Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Scott Morrison Warum viele Australier dem Premier die Schuld an den Buschbränden geben

Die Brände in Australien bescheren Premierminister Morrison die größte Krise seiner Amtszeit. Das liegt unter anderem an seiner Zuneigung für die Kohleindustrie.
05.01.2020 - 14:50 Uhr Kommentieren
Der australische Premierminister spricht während einer Pressekonferenz vor dem Parlamentsgebäude zum Kampf seiner Regierung gegen die verheerenden Buschbrände. Quelle: dpa
Scott Morrison

Der australische Premierminister spricht während einer Pressekonferenz vor dem Parlamentsgebäude zum Kampf seiner Regierung gegen die verheerenden Buschbrände.

(Foto: dpa)

Eigentlich wollte Scott Morrison die Kritik an seinem Umgang mit der Feuerkatastrophe in Australien endlich zum Verstummen bringen. Wochenlang hatten ihm Kritiker vorgeworfen, zu wenig gegen die verheerenden Waldbrände zu unternehmen.

Nun kündigte der Premierminister eine Reihe von Maßnahmen an, die Entschlossenheit demonstrieren sollten: zusätzliche Finanzmittel für Löschflugzeuge, der Einsatz eines weiteren Kriegsschiffs bei Küstenevakuierungen sowie die Mobilisierung von 3000 Reservisten – ein in der australischen Geschichte bisher einmaliger Pflichteinsatz. „Das Desaster hat ein völlig neues Ausmaß erreicht“, sagte der 51-Jährige als Begründung dafür, dass er im Kampf gegen das Feuer nun doch mehr Engagement zeigen will.

Doch in der öffentlichen Wahrnehmung ging Morrisons Versuch, sich als tatkräftiger Krisenmanager zu inszenieren, nach hinten los. Das lag an einem Video, mit dem er die Regierungsbeschlüsse in sozialen Medien verbreitete. Unterlegt mit fröhlicher Elektromusik zeigt der 50-Sekunden-Film Hubschrauber, Feuerwehrleute, Soldaten – und den Regierungschef persönlich bei einem Besuch in den Katastrophengebieten. Die eigentliche Botschaft: Wir haben alles unter Kontrolle.

Morrisons Kritiker beruhigte das aber nicht. Sie sahen in dem Video einen unangebrachten Versuch, aus der Katastrophe politisches Kapital zu schlagen. Inmitten einer nationalen Krise schalte Morrison parteipolitische Werbung, beklagte der frühere Premier Kevin Rudd von der oppositionellen Labor-Partei. „Er ist für das Amt des Premierministers nicht länger geeignet“, sagte Rudd.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Episode ist das jüngste Beispiel in einer Reihe von politischen Verfehlungen, die den Anführer der Liberalen Partei sieben Monate nach seinem überraschenden Wahlsieg mehr und mehr unter Druck setzen. Während große Teile seines Landes in Flammen standen, brach er mit seiner Familie zum Hawaii-Urlaub auf, den er erst nach massiver öffentlicher Empörung vorzeitig abbrach.

    Später setzte er sich dafür ein, das Feuerwerk in der Metropole Sydney zum Jahreswechsel keinesfalls abzusagen – nachdem Hunderttausende bereits in einer Petition gefordert hatten, das Geld dafür besser den Brandopfern zukommen zu lassen. Bei einem Besuch bei den Betroffenen musste der Regierungschef dann Beschimpfungen über sich ergehen lassen und riss vor den Fernsehkameras auch die Hände von Anwohnern an sich, die ihm eigentlich den Handschlag verweigern wollten.

    Während die misslungenen Auftritte zwar bald wieder in Vergessenheit geraten könnten, dürften die Lehren aus der Feuerkatastrophe Morrison aber noch länger beschäftigen. Aktivisten werfen ihm vor, die Probleme mit seiner Klimapolitik weiter zu verschärfen. Sie bringen die extreme Trockenheit und die Rekordtemperaturen, die Australiens Brände 2019 besonders zerstörerisch machten, in Zusammenhang mit dem Klimawandel. Morrison räumte diesen Zusammenhang in der Öffentlichkeit erst spät ein, weigert sich aber nach wie vor, in der Klimapolitik Zugeständnisse zu machen.

    Der Regierungschef hatte sich bereits in der Vergangenheit als bereitwilliger Unterstützer der für Australien wirtschaftlich wichtigen Kohleindustrie bei Klimaschützern unbeliebt gemacht. 2017, als er noch Schatzkanzler war, brachte Morrison einen Klumpen des fossilen Brennstoffs öffentlichkeitswirksam zu einer Parlamentsdebatte mit – angeblich um den Kohlegegnern die Angst vor Australiens zweitwichtigstem Exportgut zu nehmen, das dem Land zuletzt umgerechnet 35 Milliarden Euro im Jahr einbrachte.

    Der studierte Wirtschaftsgeograf Morrison, der 2018 nach einem innerparteilichen Putsch gegen seinen Vorgänger Malcolm Turnbull an die Macht kam, setzte sich auch für ein besonders umstrittenes Vorhaben des indischen Konzerns Adani ein, der im Bundesstaat Queensland über die nächsten 60 Jahre insgesamt 2,3 Milliarden Tonnen Kohle fördern möchte und diese dann vorwiegend in Indien absetzen will.

    Weil der Rohstoff in Australien mit Zügen an die Küste transportiert werden soll und Siemens dafür Bahntechnik bereitstellt, attackierte kürzlich auch die deutsche Umweltaktivistin Luisa Neubauer Konzernchef Joe Kaeser. Die Beteiligung sei „Wahnsinn“, so Neubauer. Kohle gilt als der mit Abstand klimaschädlichste Energieträger.

    Morrison lehnt Einschnitte für die Kohleindustrie trotz aller Kritik entschieden ab. Noch kurz vor Weihnachten sprach er von waghalsigen Forderungen, die Arbeitsplätze in großem Stil vernichten würden. Er argumentiert, dass der Klimawandel ein globales Problem sei und dass Australiens Klimapolitik allein nichts an den Bedingungen für die Buschbrände ändern könne.

    Kritiker wenden dagegen ein, dass Morrison auch auf internationaler Ebene mehr Einsatz für Klimaschutz zeigen könnte. Australiens Selbstverpflichtung für CO2-Einsparungen ist aus ihrer Sicht unzureichend. Der von mehreren Denkfabriken gemeinsam veröffentlichte „2020 Climate Change Performance Index“ listet Australien unter den 57 untersuchten Ländern als den Staat mit der schlechtesten Klimapolitik.

    Sogar der frühere Chef von Morrisons eigener Partei, John Hewson, warf Morrison vor wenigen Tagen öffentlich massive Fehler in der Klimapolitik vor. Morrison reagierte in einer Pressekonferenz am Sonntag auf die Kritiker: „Viele Menschen haben mir die Schuld an den Feuern gegeben“, sagte er. „Aber Schuldzuweisungen bringen uns jetzt nicht weiter.“

    Er wolle sich davon nicht ablenken lassen, sagte der Premier. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde bekannt, dass die Zahl der Todesopfer bei den aktuellen Buschbränden auf 24 gestiegen ist. Mit Blick auf die dramatischen Entwicklungen fügte Morrison hinzu: „Die Sache zu sehr zu analysieren ist keine wirklich produktive Übung.“

    Startseite
    Mehr zu: Scott Morrison - Warum viele Australier dem Premier die Schuld an den Buschbränden geben
    0 Kommentare zu "Scott Morrison: Warum viele Australier dem Premier die Schuld an den Buschbränden geben"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%