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Sebastian Kurz Österreichs Bundeskanzler inszeniert sich als Selfie-Kaiser

Wie kein anderer Kanzler beherrscht der frühere Jurastudent Kurz die Selbstinszenierung. Er überlässt nichts dem Zufall, wenn Kameras in der Nähe sind.
26.08.2018 - 12:34 Uhr Kommentieren
Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) (rechts), und Mike Mohring, Landesvorsitzender der CDU Thüringen, fotografieren sich beim Jahresempfang der CDU-Fraktion des Thüringer Landtags. Quelle: dpa
Selfie mit Kurz

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) (rechts), und Mike Mohring, Landesvorsitzender der CDU Thüringen, fotografieren sich beim Jahresempfang der CDU-Fraktion des Thüringer Landtags.

(Foto: dpa)

Kasberg Mit seiner türkisen Wanderjacke leuchtet Sebastian Kurz an der Bergstation des Kasbergs aus der Menge. Der österreichische Bundeskanzler und amtierende EU-Ratsvorsitzende kämpft sich mühsam durch die Trauben von Anhängern seiner „Bewegung“, wie er die konservative ÖVP seit seinem Wahlsieg Ende des vergangenen Jahres nennt.

1500 Aficionados sind am Samstagfrüh auf die Alm im Salzkammergut gekommen, um vor allem eines mitzunehmen: ein Selfie. Geduldig erfüllt Europas jüngster Regierungschef die unzähligen Fotowünsche. 

Die Frisur sitzt wie zementiert, das Lächeln ist professionell – trotz der frostigen Temperatur von sieben Grad und des Nieselregens. Sogar eine Torte, die aus Marzipan eine Alpenlandschaft imitiert, schafften seine Anhänger auf den Berg und überreichten das Zuckerstück dem Kanzler. Denn schließlich feiert der Selfie-Kaiser an diesem Montag seinen 32. Geburtstag. 

Kurz schwimmt noch immer auf einer Welle der Popularität in der Alpenrepublik. Wie kein anderer Kanzler beherrscht der frühere Jurastudent die Selbstinszenierung. Er überlässt nichts dem Zufall, wenn die Kameras in der Nähe sind. Fesche Parteianhänger halten übergroße, milchweiße Buchstaben vor der alpinen Kulisse in die Höhe.

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    Kurz und der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Steltzer (ÖVP) posieren. Die Botschaft ist klar: „Bergauf“. Nur am Rande, außerhalb der Reichweite der Kameras, stehen ein knappes Dutzend Demonstranten, die kritische Transparente hochhalten. Doch das interessiert kaum jemand. 

    Kurz hat Österreich in einen Zustand des Rausches versetzt. Mit seinem EU-kritischen Kurs und seiner demonstrativen Österreich-Liebe trifft er den Nerv seiner Landsleute.

    „Es ist für mich einfach schön, neben dem EU-Ratsvorsitz und der Arbeit als Bundeskanzler regelmäßig den Austausch mit Unterstützern und mit der Bevölkerung zu haben. Ich nehme dabei viele Anregungen, Ideen und Wünsche mit. Das hilft mir in der Arbeit“, schwärmt der Regierungschef im Gespräch mit dem Handelsblatt. Österreich hat bis Jahresende den EU-Ratsvorsitz inne. 

    Seine Bewährungsprobe steht Kurz am 20. September in Salzburg bevor. Denn in der Mozartstadt treffen sich die 27 Staats- und Regierungschef zum informellen EU-Gipfel. Im Zeichen von Brexit, Flüchtlingskrise und EU-Erweiterung auf dem Balkan ist das alles andere als eine leichte Aufgabe. „Das Wichtigste in unserer halbjährlichen Ratspräsidentschaft ist, dass die Gräben in der EU wieder weniger werden“, sagte Kurz dem Handelsblatt. 

    Sein Lieblingsthema: den Zustrom von Flüchtlingen nach Europa verhindern. „Wir arbeiten an einer Stärkung von Frontex, um Italien, Spanien und Griechenland nicht alleine zu lassen“, sagte Kurz. „Wir wollen versuchen, Menschen nach ihrer Rettung in die Herkunftsländer oder Transitländer zurückzustellen. So wollen wir den Schleppern die Geschäftsgrundlage entziehen und das Ertrinken im Mittelmeer beenden.“ 

    Der Wiener inszeniert sich gerne als „Brückenbauer“ zwischen Ost und West. Doch die uneigennützige Rolle wird ihm von seinen Kollegen immer weniger abgenommen. Der Knicks seiner Außenministerin Karin Kneissl vor dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bei ihrer Hochzeit nach einem gemeinsamen Tanz erscheint seinen Kritikern wie eine Metapher für die prorussische Haltung in Wien. Kurz sieht keinen außenpolitischen Schaden. „Die Einladung des russischen Präsidenten war eine Entscheidung der Braut und des Bräutigams“, sagt der Kanzler und ergänzt. „Österreich hat die Sanktionen gegen Russland mitbeschlossen und trägt sie auch mit.“ 

    Auch die der rechtspopulistischen FPÖ nahestehende Chefdiplomatin sieht keinen Fehler. „Es war und bleibt trotz allem eine private Feier“, unterstrich Kneissl in der regierungsfreundlichen „Kronen-Zeitung“. Darin sind sich Kanzler und Außenministerin diesmal einig.

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