Schuldenschnitt Finanzminister triezen Griechenland

In Brüssel sind die EU-Finanzminister ihrem griechischen Kollegen auf den Pelz gerückt. Athen müsse kräftig nachbessern, um ein weiteres Rettungspaket zu bekommen. Doch auch die Schuldzinsen setzte Juncker tief an.
Update: 24.01.2012 - 04:46 Uhr 19 Kommentare
Eurogruppenchef Juncker (r.) hat dem griechischen Finanzminister Venizelos die Leviten gelesen. Quelle: dpa

Eurogruppenchef Juncker (r.) hat dem griechischen Finanzminister Venizelos die Leviten gelesen.

(Foto: dpa)

BrüsselNeue Probleme bei der Rettung Griechenlands vor der Staatspleite: Die 16 übrigen Eurostaaten stellen für neue Zahlungen zusätzliche Bedingungen. Sie machen damit die ohnehin schwierigen Verhandlungen zwischen griechischer Regierung und den Banken über einen Schuldenschnitt noch komplizierter.

Die Eurozone will den griechischen Gläubigern für ihre neuen Schuldscheine weniger als 3,5 Prozent Zinsen zugestehen. Die Finanzminister hätten die Regierung in Athen beauftragt, die Verhandlungen mit dem Privatsektor mit diesem Ziel fortzuführen, sagte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker am frühen Dienstagmorgen in Brüssel.

Die durchschnittlichen Zinsen für die neuen Anleihen bis 2020 müssten „jenseits der 3,5 Prozent liegen“, sagte Juncker auf einer Pressekonferenz. Auf Nachfrage stellte er klar, damit sei „unter 3,5 Prozent“ gemeint. Die Banken hatten zuletzt einen durchschnittlichen Zinssatz von mindestens vier Prozent verlangt.

Athen will den Schuldenschnitt bis zum 13. Februar unter Dach und Fach haben. Bis dahin solle ein formelles Angebot an die Banken auf dem Tisch liegen und feststehen, wer sich daran beteilige, hieß es aus griechischen Regierungskreisen. Mit dem „Haircut“ sollen die privaten Gläubiger die Hälfte der an Athen verliehenen Summe, rund 100 Milliarden Euro, abschreiben.

Die Euroländer wollen die neuen Schuldscheine mit 30 Milliarden Euro absichern. Zudem sind sie bereit, den Hellenen ein zweites Rettungspaket in Höhe von 100 Milliarden Euro zu gewähren, wenn im Gegenzug strikte Spar- und Reformauflagen erfüllt werden.

Der Schuldenschnitt und die Finanzspritzen sollen ermöglichen, dass die griechische Schuldenlast von 170 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 gedrückt werden kann. Erlaubt sind in der EU normalerweise nur 60 Prozent.

Alle Entscheidungen müssten dieses im Oktober festgelegte Ziel berücksichtigen, sagte Juncker. Allerdings muss auch Athen dafür kräftig nachlegen, wie der luxemburgische Ministerpräsident klarstellte.

Juncker und EU-Währungskommissar Olli Rehn forderten von Griechenland erstmals, sein Spar- und Reformprogramm zu verschärfen, um an das zweite Hilfspaket zu kommen. „Es ist offensichtlich, dass das griechische Programm nicht mehr auf dem Gleis ist. Es muss deshalb Fortschritte geben, ehe wir ernsthaft den Abschluss eines neuen Hilfspaketes ins Auge fassen können“, sagte Juncker nach der neunstündigen Sitzung der Minister.

Das Tauschgeschäft mit dem Zins
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19 Kommentare zu "Schuldenschnitt: Finanzminister triezen Griechenland - und seine Gläubiger"

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  • @ petervonbremen,
    was heißt hier pathetisch, die "pathetische Hälfte" ab "Ihr Völker der Welt,....." habe ich aus der Rede von Ernst Reuter am 9. September 1948 vor dem Reichstag geguttenbergt.
    Was er darf, darf ich auch!

  • @MIRO, welche hohen Verzinsungen in der Vergangenheit meinen Sie? Laut Onvista lag der Zins für griechische Staatanleihen im Jahr 2005/2006 bei unter 4%, die hohen Zinsen gibt es erst seit 2009.
    @zurück_zur_eigenen_Waerung, ich habe auch griechische Staatsanleihen seit 2010, damals dachte entweder bekomme ich gute Zinsen oder Griechenland geht pleite, mit beiden Möglichkeiten kann ich sehr gut leben.
    Übrigens habe ich irgendwo gelesen dass der freiwillige Schuldenschnitt nur die Großanleger betrifft, für die Kleinanleger gibt es zu Zeit noch keine Regelung, es könnte also durchaus gut für uns laufen.

  • Wir sind doch mit Schuld. Wir ahben ihnen doch die Panzer verkauft

  • Ackermann ist auch einer von denen, die die Gier nach Deutschland gebracht haben.
    Eine einstmals alte gute Deutsche Bank wurde von ihm völlig zerfleddert und zur Zockerbank umgebaut, die Folgen sollen heute wir Bürger tragen
    Wenn wir nicht endlich die ganzen Zockr und gierigen Manager zum Teufel jagen, wird sich nichts ändern

  • volle Meinungsübereinstimmung!

    Meine Hoffnung ist der Bruch, aus diesem Grund habe ich letzte Woche griechische Anleihen erworben und lehne einen Umtausch ab. Bei Zwangsumtausch hoffe ich auf einen geschäftstüchtigen Anwalt zur Sammelklage :-)

  • @Nabucco
    Schwachsinniger Beitrag. Wenn man von Gier sprechen will, dann über die, die jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt haben. Wenn Griechenland ein Fünkchen Verantwortungsbewusstsein hätte, würde sie aus der Eurogemeinschaft austreten.
    Wenn deren Regierung etwas mehr Grips und etwas mehr stolz hätte, würde sie in die Insolvenz gehen, das Land zu 100% entschulden und einen neuen Start ermöglichen.
    Dabei tut man so, als hätte es vor dem Euro kein Griechenland gegeben und lässt sich auf Jahre hinaus durchfüttern. Wirtschaftlich gesehen kommt das Land so nie auf die Beine und ist nicht, bedingt durch den starken Euro, in der Lage, seine verlorene Märkte (z.B. an die Türkei) zurückzugewinnen.
    Die Politiker sollten sich mal endlich heraushalten und sich nicht in die Märkte einmischen und so ein Land nach den Anderen abzuwirtschaften.

  • Es bedeutet schon eine ganz große Unverschämtheit, wenn die
    EU Politiker Griechenland auffordern bei den Verhandlungen
    bei einem Schuldenschnitt nicht mehr als 3,5 % Zinsen zu bezahlen.Wer Pleite ist und auf das entgegenkommen seiner Gläubiger angewiesen ist,hat nicht das Recht Ansprüche zu stellen.Das weiss jeder ! Was hier geboten wird ist eine weitere große Schau in der Aktivität vorgegaugelt wird.
    Die Banken, wären geradezu bescheuert auf diese Kuhhandel einzugehen.Warum auch, ihre Kredite sind versichert.
    Durch die hohen Verzinsungen der Staatsanleihen haben die Banken in der Vergangenheit bereits mehr als gut verdient.
    Griechenland ist P l e i t e ! Das wissen alle.Nur mit einem
    Austritt vom Euro und Rückkehr zur Drachme, hat Griechenland überhaupt noch eine Chance in 10 bis 20 Jahren wieder auf die Beine zu kommen.Dass bei einem Austritt Griechenlands aus dem Euro die gesamte EU aueinander bricht, na und, das beste was uns auch passieren könnte.Deutschland würde sich von den zu erwartenden Aufwertungen ganz schnell erholen.Für Deutschland wäre es dann aber wieder möglich als ein suveränes Land zu agieren ohne einen Wasserkopf in Brüssel
    genannt Kommision.Und vor allem es ist billiger!

  • Ihr Beitrag ist vielleicht etwas pathetisch aber nicht vollkommen aus der Luft gegriffen. Gerade deshalb sollte man Griechenland in die verdiente Insolvenz gehen lassen. - Herr Ackermann mit seiner Schreckensbotschaft, von wegen zu erwartender Erhöhungen von Refinanzierungskosten für den Euroraum, sind seine Botschaft nach außen. Ob er insgeheim auch so denkt, wage ich mal zu bezweifeln. Natürlich darf man das griechische Volk nach der Insolvenz nicht im Regen stehen lassen. - Die Eurostaaten sollten deshalb, nach Abschluss der Insolvenz,sich nicht scheuen, Investitionen zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Griechenland auch (angemessen) zu subventionieren. Aber bitte nur in Bereichen, die auch Erfolg versprechen. Außerdem muss natürlich vermieden werden, dass gerade diejenigen, die Griechenland in die Sch.... geritten haben, wieder den Profit machen.
    Wir wollen in Europa kein Armenhaus mehr haben.

  • @ @rokober,
    die presse allgemein, die deutsche ganz besonders, ist schon lange nicht mehr frei.
    Sie ist von Geldadel und Großkonzerne abhängig weil nur diese durch Werbeaufträge ihr Überleben sichern.

  • Die Unfähigkeit der Politik sich der Wirklichkeit zu stellen. Notwendige Korrekturen werden vermieden weil sie defizitäres Handeln offenbaren und gemachte Fehler einräumen. In der Wirklichkeit eines Politikers gibt es aber keine Fehler.
    Die Interessen des Volkes und das Volk an sich werden zum notwendigen Übel und haben sich den Interessen eines Systems unterzuordnen, das den Kriterien des Gemeinwohls nicht standhält.
    Begriffe wie stabile Währung, soziale Gerechtigkeit und Wohlstand werden nun in Sonntagsreden abgehandelt.

    Demokratie 2012

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