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Schwellenländer Argentinien ist zahlungsunfähig

Argentinien hat für 2020 alle Rückzahlungen für lokale Bonds gestoppt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Regierung den generellen Default erklärt.
06.04.2020 - 19:19 Uhr Kommentieren
Die wichtigen landwirtschaftliche Exporte erleben eine Absatzkrise. Quelle: dpa
Bauernproteste in Argentinien

Die wichtigen landwirtschaftliche Exporte erleben eine Absatzkrise.

(Foto: dpa)

Salvador Viele Investoren haben es seit Langem befürchtet, jetzt ist es eingetreten: Am Montagmorgen erklärte die argentinische Regierung, dass sie die dieses Jahr fälligen Zins- und Tilgungszahlungen auf Bonds in Höhe von 8,4 Milliarden Dollar auf 2021 verschieben werde.

Damit rückt Argentinien einem allgemeinen Zahlungsausfall wieder einen Schritt näher – und aus Sicht der Experten ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis es so weit ist. Es wäre der neunte Ausfall in der Geschichte der zweitgrößten südamerikanischen Volkswirtschaft.

In dem Dekret rechtfertigte die Regierung den Schuldenschnitt damit, dass die fälligen Anleihen Teil eines größeren Verhandlungspakets sein müssten, das Buenos Aires mit seinen Gläubigern anstrebt. Das Land müsse erst einmal auf einen Pfad des nachhaltigen Wachstums zurückkehren. Die entscheidende Frage ist nun, was mit den ausländischen Gläubigern geschieht.

Seit zwei Monaten verhandelt Wirtschaftsminister Martín Guzmán, ein Experte für Schuldenverhandlungen, mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und den privaten Gläubigern. Bis Ende März wollte er einen Umschuldungsplan präsentieren. Die Coronakrise hat jedoch seine schon vorher völlig unrealistischen Zeitpläne über den Haufen geworfen.

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    Bereits im Februar hat Argentinien einige Anleihen in Peso nicht bezahlt, befindet sich seitdem in einem technischen Default, ist also teilweise zahlungssäumig. Alle Dollar-Anleihen wurden dagegen bisher bedient.

    Bislang geht es nur um lokale Anleihen

    Von dem Zahlungsstopp jetzt betroffen sind wiederum nur Dollar-Anleihen, die nach lokalen Gesetzen ausgegeben wurden. Die Fälligkeiten auf Dollar-Anleihen, die nach internationalen Gesetzen aufgelegt wurden, haben Argentinien und die Provinzen bisher bedient.

    Für den Finanzexperten Gabriel Caamaño vom Finanzdienstleister Ledesma ist dennoch klar: „Wir bewegen uns in vielen kleinen Schritten auf einen Default zu.“

    Schon in den letzten Tagen hatte Präsident Alberto Fernández mehrfach erklärt, dass die Schuldenfrage wegen der Coronakrise in der Rangfolge der nationalen Prioritäten auf den „zweiten oder dritten Platz“ abgerutscht sei.

    Der seit knapp vier Monaten regierende Peronist Fernández ist derzeit bei den Argentiniern wegen seiner klaren Krisenpolitik unumstritten. Über 80 Prozent der Bevölkerung stehen hinter dem Präsidenten.

    Dennoch lässt Fernández die Investoren im Unklaren, ob er letztendlich den allgemeinen Zahlungsstopp erklären wird. Denn nur rund 3,3 Milliarden Dollar an Zins und Tilgung sind dieses Jahr fällig auf Bonds, die nach internationalem Recht ausgegeben wurden. Diese könnte die Regierung bei gutem Willen noch aus den letzten Devisenreserven des Landes bezahlen.

    Der jetzige Zahlungsaufschub könnte Raum schaffen, dass Argentinien seine sonstigen Dollar-Schulden bezahlt – trotz der dünnen Liquiditätsreserven. Das zumindest glauben die Experten der US-Investmentbank JP Morgan.

    Jahrelanger Konflikt mit den Gläubigern

    Ein Zahlungsstopp auf die Dollar-Bonds nach New Yorker Recht würde Argentinien jedoch vermutlich einen jahrelangen Konflikt mit den Gläubigern bescheren. Denn Einigungen bei Staatsanleihen zu erzielen, die nach ausländischen Finanzierungsregeln emittiert wurden, ist äußerst kompliziert.

    Bei ihnen sind etwa Sammelklagen gegen den argentinischen Staat möglich. Vor allem deshalb blieb Argentinien nach seinem letzten großen Zahlungsstopp im Jahr 2002 über 15 Jahre von den internationalen Finanzmärkten isoliert.

    Einzelne Hedgefonds hatten verhindert, dass sich Argentinien mit den Gläubigern auf eine Umschuldung einigen konnte, obwohl die große Mehrheit dieser zugestimmt hatte. Die Fonds um den Investor Paul Singer konnten durchsetzen, dass sie zum Nominalwert ihrer Anleihen ausbezahlt wurden – im Gegensatz zum großen Teil der Gläubiger, die Abschläge von bis zu 60 Prozent akzeptiert hatten. 

    Entscheidend ist die Frage, wie sich der IWF verhält

    Entscheidend ist nun, wie sich Argentinien mit dem IWF einigt. Über die Verhandlungen zwischen Minister Guzmán und der Institution in Washington ist bisher kaum etwas an die Öffentlichkeit gedrungen. Der Fonds ist ein privilegierter Kreditgeber, der seine Tilgungen und Zinsen komplett und schneller zurückbekommt als die privaten Bondhalter. Nach seinen Statuten darf der Fonds keine Schulden erlassen.

    Der jüngste Hilfskredit des IWF 2018 betrug insgesamt 57 Milliarden Dollar – und dieser steht im Mittelpunkt der Verhandlungen. Mit dem größten Kredit seiner Geschichte wollte der IWF Argentinien vor zwei Jahren aus der Liquiditätsfalle helfen und für Vertrauen unter den Investoren sorgen.

    Doch das ging schief: Mit der rasanten Abwertung des Pesos und der Rezession war der Schuldenberg Argentiniens auch schon vor der Coronakrise gigantisch gewachsen. Vor einem Monat erklärte der IWF öffentlich, dass die Schulden des südamerikanischen Landes in ihrer jetzigen Form nicht mehr tragfähig seien – und dass die privaten Gläubiger Zugeständnisse gegenüber Argentinien machen sollten.

    In Buenos Aires hoffen Regierung wie Finanzinvestoren, dass wegen der weltweiten Krise nun auch Argentiniens Chancen gestiegen sind, ein Umschuldungsprogramm abschließen zu können, mit einem hohen Forderungsverzicht („Haircut“) der Gläubiger.

    Wirtschaftslage hat sich dramatisch verschärft

    Denn insgesamt hat sich die wirtschaftliche Lage Argentiniens durch die Krankheit Covid-19 dramatisch verschärft: Die Regierung hat einen kompletten Lockdown verkündet, der die Rezession, in der sich das Land seit drei Jahren befindet, verschärfen wird.

    In diesem Jahr könnte das Bruttoinlandsprodukt noch einmal um 4,5 Prozent schrumpfen, erwartet die US-Bank JP Morgan. Und die jüngsten ökonomischen Rückschläge durch die Pandemie sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

    Derzeit finanziert die Regierung ihre Ausgaben mit der Notenpresse. Auf 95 Prozent dürfte die Inflationsrate im laufenden Jahr anwachsen. Zudem erleben die wichtigsten Exportgüter wie Weizen und Soja derzeit eine geringere Nachfrage und sinkende Preise.

    Das heißt aber auch: Argentinien wird schon bald über zu wenig Devisen verfügen, um seine internationalen Dollar-Schulden zu bezahlen. In Buenos Aires schätzen Experten, dass die Regierung mit ihrem Teildefault jetzt vor allem Zeit gewinnen will.

    Bei JP Morgan heißt es: „Es ist unklar, ob die Regierung einen Staatsbankrott vermeiden will oder ob sie an der Idee festhält, in den kommenden Wochen ein Angebot zu unterbreiten und Zugeständnisse zu machen.

    Mehr: IWF und Weltbank wollen Hilfen für Schwellenländer aufstocken. Lesen Sie hier mehr.

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