Schuldenkrise „Mehrere Länder können den Euro verlassen“

Der FDP geht die Selbsthilfe der Euro-Krisenländer nicht weit genug. Notfalls müssten auch mehrere Länder den Euro verlassen – Griechenland wohl zuerst. Fraktionschef Brüderle sieht die EU vor einer ungewissen Zukunft.
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Euro-Münzen. Quelle: dpa

Euro-Münzen.

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HamburgIn der FDP wächst angesichts der eskalierenden Schuldenkrise der Unmut über die mangelnde Bereitschaft der Südländer, ihre Probleme selbst in den Griff zu bekommen. Kritisch äußerte sich Bundestags-Fraktionschef Rainer Brüderle über die Entwicklung Griechenlands. "Wir sehen mit Sorge, wie stark Kapital aus dem Land ins Ausland gebracht wurde, insbesondere durch die griechische Oberschicht", sagte er dem „Hamburger Abendblatt“.

Längst nicht alle Reformzusagen seien umgesetzt worden. Auch die wirtschaftliche Erholung stocke. Europa könne nicht unbegrenzt Solidarität zeigen, wenn die erwarteten Gegenleistungen nicht erbracht würden. Einen Euro-Austritt der Griechen nannte Brüderle politisch nicht wünschenswert, aber ökonomisch wahrscheinlich verkraftbar.

Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Martin Zeil (FDP) betrachtet das Ausscheiden mehrerer Länder aus dem Euroraum als Möglichkeit. „Das Regelwerk der Rettungsschirme und die Vereinbarungen mit der Troika sind strikt anzuwenden - dazu gehört, dass im Zweifel die Zahlungen eingestellt werden und ein Land aus dem Euro ausscheiden muss, wenn es die Auflagen nicht erfüllt. Wenn es sein muss, können auch zwei oder mehr ausscheiden.“ Deshalb werde der Euro in seinem Kern nicht auseinanderbrechen und auch das „Haus Europa“ nicht einstürzen.

Zeil forderte von den Euro-Krisenländern, ihre Finanzen durch eine Zwangsanleihe bei ihren eigenen Bürgern zu stabilisieren. „Alle Länder müssen zuerst die Möglichkeiten nutzen, die sie im eigenen Land haben - etwa die Vermögen ihrer eigenen Bürger“, sagte er. In Spanien und Italien seien die Privatvermögen viermal so hoch wie die Staatsschulden. „Offensichtlich gibt es also großes Potenzial für Schuldenländer, im eigenen Land tätig zu werden, ehe man nach deutschem Geld ruft. Durch eine rückzahlbare Zwangsanleihe bei den eigenen Bürgern könnten diese Länder ihre Schuldenkrise in den Griff bekommen.“

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53 Kommentare zu "Schuldenkrise: „Wenn nötig, können mehrere Länder den Euro verlassen“"

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  • Austritt ist schon richtig. Nur muss nicht Griechenland austreten, sondern Deutschland! Deutschland kann nciht für alle anderen zahlen und kann aber alleine überleben. Mit einer eigenen Währung kann man diese auch Auf oder Abwerten und immer ncoh erfolgreich Export betreiben. Wobei es viel sinnvoller wäre sich mal um den Binnenmarkt zu kümmern.
    Ich bin sicher: Alleine mit Hauptschulmathmatik ist am Binnenmarkt soweit zu drehen, das man Schulden abbauen kann, Arbeitslosigkeit bekämpfen kann und trotzdem wachsen kann.
    Mindestlohn, Verbrauchssteuern runter, mehr Konsum, mehr Produktion, mehr Arbeitsplätze, weniger Leistungsempfänger und mehr Steuerzahler - im Endeffekt mehr Steuereinnahmen als vor der Steuersenkung - Schuldenabbau - Leistungsverbesserung - zufriedenere Bevölkerung

  • Armin443,
    Das ist Wunschdenken, aber eigentlich sehr sympathisch!

  • Das Ding mit der Zwangsanleihe hätte schon lange umgesetzt werden müssen, statt immer nach fremden Geld zu rufen. Der
    erzieherische Effekt wäre durchschlagend gewesen und hätte
    zudem das Selbstwertgefühl der betreffenden Nationen verbessert. Von der Verringerung des Schuldenberges
    ganz zu schweigen.

  • ...ja, es ist richtig so! Ein Austritt aus der Union muß möglich sein und er wird auch werden. Denn es ist unmöglich länderspezifische Gleise zu verlassen in der Annahme, sie würden es schon schaffen auf Kammando solide und zuverlässig zu haushalten und die vorgezeichneten Zyklen einzuhalten. Das war und ist traumtänzerei. Die Wahrheit kommt jetzt zutage, was vor Inkrafttreten der Verträge nie eingehend besprochen wurde.
    Jetzt wird Geschichte geschrieben. Und sie kann nur das wiedergeben, was tatsächlich ist. Es muß Schluß sein, mit dem Gezetere um Europa und dem Euro. Die Vergewaltigungsakte der Menschen in den einzelnen Länder um die es geht, muss aufhören. Es muß wieder Ruhe einkehren und eine grundsolide Haushaltspolitik gemacht werden. Und so gibt es keine Alternative als nur die, daß die schwachen Staaten entlassen werden können und müssen mit der Option später evtl. wieder beitreten zu können. Es gibt nur diesen einen Weg. Und es wird so kommen. Die ganz große, angepeilte Gündung aller europäischer Staaten unter einem Hut, wird erst viel später stattfinden. Vielleicht erst in 20 oder 30 Jahren, wenn überhaupt. Und noch dies....die Völker haben auch in ihrer Eigenständigkeit auch gut gelebt. Der Weg, also zurück, ist wahrscheinlich der Beste, koste was es wolle. Die dann zurückschnellenden Wirtschaftsdaten, werden sich später wieder einpendeln.

  • Ne, Ne warum sollten die Schuldenstaaten im eigenen Land ihre Bürger enteignen oder belasten wenn sie das Geld auch von Deutschland bekommen können. Veileicht sind die so blöd und zahlen so lange bis sie selber Pleite sind, dann können doch die Deutschen ihre Bürger enteignen, wenn die dann noch da sind. Weil von den Migranten, Asylanten und Harz IV empfänger werden sie nichts bekommen bzw. holen können. Nur weiter so, aber denkt daran wir werden euch diesesmal zu Rechenschaft ziehen. Wie damals in Rumänien mit Jaucesco.

  • ogottogott --- ich habe das gerade gelesen (DANKE für den Link!) Welch ein schlimmer und total verwirrter Typ... hat er überhaupt die Länder, um die es hier geht, mal selbst näher kennen gelernt?
    Und sowas wird womöglich Berater der Regierung. Nicht auszudenken. Die haben ihn an die Spitze des DIW gewählt, weil er der bislang Einzige ist, der so eine kaputte Theorie vertritt... sozusagen konkurrenzlos.. und das alles bloß, um abzusahnen... was für eine Sauerei. Denen ist ja wohl schon ALLES egal.

  • ja, z.B. so:

    • wollen Sie Ihre Unterstützung für den Euro verweigern und dafür verantwortlich sein, dass sich die Hölle auftut, Ihre Kinder und Enkelkinder ohne Einkommen sind, Ihre Lebensversicherung und Ihre Rente komplett geschluckt werden, alle deutschen Unternehmen für immer ihre Exportmöglichkeiten verlieren und nie, nie wieder ein geeintes und friedliches Europa möglich sein wird und Sie niemand in Europa mehr lieb haben wird?

    • Wollen Sie mit Ihrem Einverständnis für ein geeintes und friedliches Europa mit dem Euro, dass nur ein völlig unbedeutender Teil Ihrer Rente und von Ihrer Lebensversicherung vorübergehend nicht verfügbar ist, der Anstieg der Beschäftigungszahlen nur vorübergehend ein ganz klitzekleines bisschen etwas stärker nachlässt, die Finanzierungsmöglichkeiten der Bundesrepublik nur vorübergehend und ansonsten völlig unbedenklich und kaum merklich teurer wird und alle in Europa Sie wieder lieb haben?

  • Das ist alles nur Wahlkampfgetöse.
    Nachdem es erst monate- oder jahrelang den Parteien-Einheitsbrei für die deutschen Bürger gab, ist man nun bemüht, sich wieder vom Anderen Zu unterscheiden.
    Nach der Wahl ist dann wieder alles wie vorher: Einheitsbrei. Alle wollen den ach so vorteilhaften Euro retten, koste es, was es wolle.
    Deshalb wählt die Partei, die so was NICHT will – ganz egal, welche.
    Der Euro ist und war schon immer krank.
    Lasst ihn uns beerdigen.

  • Demo gegen ESM: am 08.09.12 in Karlsruhe, 11.30, Marktplatz
    aktionsbündnis direkte demokratie

  • Frankie, einverstanden mit Deinem Text, aber:
    Die meisten in Europa halten die Gründung der EU ...immer noch für eine gute Sache.
    Glaube ich nicht., denn: die EU kann man nicht gründen. Sie besteht ja schon längst
    in Form der europäischen Länder. Gegründet wurde ein gigantischer, undurch-schaubarer Verwaltungsapparat, der dazu dient, Gelder von soliden Staaten einzusam-
    meln, um sie dann, ohne irgendeine Kontrolle/Legitimation nach Süden umzuverteilen.
    Hier fängt das Übel schon an, denn Alimentationen fördern alles außer Eigenaktivitäten.
    Brüssel ist der Ansprechpartner für Lobbyisten. Wer weiß denn wieviele Mafiosi dort undin den Büros herumsitzen oder anklopfen. Also höchste Zeit, den Geldvernichtungsapparat, den niemand braucht, der nur unnötig Gelder verschlingt, sicherlich korrupt ist ohne Ende, abzuschaffen. Mit den Geldern, die dieser Apparat, samt seinem Beamtenheer verschlingt, könnten sinnvolle Projekte finanziert werden.











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