Schuldenschnitt Investoren wollen Steuerzahler für Griechen bluten lassen

Der Commerzbankchef rechnet fest damit, die internationalen Geldgeber erwägen ihn offenbar bereits - einen neuen Schuldenschnitt für Griechenland. Doch private Investoren sträuben sich. Dann müssten die Steuerzahler ran.
Update: 21.09.2012 - 17:41 Uhr 56 Kommentare
Euro-Geldscheine fallen auf eine griechische Fahne. Quelle: dpa

Euro-Geldscheine fallen auf eine griechische Fahne.

(Foto: dpa)

BerlinWährend die griechische Regierung mit ihren internationalen Geldgebern über weitere Sparanstrengungen feilscht, hat Commerzbank-Chef Martin Blessing einen zweiten Schuldenschnitt für das Land erneut ins Gespräch gebracht. Doch dem stellen sich die Anleger entgegen. Geht es nach der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), dann würden nur die Steuerzahler bluten.

„Ein erneuter Schuldenschnitt kommt für private Anleger nicht mehr in Frage“, sagte SdK-Vorstandsmitglied Daniel Bauer Handelsblatt Online. Mit dem erfolgten Zwangsumtausch griechischer Anleihen Anfang 2012 hätten die privaten Investoren bereits einen Großteil ihrer Forderungen Griechenland erlassen müssen. „Das was jetzt noch übrig geblieben ist, entspricht ungefähr der Insolvenzquote, die Gläubiger bei vergleichbaren Staatsinsolvenzen in der Vergangenheit erhalten haben.“ Daher wären im Fall eines neuerlichen Schuldenschnitts diesmal die öffentliche Hand und die öffentlichen Institutionen an der Reihe, ihren Beitrag zu leisten.

Ein erneuter Schuldenschnitt der von privaten Investoren gehaltenen Anleihen würde zudem auch keinen Sinn ergeben, betonte Bauer, da die ausstehenden Anleihen nur noch einen geringen Anteil an der Gesamtverschuldung ausmachten. Überdies habe der Zwangsschuldenschnitt Anfang 2012 die Euro-Krise sogar noch verschärft. Spanien und Italien hätten höhere Zinsen an den Kapitalmärkten zahlen müssen, da das Vertrauen in kriselnde Euro-Länder gelitten habe.

 Der Chefvolkwirt der Dekabank, Ulrich Kater, warnte vor falschen Erwartungen an einen möglichen weiteren Schuldenschnitt. „Ein Schuldenschnitt für Griechenland könnte lediglich den politischen Zweck haben, die Reformbereitschaft in Griechenland zu verstärken“, sagte Kater Handelsblatt Online.  „Sachlich sind die Schulden Griechenlands nun nicht mehr das Problem, die Zinszahlungen sind nicht der Hauptbelastungsfaktor für das Land.“

Zuletzt hatte Commerzbank-Chef Blessing den weiteren Schuldenschnitt ins Spiel gebracht. "Wir werden am Schluss nochmal einen Schuldenschnitt in Griechenland sehen, an dem sich alle Gläubiger beteiligen werden", sagte Blessing am Donnerstag in Frankfurt. Anders als im Frühjahr könnten dann auch öffentliche Gläubiger wie die Europäische Zentralbank (EZB) und nationale Notenbanken zur Kasse gebeten werden, also letztlich die europäischen Steuerzahler.

Ein neuer Schuldenschnitt wird für die Hellenen dann immer wahrscheinlicher, wenn die Bedingungen der internationalen Geldgeber aufgeweicht werden sollten und letztlich immer unsicherer wird, ob es Griechenland gelingt, seine Schuldentragfähigkeit bis 2020 wieder herzustellen. Dieser Fall ist nicht ausgeschlossen. Darauf deutet ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hin. Bei den jüngsten Gesprächen zwischen der Regierung in Athen und der Troika aus EZB, EU-Kommission und IWF soll es demnach zu Spannungen über Reformen im überdimensionierten öffentlichen Dienst gekommen sein.

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56 Kommentare zu "Schuldenschnitt: Investoren wollen Steuerzahler für Griechen bluten lassen"

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  • @Siggi40.de
    Das ist zwar richtig. Richtig ist aber auch, dass die LINKE statt der Banken lieber die griechische Bevölkerung unterstützen will.
    DAS aber ist mindestens genauso falsch. Denn es liegt AUCH am Konsumverhalten der Griechen, dass es überhaupt so weit kam. Jetzt die Bevölkerung durch eine direkte Unterstützung glauben zu lassen, alles könne beim Alten bleiben, die Sache mit dem Leistungsbilanzdefizit sei gar nicht so wichtig etc. hieße gleichzeitig, dass eine Reform der Verwaltungsstrukturen usw. usw. gar nicht nötig ist.
    Deshalb gibt es für mich nur EINE Alternative, nämlich die Wahlalternative 2013. Googlen Sie das mal, es ist hochinteressant, was sich da tut!
    Diese Alternative ist gegen die jetzige Form der Euro-Rettung. Und sie legt nicht nur eine gut begründete Kritik vor, nein – sie hat auch eine Handlungsalternative bereit. Es sind lauter wirkliche Fachleute, keine Taxifahrer, Grundschullehrer oder Dachdecker… Die verstehen wenigstens ihr Fach.

  • Die Kapitalflucht ist bereits derart groß, daß es das kleine Land definitiv völlig lahmlegt. Hier gab es große Versäumnisse - Devisenkontrollen rechtzeitig -, die nun nicht mehr rückgängig zu machen sind.

    Griechenland hat auch mit einem totalen Schuldenschnitt ein derartiges Primärdefizit, daß es nur noch am Tropf hängen kann. Ein Patient im Wachkoma, das in der Euro-Welt nicht mehr zu beleben ist.

  • @Bischof
    @hallowach
    Nein. Es ist NICHT alles. Denn man tritt nicht nur mit Kritik an. Vielmehr haben sie eine eindrucksvolle Alternative formuliert, die mir auch praktikabel erscheint.
    Es haben sich eine Menge namhafter Personen angeschlossen. Nicht alle werden Euch sympathisch sein - mir geht es genauso. Aber mir geht es darum, eine wirkliche Alternative zur jetzigen Politik aufzuzeigen und der Lüge, dies alles sei alternativlos, endlich ein Ende zu bereiten. Und diese Leute verstehen alle etwas vom Fach, es sind also keine Taxifahrer, Grundschullehrer, Dachdecker o.ä.

    Ich bin ziemlich erleichtert, dass es nun etwas in der Wahllandschaft gibt, wofür es sich wirklich einzutreten lohnt. Tragt Euch als Unterstützer ein: www.wahlalternative2013.de


  • Weshalb machen Sie den Griechen und dem Club-Med Vorwürfe?

    Es sind UNSERE Politiker, die UNSERE Sparguthaben verschenken, unsere Lebensversicherungen und Altersversorgung plündern und die Rentner schon am Fließband in die Armut schicken!

    Es sind UNSERE Politiker, die sämtliche Verträge außer Kraft gesetzt haben, die zum Schutze für uns Deutsche als Gegenleistung für die D-Mark Aufgabe vereinbart waren.

    Es sind UNSERE Politiker, die 7,2 Mio. Bürger in die Armut manövriert haben, die ohne staatliche Leistungen verhungern müssten.

    Es sind UNSERE Politiker, die den Rechtsstaat mit Füßen treten!! DAS IST HOCHVERRAT!! Und wie man mit Hochverrätern umgeht, kann man in den Geschichtsbüchern nachlesen!

    DieLinke war die einzige Partei, die nicht nur gegen den ESM gestimmt, sondern auch beim BVG dagegen geklagt hatte. Was sagt uns das?

    Die betrogenen, enteigneten und ausgeplünderten deutschen Bürger sollten bei den Hochverrätern in Brüssel mit der mobilen Guillotine vorfahren und nach verrichteter Arbeit weiter nach Frankfurt zur EZB und dann zum Kanzleramt und Bundestag in Berlin!!

    So wird da ein Schuh daraus!

  • Sein Geld ist nicht weg, es ist nur woanders; nämlich im ClubMed!
    Und da der "Michel" ja ein "Gutmensch" ist, findet er es auch gut. Deshalb will er ja auch bis 75 arbeiten und durchwühlt die Mülltonnen nach Pfandflaschen und essbaren. Alles nur, damit unsere "Freunde" aus dem ClubMed ihr Dolce Vita auf unser Kosten weiter führen können.

  • Der dumme Michel merkt es erst, wenn er Montags zum Bankautomaten geht und die Banken Ferien haben. Sein weniges an Geld ist dann weg. Die Supermärkte in wenigen Stunden panik-leergekauft, und Hunger zieht ein. Dann heult er. Aber dann ist es zu spät. So ist der Michel. Lernen aus Erfahrung? Ne, denn das alles hatten wir schon mal und ist ca. 80 Jahre her.


  • Nicht unter dem (nicht) existenten Olivenbaum verprassen, eher Taverne, Weiber, Haus, Statusattribute etc..
    Nur am Rande: die EU Sub-Zahlungen laufen weiter, keine Eingrenzung. Aus taktischen Gruenden, wegen Troika und so....

  • Da sieht man mal wieder, für wie blöd man uns hält. Der ESM kauft die griechischen Staatsanleihen, natürlich weit unter Nennwert, und verkauft sie weiter an die Griechen, natürlich auch unter Anschaffungspreis. Die Griechen holen sich dafür Kredit, den sie dann nicht bedienen können und deshalb per Schuldenschnitt erlassen bekommen. Schon sind die Schulden weg und die entsprechenden Guthaben der Sparer auch.
    Banken sind wohl doch in erster Linie die Entsorger der vielen Euros, die die EZB so großzügig ausgibt - merkwürdiger Wirtschaftskreislauf!

    Griechenland ist die Generalprobe für den ultimativen Schuldenschnitt für die ganze Eurozone. Pech für den, der dann nicht genug Schulden hat und für den, der mit seinem Geld nicht besseres angestellt hat, als es zu bankern äh bunkern

  • Die Marktwirtschaft aktueller Prägung ist halt eben FREI.

    Große Investoren, sind so FREI, Erträge zu versteuern, oder auch lieber nicht. Zum Ausgleich dafür werden Sie bei drohenden Verlusten, aufgrund von Fehlentscheidungen, von der Haftung FREIgestellt. Dafür gibt es schließlich den Steuerzahler. Die Gelder könnten ja auch sonst für unnütze, sentimentale, Zwecke wie Bildung und Sozialgedöhns verschwendet werden. Da unterstützen wir doch lieber die eigenen und die internationalen Eliten.

  • Der "gemeine Grieche" schweigt und genießt.
    Erst die Gelder, die man von der EU erhalten hat, unterm Olivenbaum verprassen, dann laut jammern, dass man das Geld nicht zurückzahlen kann und will. Und dann das Spiel wieder von neuem beginnen. Das Geld, das man von der EU erhalten hat, unterm Olivenbaum verprassen, usw. usw. usw.
    Ist doch eine tolle Endlosschleife.
    Mal ehrlich: wären wir nicht gerne alle Griechen?
    Was sind wir Nordeuropäer doch alles für Idioten.

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