre Staatsschulden bis 2012 in den Griff zu bekommen. Dann soll sich das Land wieder selbst Geld am Kapitalmarkt leihen. Wenn das nicht gelingt, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Athen meldet Bankrott an, oder die EU legt ein neues Programm auf. Umstritten ist, welche Variante günstiger kommt.

Die Frage entzweit auch die Bundesregierung. Vor allem die FDP dringt darauf, den Griechen möglichst schnell den Geldhahn zuzudrehen. Je mehr Zeit vergehe, so fürchten einige Liberale, desto höher werde am Ende die Rechnung ausfallen. Und wenn es jetzt nicht gelinge, eine Umschuldung durchzusetzen, werde die Beteiligung privater Gläubiger auch in Zukunft schwierig sein. Bislang wurden aus Deutschland 8,4 Milliarden Euro nach Griechenland überwiesen. Wenn das Programm Ende 2013 ausläuft, dürften es 22,4 Milliarden Euro sein. Allein im nächsten und im übernächsten Jahr sollen die Griechen nach bisherigen Plänen 64,6 Milliarden Euro bei privaten Investoren aufnehmen. Müsste die EU diese Summe zusätzlich übernehmen, kämen auf Deutschland noch einmal 18,5 Milliarden zu.

50 Prozent der Schulden müssten gestrichen werden

Wohlgemerkt, dabei geht es um Kredite. Die griechische Regierung hat versprochen, diese zurückzuzahlen. Die Frage ist, wie viel davon. Papaconstantinou hat schon einmal anfragen lassen, ob es möglich wäre, die Zinsen zu senken.

Eine Umschuldung ist indes auch nicht umsonst zu haben. Nach Einschätzung der Rating-Agenturen müssen mindestens 50 Prozent der Schulden gestrichen werden, damit Griechenland auf die Beine kommt. Berechnungen des Düsseldorfer Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung zufolge würde ein solcher Schnitt die deutschen Banken mit 25 Milliarden Euro belasten. Ein Teil davon würde bei den Steuerzahlern landen, weil vermutlich nicht alle Institute diese Verluste wegstecken könnten und der Staat ihr Kapital aufstocken müsste – zumal vor allem öffentliche Banken jede Menge griechische Staatsanleihen halten und auf den größten Teil der Bestände noch keine Abschreibungen vorgenommen haben. Aber auch die Engagements bei Unternehmen und Geldinstituten in Griechenland wären wohl betroffen, denn viele griechische Banken dürften zusammenbrechen, wenn der Staat zahlungsunfähig wird.

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18 Kommentare zu "Schuldenkrise: Was uns die griechische Misere kostet"

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  • liebe kommentatoren ,sie können sich die finger blutig
    schreiben u. es wird sich nichts ändern .

    diese sogenannten politiker regieren mit vorsatz gegen das volk ,was hier mit diktatur bezeichnet wird .

    wann wird der deutsche michel endlich aufwachen !

    volksaufstände u. kriege im euroraum werden die regel
    sein .
    hier mit

  • Weiter sparen, Pleite machen oder einen Dummen finden, der die Schulden übernimmt - Griechenlands Wahl. Wie die aussehen wird, nachdem die Dummen bekannt sind, die nicht nur im (freien) Fall Irlands und Portugals deren verantwortungsloser Schuldenliederlichkeit die Tür eingelaufen sind, ist doch klar. Da mag GRs Finanzminister Papaconstatinou noch so treuherzig versichern: seine Regierung werde die 'Kredite' zurückzahlen. Daß einer so etwas, die pure Selbstverständlichkeit, versprechen muß, zeigt, wie schlimm es um GR steht. Eine Wette: Es wird weitere Rettungspakete der EU geben - bis zur Euro-Selbstvernichtung, was denn der einzig erfreuliche Nebeneffekt dabei wäre.

    Wie lange lassen sich die Deutschen den EU-Schwindel eigentlich noch bieten?

  • ich denke, wenn Griechenland seine Altschulden refinanzieren muß und die Banken dies mit höherem Zins für Schlechtschuldner finanzieren, dann ist bei dem Ausfallrisiko nichts dagegen zu sagen und Griechenland bekommt das Geld, nicht die Banken! Der Skandal ist, daß die Banken sich Geld zu 1% leihen können und das Ausfallrisiko vom deutschen Steuerzahler getragen werden muß, aber das ist ein anderes Thema, obwohl verquickt mit der Kreditvergabe. Ganz schlecht ist, daß Griechenland nicht nur seine Altschulden nicht bezahlen kann, sondern auch nicht in der Lage ist, die Zinsen dafür zu bezahlen.

  • Angela Merkel als Erfüllungsgehilfe der Enteignung deutschen Volksvermögens?

    Die deutsche Europa-Politik ist für die Steuerzahler in Deutschland mittlerweile zu einem hohen Risiko geworden.
    Sollten einige Pleitestaaten bei der Bewältigung der Eurokrise versagen, muss nun der deutsche Steuerzahler mit viel Geld auch dafür haften!

    Angesichts der jüngsten Beschlüsse der Eurozonen-Finanzminister ( Banken-Komplizen ) zum letzten "Rettungsfonds" für klamme EU-Mitgliedstaaten ist das Grundproblem nicht gelöst.
    Das Geschäftsmodell vieler Banken geht weiter:
    Die Banken als "private Gläubiger" investieren für 2 stellige % in Staatsanleihen überschuldeter Pleitestaaten und refinanzieren sich für 1 % bei der EZB und das dank "Rettungsfonds" ohne Ausfallrisiko!!!

    Auch der letzte "Rettungsschirm" wird schnell an seine Grenzen kommen und am Ende die Umschuldung dieser Pleitestaaten am deutschen Steuerzahler hängen bleibt.
    Die Politik der Bundesregierung ( Banken-Komplize ) läuft darauf hinaus, dass der letzte Not-Fonds in großem Umfang in Anspruch genommen wird und es zu einer globalen Haftung des deutschen Steuerzahler kommt!!!

    Schon mit den bisherig beschlossenen "PIGS-Rettungspaketen" hat der Deutsche Bundestag
    am 21. Mai 2010 zwei Drittel des Steueraufkommens des Bundes für die Staatsschulden anderer Länder verpfändet!!!

    Erst geht die Peripherie pleite, dann Deutschland.

    Der Euro endet spätestens dann, wenn Deutschland insolvent ist!

    Wie lange werden die Menschen in Deutschland dem noch tatenlos zusehen?

  • "Die wahren Finnen" zeigen das wahre Ausmaß der Euro-Katastrophe: Dort wo wirklich noch gewählt werden kann, sprechen sich die Menschen klar gegen Transfer-Union und Billionen-schwere Geldgeschenke an Griechenland, Irland, Portugal und Spanien aus!!!

  • Die Frage ist doch, warum war der deutsche EU-Beitritt so alternativlos, wie es uns immer von unseren Politikern verkauft wurde. Sollte dies die Möglichkeit sein, Deutschland ganz legal und ohne nochmaligen Krieg bestmöglich auszusaugen? Wer profitiert am meisten von den derzeitigen Verwerfungen? Vor allem, weil Deutschland so geknebelt ist, daß kein eigenständiges, souveränes und nachvollziehbares Handeln ersichtlich ist. Brauchen wir dann überhaupt so hochbezahlte Politiker, vor allem in der Anzahl, oder würde es ausreichen, wenn ein Otto Normalverbraucher das schon vorher festgelegte Ergebnis abnickt? Ich kanns nicht glauben, daß unsere Politiker so dumm und rückgratlos sind und die Dinge zum Schaden Deutschlands schleifen lassen.
    Also verehrte Journalisten, wer traut sich, recherchiert fundiert mit Quellenangaben und zeigt damit, daß er was kann, keine Angst hat und daß er nicht gleichgeschaltet ist. Es muß nicht sein, daß jeder Interessierte in allen Informationen herumirrt und versucht sich einer Wahrheit zu nähern. Es gibt nur eine objektive Wahrheit!

  • Die Griechen sollen erst mal ihre Goldreserven Verkaufen (ca. 77t). Ich glaube es geht los, sich von uns Geld leihen und selber auf ihrem Gold sitzen.

  • Griechenland und Co. haben doch noch eine vorhandene "Kapitalreserve", nämlich Ländereien! Warum werden die nicht als Absicherung eingesetzt? Jeder Harz IV Empfänger muss bei uns zuerst an die eigene Substanz, bevor der Staat einspringt. Warum also nicht auch auf europäischer Ebene?

  • Und es wird dem schlechten Geld immer weiter gutes Geld hinterhergeworfen. Ich schliesse mich den Kommentatoren bezueglich der offensichtlichen Inkompetenz der deutschen Politiker an und ergaenze, dass der Finne Olli Rehn stellvertretend fuer die EU dummes Zeug erzaehlt und auch die EU als Haufen von mental Ueberforderten mit ausgepraegter Inkompetenz dastehen laesst. Wie Kapitalinvestoren hier auf Kosten der Steuerzahler geschuetzt werden, ist in Skandal erster Guete.

  • Sehr gut, wir Deutschen sind nur gut fürs Zahlen, egal wohin, Hauptsache viel und sofort. Unsere schlimme Verkehrsinfrastruktur,
    Gesundheitswesen, Bildungssystem, neue Leitungsnetze zur Stromversorgug, all das wird vorwiegend beklagt, aber leider kein Geld. Bei der Altersversorgung hat Deutschland den 19. Platz von 23 Industriestaaten der Welt(OECD-Studie aus 2007). Bei internationalen Zahlungen immer Spitzengruppe. Nein, danke!

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