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Serie: Coronomics – Die Langfristfolgen der Pandemie Vietnam positioniert sich als Alternative zu China

Die Coronakrise führt Unternehmen vor Augen, wie riskant es ist, Lieferketten von einzelnen Ländern abhängig zu machen. Dem kommunistischen Land könnte diese Entwicklung besonders nutzen.
14.08.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Das gute Corona-Management und viele Handelsabkommen mit anderen Ländern haben das Ansehen des Landes bei internationalen Investoren gestärkt. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Ventilatoren-Produktion in Hanoi

Das gute Corona-Management und viele Handelsabkommen mit anderen Ländern haben das Ansehen des Landes bei internationalen Investoren gestärkt.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Bangkok Dem Klebebandhersteller Tesa wird es in China zu eng. Spätestens in fünf Jahren dürfte das Werk in Suzhou an seine Kapazitätsgrenzen stoßen, erwartet die Beiersdorf-Tochter. Doch statt die Fabrik in Schanghais Nachbarstadt ein weiteres Mal auszubauen, setzt das Unternehmen aus Norderstedt lieber auf einen ganz neuen Standort: Im Norden Vietnams will Tesa ein 70.000 Quadratmeter großes Werk errichten, das 2023 mit der Produktion starten soll.

Die Entscheidung dafür fiel im Mai. „Dass Tesa in Zeiten von Corona eine Investition in Höhe von rund 55 Millionen Euro tätigt, ist ein starkes Signal der Anteilseigner für die Zukunft“, sagte Konzernchef Norman Goldberg.

Tesa ist mit der Entscheidung für Vietnam nicht allein. Das südostasiatische Land hat sich in den vergangenen Jahren zur gefragten Option für Unternehmen entwickelt, die ihr Produktionsnetz in Asien breiter aufstellen wollen. Die Coronakrise verstärkt den Trend: Produktionsausfälle nach Lockdowns haben den Managern von Lieferketten die Gefahr vor Augen geführt, sich zu sehr von einzelnen Ländern abhängig zu machen. Die Zuspitzung in der geopolitischen Auseinandersetzung zwischen den USA und China unterstreicht dies zusätzlich.

Die Länder der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean, zu der Vietnam gehört, sehen sich dabei in einer guten Position, von der Entwicklung zu profitieren. Während die Warenströme zwischen China auf der einen Seite und Europa und den USA auf der anderen Seite laut einer Analyse des Beratungsunternehmens BCG in den kommenden drei Jahren deutlich zurückgehen werden, rückt Südostasien zunehmend ins Zentrum der Globalisierung.

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    Das Handelsvolumen Südostasiens mit Europa und den USA wird demnach bis Ende 2023 um je mehr als 20 Milliarden Dollar wachsen. Der Warenverkehr zwischen Südostasien und China soll sogar um mehr als 40 Milliarden Dollar ansteigen, heißt es in der Ende Juli veröffentlichten Studie.

    Höchste Wachstumsrate in Südostasien

    Dem rund 100 Millionen Einwohner großen Vietnam werden besonders gute Aussichten eingeräumt, die Entwicklung für sich zu nutzen. Nach Prognosen des Internationalen Währungsfonds kann das Land in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von knapp drei Prozent rechnen – und steht damit so gut da wie kein anderes Land der Region. Weltweit dürfte die Wirtschaftsleistung nach Prognosen des IWF um drei Prozent schrumpfen. Die Regierung in Hanoi peilt sogar einen Zuwachs von mehr als fünf Prozent an – auch, weil das Land mithilfe eines entschlossenen Vorgehens der Behörden die Corona-Pandemie vergleichsweise gut unter Kontrolle brachte.

    Trotz der Viruskrise gingen die neuen ausländischen Direktinvestitionen im ersten Halbjahr im Vergleich zu den besonders hohen Zuflüssen im Jahr 2019 nur leicht zurück. In Vietnams Sonderwirtschaftszonen, in denen sich ein großer Teil der ausländischen Investoren ansiedelt, wird der Platz für neue Fabriken zunehmend knapp. Im Süden des Landes – dem wirtschaftlichen Zentrum – stiegen die Quadratmeterpreise für Pachtverträge im zweiten Quartal um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Wirtschaftsmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt will die Lage entschärfen und verspricht, bis zum Ende des Jahres die Industrieflächen fast zu verdreifachen.

    Grafik

    Ein Grund für das steigende Interesse ausländischer Investoren an Vietnam ist der 1.400 Seiten lange Freihandelsvertrag zwischen der EU und dem Land, der seit 1. August in Kraft ist. Es ist das umfassendste Handelsabkommen, das die Europäer jemals mit einem Schwellenland abgeschlossen haben. In den kommenden Jahren soll es schrittweise die Zölle auf 99 Prozent der gehandelten Waren abschaffen. In Südostasien hat ansonsten nur der Stadtstaat Singapur ein Freihandelsabkommen mit der EU.

    Europäische Unternehmen, die in Asien produzieren wollen, können durch den Vertrag auf Kostenvorteile hoffen: „Wir sind sicher, dass Vietnam nicht nur als Investitionsstandort attraktiver wird, sondern nun auch beim Aufbau alternativer Lieferketten immens an Bedeutung gewinnen wird“, sagt Marko Walde, der die deutsche Auslandshandelskammer in Vietnam leitet.

    Das Land öffnet sich nicht nur Richtung Europa für den Freihandel. Mit dem transpazifischen Handelspakt CPTPP ist Vietnam seit 2018 in einer Freihandelszone mit Ländern wie Japan, Kanada und Mexiko. Außerdem beteiligt sich Vietnam an den Verhandlungen über die regionale Freihandelszone RCEP, die auch China und Australien einschließen soll. Im Gespräch ist auch ein Freihandelsvertrag mit den USA.

    Apple und Google setzen auf Vietnam

    Vietnams Offenheit für die Globalisierung hat bereits zahlreiche große Konzerne in das kommunistisch regierte Land gelockt. Der iPhone-Hersteller Apple verlegte rund ein Drittel seiner Produktion kabelloser Kopfhörer von China nach Vietnam. Auch Google und Microsoft haben nach einem Bericht des japanischen Wirtschaftsmagazins „Nikkei Asian Review“ in diesem Jahr ihre Pläne beschleunigt, einen Teil ihrer Hardware-Produktion von China nach Vietnam zu verlegen. Für den Smartphone-Hersteller Samsung ist das Land, das lange primär für Schuh- und Textilproduktion bekannt war, schon seit Jahren der wichtigste Produktionsstandort. Mehr als die Hälfte der Telefone des koreanischen Herstellers entsteht in vietnamesischen Fabriken.

    Die zunehmende Produktionsverlagerung internationaler Konzerne wirkt wie ein sich selbst verstärkender Effekt: Klebstoffspezialist Tesa begründet etwa seine Entscheidung für den Standort Vietnam auch damit, dass sich zuletzt zunehmend wichtige Kunden des Unternehmens aus der Elektronik- und Automobilindustrie in dem Land angesiedelt hätten.

    „Vietnam profitiert zunehmend von den Skaleneffekten durch die hohen Direktinvestitionen der vergangenen Jahre“, sagt Le Anh Tuan, Forschungsleiter beim Investmentunternehmen Dragon Capital. Diese hätten die Wettbewerbsfähigkeit des Landes als Produktionsstandort weiter erhöht.

    Er verweist aber auch auf Probleme: Die schlechte Infrastruktur des Landes habe ein schnelleres Wachstum der Fabriken lange ausgebremst. Aber: „Covid-19 hat die Regierung dazu gebracht, dem Infrastrukturausbau in ihrem Konjunkturprogramm Priorität zu geben“, sagt Tuan. Er glaubt, dass dies Vietnams Wachstumspotenzial im kommenden Jahrzehnt weiter erhöht.

    Der Ökonom erwartet auch, dass Vietnams Erfolg im Umgang mit dem Coronavirus der Reputation des Landes bei ausländischen Investoren helfen wird: Bisher verzeichnete Vietnam weniger als 1.000 bestätigte Infektionen und weniger als zwei Dutzend Todesfälle. „Das Land hat seine Fähigkeit bewiesen, mit externen Risiken umzugehen und Stabilität zu bewahren“, sagt Tuan.

    Mehr: Mysteriöser Virusausbruch beendet Vietnams Corona-Wunder.

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