Schuldenschnitt EZB: Schuldenschnitt nicht freiwillig

70 Prozent der Forderungen sollen private Gläubiger beim Schuldenschnitt aufgeben. Eine große freiwillige Beteiligung sehen Notenbanker aber nicht - und erwarten eine Verpflichtung für alle. Mit unkalkulierbaren Folgen.
Update: 14.02.2012 - 12:15 Uhr 20 Kommentare
Die Rettungsaktionen für Griechenland geraten zur Farce. Quelle: dpa

Die Rettungsaktionen für Griechenland geraten zur Farce.

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Die Rettungsaktionen für Griechenland geraten zur Farce. Voraussichtlich wird die nach monatelangem Ringen erzielte Vereinbarung zwischen den privaten Gläubigern und der griechischen Regierung über einen „freiwilligen“ Forderungsverzicht zwar am Mittwoch nach dem Treffen der Euro-Gruppe verkündet. Klar scheint aber schon jetzt, dass der Schuldenschnitt in Höhe von rund 70 Prozent nicht tragfähig sein wird. Notenbankkreise erwarten nicht mehr, dass sich genügend Besitzer griechischer Staatsanleihen der freiwilligen Vereinbarung über einen Forderungsverzicht anschließen werden. Bei zu geringer Beteiligung aber würde die angestrebte Schuldenerleichterung für Griechenland von gut 100 Milliarden Euro nicht erreicht.

Deshalb gehen Notenbankkreise davon aus, dass Griechenland per Gesetz die Anleihebedingungen ändert. So würde eine Verzichtsvereinbarung für alle Anleihebesitzer verbindlich, sobald 50 Prozent der Anleihegläubiger dafür stimmen. Das würde auch Kleininvestoren und Hedge-Fonds einschließen.

Griechenland muss Potenziale selbst ausloten

Sowohl die Politik als auch die Europäische Zentralbank (EZB) hatten darauf gedrungen, dass der Schuldenschnitt „freiwillig“ sein müsse, um einen offiziellen Zahlungsausfall Griechenlands zu verhindern. Denn ein solcher Zahlungsausfall - auch Kreditereignis genannt - hätte zur Folge, dass die Kreditversichungen (Credit Default Swaps) auf Staatsanleihen, mit den sich die Investoren abgesichert hatten, fällig würde. Das wiederum - so fürchteten die Krisenmanager - würde eine Kettenreaktion an den Finanzmärkten auslösen.

Unklar ist jetzt noch, ob sich die EZB in dieser Woche mit ihrem Bestand an griechischen Staatsanleihen einem freiwilligen Forderungsverzicht anschließen würde. Aus ihrem Anleihekaufprogramm soll die EZB 40 bis 50 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen halten.

Kommt es zu einer Zwangsbeteiligung aller Anleihegläubiger, ist ebenfalls noch unklar, ob die EZB dann einen Sonderstatus erhalten kann. Institutionelle Investoren wie Hedge-Fonds dürften in einem solchen Fall gegen ihre Schlechterstellung klagen.

Wie stark die Krise Griechenlands Wirtschaft zu Boden drückt, machen neue Daten der Statistikbehörde klar: Die Wirtschaftsleistung des Euro-Landes schrumpfte im letzten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent, heißt es in der ersten Schätzung der griechischen Statistikbehörde. Für das Gesamtjahr 2011 rechnet Athen laut aktuellem Haushaltsentwurf mit einem Wachstumsrückgang um
5,5 Prozent.Für das laufende Jahr erwartet Athen bisher noch einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 2,8 Prozent. Griechenland würde sich damit im fünften Jahr in Folge in der Rezession befinden.

Mit Material von afp

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20 Kommentare zu "Schuldenschnitt: Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum wird hier der Hintergrund verschwiegen?

    Diese Kreditversicherungen (Credit Default Swaps kurz: CDS) wurden als Credit Linked Notes mit einer mehrfachen Hebelung des Totalverlustes ausgegeben, die meisten davon in den Jahren 2005 bis 2009. Emittent in Milliardenhöhe waren die Landesbank Baden-Württemberg und insbesondere die DZ Bank AG. Dem Investor wurde verschwiegen, daß er Kreditversicherungen von bis zu 8 Staaten übernahm und dazu auch noch kumuliert. Ihm wurde jeweils eine klassische deutsche Bankanleihe vorgetäuscht, die größtenteils einen Zinssatz von einem laufzeitgleichen sicheren Festgeld hatte. Die Vertriebsbanken änderten die Wertpapierbezeichnung, den Wertpapiertyp und die Risikohinweise gravierend ab.
    Das selbe passierte auch bei Lehman-Brother. Da waren die Credit Linked Notes aber keine Milliarden Beträge von Euros, so dass das Problem nicht publik wurde. Ich beschäftige mich drei Jahre fast meine gesamte Freizeit damit und kann alles zu Hundert Prozent schriftlich bis ins kleinste Detail beweisen.

    Hier hat die Politik durch eine Deregulierung des Finanzmarktes Schuld. Und damit das Ganze nicht raus kommt und es zu keiner Massenpanik von getäuschten Geschädigten kommt, wird jetzt ein sogenanntes "Kreditereignis" unterbunden und versucht eine Freiwilligkeit eines Forderungsverzichtes hinzubekommen. Das Problem hört aber nicht bei Griechenland auf. Diese mehrfach gehebelten Credit Linked Notes gibt es auf zahlreiche südeuropäische und osteuropäische Staaten und Unternehmen in Zig-Milliarden Höhe.

    Siegrun Roman

  • @Schnorrende-Geldverleiher - Sie unterminieren gerade die "erfolgreiche Lobbyarbeit des Geldadels", das ist Ihnen schon bewußt oder? Scherz beiseite, ich finde Ihren Kommentar in der Sache außerordentlich zutreffend.

    Solange die Politik mit "Blindheit" geschlagen, wird so weiter gewurschtelt, bis es kracht.

    Und noch ein Beispiel jüngster Geschichte. In BW wurde gerade der Zuschlag für landeseigene Wohnungen an eine bayerisch domizilierte AG vergeben. So weit so gut, ob die Gerüchte denen standhalten, was so herumkommt, daß es sich dabei um "verlorene" Gelder der Hypo-Alpe-Adria handelt, kann ich ungeprüft nicht bejahen. Liegt das denn so nahe an dem Zweck, der damit verbunden, die Scharte von Mappus bei EnBW auswetzen würde. Wahrscheinlich nicht. Aber wo bleibt Mappus?

  • Wer sich von einem Hans Eichel zur Geldanlage animieren lässt und seine Selbsttäuschungsaustattung im Bondboard bezieht ( so das Märchen von der Merkelgarantie ), der verliert sein Geld zu Recht...
    Er wird damit nur Unsinn anrichten

  • Ackermann sagte bereits: Kuenftig werden Staaten dafuer einen hohen Preis zahlen muessen... Die Trickserei jetzt wird zu hoeheren Zinsen fortan fuehren!

  • Ich vergleiche Deutschland immer mit einer Bratpfanne in der Mitte Europas und unser Geld ist die Butter zum Braten. Wir werden also als Migrations-Objekt in der Mitte Europas "gebraucht" und "aufgebraucht". Das hat Helmut Kohl wohl schon 1989 verpsrochen an Mitterand und Gorbatschow - und jetzt wird es einfach 1:1 umgesetzt. Prost Mahlzeit.

  • Noch ein letzter Gedanke zum Thema Demokratie.
    Die Schuldenstaaten haben die Mehrheit in der Eurozone. Es stehen Wahlen in den verschiedensten Staaten an. Dabei ist davon auszugehen, dass in den Schuldenstaaten diejenigen Politiker das Rennen machen, die weiterhin Geld verteilt (was das "USP" unique selling proposition eines Politikers ist - man möchte ja gerne wiedergewählt werden). In den AAA-Staaten werden diejenigen Parteien gewinnen, die mit der Umverteilung innerhalb der Eurozone aufhören wollen.
    Das wird folglich zu weiteren Spannungen führen.
    Frage: Angenommen es gibt einen Vorstoß innerhalb der Euro-Staaten, welcher vorsieht, daß Deutschland sich stärker beteiligen und die Schuldenstaaten sanieren muß, was denken Sie, wie wird da wohl das "demokratische" Ergebnis aussehen?
    Deutschland muß unbedingt verhindern, daß es von den Schuldenstaaten regiert wird. Zum Teil ist das bereits paßiert, dann was macht ein Italiener an der Spitze einer Zentralbank?
    Nichts gegen Italiener, aber hätte es nicht eine Person sein können, die aus einem Nicht-Schuldenstaat kommt und gleich 500 Milliarden an die Pleitebanken in den Schuldenstaaten verteilt?
    Deutschland zieh' dich warm an.

  • Als nächstes lassen sich EU-Bürokraten eine Pflicht zu Spenden einfallen. Wer nichts spendet, bekommt es vom Gehalt abgezogen.

    Abartige EU-Finanzpolitik und den abgezweigten grieschen 400 Milliarden in der Schweiz jagt niemand hinterher. Warum eigentlich nicht ? Die würden doch Griechenland sofort entlasten und dann sollen sich die Griechen doch untereinander vor Gericht streiten (der Staat mit seinen reichen Griechen). Warum muss dafür das NO-BAILOUT gebrochen werden ??? Mein Verdacht ist, die Troika und Merkel/Schäuble führen bei der Gelegenheit den Sozialismus in der EU ein.

    Die 350 Milliarden griechische Schulden sind direkt oder indirekt bei den griechischen Reichen gelandet (400 Milliarden in der Schweiz, Lodon, Berlin Immobielen und und und ) und bei Seite geschafft. Die sollte sich die griechische Regierung zuerst holen !!

    Nein, lieber wird den Deutschen Solidarität eingepaukt, ist ja auch viel einfacher und unsere Renten, Steuern und Vermögen veruntreut.

    Mit der freiwilligen Unterjochung Deutschlands unter diese EU-Kommission, die niemand in Europa gewählt hat mit Barosso und van Rompuy fing das EU-Disaster ja schon an. Schauen Sie sich die Leute an, welches Charisma die haben, welche Arroganz und Macht-Lüsternheit die haben.

    Die innere Verfaultheit der EU beginnt direkt in Brüssel und leider leider sind Merkel und Schäuble ihre willigen Vasallen geworden. Warum auch immer. Mit Treue zu Deutschland, was sie ja beeidet hatten, hat das alles nicht mehr zu tun.

    Mehr mit Willkühr, Kessel-FLickerei und einer heimlichen Liebe zu Planwirtschaft und Sozialismus. Gibt es da vielleicht heimlich Beschlüsse der 5-Jahrpläne vom chinesischen Volkskonkress, die Brüssel umzusetzen hat ??

  • Das müssen Sie uns schon vorrechnen! Einfach einen Schmarren zu behaupten, kann jeder Depp!

  • Nur mal so nebenbei: Die Griechenlandanleihen, um die es hier geht, haben einen Zinskupon von rd. 5%. Ein Spekulationspapier? Exakt diese Papiere notierten vor genau einem Jahr noch bei fast 100%. Ein Spekulationspapier? Bundeskanzlerin Merkel höchst persönlich verkündete (mit Sarkozy im Schlepptau), daß bis 2013 (!) alle Griechenlandanleihen gesichert seien. Es sei daran erinnert, daß in groß angelegten Aktionen (u.a. Eichel im Handelsblatt) Anleger animiert wurden, Griechenlandanleihen zu zeichnen. Es handelt sich hier mitnichten um Spekulation i.e.S.! Es handelt sich vielmehr um geprellte Investoren, die von der Politik (!) hinter die Fichte geführt wurden. Jetzt will keiner mehr davon etwas wissen, am wenigsten die Politiker selbst. Im Gegenteil, jetzt soll ein freiwilliger (!) Schnitt her. Wenn es nicht Betrug wäre, man käme aus dem Lachen nicht mehr heraus. Als Investor bzw. Bank würde ich darauf scheissen (besseres Wort gibt es dazu nicht), einen Haircut zu akzeptieren. Denn: Ein Schnitt auf bis zu 30% des Nominalwertes ist ja allein schon durch die Möglichkeit von steuerlichen Verlustvorträgen gedeckt. Die Euro-Zone hält kein Versprechen. Das wird sie bzw. Griechenland in Zukunft büßen. Kein Privater wird Griechenland noch einmal Geld leihen, selbst bei staatlicher Bürgschaft (wer glaubt noch daran?) nicht mehr. Europäischen Politikern wird am Kapitalmarkt jedenfalls kein Vertrauen mehr geschenkt werden. Und Deutschland soll sich nicht in Sicherheit wiegen. Die gezeichneten Bundseanleihen zu Niedrigstzinsen sind im Grunde Fluchtgeld, aber nicht das Resultat ökonomisch-rationaler Entscheidungen unter normalen Bedingungen. Die Zinsen werden massiv steigen!

  • Freiwilliger Zwangsverzicht, um die CDS-Versicherungsgeber zu schonen?

    Wo gibt es denn so etwas? das läuft auf eine einseitige Parteinahme der Staaten, des IWF und des Gesetzgebers hinaus. So etwas wie ein Staatsstreich zum Vorteil der großen Zocker

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