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Serie: Coronomics – die Langfristfolgen der Pandemie Marodes Amerika: Trump und die Krise verschärfen die Infrastrukturprobleme

Kaputte Straßen, Netze und Brücken sind ein Dauerproblem der USA. Aber die Coronakrise und das Krisenmanagement des Präsidenten machen alles noch viel schlimmer.
22.07.2020 - 04:04 Uhr 2 Kommentare
Coronavirus: Pandemie verschärft Infrastruktur-Problem der USA Quelle: LAIF
Camden in New Jersey

Die Infrastrukturprobleme in den USA nehmen zu.

(Foto: LAIF)

Washington In den USA mögen viele Zukunftstechnologien erfunden worden sein. Doch im Vergleich dazu wirkte die Arbeit im US-Kongress zuweilen wie aus der Zeit gefallen. Vor Ausbruch der Pandemie transportierten Mitarbeiter und Hospitanten dort Papierstapel von Büro zu Büro, oder schlimmer noch: Sie gaben Gesetzesvorlagen auf USB-Sticks weiter, was die Verbreitung von Schadsoftware begünstigte.

Seit der Coronakrise ist das anders. Nicht genutzte Gelder flossen in Hard- und Software, binnen eines Monats wurde fast vollständig auf Telearbeit umgestellt. Fast alle Kongressbüros und Ausschüsse treffen sich virtuell.

Nur für die Abstimmungen muss man aktuell noch persönlich anreisen. „Lange gab es im Kongress geradezu archaische technische Prozesse. Jetzt gibt es zumindest Hoffnung auf Fortschritt“, schreibt die Washingtoner Denkfabrik Brookings.

Auf dem Capitol Hill beschleunigte Covid die Digitalisierung, so wie in vielen Unternehmen, Schulen und Universitäten. Die vorhandene digitale Infrastruktur wurde ausgereizt, mancherorts verbessert.

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    Doch was passiert mit der sonstigen Infrastruktur des täglichen Lebens, mit Straßen und Gebäuden, Wasserstraßen, Stromnetzen, Parks und Häfen? Ohnehin wurden diese Bereiche in den USA lange Jahre vernachlässigt.

    Seit Ausbruch der Pandemie – die USA sind weltweit das am stärksten von Covid-19 betroffene Land – hat sich die Lage drastisch verschärft. Das hat vor allem finanzielle Gründe. Durch die Massenarbeitslosigkeit sinken die Einnahmen für öffentliche Verkehrsmittel und Flughäfen. Das Geld fehlt, um Schlaglöcher auszubessern, Brücken zu warten und Gebäude zu sanieren.

    Insgesamt klafft in den Budgets der regionalen Verkehrsbehörden in diesem Sommer eine Lücke von 50 Milliarden US-Dollar. Ein Grund dafür ist auch der stark gedrosselte Bedarf an Kraftstoffen wie Benzin, denn die sogenannte „gas tax“ ist in normalen Zeiten eine verlässliche Einnahmequelle.

    Grafik

    Als die ersten Bundesstaaten im März eine Kontaktsperre verhängten, sank die Nachfrage von 407 Millionen Gallonen pro Tag auf knapp die Hälfte, den niedrigsten Wert seit fast 30 Jahren. In den letzten Wochen erholte sich die Nachfrage wieder, doch der Knick in der Jahresbilanz bleibt.

    Nach Angaben des Verbands American Road and Transportation Builders Association wurden bundesweit Bauarbeiten in Höhe von mehr als 8,5 Milliarden Dollar abgesagt oder verschoben. Und laut der Städtevertretung National League of Cities sind zwei Drittel aller Infrastrukturprojekte der Gemeinden blockiert.

    Warnung vor Stromausfällen

    Konkret heißt das, dass in einem Bundesstaat wie North Carolina bis auf Weiteres keine neuen Bauverträge mehr abgeschlossen werden. Oder dass in Columbus, der Hauptstadt von Ohio, der Bau einer Hauptverkehrsader in der Innenstadt stillsteht. Im Bundesstaat Missouri führt eine 60 Jahre alte Brücke über den Missouri River, die unter anderem zwei Ford-Werke miteinander verbindet.

    Sie wird mit Bundesmitteln erneuert, doch die Arbeiten drohen wegen der Pandemie eingefroren zu werden. Selbst Touristen-Hotspots wie der Walk of Fame in Hollywood, der generalüberholt werden sollte, muss erst mal auf den Baubeginn warten.

    Mancherorts könnten die ohnehin veralteten Stromnetze überlastet werden. Experten der Columbia-Universität warnen vor einem steigenden Risiko für Stromausfälle: Wo viele Menschen entweder von zu Hause aus arbeiten oder aufgrund von Arbeitslosigkeit und Lockdown zu Hause sitzen, wird viel Strom verbraucht. Dafür sind die Netze für Privathaushalte eigentlich nicht ausgelegt, schon gar nicht bei extremer Sommerhitze und Dauereinsatz der Klimaanlagen. 

    Finanzielle Entlastung, um solche Risiken abzufedern, ist nicht in Sicht. Vier Corona-Hilfspakete hat der US-Kongress bereits beschlossen, allein 500 Milliarden US-Dollar flossen als Direkthilfe an die Städte.

    Ein weiteres Paket könnte im Juli verabschiedet werden, doch die Konkurrenz um Gelder ist riesig: Kleinunternehmer, Arbeitslose und Gesundheitsämter warten auf eine Finanzspritze.

    Lobbyunterstützung bekommen Städte und Gemeinden von der Stahlindustrie: In dieser Woche schlossen sich alle großen Stahlverbände der USA zusammen und forderten den Kongress in einem Brandbrief auf, ein Infrastrukturpaket zu verabschieden.  

    Die Baubranche hat ein Nachwuchsproblem

    Die Vergangenheit gibt wenig Anlass zur Annahme, dass ein solches Paket die politischen Grabenkämpfe übersteht. Das Problem bröckelnder Infrastruktur besteht nicht erst seit der Coronakrise. Doch die Frage der Finanzierung wurde seit mehr als zehn Jahren nicht angepackt. Die Ankündigung einer „Infrastructure Week“ ist ein beliebter Witz in Washington, denn eine Zeit lang rief das Weiße Haus gefühlt alle paar Tage eine solche „Infrastruktur-Woche“ aus.

    Doch auch unter Präsident Donald Trump, der sein Vermögen in der Baubranche machte und im Wahlkampf 2016 Infrastruktur zur Priorität erklärte, kam nichts voran. Laut dem amerikanischen Berufsverband für Bauingenieure fehlen den USA in den kommenden zehn Jahren zwei Milliarden US-Dollar, um marode Brücken, Straßen oder Schienen zu reparieren und in neue Infrastruktur zu investieren.

    Lange gab es im Kongress geradezu archaische technische Prozesse. Jetzt gibt es zumindest Hoffnung auf Fortschritt. Washingtoner Denkfabrik Brookings

    Langfristig gedacht fehlt nicht nur Geld, denn der Knochenjob auf dem Bau wird immer unattraktiver. Brookings rechnet mit fast drei Millionen Arbeitern im Baugewerbe, die in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand gehen und nur zu einem Bruchteil ersetzt werden.

    Im laufenden US-Wahlkampf ist ein Konsens noch unwahrscheinlicher, denn das Thema spaltet die Lager: progressiv gegen konservativ, grün gegen traditionell. Der demokratische Kandidat Joe Biden legte gerade einen Zwei-Billionen-Dollar-Plan vor, der eine Infrastruktur-Reform mit sauberer Energiewirtschaft und Bekämpfung des Klimawandels verknüpft.

    Als Präsident will er breite Standards für grüne Energie, hohe Investitionen in energieeffiziente Gebäude und eine halbe Million staatlich geförderter Elektroauto-Ladestationen. Die Finanzierung ist nur zum Teil geklärt, Biden hat sich aber für höhere Unternehmensteuern und eine Vermögensteuer ausgesprochen.

    Grüne Infrastruktur? Nicht in den USA

    Trump hingegen will Energie- und Infrastrukturprojekte beschleunigen, um die von der Pandemie geschwächte Wirtschaft anzukurbeln. Vergangene Woche griff er zur größten Deregulierungsmaßnahme seiner bisherigen Amtsperiode: Bauprojekte des Bundes wie Autobahnen, Pipelines und Kraftwerke sollen künftig nur noch eingeschränkt Umweltprüfungen vorlegen müssen. Vor allem die Öl- und Gasindustrie, aber auch Baufirmen hatten lange für eine Neuregelung geworben.

    Investitionen in grüne Infrastruktur, wie zum Beispiel erneuerbare Energien, sind damit in den USA zunehmend unerwünscht – was dem weltweiten Trend, etwa in Teilen Europas, zuwiderläuft. Die Pandemie habe international „ein Umfeld geschaffen, in dem eine umfassende Transformation unserer Wirtschaft nicht nur möglich, sondern auch unabdingbar ist“, schreibt die Beratungsagentur Fitch Solutions.  

    Lichtblicke findet man aktuell nur im Kleinen. Einige Bauprojekte, berichten Regionalmedien, gehen jetzt schneller voran, weil leere Straßen leichter abgesperrt werden können. Viele Restaurants nutzten die Phase des Lockdowns auch für einst aufgeschobene Arbeiten an ihren Gebäuden.

    Und die US-Hauptstadt Washington wurde kreativ, um mehr Platz für Quarantäne-gestresste Bürger zu schaffen. In der grünen Lunge der Stadt, dem Rock Creek Park, sind einige Straßenabschnitte dauerhaft für Autos gesperrt. Dort teilen sich nun Jogger, Mountainbiker und Spaziergänger die Fahrspuren in Corona-konformem Abstand.

    Mehr: Wie Frankreich die europäische Wirtschaft krisenfester machen will.

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    Mehr zu: Serie: Coronomics – die Langfristfolgen der Pandemie - Marodes Amerika: Trump und die Krise verschärfen die Infrastrukturprobleme
    2 Kommentare zu "Serie: Coronomics – die Langfristfolgen der Pandemie: Marodes Amerika: Trump und die Krise verschärfen die Infrastrukturprobleme"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "In den USA mögen viele Zukunftstechnologien erfunden worden sein..." aber das Energieversorgungsnetz und die Oberlandleitungen sind einfach katastrophal. Es wird Zeit, das Investoren hier endlich einsteigen und neueste Technologien einführen. Potentielle Investoren sollten dringend von den Patenten und Lizenzen der Berliner Neutrino-Energy Group informiert werden. In Russland hat man das Thema der Energiefrage bereits neu damit geplant und auf die Titelseite des "Moskauer Express" präsentiert. . Prof. KRAUSE, einstiger Bundesverkehrsminister a.D., gibt gerade sein neues Buch "Das ewige Licht" heraus und wird an der Moskauer Universität Neutrino-Technologie dozieren. Die günstigste und sauberste Variante basiert auf der Neutrino Technologie. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos ist jetzt machbar. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Sie sind in der Lage, sowohl Geräte als auch einzelne Haushalte und Elektroautos ohne Anschluss an eine zentrale Stromversorgung vollständig mit Strom zu versorgen. Mobile und dezentrale Haushaltsenergie sowie unendliche Reichweiten für die Elektromobilität werden unser Leben weltweit positiv wandeln. Deutsche Ingenieure, Russische Investoren und bald an der amerikanischen Börse zum Ende des Jahres, Neutrino-Energy wird uns weltweit in naher Zukunft versorgen.

    • Aus welchem Jahrhundert ist denn das Foto, das Sie da zur Illustration der "maroden Infrastruktur" verwenden? Heute schaut das so aus: https://goo.gl/maps/4BjetFBaAAqvL59y6 . Da stehen inzwischen Bäume am Straßenrand, viele Häuser sind renoviert, der Liquor-Shop ist verschwunden. Das Foto muss Jahrzehnte alt sein.
      Und ja - es ist dieselbe Stelle, wie man an vielen Details erkennen kann. Natürlich stimmt die Grundaussage der Überschrift - aber bei sorgfältigem Journalismus könnte man eine Prüfung der Aktualität von Fotos schon erwarten. Wenn der Rest Ihrer Zeitung genauso gut recherchiert ist, dann gute Nacht.

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