„Sewol“-Fährkatastrophe Das Wrack der „Sewol“ soll geborgen werden

Ein Jahr ist es her, als die überladene Fähre „Sewol“ vor der Insel Jindo in Südkorea sank. Mehr als 300 Menschen kamen damals ums Leben. Die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye will die Fähre nun heben lassen.
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Das Wrack der „Sewol“ soll geborgen werden. Quelle: dpa

Das Wrack der „Sewol“ soll geborgen werden.

(Foto: dpa)

SeoulAm Jahrestag der „Sewol“-Fährkatastrophe in Südkorea hat die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye die Hebung des Schiffswracks angekündigt. Park versprach am Donnerstag bei einem Besuch auf der Insel Jindo, in deren Nähe die Fähre gesunken war, die „Sewol“ werde zum „frühestmöglichen Zeitpunkt“ gehoben. Angehörige der Opfer weigerten sich, die Präsidentin zu treffen. Die Familien verlangen eine unabhängige Aufklärung des Unglücks. Sie werfen der Regierung unter anderem vor, Schlüsselpositionen im Untersuchungskomitee mit Vertretern des Schifffahrtsministeriums besetzt zu haben.

Die Hebung des Wracks war von den Angehörigen gefordert worden, um die neun noch vermissten Opfer zu bergen. Zunächst gab es keine Reaktion der Familien auf die Ankündigung der Präsidentin. Der Bergungseinsatz soll schätzungsweise 120 Milliarden Won (104 Millionen Euro) kosten.

Schiffsunglücke, bei denen Kapitäne versagt haben
Journalists ask Lee Joon-seok, captain of South Korean ferry "Sewol." questions s Lee walked out of court in Mokpo
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Der Kapitän der havarierten südkoreanischen Fähre „Sewol“ ist wegen Totschlags angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den 68-Jährigen Lee Jun Seok unter anderem, gegen die Dienstpflichten und das Seerecht verstoßen zu haben. Er soll zum Unglückszeitpunkt nicht nur eine unerfahrene Offizierin ans Steuer der Fähre, sondern das sinkende Schiff anschließend auch im Stich gelassen haben. Ihm droht im schlimmsten Fall die Todesstrafe. Die „Sewol“ war Mitte April 2014 mit 476 Menschen an Bord vor der südkoreanischen Küste gesunken. Über 280 Menschen starben, die meisten Passagiere waren Schüler auf einer Klassenfahrt.

huGO-BildID: 36530988 A South Korean coastguard boat returns from the accident site with relatives of victims who were on board the capsized South Ko
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Die Auto- und Personenfähre war aus ungeklärter Ursache in Seenot geraten und dann innerhalb von drei Stunden fast vollständig gesunken. Nach jüngsten Angaben der Behörden wurden mehr als 100 Tote aus dem gesunkenen Schiff oder im Wasser um das Wrack geborgen, fast 200 der 476 Insassen gelten noch immer als vermisst. Überlebende berichteten, der Kapitän habe das Schiff als einer der ersten verlassen. Zudem war den Passagieren zunächst über Lautsprecher mitgeteilt worden, sich nicht zu rühren – da war das Schiff bereits in starke Seitenlage geraten.

Es ist nicht das einzige Schiffsunglück der jüngsten Zeit, bei dem der Kapitän für die Tragödie verantwortlich gemacht wird...

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Der Untergang der südkoreanischen Fähre weckt Erinnerungen an die „Costa-Concordia“-Tragödie im Januar 2012. Kurz bevor die „Concordia“ vor der Insel Giglio auf Grund lief, feierte Kapitän Francesco Schettino noch mit Freunden. Zwar war er zum Unglückszeitpunkt auf der Brücke, doch ob er tatsächlich die Kontrolle hatte, ist unklar. Experten gehen davon aus, dass das Schiff zu schnell fuhr, als dass ein Crash noch hätte verhindert werden können. Das Kommando zum Zeitpunkt des Unglücks soll eine Untergebene im Rang des dritten Offiziers geführt haben.

huGO-BildID: 35629449 Captain Francesco Schettino arrives for a briefing prior to boarding the wreck of the Costa Concordia cruise ship, just off the
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Schettino muss sich derzeit vor Gericht verantworten. Auch ihm wird vorgeworfen, das sinkende Schiff frühzeitig verlassen zu haben. Zudem soll die Crew der „Concordia“ ebenfalls zu spät beschlossen haben, das Schiff zu evakuieren. Bei dem Unglück starben 32 Passagiere. Unter den Todesopfern waren auch zwölf Deutsche.

huGO-BildID: 9512308 An approximately 90-foot long gash stretches along the hull of the Cosco Busan as cargo is unloaded in Oakland, Calif., on Satur
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Im November 2007 rammte die „Cosco Busan“ einen Pfeiler der Bay Bridge zwischen San Francisco und Oakland. Aus den aufgerissenen Tanks liefen mehr als 220.000 Liter Öl ins Meer. Mindestens 2000 Vögel starben durch die massive Verschmutzung. Hunderte Helfer und Dutzende Boote waren im im Einsatz, um den Ölteppich einzudämmen und Strände zu säubern. Der Kapitän wurde später zu zehn Monaten Haft verurteilt.

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Kurz nach Verlassen des Hafens nahm das Unglück der „Al Salam Boccaccio 98“ seinen Lauf. Im Fahrzeugdeck brach ein Brand aus, Kohlendioxid-Feuerlöscher waren nicht verfügbar. Um die Flammen zu bekämpfen, soll die Mannschaft viel Wasser an Bord geholt haben – ein fataler Fehler, denn das zusätzliche Gewicht brachte das Schiff im Februar 2006 letztlich zum Kentern. Von den 1.414 an Bord befindlichen Personen starben mehr als 1.000. Die ägyptische Regierung machte den Kapitän für das Unglück verantwortlich, weil er zu spät ein Notsignal gesendet habe.

EXPRESS SAMINA
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81 von rund 560 Menschen an Bord starben bei dem Unglück der „Express Samina“. Die griechische Fähre lief im September 2000 vor der Insel Paros auf ein Riff und sank. Ein Gericht wies Kapitän Vassilis Yiannakisits (hellblaues Shirt) die Schuld zu: Er schaute gemeinsam mit dem zur Schicht eingeteilten ersten Offizier in einer Schiffbar das Fußballspiel Hamburger SV gegen Panathinaikos Athen. Der Schiffsführer wurde wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung zu einer Haftstrafe von 16 Jahren verurteilt.

Mehr als hundert Angehörige hatten den Unglücksort am Mittwoch besucht. Sie wurden mit einem Boot zu der Stelle gebracht, an der das Schiff am 16. April vergangenen Jahres mit 476 Menschen an Bord gesunken war. Die Hinterbliebenen streuten weiße Blumen ins Meer und ließen kleine, gelbe Papierboote zu Wasser. Außerdem warfen sie Lieblingssüßigkeiten ihrer Kinder ins Wasser.

Die überladene Fähre war vor der Insel Jindo gekentert. Dabei ertranken mehr als 300 Menschen, die meisten der Opfer waren Schüler. Das Unglück hatte in Südkorea große Empörung hervorgerufen. Der Kapitän wurde im November zu einer 36-jährigen Haftstrafe verurteilt, weitere führende Besatzungsmitglieder erhielten ebenfalls langjährige Gefängnisstrafen.

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