Sergej Skripal May macht Moskau für Anschlag auf Ex-Spion verantwortlich

Großbritannien hält Russland für den Drahtzieher des Giftanschlags auf Ex-Spion Sergej Skripal. May setzt Moskau nun ein Ultimatum.
Update: 12.03.2018 - 19:29 Uhr 4 Kommentare

Giftattacke auf Ex-Spion – Anschlag auf Moskaus Befehl?

Giftattacke auf Ex-Spion – Anschlag auf Moskaus Befehl?

London/MoskauEs ist ein Vorfall, der die Briten schockiert hat: Vor gut einer Woche wurde der in Großbritannien lebende Ex-Spion Sergei Skripal vergiftet. Der Verdacht, dass Moskau hinter dem Anschlag steckt, scheint sich zu bestätigen und die britische Premierministerin Theresa May fordert von Russland Antworten.

Es sei nun klar, dass bei dem Anschlag auf Skripal und seine Tochter ein in Russland entwickeltes Nervengas namens „Novichok“ verwendet worden sei, erklärte May vor dem britischen Parlament. Sowohl in einem Restaurant, in dem die beiden am vorvergangenen Sonntag zu Mittag aßen als auch in einem Pub, in dem sie danach waren, seien Spuren dieses Nervengases gefunden worden. Die Gefahr für die Öffentlichkeit sei gering, betonte sie.

Aber die neuen Erkenntnisse ließen nur zwei Erklärungen zu: Entweder habe Russland den Anschlag auf britischem Boden angeordnet, oder die Kontrolle über seinen Bestand an dem hochgefährlichen Nervengas verloren. „Es ist höchstwahrscheinlich, dass Russland verantwortlich ist“, sagte May.

Die Premierministerin stellte Russlands Präsident Wladimir Putin ein Ultimatum: Bis Dienstagabend müsse sich der Kreml erklären, forderte sie. Nach der Antwort werde man dann entscheiden, welche Maßnahmen man ergreife – und wenn man nicht mit der Antwort zufrieden sei, werde man den Vorfall als „unrechtmäßigen Einsatz von Gewalt des russischen Staates gegen das Vereinigte Königreich“ einstufen.

Wie die BBC unter Berufung auf die russische Nachrichtenagentur Ifax berichtet, soll der russische Außenminister die Äußerungen von May als „Zirkusshow“ abgetan haben.

„Wir müssen bereit sein, wesentlich umfassendere Maßnahmen als bisher zu ergreifen“, kündigte May an, nachdem sie geschildert hatte, welche Schritte man nach der Vergiftung des ebenfalls russischen Ex-Agenten Alexander Litwinienko im Jahr 2006 unternommen hatte: die Ausweisung russischer Diplomaten, eine Aussetzung der Kooperation bei Fragen der Sicherheit, Visa und dem Einfrieren der Gelder von verdächtigen Personen.

Die Beziehungen zwischen Großbritannien und Russland waren schon vor diesem Vorfall nicht gut. Die britische Premierministerin hatte bereits im vergangenen Jahr schwere Vorwürfe gegen Russland erhoben: Das Land gefährde mit seinem Vorgehen die internationale Ordnung, sagte sie damals und verwies zur Begründung auf die Annektierung der Krim, den Kampf um das Donezbecken, die Verletzung des Luftraums verschiedener europäischer Länder und Cyberspionage.

Nun ging die Premierministerin einen Schritt weiter: Der versuchte Mordanschlag in einem britischen Ort war nicht allein ein Verbrechen, das gegen die Skripals gerichtet war, sagte sie, „es war ein rücksichtsloser und skrupelloser Angriff auf Großbritannien, bei dem die Leben unschuldiger Zivilisten in Gefahr gebracht wurden. Wir werden einen derart schamlosen Versuch, unschuldige Zivilisten in unserem Land zu ermorden, nicht tolerieren“.

In den vergangenen Jahren waren eine Reihe prominenter Exilrussen und ihre Mitarbeiter unter fragwürdigen Umständen ums Leben gekommen, wie britische Medien berichteten. Der Oligarch Boris Beresowky wurde 2013 erhängt in seinem Haus in Berkshire gefunden, der frühere Agent Litwinienko mit radioaktivem Tee vom russischen Geheimdienst vergiftet. Darüber hinaus kam der Steueranwalt Stephen Curtis, ein Vertrauter des Oligarchen Michail Chodorkowsky, 2004 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben und sein Kollege Scot Young fiel 2014 aus seinem Penthouse in London.

In dem kleinen Städtchen Salisbury im Südwesten Englands laufen die Untersuchungen noch immer auf Hochtouren. Hunderte Polizisten und Militärkräfte sind vor Ort und sichern Beweise. Wer an dem Sonntag vor einer Woche in dem Restaurant oder dem Pub, in dem die Skripals waren, bevor sie auf einer Parkbank kollabierten, soll seine Kleidung waschen, warnte die Regierung.

Die beiden Skripals liegen weiterhin auf der Intensivstation in Salisbury. Ihr Zustand soll aber inzwischen stabil sein. Ein Polizist, der ihnen helfen wollte und dabei dem Nervengas ausgesetzt wurde, liegt ebenfalls noch im Krankenhaus, ihm geht es jedoch besser.

Skripal hatte dem britischen Geheimdienst Informationen geliefert. Dafür war der heute 66-Jährige in Russland zu Haft verurteilt worden. 2010 kam er im Zuge eines Gefangenenaustausches auf die Insel. Seine Tochter war kurz vor dem Giftanschlag zu Besuch aus Moskau angereist.

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4 Kommentare zu "Sergej Skripal: May macht Moskau für Anschlag auf Ex-Spion verantwortlich"

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  • Herr Tomas Maidan@ Sie schreiben doch nicht etwa aus dem Untergrund und in Gefahr, da Sie Ihren Beitrag zwei mal posten, habe ich hier Bedenken. Kann es sein Sie Sie unter Druck der Wertegemeinschaft, Abteilung Ukraine, stehen ?

  • Ja nun, was soll man dazu noch sagen? Putin lügt wie Bolle, dem glaubt sowieso niemand mehr. Das muss nicht ich extra noch schreiben, das ist bekannt.

  • Ja nun, was soll man dazu noch sagen? Putin lügt wie Bolle, dem glaubt sowieso niemand mehr. Das muss nicht ich extra noch schreiben, das ist bekannt.

  • Herr Maidan, Ihr Auftritt wäre fällig oder hat Sie Herr Putin geholt ?

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