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Schuldenschnitt Bankenbeitrag zur Rettung Griechenlands soll steigen

Die Banken sollen einen größeren Beitrag zur Griechenland-Rettung leisten. Als Griechenlands private Gläubiger sollen sie auf rund 60 Prozent ihrer Forderungen verzichten - und ihr Eigenkapital kräftig aufstocken.
22.10.2011 Update: 22.10.2011 - 14:49 Uhr 50 Kommentare
Die Banken sollen stärker an der Griechenland-Rettung beteiligt werden. Quelle: dpa

Die Banken sollen stärker an der Griechenland-Rettung beteiligt werden.

(Foto: dpa)

Brüssel Die Euro-Finanzminister wollen die Banken bei der Griechenland-Rettung deutlich stärker zur Kasse bitten. Die Eurozone habe sich auf eine „erhebliche Anhebung“ des Bankenbeitrags geeinigt, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker am Samstagmorgen vor einer Sitzung der EU-Finanzminister in Brüssel. Wenn der griechische Schuldenstand bis 2020 auf 110 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung gedrückt werden sollte, wäre ein Forderungsverzicht von 60 Prozent notwendig. Ohne einen Kurswechsel würde bis 2020 eine Lücke von 252 Milliarden Euro klaffen. 

Das geht aus der zehnseitigen "Schuldentragfähigkeitsanalyse" Griechenlands hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Darin geht die Troika von zwei Szenarien aus. Erstens: Die Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen. Die Euro-Zone hilft Griechenland mit einem zweiten Kreditpaket in Höhe von 114 Milliarden Euro. Unter diesen Voraussetzungen könne Griechenlands Staatsschuld von derzeit 180 Prozent bis Ende 2020 auf 120 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) sinken. Zweitens: Die Banken schreiben 60 Prozent ihrer Forderungen an Griechenland ab. Das zweite Kreditpaket der Euro-Staaten für Griechenland bleibt bei dem am 21. Juli beschlossenen Volumen von 109 Milliarden Euro. In dem Fall könne der Anteil der griechischen Staatsverschuldung vom BIP bis 2020 auf 110 Prozent vom BIP sinken. Diese Troika-Zahlen sind Basis der Verhandlungen der Euro-Zone mit den privaten Banken.

Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker. Quelle: Reuters

Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker.

(Foto: Reuters)

„Wir haben uns gestern darauf verständigt, dass wir den von den Banken zu erbringenden Beitrag erheblich anheben müssen“, sagte Juncker. Auch der schwedische Finanzminister Anders Borg unterstützt den Beschluss: „Es ist offensichtlich, dass ein substanzieller Schuldenschnitt notwendig ist.“ 

Die österreichische Finanzministerin Maria Fekter erklärte: „Wir haben in der Früh ein Meeting gehabt, wo die Mandate ganz konkret ausformuliert werden.“ Vittorio Grilli, Vorsitzender des Wirtschafts- und Finanzausschusses der EU, werde in Verhandlungen mit den Banken geschickt. „Wir werden keine Details bekannt geben, um das Verhandlungsergebnis nicht zu gefährden.“

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    Erste Details kursieren dennoch: Nach einem Beschluss der EU-Finanzminister sollen die Banken ihr Kapital um rund 100 Milliarden Euro erhöhen. Es gebe eine Verständigung auf diese Zahl, sagten EU-Diplomaten am Samstag am Rande des EU-Finanzministertreffens. Die Geldhäuser sind zunächst aufgerufen, Kapital von privaten Investoren zu beschaffen. Erst in zweiter Linie sollen die Regierungen einspringen. Falls diese dazu nicht in der Lage sind, würde der Euro-Rettungsfonds EFSF den betroffenen Euro-Ländern Kredit zur Bankenhilfe gewähren.

    Die Bemühungen wurden außerhalb der Euro-Zone scharf kritisiert. Der britische Finanzminister George Osborne sagte: „Die Krise in der Euro-Zone bewirkt große Schäden in vielen europäischen Volkswirtschaften, darunter in Großbritannien.“ Der Schatzkanzler fügte hinzu: „Wir haben genug von kurzfristigen Maßnahmen, genug davon, Pflaster draufzukleben, die uns nur durch die nächsten paar Wochen bringen.“ Europa müsse die tiefen Gründe für die Krise angehen. Gebraucht werde eine umfassende und dauerhafte Lösung für die Krise, damit das Wachstum in Europa wieder anspringen könne.

    Zuvor hatte auch der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Andreas Schmitz, einen Schuldenschnitt von mindestens 50 Prozent gefordert. Gleichzeitig müsse aber die Eigenkapitalbasis der Banken gestärkt werden, sagte Schmitz der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.„Die europäischen Banken, die dadurch viel Geld verlieren und dann zu wenig Kapital haben, müssen frisches Geld bekommen. Aber bitte nicht mit der Gießkanne“, sagte er. 

    "Staatsfinanzierung über die Notenpresse wäre fatal"
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    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ PeterScholz1
      Nachrichten, besonders mit genauen Zahlen sind für mich wichtig. Allein diese Nachrichten helfen mir sehr bei meinen wissenschaftlichen Studien.
      Vielleicht bekommen wir ja bald öfter die Chance das Verhalten und die Expotentialfunktion von Schwarzen Löchern mit allen Auswirkungen zu studieren.

      Schönen Abend noch.

    • Nochmal fuer die etwas Langsamen: Das Handelsblatt hat die Buerger Deutschlands aufgefordert Anleihen von Griechenland zu kaufen. Es hat als unabhaengiges Blatt die Meinung vertreten, dass es sich als echter Europaer gehoert dort zu investieren.

      Ein Jahr spaeter sind diese Papiere noch halb so viel Wert. Was hat das mit Journalismus zu tun ?

    • Auch deshalb.
      Erstes Halbjahr 2012: “Dezimierung der Banken in den westlichen Staaten!”
      Eine fundierte Prognose mit harten Fakten, hier:
      http://steuerembargo.co.de/component/k2/item/45-erstes-halbjahr-2012-dezimierung-der-banken-in-den-westlichen-staaten.html

    • Im Moment halte ich die Piraten besser, denn sie würden keine Gelder mehr bewilligen. Außerdem verfolgen sie das Konzept der Nachhaltigkeit und fragen einfach den Wähler. Und wenn die den Müll aussortieren, den man hier im Forum jeden Tag erfährt, so kann durchaus aus den Piraten mehr werden als nur ein Strohfeuer.

    • Schon wieder solch eine von Dummheit geprägte Forderung seitens der Politik. Was währe denn die Konsequenz? Dass die Banken die Kreditleistungen gegenüber der Wirtschaft , ins besondere der Mittelständischen, herunter fahren, eben mit der Konsequenz eines Wirtschaftsabschwungs.
      Nachdenken bevor reden. Aber das ist bei Politikern, die nie über die Konsequenzen ihres Handelns nachdenken, eben wohl zuviel verlangt.

    • @KeepCool
      Ich stimme mit Ihnen überein. Merkel und Schäuble sind intelligenter als der Durchschnittsdeutsche keine Frage. Nur der Leistungsausweis beider Politiker ist ausgeblieben. Merkel hat bisher in Deutschland keinerlei Reformen angestossen. Es scheint, das Beste der Beiden ist nicht gut genug um Krisen zu bewältigen.
      Die Staatsschuldenkrise hat die Anleger und Ratingagenturen dazu gebracht die finanzielle Lage der Staaten kritisch zu bewerten. Anbetracht der hohen Verschuldung von 83% des BIP sind bisher keine Reformen des Staates erfolgt. Wir brauchen eine Beamtenrechtreform weil der Staat, auch durch die sich verschlechternde Demografie, bald nicht mehr in der Lage sein wird die Bezüge und Pensionsansprüche zu bedienen. Hier müssen Beamte, Pensionen, Privilegien und Bürokratie abgebaut werden weil nicht mehr finanzierbar. Wird hier nicht bald gehandelt kann Deutschland auch ohne die Griechenlandproblematik eine Ratingabstufung bekommen.

    • mehr als Beleidigtheiten werden die auch nicht zu bieten haben.
      Indes: wir stehen vor einem gewaltigen Problem.
      Und: gewählt hatte ich das jedenfalls nicht.
      Nun sitzt Ihr in der Scheiße.
      Als ich noch was gesagt hatte, durfte ich mir den Staatstrojaner ansehen dürfen müssen.

      Euer Problem - mittlerweise.

    • Ich verstehe eines nicht: die momentan bezüglich der Schuldenkrise betriebene Politik wirkt nicht plausibel auf mich. Wohl geht es auch einer Vielzahl (Mehrzahl?) von Top-Ökonomen so. Handlungsalternativen liegen vor, werden jedoch nicht in Betracht gezogen.

      Mögliche Gründe:

      Die These, dass Merkel und Schäuble zu dumm seien, können wir getrost ausschließen. Ich denke, die beiden sind wesentlich intelligenter als die meisten von uns hier im Forum.

      Dass Merkel und Schäuble unpatriotisch sein sollen, halte ich auch für unwahrscheinlich.

      Weitere Erklärungsmöglichkeiten:

      - Beide sind korrupt? Hat man dem Mann im Rollstuhl versprochen, dass er, wenn er unseren Staat ruiniert, wieder gehen kann? ... Ich bezweifle, ob ein Schäuble korrumpierbar ist. Mehr als seinen Stolz besitzt dieser Mann doch gar nicht mehr.

      - Deutschland wird erpresst? Militärisch? Bilderbergerisch oder sonst wie? ... Keine Ahnung. Dinge, die ich nicht sehen oder begreifen kann, kann ich nicht einordnen.

      Meine Hauptthese: Beide tun das Beste, was in ihrer Macht ist. Wir kennen leider bei weitem nicht genügend Hintergründe und können deswegen das Handeln nicht korrekt einordnen.

      Merkel und Schäuble hätten den einfachen Weg gehen können - einfach ohne großes Verhandeln den Sozi-Plan Eurobonds einzuführen. Die Börsen hätten gejubelt und das Schuldenproblem wäre um einige Jahre aufgeschoben worden.

      Bedauerlicherweise hätte man mit einer schnellen Einführung von Eurobonds jegliche Einflussmöglichkeiten auf die anderen Euro-Staaten preisgegeben.

      Eine bessere Entscheidung, weil populärer? Auf jeden Fall wäre es der bequemere Weg gewesen.

      => Ich bitte um Begründungsvorschläge, warum unsere Top-Politiker anscheinend unsere Staatsfinanzen ruinieren wollen.

    • Der grosse Scam

      Warum organisiert die Politik nicht das grosse Spiel:

      Einfach mal definieren, dass ein Default von 80% gemacht werden muss, um GR so schnell wie möglich wieder an die Finanzmärkte zu bringen. Als flankierende Massnahme kauft der ESFS griechische Staatspapier auf, sagen wir der Einfachheit halber mal zu 20%.

      Wenn dann die meisten Papiere unter EU Kontrolle sind: "April, April ... wir haben uns verrechnet, der Haircut ist nur 60%."

      Das rechnerische Result mag ein anderer Forist berechnen: ich komme auf 20% von 400 Mrd.

    • Was auch immer, sollte aber mit einem E beginnen, wegen der Computer-Tastaturen und Zeichensätze. Wenn nicht, dann koennen sie ruhig Logictech und Genius Aktien kaufen.

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